Jörg Ganzenmüller

Infolge der deutschen Belagerung Leningrads starben rund eine Million Menschen. Anders als Stalingrad spielte das Thema in der deutschen Erinnerung über Jahrzehnte kaum eine Rolle. Es dominierten andere Narrative: in der Bundesrepublik das vom sauberen Krieg der Wehrmacht, deren “Blitzkrieg” vor Leningrad scheiterte und die zur Belagerung als vermeintlich “unbestrittener Methode der Kriegführung” griff; in der DDR wurde das Leid der Bevölkerung zwar erwähnt, doch dem sowjetischen Heldennarrativ untergeordnet. Leningrad wurde so zum Symbol im Klassenkampf zwischen Sowjetmacht und Großkapital. Eine Geschichte, die der Opfer gedachte, wurde selten erzählt. Erst in jüngster Zeit findet die Blockade Leningrads ihren Platz im deutschen Gedächtnis.

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