Boguslaw Bakula

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15 December 2009

Die Last der Freiheit

Das Jahr 1989 markiert für Polen die Rückkehr von der sozialistischen Entfremdung zum eigenverantwortlichen Umgang mit der Geschichte. Dieser Umbruch war von Euphorie getragen, er brachte aber auch Risiken, Brüche und Belastungen mit sich. Die historische Herausforderung lag nicht zuletzt darin, die kulturellen Sphären der Dissidenz, des Exils und der offiziellen Politik wieder miteinander zu verbinden. Die Debatten der 1990er Jahre stellten das tradierte polnische Selbstbild oft fundamental in Frage. Die Kultur hat durch diese Debatten aber an Freiraum gewonnen.

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Der in der Ukraine geborene polnische Dichter und Prosaist Jaroslaw Iwaszkiewicz, in dessen umfangreichem Werk sich das europäische Bewußtsein des 20. Jahrhunderts widerspiegelt, wandelte zeit seines Lebens zwischen zwei Welten: zwischen Ost- und Westeuropa. Kiev und Petersburg, zwei Metropolen im östlichen Teil des Kontinents, galten Iwaszkiewicz als Symbole einer schwierig zu bewerkstelligenden Einheit zwischen West und Ost, Jugend und Lebensabend, Leben und Tod. Gleichzeitig waren sie ihm aber auch Anlaß, sich historischen, metaphysischen und ethischen Fragestellungen zu nähern. Kiev taucht in seiner Dichtung als Pforte zum Osten und als Ort dichterischer Initiation auf. Petersburg erscheint hingegen als Ort dunkler Mächte und fatalistischer Geschichte – als ein Ort, an dem die eigene Existenz und Identität einer anhaltenden Bedrohung ausgesetzt sind.

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