Kleine Magazine, große Hoffnungen

11 March 2015
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Kleine Literaturmagazine waren die Leitmedien der literarischen Moderne. In jüngerer Zeit ist das philologische Interesse an ihnen wieder markant gestiegen. Das hat zwei Ursachen: eine technologische und eine theoretische. Einerseits erlaubt es die digitale Revolution, mit einer grossen Menge von ausgezeichnet reproduzierten und teilweise auch seltenen Ausgaben am eigenen Rechner zu arbeiten. Auf diese Weise lassen sich umfangreiche Textkorpora der modernen Literatur- und Ideengeschichte ohne grössere Zugangshürden mit Instrumenten wie der Volltextrecherche studieren.

Andererseits hat die digitale Loslösung der literarischen Texte von ihrer papiernen Materialität dazu geführt, dass sich in den Philologien ein neues Sensorium für die Trägermedien der Literatur entwickelt hat. Ausgehend von den Impulsen wegweisender Studien wie George Bornsteins Material Modernism (2001) belegen literaturwissenschaftliche und buchhistorische Forschungen zur modernen Magazinkultur immer eindrücklicher, dass literarische Texte im Medium der Zeitschrift ganz andere Bedeutungseffekte haben als in den gediegenen philologischen Gesamtausgaben.

Auf der Grundlage der digital getriebenen Veränderungen in der Forschungslandschaft haben die Briten Peter Brooker und Andrew Thacker seit 2006 an einer mehrbändigen kollaborativen Geschichte des modernen Literaturmagazins gearbeitet, die von den ersten Zeitschriftenprojekten der Präraffaeliten in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu den akademisch geprägten und zunehmend universitär finanzierten Zeitschriften der 1950er Jahre reicht. Vor kurzem haben die beiden ihre nun auf insgesamt 3500 Seiten angewachsene Monumentalgeschichte vollendet.1

Gegen die Witzblätter für Bierbürger

In deren Zentrum stehen die “little magazines”: Literaturzeitschriften, die nicht primär kommerziell orientiert waren, über eine leitende ästhetische oder intellektuelle Programmatik verfügten, an erster Stelle an einen kleineren Kreis von informierten Kennern adressiert waren, gleichwohl aber auch auf eine grössere kulturinteressierte Öffentlichkeit wirken wollten.

Die kleinen Literaturmagazine der Moderne richteten sich ausdrücklich gegen die bürgerliche Magazinkultur, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fest etabliert hatte. Ganz in diesem Sinne kritisiert der expressionistische Dichter Albert Ehrenstein im November 1913 in einer polemischen Betrachtung über den Zustand der zeitgenössischen Literatur die “grossen, dicken Schmalzrevuen” und “fettig materialisierten Rundschauen”. Sie seien nicht viel mehr als “prüdeste Monatshefte” und “Witzblätter” für “Bierbürger”. Ambitionierte Literatur fand sich laut Ehrenstein nur in den “kleinen Literaturblättern” – wie etwa in Der Sturm, in dem seine Polemik erschienen ist.

Photo: Phil Gyford. Source:Flickr

Tatsächlich haben sich die kleinen Literaturblätter in höchstem Masse um die Literatur der Moderne verdient gemacht. Selbst ein modernistisches Zentralmassiv wie James Joyce’ Ulysses erschien zuerst in der programmatisch “kleinen” Little Review, laut Untertitel ein “Magazin der Künste, das mit dem öffentlichen Geschmack keine Kompromisse eingeht”.

The Little Review druckte den Ulysses nicht nur vom Frühjahr 1918 bis Winter 1920 als eine Art radikalmodernen Fortsetzungsroman, sondern publizierte parallel dazu kritische Kommentare, um das erratische Werk durch eine diskursive Rahmung überhaupt rezipierbar zu machen.

Karl Marx lesen und rauchen

Die massive Geschichte Brookers und Thackers folgt einer Darstellungsstrategie, die für weite Teile der philologischen Forschung zur literarischen Zeitschriftenlandschaft der Moderne und selbst für soziologisch ausgerichtete Analysen der “little magazines” (wie etwa das entsprechende Kapitel in Lewis Cosers Men of Ideas von 1965) charakteristisch ist: Sie sammelt Fallstudien. Befasst man sich mit der Fülle an detaillierten Einzelstudien in den Bänden der Oxford History, so lassen sich interessante vergleichende Beobachtungen zur literarischen Magazinkultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machen.

Während sich die britischen “little magazines” häufig dadurch von den grossen, für einen bürgerlichen Massenmarkt produzierten Magazinen abgrenzten, dass sie die Preise für die Exemplare sehr hoch ansetzten und keine Werbeanzeigen schalteten, scheinen die nordamerikanischen kleinen Magazine in der Regel deutlich weniger Abgrenzungsbedarf zum kommerziellen Magazinmarkt gesehen zu haben und druckten auch häufig Werbung.

Hier waren die “little magazines” dann selbst Teil des kommerziellen Aufschwungs des Magazinmarkts, den sie vehement kritisierten. Selbst in linken intellektuellen amerikanischen Magazinen wie The Masses wurde für Zigarren geworben – allerdings für ideologisch unbedenkliche Karl-Marx-Zigarren, deren Erlöse sozialistischer Propaganda dienten.

Selbst die reklamekritischen Zeitschriften wiesen aber meist Werbung für Zeitschriften befreundeter Literaten und Künstler auf und stellten auf diese Weise ihr eigenes Netzwerk aus. Auf publizistische und finanzielle Verbündete waren die kleinen Zeitschriften auch angewiesen. Ihre Finanzierung war ohne die privaten Mittel des Herausgebers oder befreundeter Mäzene kaum möglich. In Nordamerika lässt sich im Gegensatz zu Europa zudem früh eine Bereitschaft der Universitäten erkennen, eine institutionelle Patronage zu betreiben – wobei sich hier vor allem literarische Zeitschriften eignen mochten, die einen stärker akademischen Zugriff auf Literatur pflegten, und nicht alternative oder gegenkulturelle Magazine, die schon allein aufgrund des Titels nicht fördertauglich erscheinen konnten wie etwa das im New York der 1960er Jahre mithilfe eines Mimeografen gedruckte Magazin Fuck you.

Wie die Artikel der Oxford History zeigen, florierten die Magazine der Moderne in einem Soziotop von kleinen Verlagen und Galerien, unabhängigen Buchhandlungen und literarischen Cafés, Clubs und Cabarets. Die Beobachtung der literarischen Zeitschriften der Moderne ist deshalb ein wichtiger Teil einer Mikrosoziologie ästhetischer Innovation.

Photo: Phil Gyford. Source:Flickr

Eine grosse Leistung des Kompendiums besteht darin, sichtbar zu machen, dass sich diese Zeitschriftenkultur keineswegs nur in den Metropolen etabliert hat. Neben London, Paris, Mailand, München oder Berlin werden auch Kiel, Ljubljana, Zagreb oder Poznan untersucht. Auch im Hinblick auf den amerikanischen Modernismus heben die Bände das Zeitschriftenwesen in den kleinstädtisch und ländlich geprägten Regionen jenseits der Zentren New York und Chicago hervor. Auf diese Weise wird sichtbar, wie stark in der Zeitschriftenkultur der Moderne programmatischer Kosmopolitismus und faktischer Regionalismus ineinander verschlungen waren.

Während die Bände zu Grossbritannien, Irland und Nordamerika ein äusserst differenziertes Bild der Moderne im Medium der Zeitschrift entwerfen, ist der Blick auf die kontinentaleuropäische Zeitschriftenkultur eingeschränkter – vielleicht auch, weil hier für die einzelnen Nationalkulturen weniger Raum zur Verfügung stand. Die Beiträge über die deutsche Zeitschriftenmoderne setzen ihre Schwerpunkte auf expressionistische und dadaistische Zeitschriften und verzichten weitgehend auf literarisch-künstlerische Strömungen, die ein avantgardekritisches oder antimodernes Profi l aufwiesen. So findet sich auf den 1500 Seiten, die Kontinentaleuropa gewidmet sind, kein Hinweis auf Stefan Georges Blätter für die Kunst und nur eine beiläufige Erwähnung der Zeitschrift Die Insel von Otto Julius Bierbaum.

Das ist nicht nur ein Problem, weil damit eine nichtavantgardistische Moderne aus dem Blickfeld rückt, sondern auch, weil es sich schwer mit dem Ziel der Herausgeber vereinbaren lässt, das “Feld der Periodika” der Moderne analog zu Pierre Bourdieus Untersuchungen des “literarischen Feldes” zu kartografieren. Da kulturelle Felder Bourdieu zufolge relational und differentiell strukturiert sind, wird man das expressionistische Zeitschriftenwesen nur schwer angemessen verorten können, wenn man die Beziehungen und Abgrenzungsgesten zu den Publikationsorganen ausblendet, die abweichende intellektuelle und ästhetische Affiliationen aufweisen.

Funktionen des kleinen Formats

Den Protagonisten der literarischen Moderne, die selbst nicht selten Herausgeber von literarischen Zeitschriften waren, erschienen die “little magazines” als eine spezifische Innovation ihrer Epoche. Dieses Bild wurde von ihnen dann auch in rückblickenden Selbsthistorisierungen gefestigt – etwa von Ezra Pound in einer im November 1930 publizierten kleinen Geschichte der Small Magazines in The English Journal. Aber waren die Literaturzeitschriften der Moderne als Medien literarischer Kommunikation wirklich so neu?

Wenigstens in der deutschen Literatur- und Ideengeschichte sind grosse ästhetische und intellektuelle Umschwünge häufig mit Zeitschriftenprojekten verbunden gewesen. Und das nicht erst in der “emphatischen Moderne” (Kittsteiner) seit etwa 1880. Bereits die literarische und intellektuelle Aufklärung ist im deutschsprachigen Raum eng verbunden gewesen mit dem Publikationsmodell der “Moralischen Wochenschriften”. Und die ästhetischen Innovationen von Romantik und Klassik wären, wie Ernst Osterkamp in der Zeitschrift für Ideengeschichte (Nr. 2, 2007) skizziert hat, undenkbar ohne die programmatischen Zeitschriften von Friedrich Schlegel, Tieck und Kleist, von Karl Philipp Moritz, Goethe und Schiller.

Sicherlich: Im Gegensatz zu den Magazinformaten der modernen Zeitschriften orientierten sich die Zeitschriften Goethes und Schillers noch weitgehend am Buchformat. Während literarische Zeitschriften um 1800 zudem zum Verwechseln ähnlich formatiert sein konnten, auch wenn sie antagonistische Zielsetzungen verfolgten, wurden um 1900 typografische Einrichtung und materielle Ausstattung zu einem Kennzeichen der ästhetischen und intellektuellen Programmatik des Organs, wie die über 500 Abbildungen belegen, die in der Oxford History abgedruckt sind. Auch entstand die kommerzielle bürgerliche Magazinkultur, von der sich die “little magazines” ostentativ abgrenzten, erst im Laufe des 19. Jahrhunderts.

In funktionaler Hinsicht sind die Ähnlichkeiten etwa zur romantischen Zeitschrift allerdings frappierend. Das Athenaeum, das die Brüder Schlegel 1798 gründeten, war, genau wie die “little magazines”, nicht am kommerziellen Erfolg orientiert, verfügte über eine leitende ästhetische und intellektuelle Programmatik und adressierte primär einen beschränkten Kreis von gebildeten Kennern. Weiterhin erhob es den unbedingten Anspruch auf ästhetische Innovation und war eingebettet in bereits bestehende literarisch- künstlerische Netzwerke. Schliesslich wurde das Athenaeum im dritten Erscheinungsjahr eingestellt und wies damit die – wie Brooker und Thacker berechnen – typische Laufzeit eines “little magazines” von zwei bis drei Jahren auf. Kleine ästhetisch-intellektuell ausgerichtete Magazine scheinen also nicht nur in der literarischen Kultur der Moderne, sondern auch im kulturellen Feld anderer Epochen wichtige Funktionen zu übernehmen.

Sie sind Publikationsorgane mit niedrigen finanziellen und symbolischen Einstiegsschwellen für Herausgeber, die nicht bereits in der Verlagslandschaft etabliert sein müssen. Sie erlauben jungen oder neuen Schriftstellern, die noch nicht in den Buchmarkt der grossen Verlage integriert sind, mit kurzen und experimentellen Texten auf sich aufmerksam zu machen. Sie etablieren eine Öffentlichkeit für theoretisch und ästhetisch innovative Positionen, die in gängigen Zeitschriften und Verlagen noch kein Forum finden. Sie können, wenn sich der publizistische Erfolg nicht einstellt oder sich die ästhetisch- ideologische Lage verändert, schnell umgestaltet oder eingestellt werden. Und schliesslich können sie, gerade weil sie so “klein” sind, immer beanspruchen, sich ausserhalb des kulturellen Mainstreams zu bewegen: einfach viel zu verfeinert und exklusiv oder zu radikal und oppositionell für das “grosse” Publikum.

Diese Funktionen des kleinen Formats lassen sich selbst noch an erfolgreichen jüngeren nordamerikanischen Magazingründungen wie n+1 beobachten, deren grosse Resonanz es einer Gruppe bis dahin unbekannter Absolventen der Eliteuniversitäten erlaubte, in den etablierten Kulturbetrieb vorzudringen.

Ästhetik und Intellektualität

Vergleicht man die literarische und künstlerische Zeitschriftenmoderne, die in den telefonbuchdicken Bänden von Brooker und Thacker präsentiert wird, mit unserer heutigen Zeitschriftenkultur, so springt vor allem die aktuelle Entkoppelung von Ästhetik und Intellektualität ins Auge. Vielbeachtete Literaturzeitschriften wie Akzente enthalten heute keine politischen oder kulturellen Diskussionen, sondern beschränken sich weitgehend auf das Poetisch-Poetologische – das gilt auch für bemerkenswerte Neugründungen in diesem Bereich wie BELLA triste, die dann wie berufsständische Fachzeitschriften für professionelle Lyriker anmuten. Traditionsreiche und vielgelesene intellektuelle
Organe drucken heute dagegen nur noch gelegentlich Dichtung ab; selbst das aktuelle Kursbuch enthält im Gegensatz zu seinem 1965 als “little magazine” des Suhrkamp Verlags gegründeten Vorläufer kaum literarische Beiträge.

Genau diese Koppelung von Ästhetik und Intellektualität aber war es, die T. S. Eliot im Januar 1926 in seinem Aufsatz The Idea of a Literary Review als Hauptfunktion von “kleinen” Magazinen definierte (in New Criterion). Und das keineswegs nur aus rein pragmatischen Gründen, weil es nicht genug erstklassige Literatur gebe, um auch nur eine Literaturzeitschrift über einen längeren Zeitraum bestreiten zu können (was Karl Kraus als Herausgeber und alleiniger Beiträger seiner Fackel vehement bestritten hätte), sondern mit ästhetisch-theoretischen Argumenten: Selbst die reinsten Formen der Literatur speisten sich aus ausserliterarischen Quellen und mündeten in ausserliterarische Wirksamkeit.

Dieses Argument für eine Brückenfunktion der “little magazines” wurde von Lionel Trilling dann zwanzig Jahre später in seinem berühmten Aufsatz The Function of the Little Magazine weiterentwickelt. Für den einflussreichen amerikanischen Literaturhistoriker und Kulturkritiker war 1946 das “little magazine” das Medium, in dem der Intellektuelle für seine ästhetischen und politischen Ideale kämpfte und den kulturellen Fortschritt vorantrieb. Wie Eliot und viele andere Schriftsteller und Intellektuelle der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts traute Trilling dem literarischen Medium des “kleinen” Literaturmagazins grosse Dinge zu. Sollten wir das auch noch tun?

Die Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Die enge Verbindung von Gesellschaftskritik und Ästhetik, von politischer Theorie und schöner Literatur war in der emphatischen Moderne, auf die Trilling bereits wehmütig zurückblickte, meist durch den Rückgriff auf übergreifende “Ismen” zustande gekommen. Noch Trilling fühlte sich ausdrücklich einem dieser “Ismen” zugehörig: dem amerikanischen “liberalism”. Diese “Ismen” vermochten es, ästhetische und politische Programmatiken unter ein gemeinsames Dach zu bringen, weil sie in einem festen geschichtsphilosophischen Glauben an einen Gleichlauf von kulturellem und gesellschaftlichem Fortschritt gründeten. Aus diesem Synchronismus ergab sich dann für Schriftsteller und Intellektuelle der moralische Imperativ, ästhetisches Geschmacksurteil und politische Urteilsbildung aufeinander abzustimmen. Es würde schwerfallen, daran heute noch anzuknüpfen.

Trotzdem sind kleine Literaturmagazine heute als Medien einer wechselseitigen Beobachtung von ästhetischer Innovation und politischer Intellektualität relevant. Einerseits, weil sie eine Verbindung
herstellen zwischen den ästhetisch-belletristischen und politisch-intellektuellen Polen eines sehr stark ausdifferenzierten kulturellen und akademischen Feldes. Andererseits, weil sie einen Aspekt an Literatur
hervorzuheben vermögen, den die literarische Buchkultur allzu häufig verstellt: Literarische Texte sind nicht nur in sich ruhende buchförmige Wortgebäude, die wie eherne Pyramiden für einen zeitlosen
Klassikernachruhm gebaut worden sind. Sie können auch mobile und angriffslustige verbal-ästhetische Strukturen sein, denen es im Medium der Zeitschrift auf unmittelbare Wirksamkeit ankommt.

Modernes Mäzenatentum

Was bedeutet schliesslich das digitale Umfeld, das aktuell ein literaturwissenschaftliches und kulturhistorisches Forschungsinteresse an den kleinen Zeitschriften befeuert, für die gegenwärtige Magazinkultur? Immer wieder wurde behauptet, die digitalen Umwälzungen würden unweigerlich literarische Blogs zu den Nachfolgern der gedruckten “little magazines” machen. Das hat sich bisher noch nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil: Blickt man auf jüngere Magazingründungen wie BLOCK, so lässt sich auch hier ein ästhetisches Sensorium für die spezifisch papierne Materialität der Magazinkultur beobachten. Es überrascht dann auch nicht, dass sich die von n+1 mitverlegte Zeitschrift zur Gegenwartskunst programmatisch Paper Monument nennt. Wer mit kleinen Magazinen grosse Hoffnungen verbindet, scheint auch heute noch neben dem digitalen Format auf die griffige Papierversion nicht verzichten zu wollen.

Wer aber soll das heute bezahlen? Da sich die Ökonomie des “kleinen” Magazins seit der von Brooker und Thacker umfassend untersuchten Epoche nicht grundlegend verändert zu haben scheint, muss die Antwort wohl weiterhin lauten: Verlagswerbung und Verkaufserlöse, mögen diese heute auch vorab durch Crowdfunding erzielt worden sein, reichen über längere Zeitstrecken nicht aus. Die “kleinen” Magazine der Gegenwart, die sich über einen längeren Zeitraum über Wasser halten wollen, werden deshalb wie ihre historischen Vorläufer auf Formen des modernen Mäzenatentums angewiesen bleiben: auf die finanzielle Förderung durch private oder öffentliche Stiftungen oder die Unterstützung durch Archive, Forschungszentren, Universitäten und Akademien.

Oder sie verzichten programmatisch darauf und verstehen sich als ein “Projekt”, das spätestens nach zwei oder drei Jahren abgebrochen und eingestellt wird. Wie ein Blick auf die deutsche Frühromantik lehrt, kann das der intellektuellen Intensität des Magazins sogar zuträglich sein.

  1. Peter Brooker / Andrew Thacker (Hrsg.),The Oxford Critical and Cultural History of Modernist Magazines. Vol. 1: Britain and Ireland 1880-1955 (2009); Vol. 2: North America 1894-1960 (2012); Vol. 3: Europe 1880-1940 (2013). Oxford University Press.

Published 11 March 2015

Original in German
First published in Merkur 3/2015

Contributed by Merkur
© Carlos Spoerhase / Merkur / Eurozine

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