polar

Germany

Demokratie ist mehr als der Kampf zwischen unterschiedlichen Einzel- oder Gruppeninteressen. Ihre Kraft liegt in der öffentlichen Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Auffassungen des Allgemeinen, des Gerechten, und damit des gegenüber Allen Rechtfertigbaren. Ein demokratischer Streit in diesem Sinn lässt sich ohne die gemeinsame Annahme einer Wahrheit im Sinne eines allgemein Richtigen gar nicht führen. Entgegen dem Verdruss und den Abgesängen sind es die Parteien, denen als Institution die Aufgabe zukommt, diese Auffassungen zum Zwecke der allgemeinen Gesetzgebung zu bündeln, ins Gespräch zu bringen und in legislative Entscheidungen zu überführen. Wer sonst sollte jene grundlegenden politisch-weltanschaulichen Alternativen formulieren, die aus der Demokratie überhaupt erst einen Raum der Möglichkeiten machen, anstatt sie in einer Rhetorik des Sachzwangs verkümmern zu lassen? Es ist überfällig, der aktuellen Renaissance des Parteienressentiments zu begegnen, das gerade in Deutschland eine lange, unselige Geschichte hat. Gleichzeitig gilt es, die Parteien an ihre spezifische Aufgabe zwischen Gesellschaft und Legislative zu erinnern, an der sie sich messen lassen müssen.

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Gesamtkunstwerksentwürfe sind Entwürfe von Lebensformen. Sie bringen sich als externe Kritik geltender Lebensformen und Gegenentwürfe zur bestehenden gesellschaftlichen Ordnung konstruktiv in gesellschaftliche Prozesse ein. Wie sich eine solche Kritik entwickelt, die weniger ein Feststellen ist, sondern vielmehr performativ als ein Handeln mit transformativen Effekten angelegt ist, zeigen exemplarisch die Praktiken der drei deutschen Künstler Richard Wagner (1813-1883), Joseph Beuys (1921-1986) und Christoph Schlingensief (1960-2010).

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30 April 2014

Zu viel

Etwas auf drastische Weise zu zeigen bedeutet nicht nur, den Finger in die Wunde zu legen, sondern sie erst so richtig aufzureißen. So in etwa könnte man den Versuch umschreiben, mit überdeutlichen, extrem schmerzvollen, auf- und erregenden Darstellungen Kritik an der Wirklichkeit zu üben. Was aber ist genau das Verhältnis von Drastik und Kritik – und muss das wirklich so weh tun?

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Ciceros alte Formel vom “inter pacem et bellum nihil medium” stellt sich die Welt so vor, ‘wie wir als Kinder dachten, dass sie sei’: Entweder Krieg oder Frieden. Aber so funktioniert es nicht mehr. In Zeiten neuer, asymmetrischer Kriege, nicht-staatlicher Akteure, humanitärer Interventionen, williger Koalitionen und preemptive actions stehen gewaltsame Konflikte auf der Tagesordnung, die die Logik von Krieg und Frieden, Freund und Feind außer Kraft setzen. In literarischen Texten, die von diesem unbestimmten Zustand dazwischen, von Nicht- Krieg und Nicht-Frieden handeln, lässt sich heute ein postsouveränes Erzählen beobachten.

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Auf dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise machte Lloyd Blankfein, der Chef der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, eine Bemerkung, die seinen Ruf endgültig ruinierte. Die Banken, so sagte Blankfein, während um ihn herum milliardenschwere Rettungspakete für die Finanzindustrie geschnürt werden mussten und die Weltwirtschaft immer tiefer in die Rezession rutschte, “verrichten Gottes Werk”.

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