Imperiale Gewalt und mobilisierte Nation

Ein Deutungsmuster für die Geschichte Europas in der erstenHälfte des 20. Jahrhunderts

16 January 2013
Read in:

Eine Geschichte Europas im Zeitalter der Weltkriege schreiben

“Europäische Geschichte” hat in den letzten Jahrzehnten wachsende
Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dieser Eindruck entsteht, wenn man
den anhaltenden Strom von Übersichtsdarstellungen, Lehr- und Handbüchern
auf dem deutschen Buchmarkt anschaut. Die Geschichte Europas scheint sich inzwischen auch in der universitären Lehre einen festen
Platz erobert zu haben. Dabei erfreut sich die jüngste Geschichte, weit
gefasst als Geschichte Europas im 20. Jahrhundert, besonderen Zuspruchs
unter Autoren wie Lesern. Doch deutet vieles darauf hin, dass diese
Hochkonjunktur bereits ausklingt und dass die Schwierigkeiten und
Probleme des Gegenstands und seiner historiographischen Behandlung
nach der Phase euphorischer Entdeckung der europäischen Dimension
deutlicher geworden sind. Das mag auch daran liegen, dass selbst unter
deutschen Akademikern und Intellektuellen die Identifikation mit dem
Projekt “Europa”, das immer mehr war als die Brüsseler Integration,
aber hierzulande selten in Opposition zu deren Bemühungen um mehr
europäische Gemeinsamkeiten stand, schwächer geworden ist. Die politische Euroskepsis wird gleichzeitig fachintern genährt durch den Aufstieg
einer Globalgeschichte oder Internationalen Geschichte, deren
Konturen hierzulande nicht zuletzt dank der inzwischen vorliegenden
großen Synthesen immer deutlicher werden.1 Dagegen verblasst Europa
als Gegenstand historiographischer Bemühungen, und europäische
Geschichte gerät zudem in den Verdacht, einem politisch-ideologischen
Artefakt die Weihen historiographischer Dignität zu verleihen, die es
nicht verdient. Gleichzeitig erweist sich in der Konkurrenz um intellektuelle Aufmerksamkeit und Leserschaft die Nationalgeschichte zumindest
für das 20. Jahrhundert als ein weitaus robusteres und attraktiveres Format,
als es der hierzulande gerne beschworene Abschied von Nation und
Nationalstaat erwarten ließ. Ein Gang durch die Regale selbst “großer”
Buchhandlungen mit nennenswerten historiographischen Abteilungen
belehrt uns darüber, was Fachautoren und Leserschaft vorrangig bewegt:
die Geschichte eigener oder fremder Nationen.2
Jeder Versuch, historische
Ereigniszusammenhänge und Veränderungsprozesse mit Bezug auf den
geographischen Raum “Europa” zu analysieren und darzustellen, muss
sich also sehr kritischen Fragen stellen.

Diese intellektuelle Situation ist Ausgangspunkt für die folgenden
Überlegungen, wie eine Geschichte Europas in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts zu schreiben sei und welche Einsichten und Perspektiven
ein solches Unternehmen jenseits einer rein “regionalgeschichtlichen” Fragestellung zu bieten hat. Die Ausgangsfragen lauten dabei:

Was prägte “Europa” als spezifischen Raum zwischen 1900 und 1945?
Welche Grundmuster haben den Kontinent als Region einer Global- beziehungsweise
Weltgeschichte in der Zeit der Weltkriege geprägt? Was
bestimmte die großen “Trends”, aber auch die Erfahrungswelten der
Menschen in diesem Kontinent? Damit ist eine Makroperspektive angesprochen,
die keineswegs selbstverständlich ist: Europas Geschichte in
der Zeit der Weltkriege, die jeweils als europäische Kriege begannen und
dort – trotz des pazifischen Kriegsschauplatzes während des Zweiten
Weltkriegs – ihren Hauptschauplatz hatten, ist nicht einfach Weltgeschichte.
Die Ereignisse auf dem europäischen Kontinent waren aufs
engste mit denen in anderen Weltregionen verbunden, doch lässt sich
weder unter politisch-militärischer noch unter wirtschaftlich-sozialer oder
kultureller Sicht irgendeine Dominanz oder gar Hegemonie europäischer
Kräfte (seien es Armeen, Unternehmen, Wissenschaftler oder Künstler)
im Weltmaßstab behaupten. Am Ausgang dieses Zeitraums steht eine
weltgeschichtliche Konstellation, die den kapitalistischen Westen einem
sozialistischen Osten gegenüberstellte, bei der Europa geteilt wurde und
dauerhaft koloniale Machtpositionen, aber auch intellektuelle und kulturelle
Ausstrahlungskraft verlor. Aus heutiger Sicht wird jedoch auch
erkennbar, dass damit ein längerfristiger Prozess einsetzte, in dessen
Verlauf zunächst westliche Regionen Europas, dann seit den 1970er
Jahren der gesamte mediterrane Süden (und nicht nur wie bis dahin Italien)
und seit 1989/90 auch Mittel- und Osteuropa Teil eines “Westens”
beziehungsweise einer “westlichen Welt” wurden, deren geographische
und kulturelle Konturen dezidiert weltumspannend, deren machtpolitische
und wirtschaftliche Grenzen jedoch viel enger gesteckt waren. Aus
dieser Konstellation ergibt sich für den Geschichtsschreiber Europas in
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Aufforderung, leitende Kategorien der eigenen Analyse anschlussfähig zu halten für solche weltgeschichtlichen Entwicklungen.

Grob lassen sich zwei typische Anknüpfungspunkte für eine Einbettung
der europäischen Geschichte in weltgeschichtliche Zusammenhänge
unterscheiden:

1. bietet der koloniale Nexus die Chance, die vielfältigen Wechselwirkungen
und Verbindungen, die sich aus der Expansion europäischer Staaten, der Auswanderung europäischer Siedler und der weltweiten Ausdehnung europäischer
Unternehmen ergeben haben, in die Geschichte des geographischen
Raums “Europa” zwischen 1900 und 1945 systematisch einzubeziehen.3

2. bietet die Geschichte staatlicher Gewaltentfesselung, vom “totalen Krieg”
bis zu den vielfältigen Formen staatlicher Massengewalt von Deportation
respektive Vertreibung bis zu staatlichem Massenmord und Genozid, einen
Zugang, der einen zentralen Aspekt der europäischen Geschichte in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfasst und in eine universalhistorische
Perspektive rückt.4

Beide Hinsichten sind aus meiner Sicht verbunden mit Perspektiven
langer Dauer. Sie entfalten ihre Erklärungskraft gerade dann, wenn sie
die Besonderheiten europäischer Gewaltentfesselung und Kolonialerfahrungen zwischen 1900 und 1950 einzuordnen vermögen in größere,
das heißt aber auch zeitlich längere und räumlich beziehungsweise zivilisationsgeschichtlich
übergreifende Fragestellungen.

Damit sind zwei Leitthemen oder Problemstellungen benannt, auf
die unten noch einmal zurückzukommen ist. Vorher muss jedoch die
Grundspannung analysiert werden, die in der Neuesten Geschichte Europas zwischen einer Geschichte der Region “Europa” und einer Geschichte
beziehungsweise den Geschichten der europäischen Nationalstaaten besteht.
Nach wie vor wird europäische Geschichte als Summe aller Nationalgeschichten
dieses geographischen Raums konzipiert und geschrieben.
Intellektuell anspruchsvoller ist der Versuch, europäische Geschichte als
eine Art Parallelgeschichte ausgewählter Nationen zu schreiben, um
damit quasi im Vorbeigehen ein übergreifendes Entwicklungsmuster
europäischer Nationalstaaten und ihrer jeweiligen Gesellschaften zu
präsentieren.5
Dieses Panorama nationalspezifischer Sonderwege in den
“Westen” führt nicht aus dem Horizont nationalzentrierter Geschichte
heraus, deren Credo ja seit Herder ist, dass die endogenen Kräfte, wie sie sich in der konkreten Sozialordnung, Kultur, Sprache und den Politikformen eines “Volkes” artikulieren, die prägenden Faktoren sind,
auch wenn man die Dynamik exogener Faktoren (wie Industrialisierung
oder “Modernisierung”) in Rechnung stellt. Europäische Geschichte
bleibt in dieser Perspektive zwangsläufig ein Kunstprodukt historiographischer
Abstraktion im ungemütlichen Zwischendeck zwischen
National- und Weltgeschichte.

Für die Geschichte der europäischen Nationen in der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts rückten weltumspannende und internationale Zusammenhänge in der Gestalt von Kriegen, Revolutionen und Weltwirtschaftskrisen
besonders bedrohlich und vielfach brutal in die Gemütlichkeit
nationaler Traditionen und Trends ein. Dabei hat die deutsche
Nationalgeschichte zugleich auch die Geschicke vieler anderer Nationalgeschichten
nachhaltig beeinflusst. Diese “Übergriffe” oder Exporte sind
zumal für einen deutschen Historiker alles andere als trivial, wenn es etwa
darum geht, die nachhaltigen und vielfach tödlichen Spuren deutscher
Besatzungspolitik in den beiden Weltkriegen als Teil einer europäischen
Geschichte zu erfassen. Zur Zeit ist geschichtspolitisch zu beobachten,
welche Effekte entstehen können, wenn etwa der nationalsozialistische
Mord an den europäischen Juden “europäisiert” wird, also auch als Problem
der Nationalgeschichten unserer Nachbarländer auftaucht. Dabei
werden zuweilen Zusammenhänge der deutschen Geschichte auf eine
europäische Ebene verschoben, auf der sie nur noch schwer angemessen
verstehbar sind. Kurz gesagt: Das Spannungsverhältnis zwischen der besonderen
Rolle der deutschen Nationalgeschichte mitsamt ihren Deutungsmustern und einer europäischen Perspektive muss nicht nur reflektiert, sondern auch konkret in der historiographischen Praxis, also
beim Schreiben einer europäischen Geschichte, beachtet werden.
Dieses Spannungsverhältnis zwischen Nationalgeschichte und europäischer Geschichte kann nicht einfach aufgelöst werden. Dazu sind
die jeweiligen Perspektiven zu unterschiedlich. Vielmehr muss – so die
These – eine Geschichte Europas die spezifischen Beziehungen zwischen
den sich entwickelnden Nationen und Nationalstaaten als einen weiteren,
dritten Ausgangspunkt für eine global- beziehungsweise weltgeschichtlich
informierte und anschlussfähige Darstellung wählen. Was heißt
dies konkret? Es führt wohl kein Weg daran vorbei, die fundamentale
Differenz zwischen imperialen, kolonialen und “bloß” nationalen Kontexten
nationalstaatlicher Entwicklung zu akzeptieren und zum Ausgangspunkt
einer Beziehungs-, Transfer- und Konfliktgeschichte zu
machen. Die Verbindungen mit anderen Regionen der Welt, aber auch
die Reichweiten staatlichen Handelns sind grundlegend anders zu beurteilen,
je nachdem, ob wir es mit Staaten oder Regionen in Europa zu
tun haben, die selber als Kolonialmacht auftreten (1. Fall), zusätzlich
oder davon unabhängig Großmachtstatus beanspruchen und imperialen
Ambitionen auch in ihrer Gesellschaft und Kultur nachgehen (2. Fall)
oder (3. Fall) nur als Nationen, das heißt als politische Gemeinschaften
Souveränität besitzen oder (4. Fall) beanspruchen.

Die folgende Übersicht mag dieses komplexe und spannungsreiche Nebeneinander für die Situation am Beginn des 20. Jahrhunderts verdeutlichen:

Christophe Charle hat seine vergleichende Gesellschaftsgeschichte
Großbritanniens, Frankreichs und des Deutschen Reiches als eine Krisengeschichte imperialer Gesellschaften entworfen. Damit weist er den Weg,
wie man für den Zeitraum zwischen 1880 und 1945 Gemeinsamkeiten,
wie Unterschiede des zweiten Typs national verfasster europäischer Gesellschaften herausarbeiten kann.6 In jüngster Zeit wird freilich gerade unter
deutschen Historikern ein Deutungsmuster gepflegt, das die Einheit des
kurzen oder langen 20. Jahrhunderts betont und dementsprechend die
Zeit der Weltkriege oder des europäischen Bürgerkriegs von 1914 bis
1945 als dramatische Episode in einen weiteren zeitlichen und sachlichen
Zusammenhang stellt. Eric Hobsbawms erfolgreiche weltgeschichtliche
Synthese eines kurzen 20. Jahrhunderts (1914–1989) als einer Epoche
der Extreme, Mark Mazowers Geschichte Europas im 20. Jahrhunderts,
schließlich die als Beitrag zur Geschichte Europas von Ulrich Herbert
geplante und herausgegebene Serie von Nationalgeschichten in der
Periode der Hochmoderne (1880–1970) stecken in jeweils unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen einen viel breiteren Horizont ab.7 Damit
sind die Problemhorizonte und Begrifflichkeiten der Zeitgeschichte
enorm ausgeweitet worden. In einer solchen Epochendeutung mittlerer
Dauer, die mehr oder weniger 100 Jahre oder drei Generationsfolgen
umfasst, kommt es zwangsläufig zu einer Einebnung der Besonderheiten
der Weltkriegsepoche. Dies mag für eine gesellschafts- und kulturgeschichtliche Betrachtung ausgesprochen sinnvoll sein, die doch darauf angewiesen ist, hinreichend lange Zeiträume in den Blick zu nehmen,
um die großen Trends sozialen und kulturellen Wandels jenseits
der Moden und Ereignisse (den Schaumkronen der Ereignisgeschichte)
überhaupt wahrnehmen zu können. Eine solche Zeitperspektive ist auch
vielversprechend im Fall von Nationalgeschichten, die nur indirekt
durch die beiden Weltkriege und die politisch-sozialen Umbrüche in
ihrem Gefolge betroffen waren – man denke etwa an neutrale oder nicht
direkt am Krieg beteiligte Nationen wie die Schweiz, Portugal, Irland
oder Schweden. Aus dem Blick gerät bei einer solchen Perspektive jedoch
allzu leicht, dass ein ganzer Kontinent jenseits der eher kontinuierlich
verlaufenden Basisprozesse wie Industrialisierung, Urbanisierung, Alphabetisierung einen grundlegenden machtpolitischen Rollen- und Positionswechsel erlebte: Die imperialen und nationalen Ambitionen, die Europa
bis 1945 zu einem Treibhaus staatlicher Gewalt und militärischer Konflikte
gemacht hatten, welkten nach dem Zweiten Weltkrieg rasch dahin.
So traten Bellizismus, Zivilisierungsmissionen und Chauvinismus, wie
sie die Befindlichkeiten Europas in der ersten Hälfte des Jahrhunderts
nachhaltig geprägt hatten, deutlich in den Hintergrund, mit dem Ergebnis, dass nicht nur das Europa der Gegenwart, sondern auch schon das
geteilte Europa des Kalten Kriegs von 1970 eine Physiognomie entwickelt
hat, die sich ganz deutlich von politischen Einstellungen um 1900, 1915
oder 1930 unterscheidet. Mentalitäten, Ordnungsmuster und die “Staatsräson” haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg und angesichts der Folgen
der Epoche der Weltkriege signifikant verändert.

Die Konfrontation von Imperien und Nationen im Laboratorium der Moderne

Es spricht also einiges dafür, die Welle der Zwangsmobilisierungen
für nationale oder imperiale Macht, der Gewaltentfesselung, aber auch
der Selbstmobilisierungen und Partizipationsangebote zwischen 1900
und 1945 als Spezifika einer Situation zu begreifen, die nicht einfach
als Nebenfolge der längerfristigen “Modernisierungen” oder der europäischen Modernen zu interpretieren sind. Man wird nicht daran vorbeikommen,
dem Politischen für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
den Primat einzuräumen, wenn es darum geht, diese Besonderheiten
zu erklären. Primat des Politischen meint an dieser Stelle das Gewicht
machtpolitischer Ziele und zwischenstaatlicher Konflikte, die Politisierung
von Alltag und Kultur sowie eine Hochkonjunktur für politische
Ideologien und “Weltanschauungen”. Damit ist zugleich ein methodisches Problem angesprochen, das vor allem die Meistererzählungen
der politischen Sozial- oder Gesellschaftsgeschichte betrifft: Sie hat die
Präge kraft und die Eindringtiefe politischer Ideologien, aber auch die
Folgen politisch-militärischer Gewaltpraktiken (in Krieg und Bürgerkrieg)
meist nur auf nationaler Ebene erforscht, seltener die internationale und europäische Ebene bedacht. Es ist aber gerade auf dieser
Ebene viel besser möglich, die Grundmuster divergierender und konkurrierender
Ordnungsentwürfe, die wechselseitigen Bezüge und übergreifenden
Gemeinsamkeiten zwischen ihnen zu erkennen.

Europa kann insofern bereits um 1900 als eines der “Laboratorien”
der Moderne bezeichnet werden, weil in dieser Weltregion unterschiedliche,
ideologisch antagonistische Ordnungsentwürfe für die sich rasch
wandelnden Gesellschaften in besonderer Verdichtung entwickelt worden
sind. Dieses Laboratorium war jedoch nicht in einem politisch befriedeten
Großraum lokalisiert, vielmehr fand sich alles, was dort entwickelt
wurde, gleich in die politischen Großkonflikte der Staaten und
Nationen eingespeist. Statt von einem “Labor” kann man deshalb auch
von einem “Treibhaus” sprechen, so dass in thesenhafter Akzentuierung
von einer wechselseitigen Verstärkung bei der Entwicklung konkurrierender
Ordnungssysteme, imperialer Machtkonkurrenz und nationaler
Dynamik gesprochen werden kann. Diese Trias, so die These, liefert ein
halbwegs plausibles Erklärungsmodell für die Besonderheiten der europäischen Entwicklungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Anders herum heißt dies auch, vernachlässigt man eine der drei Seiten
dieses Spannungsfeldes, wird es schwieriger, der Komplexität der Entwicklungen gerecht zu werden.

1. Das “Labor der Moderne”. Seit den 1880er Jahren wurden, wie
bereits angedeutet, in den verschiedenen intellektuellen Zentren Europas
ganz unterschiedliche Modelle für die Gestaltung der anhaltend dynamischen
Zeiten konzipiert. Dabei variiert der Grad der grenzüberschreitenden
Vernetzung unter den beteiligten Experten, Wissenschaftlern,
Intellektuellen, Militärs und Politikern. Gleichwohl ist das Faktum der
wechselseitigen Kenntnisnahmen ausgesprochen wichtig. Es hat die
Herausbildung konkurrierender weltanschaulicher Ordnungskomplexe,
die in jedem Fall von nationalspezifischen Akzenten und Schwerpunktsetzungen
geprägt blieben, aber eine gemeinsame Handschrift erkennen
ließen, ermöglicht. So ist Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs
längst nicht mehr das Kraftzentrum liberaler Ordnungsmuster (das es
noch um 1870 gewesen war!): revolutionär-sozialistische, reformsozialdemokratische,
nationalistische, katholische und konservative Gegenentwürfe
bestimmten die Debatten der Zeit und imprägnierten die konkreten
Reformprogramme und Gestaltungsvorhaben, die in immer
stärkerem Maße auch wissenschaftlich legitimiert oder generiert wurden.
Zentralregierungen und kommunale Verwaltungen experimentierten mit
den verschiedensten Modellen auf den Feldern von Bildung, Gesundheit,
Armutsbekämpfung oder Sozialversicherung. Dabei waren sowohl national wie international Human- beziehungsweise Sozialwissenschaftler in
vorderster Reihe engagiert, wenn es darum ging, praktische Lösungen
für die vielen “Sozialprobleme” der Zeit, von der “Arbeiterfrage” bis zur
“Ehekrise”, zu entwerfen. Alle ihre Interventionsangebote folgten der
Gewissheit, dass die alten liberalen Vorannahmen über die Wirkmächtigkeit
von Markt, Rechtsstaatlichkeit und freiheitlicher Staatsverfassung
allein nicht mehr ausreichten, um der Dynamik der gesellschaftlichen
Entwicklung, aber auch den kulturellen und machtpolitischen
Herausforderungen der Gegenwart Genüge zu tun. Die Epoche der
Weltkriege steht insofern europaweit auf den breiten ideengeschichtlichen
Schultern der Jahrzehnte um 1900 (grob 1880–1914). Die Entfesselung
des Krieges und dessen katastrophale Folgen boten ihrerseits
wiederum vielfältige Gelegenheiten für die Anwendung und Weiterentwicklung der Ordnungsideen aus dem “Labor” der Moderne. Vor allem
sorgten die militärischen und sozialen Konfrontationen seit 1914 dafür,
dass viele Ordnungsideen radikalisiert wurden. Aus dem Labor der
Moderne ergaben sich die zahlreichen Baustellen des social engineering.
Selbstverständlich ist der Aufstieg des social engineering zwischen 1910
und 1960 keineswegs ein nur europäisches Phänomen. Vielmehr ist ganz
im Gegenteil an dieser Stelle die internationale und globalgeschichtliche
Perspektive aufschlussreich, sollen die divergierenden Spielarten dieser
Form von Sozialintervention analysiert werden.8

2. Spezifika der europäischen Entwicklungen ergeben sich, auch darauf wurde bereits hingewiesen, aus dem Spannungsverhältnis zwischen
imperialen und nationalen Kräften. Diese Grundspannung bestimmte
die politischen Ordnungen Europas zwischen 1900 und 1945. Sie generierte
die Konflikte und politischen Entscheidungen, die direkt in die
beiden Weltkriege mündeten. Es ist allerdings fraglich, ob diesem Gegensatzpaar
nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit der gleichen Gewissheit oder Prägnanz eine bestimmende Kraft für die europäische Staatenwelt
zugeschrieben werden kann.

Die vergleichenden Forschungen des letzten Jahrzehnts zu Imperien
und Nation haben wichtige neue Erkenntnisse zutage gefördert. Doch
sollte man nüchtern konstatieren, dass die Gesamtsicht auf das Europa
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch solche Studien keineswegs
grundlegend verändert worden ist.9 Mit den Vielvölkerstaaten und Großreichen
der Habsburger, Romanows und Osmanen existierten drei imperiale Herrschaftsformationen, die bis 1917/18 weite Teile Mittel-, Ost- und Südosteuropas sowie des östlichen Mittelmeerraums prägten. Sie bildeten Gegenpole und Beharrungskräfte gegen die vielfältigen Nationalbewegungen beherrschter Ethnien und Regionen, aber auch gegen die
Nationalisierungsbestrebungen der in den Reichsverbünden dominierenden Völker oder Sprachgruppen (Russen, Deutsche, Ungarn und Türken).

Mit der Französischen Republik, dem Vereinigten Königreich und dem
Deutschen Reich wiederum existierten drei Nationalstaaten, die zugleich
imperiale Großmächte waren. Schließlich profilierte sich mit Italien
am Vorabend des Ersten Weltkriegs ein weiterer europäischer Nationalstaat,
der koloniale Expansion mit weiterreichenden Großmachtambitionen verband. Damit existierten in Europa bereits sieben Herrschaftsverbände,
denen ohne größere Schwierigkeit jene Kriterien imperialer
Machtbildung zuzusprechen sind, wie sie idealtypisch Jürgen Osterhammel
definiert hat. Gleichzeitig beteiligten sich alle sieben an der
Machtdiplomatie innerhalb des internationalen Staatensystems. Außerhalb
Europas waren auf internationaler Ebene nur noch Japan und die
Vereinigten Staaten als neue imperiale Mächte am Ende des 19. Jahrhunderts hinzugekommen und spielten vor allem in Ostasien, im Pazifik und
in Lateinamerika eine den europäischen Imperien ebenbürtige Rolle.
Bekanntlich bestimmten Dynamik und Instabilität dieses internationalen
Systems, dessen Epizentrum Europa bis 1945 blieb, die daraus
resultierenden Konflikte.

Wesentlich ist, dass mit dieser Architektur nicht allein die außenpolitische
Dimension bezeichnet ist. Die imperialistische Konkurrenz
schuf jene Treibhausatmosphäre, die auch die innenpolitischen und sozialen
Konflikte Europas affizierte. Folgt man dem Stand der Forschungen
zur Geschichte des europäischen Staatensystems vor 1914 und in der
Zwischenkriegszeit, so besteht kein Zweifel daran, dass Krieg aus imperialer
Staatsräson und Expansion als letztes Ziel der Statussicherung
oder Machtentfaltung in den Zentren politischer Entscheidungen sowohl
1914 und 1915 als auch 1935, 1939 und 1941 entscheidende Weichensteller
waren. In dem hier vorgestellten Deutungsmuster spielt die imperialistische
Normalität der Beziehungen zwischen den europäischen Großmächten eine bedeutsame Rolle als Brandbeschleuniger und Krisengenerator.

Daraus ergeben sich in vergleichender Perspektive wiederum
interessante Einsichten:
Der Untergang der drei östlichen Imperien 1917/18 bedeutete nicht
einfach das Ende imperialer Gestaltungs- und Herrschaftsansprüche in
dem von den drei Reichen beherrschten geographischen Raum. Statt –
dessen war bereits im Ersten Weltkrieg zu beobachten, wie angesichts
der Krise der Habsburgermonarchie und des raschen Zusammenbruchs
des Zarenreiches die politische und militärische Führung des Deutschen
Reiches den “Osten” als Expansionsraum entdeckte.10 Auch nach
Versailles betrieben die neu entstandenen Nationalstaaten in Ost- und
Mitteleuropa ihre eigene Staatsgründung und Nationenbildung in ständiger
Abwehr imperialer Revisionsansprüche. Im östlichen Mittelmeerraum wiederum beerbten Frankreich und Großbritannien das Osmanische Reich, so dass hier die Bildung neuer Nationalstaaten (Libanon,
Syrien, Palästina/Transjordanien, Irak und Ägypten) nur gegen den
Widerstand der neuen imperialen Zentralen durchzusetzen war.
Mit der Sowjetunion und dem Deutschen Reich nahmen gleich
zwei besiegte Mächte des Ersten Weltkriegs die imperialen Ambitionen
ihrer Vorgängerregime auf und entwickelten sie in den 1930er Jahren
weiter, hierin sekundiert von Italien, das seine eigenen Kriegsziele von
1915 unter faschistischer Führung und ab 1926 in einer Diktatur mit dem
Ziel imperialer Großmachtbildung weiterverfolgte. Den zwei etablierten
Imperialmächten Frankreich und Großbritannien standen damit drei
expansionsbereite und revisionistische Konkurrenten gegenüber, eine
Konstellation, die bekanntlich im August 1939 von Hitler zur Entfesselung des Zweiten Weltkriegs genutzt wurde.

Mit Blick auf das übergreifende Deutungsmuster kommt es mir an
dieser Stelle nur darauf an, die Kontinuitätslinien von 1880 beziehungsweise
1900 bis 1941/45 aufzuzeigen, um die Differenz zur Situation
nach 1945 hervorzuheben. Imperiale Konkurrenz hörte mit der bedingungslosen
Kapitulation des Deutschen Reiches am 8./9. Mai 1945
auf, ein treibendes und gestaltendes Element der innereuropäischen
Staatenbeziehungen zu sein. Mit der Sowjetunion und den USA waren
zwei imperiale “Supermächte” aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen,
die den verbliebenen imperialen Mächten Großbritannien und
Frankreich nur noch einen Platz als Juniorpartner der USA zugestanden.
Die Teilung Europas fror die Kräfteverhältnisse zwischen den beiden
Supermächten für mehr als drei Jahrzehnte in dieser Weltregion
ein. Französische und britische Politiker brauchten noch bis 1956, um
auch diplomatisch und militärpolitisch den Zweiten Weltkrieg endgültig
als fait accompli anzuerkennen.
Auf die vielfältigen Erscheinungsweisen und Folgen dieser imperialen
Grundspannung für Gesellschaften und Kultur Europas ist in einem
nächsten Schritt einzugehen. Doch das ist erst möglich, nachdem man
den Gegenpol imperialer Machtambitionen und Herrschaftsformen
betrachtet hat. Denn die “Nation” war im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts
die erfolgreichste politische und soziale Ordnungsidee. Entgegen
der landläufigen Vorstellung vom 19. Jahrhundert als dem Jahrhundert
des triumphierenden Nationalismus und des Nationalstaats
setzten sich Nation und Nationalstaat in Europa erst im 20. Jahrhundert
definitiv und allerorten durch. Bekanntlich gilt dieser Befund nicht nur
für Europa, sondern erst recht für Asien und Afrika. Selbst in Lateinamerika
beschleunigte sich der Prozess innerer Nationenbildung vor
allem seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Nationalbewegungen und
Nationalismus blieben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die
stärksten Kräfte, soweit es um Bestrebungen ging, Menschen unterschiedlichster
sozialer Lage für politische Ziele zu mobilisieren. Partizipationsversprechen im Namen künftiger oder auch im Rahmen bestehender
politischer Nationen waren die breitenwirksamste Form, in der
übergreifende Forderungen nach größerer sozialer Gleichheit und nach
mehr politischer Teilhabe Ausdruck und Gehör fanden. In ihrer Mobilisierungskraft und ihrem Gestaltungspotenzial blieb die Nation als politisches Ordnungsmuster den Imperien oder Reichen in Europa haushoch
überlegen. Auch die politischen Führungen der drei imperialen
Nationen Deutschland, Frankreich und Großbritannien mobilisierten
in beiden Weltkriegen die eigene Bevölkerung am wirkungsvollsten dadurch,
dass sie diese Kriege als patriotische Kriege der Selbstbehauptung,
Selbstverteidigung oder nationalen Revanche propagierten. Dies
gilt selbst für das nationalsozialistische Deutschland, dessen politische
Führung einen bereits verlorenen imperialen Eroberungskrieg in der
Defensive zwischen 1942 und 1945 als einen nationalen Überlebenskampf
führte und damit die Mehrheit der Bevölkerung erfolgreich an
das eigene Schicksal band. Auch die Mobilisierung durch die sowjetische
Führung griff neben dem erprobten Mittel terroristischer Gewalt zur
patriotischen Mobilisierung der Sowjetvölker, allen voran der russischen
Nation. Übergänge und Verknüpfungen zwischen imperialistischen,
nationalistischen und sozialpatriotischen Ideologien gehörten zu den
typischen Erscheinungsformen der politischen Ideenwelt und der Parteienlandschaft
Europas zwischen 1914 und 1945. Hagen Schulze hat
mit Blick auf die Epoche von der Phase des “totalen Nationalstaats” gesprochen.11 Dies trifft meines Erachtens prägnant den Sachverhalt, um
den es hier geht: Die Belastungen der Kriege, aber auch die Übersteigerungen imperialer Konkurrenz schufen einen spezifischen politischen Handlungsbedarf für radikale Ordnungsentwürfe, die den vielen “bedrohten
” Nationen in der Zwischenkriegszeit die Sicherung der eigenen
Existenz versprachen.

Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs inspirierten insbesondere drei
Leitkonzepte, welche die Stärkung der Nation angesichts der vielfältigen
externen und internen Bedrohungen in den Mittelpunkt rückten: Dies
waren erstens die Konzepte einer politischen Ordnung nach dem Vorbild
der Nation in Waffen, also einer Gesellschaft mit autoritärer Führung,
hierarchischer Ordnung und interner Geschlossenheit, zweitens die Idee
einer ökonomisch-sozialen Ordnung der Nation nach dem Vorbild der
staatsgelenkten Kriegswirtschaft und schließlich drittens die Idee einer
kulturellen Ordnung, einer gegen äußere Feinde abgeschotteten, von
inneren Feinden gereinigten, homogenen nationalen Volks- und Kulturgemeinschaft. Kombinationen dieser drei Ordnungsideen zur Stabilisierung und Mobilisierung “bedrohter” Nationen prägten die politischen
Programme autoritärer und totalitärer Regime. Sie alle trachteten danach,
die nationaldemokratischen Verfassungen und die liberalen Wirtschaftsund
Sozialordnungen zu überwinden, die in ganz Europa gestärkt aus
dem Ersten Weltkrieg hervorgegangen waren, aber schon in der unmittelbaren Nachkriegszeit auf vielfältige Schwierigkeiten stießen und in
Krisensituationen gerieten.12

Diese bellizistisch-autoritäre Seite nationalstaatlicher Stabilisierung
in der Kriegs- und Zwischenkriegszeit war zweifellos stark. Sie muss jedoch
mit einer zweiten, nicht minder starken politisch-gesellschaftlichen
Strömung zusammengesehen werden, die sowohl in der Schlussphase
des Ersten wie auch derjenigen des Zweiten Weltkriegs große Mobilisierungskraft
entfaltete: Demokratische und egalitär-sozialistische Strömungen
verbanden sich mit der Idee einer (Neu-)Gründung der eigenen
Nation. Sie konkretisierten das Partizipationsversprechen, wie es in die
Idee der politischen Nation eingeschrieben ist, zu Forderungen nach
umfassender Demokratisierung von Staat und Wirtschaft. Die Welle der
Nationalstaatsgründungen zwischen 1917 und 1922 (von Finnland bis
zur Türkei, von Irland bis Georgien) war mit einer noch viel größeren,
auch die bereits etablierten Nationalstaaten erfassenden Demokratisierungswelle
verbunden, bei der neue sozialpolitische Bürgerrechte und
-ansprüche durchgesetzt wurden. Die breite Bewegung des politischen
und militärischen Widerstands gegen die nationalsozialistische Besatzung,
die sich im Zweiten Weltkrieg, vor allem seit 1943, formierte,
führte ihrerseits zu einer Welle nationaldemokratischer Erneuerung
und zur Radikalisierung jener Partizipationsversprechen, die mit der
Nationalidee in Europa untrennbar verbunden sind.13

Blickt man nicht von den imperialen Machtzentren, sondern von
den vielen Zentren der übrigen europäischen Nationen auf die politische
Gesellschaftsgeschichte Europas zwischen 1914 und 1945, schaut man
also von Helsinki, Dublin oder Bukarest auf diese Epoche, so ist sie im
Kern eine dramatische Phase der Verteidigung und Sicherung oder der
Eroberung und des Verlusts nationaler Selbständigkeit und nationaldemokratischer
Partizipation. Unter diesem Blickwinkel stellt der wirkliche
oder vermeintliche Kampf gegen die nationalsozialistischen, faschistischen und sowjetischen Besatzer zwischen 1939 und 1947 (nicht nur bis
1945!) einen Höhepunkt nationaler Mobilisierung dar. Er ist typischerweise ein Kernelement der nationaldemokratischen Erinnerungskultur
geblieben und seit 1990, also jenem Jahr, in dem die demokratische
Nationalidee eine neue Welle der Mobilisierungen auslöste, in vielfacher
Weise umgedeutet worden.

Imperiale Konkurrenz und Expansion auf der einen und nationale
(Gegen-)Mobilisierung auf der anderen Seite steigerten sich wechselseitig.
Sie ermöglichten die Gewaltentfesselung der zwei Weltkriege in Europa,
doch stehen sie auch im Hintergrund der Bürgerkriege und sozialen
Revolutionen, die sich in dieser Periode häuften. Vor allem lieferten sie
jedoch die politischen Letztbegründungen für die vielfältigen kulturellen
und sozialen Ordnungsideen, die im “Labor” der Moderne seit 1900
entwickelt und erprobt wurden.

Eine solche Deutung hält daran fest, dass das Partizipationsversprechen
der Nation in der Gesamtdynamik der Epoche keineswegs
verschwand oder unterging. Ganz im Gegenteil: Erst die Demokratisierungswelle
nach dem Ersten Weltkrieg schuf die Voraussetzungen für
die totalitäre Umformung demokratischer Partizipationsversprechen,
wie sie im faschistischen Italien, dem nationalsozialistischen Deutschland
und der stalinistischen Sowjetunion zu beobachten waren. Es lag
in der Logik dieses Mobilisierungsdrucks und -potenzials, dass die drei
neuen imperialen Mächte Italien, Deutsches Reich und Sowjetunion
im Zweiten Weltkrieg auf die totalitäre Steigerung ihrer Herrschaft setzten,
um im Kampf gegeneinander und gegen die liberaldemokratischen
Westmächte zu bestehen. Typischerweise blieben die vielen autoritären
Regime, die sich dem bescheideneren Ziel einer Stabilisierung oder Rettung
ihrer Nation verschrieben, von diesem Schub totalitärer Radikalisierung
weitgehend verschont.

Damit wird – dies sei zugegeben – die Geschichte Europas zwischen
1914 und 1945 natürlich nicht vollständig umgeschrieben. Es geht eher
darum, diese Phase dramatischer ereignisgeschichtlicher Zuspitzungen
erstens in größere weltgeschichtliche Zusammenhänge einzuordnen,
zweitens darum, die besonders engen Wechselwirkungen zwischen Kultur,
Politik und Gesellschaft in dieser Zeit besser zu verstehen und drittens
darum, die Zusammenhänge und Berührungspunkte zwischen den politischen
Extremen jenseits des Totalitarismuskonzepts nachzuvollziehen.
Die weltgeschichtlichen und internationalen Bezüge dieses Deutungsmusters
liegen auf der Hand: Zum einen gilt es, die kolonialen und imperialen
Dimensionen der europäischen Geschichte ernst zu nehmen.
Dass gleich mehrere westeuropäische Demokratien (Frankreich, Belgien,
die Niederlande, Großbritannien) auch Kolonialmächte waren, zwei von
ihnen als imperiale Mächte agierten und die Stabilisierung ihrer liberalen Ordnungen von der Sicherung sowie der Weiterentwicklung ihrer kolonialen
Herrschaft und Wirtschaft profitierten, muss Berücksichtigung
finden. So können etwa die 1930er Jahre als ein Höhepunkt kolonial wirtschaftlicher Verflechtung zwischen den Mutterländern und ihren Kolonien gelten und gleichzeitig auch als Hochzeit imperialer Propaganda
betrachtet werden. Gerade die Weltwirtschaftskrise erhöhte den symbolischen und realen Wert der Kolonialwirtschaft für diese Demokratien.
Die imperialgeschichtliche Perspektive zwingt zum anderen aber
auch dazu, genauer nach dem Formwandel imperialer Herrschaft zu
fragen. Mit der Übertragung kolonialer Methoden der Eroberung und
Herrschaftssicherung auf Europa betraten die expansionistischen Imperien
Neuland. Die Organisationsformen deutscher Okkupation, vor
allem jedoch die Wahrnehmungsmuster deutscher Besatzer in den
eroberten/besetzten russischen Gebieten im Ersten Weltkrieg belegen
derartige Transfers. Die italienische Herrschaft in Albanien wie Griechenland,
schließlich das Besatzungsregime des Deutschen Reichs in Polen
und der Sowjetunion entwickelten erstmals Konzepte kolonialer Herrschaftsordnung
innerhalb Europas, übrigens in Ergänzung respektive
Fortführung geplanter oder realer Kolonialherrschaft in Übersee. Insbesondere
die nationalsozialistische Germanisierungsvision negierte
dabei die historische Wirkmächtigkeit der nationalen Idee in Europa.
In ihrer Brutalität und Gewaltsamkeit übertraf diese Praxis innereuropäischer
Kolonialherrschaft selbst die bereits niedrigen humanitären
Standards europäischer Kolonialherrschaft in Afrika oder Asien.14

Drei Beispiele: Politisierung des Alltags, Techniken der Vergemeinschaftung
und Beschleunigungsdiktaturen

Das Deutungsmuster “imperiale Gewalt und mobilisierte Nation”
in Verbindung mit der Idee eines “Laboratoriums der Moderne” kann
vor allem für zwei große Themenfelder der europäischen Sozial- und
Kulturgeschichte der Zwischenkriegszeit fruchtbar gemacht werden. Zum
einen geht es um die vielen Kulturkämpfe dieser Epoche.15 Europa erlebte eine enorme Politisierung von Fragen des Konsums, der Alltagskultur
oder der Lebensführung breiter Bevölkerungsschichten. Etabliert
ist das Konzept, die Deutungskämpfe der Zeitgenossen etwa um das
Auftreten junger Frauen (der “Bubikopf”), um Sport oder Leibesübungen,
um amerikanisches Kino und amerikanischen Massenkonsum als
Konflikte im Prozess der Ablösung “traditionaler” durch “moderne”
Formen des Konsums und der Lebensführung zu beschreiben. Damit
wird jedoch eine ganz wesentliche Dimension dieser Konflikte ausgeblendet
oder zumindest unterschätzt: Überall handelte es sich bei diesen
Konflikten um Fragen nationalkultureller Identitäten. Patriarchalisch
fundierte Ordnungsmuster wurden nationalpolitisch aufgewertet
und radikalisiert. Die Debatten um die Geschlechterordnung liefern
vielfältige Zeugnisse für eine solche nationalpolitische Grundierung.
Gerade die vielen seit den 1920er Jahren aufkommenden autoritären
Regime profilierten sich als Gralshüter nationaler Traditionen. Das
Überfremdungssyndrom verbreitete sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit
über ganz Europa – ohne allerdings die Neugierde der Menschen
angesichts der neuen kulturellen Attraktionen und ihre Aufgeschlossenheit
für neue Konsumartikel und Moden ernsthaft von innen einzuschränken.
Immer wieder galten dabei Amerika und mit deutlichem
Abstand die Sowjetunion als Herkunftsorte besonders gefährdender
Neuerungen. Verbote und Beschränkungen waren insofern eher Zeichen
der Hilflosigkeit als wirksame Mittel im vermeintlichen Abwehrkampf
bedrohter nationalkultureller Ordnungen. Dabei sollte freilich nicht
vergessen werden, dass die Spielräume für die Verbreitung dieser neuen
Kulturangebote von Einkommenslage und Zugänglichkeit abhingen.
Die ländlichen Gesellschaften blieben in dieser Hinsicht vielfach sozialromantisch
verklärte Horte “nationaler” Traditionen.

Zum anderen hatte das social engineering in den Jahrzehnten zwischen
1920 und 1970 weltweit seine Hochzeit.16 Seine Exponenten profitierten
als Stadtentwickler, Raumplaner, Sozialexperten, Demographen
und Familienplaner von dem einzigartigen Krisenszenario, das während
der Epoche der Weltkriege in den meisten Ländern Europas vorherrschte.
Es verschaffte ihren Interventionsprogrammen jene Dringlichkeit entschiedenen
Krisenhandelns, ja radikaler Lösung akuter sozialer Fragen,
welche die eigene Nation zu destabilisieren drohten. Nationale Selbstbehauptung
oder Effizienzsteigerung waren gängige Argumente für entsprechend
tiefe Eingriffe. Die Zeitspanne für Interventionen und deren
Wirksamkeit war, wie Thomas Etzemüller herausgearbeitet hat, in der Regel kurz bemessen – entsprechend groß fielen die Versprechen der
Sozialingenieure aus.17
Typischerweise rückten die Sozialingenieure dieser
Jahrzehnte die Dimension der Vergemeinschaftung (zentral für die
nationale Ordnung!) immer wieder in den Mittelpunkt ihrer Programme.
Politik und Öffentlichkeit waren – so meine These – in der
Zwischenkriegszeit besonders anfällig für das Versprechen der Sozialexperten,
neue Vergemeinschaftungsformen vom Reißbrett aus entwerfen
und realisieren zu können.

Schließlich zeigen sich drittens zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen
den drei radikalen Diktaturen, die Europa in den dreißiger und
vierziger Jahren tiefgreifend verändert haben: Die vergleichende Diktaturforschung hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte
gemacht, so dass wir heute Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen
den Regime Mussolinis, Hitlers und Stalins nuancierter und präziser
identifizieren können.18 Vor allem hat die Verlagerung der Perspektiven
– von den Intentionen der Regime zu den Folgen für die zahlreichen
Opfer und zu den wechselseitigen Einflussnahmen – dazu geführt,
dass die Radikalität staatlicher Gewaltentfesselung und der Grad der
Mobilisierung von Menschen sowie aller symbolischen oder materiellen
Ressourcen zu einem wesentlichen Bezugspunkt des historischen Vergleichs
geworden sind.19
Das hier vorgestellte Deutungsmuster vermag
meines Erachtens keineswegs eine umfassende “Erklärung” für die
Gewaltexzesse und Mordprogramme zu liefern, die vor allem im nationalsozialistischen Deutschland und in der stalinistischen Sowjetunion
befohlen und in die Tat umgesetzt worden sind. Doch ist andererseits
unschwer zu erkennen, dass die imperialen Ambitionen der drei Diktaturen
ein wesentliches Erklärungselement liefern für die Radikalisierung
der drei Regime: In allen drei Fällen war den Diktatoren und ihren
Getreuen daran gelegen, einen expansionsfähigen Machtstaat aufzubauen.
Und alle drei Diktatoren sahen in der Anwendung von Gewalt
und der Mobilisierung ihrer Gesellschaften das probate Mittel, um dieses
Ziel schneller erreichen zu können. Alle drei Diktaturen waren auf Grund ihrer Einschätzung der weltpolitischen, das heißt auch imperialen Konstellationen,
Beschleunigungsdiktaturen: Sie glaubten nur über kurze
Handlungsfristen zu verfügen, was die Verwirklichung ihrer gesellschaftlichen
und machtpolitischen Visionen anging. Der vermeintliche Kampf
gegen den “Lauf der Zeit” kulminierte bekanntlich in der Entfesselung
des Zweiten Weltkriegs. Im Fall des nationalsozialistischen Deutschlands
und des faschistischen Italiens war auch die regimespezifische Utopie
eines “Neuen Menschen” untrennbar mit dem Projekt verbunden, eine
imperiale Gesellschaft auf rassistischer Grundlage zu schaffen.

Ausblick: Europa als Provinz west-östlicher Welten

1950 war in Europa das Ordnungsprinzip des Nationalstaats siegreich aus der Konfrontation zwischen den imperialen Mächten hervorgegangen.
Genauer gesagt war der Nationalstaat nunmehr das einzige
Ordnungsmuster, das die Siegermächte als Grundlage stabiler gesellschaftlicher
und politischer Verhältnisse in Europa akzeptierten. Insbesondere
die Mordprogramme, Vertreibungen, Fluchtbewegungen und
Umsiedlungen der Jahre 1940–1949 besiegelten eine Entwicklung, die
bereits in den Balkankriegen 1912/13 und im Ersten Weltkrieg begonnen,
jedoch in der Germanisierungspolitik des Nationalsozialismus sowie den
sowjetischen Zwangsdeportationen ethnischer Gruppen ihre gewalttätigen Höhepunkte gefunden hatte. Imperiale Ordnungen auf Abruf und
im Prozess der Abwicklung waren das britische Empire und das französische
Kolonialreich. Auf europäischem Boden existierte damit nur
noch die Sowjetunion als ein Imperium mit Zukunft. Ihm wurden
beim “brutalen Frieden” 1945 für weitere fünfundvierzig Jahre denn auch
Nationen und Territorien einverleibt, die bereits 1918 ihr Recht auf nationalstaatliche Souveränität respektive Eigenexistenz erkämpft hatten. Die
sorgfältige Einteilung der europäischen Staaten in die beiden westlichen
und östlichen Blöcke sowie die Gruppe der Neutralen fixierte für vierzig
Jahre die politischen Spannungslinien und trug dazu bei, die nationalstaatliche
Ordnung Europas weiter zu konsolidieren.

Europa war kein Labor der Moderne mehr, jedenfalls nicht mehr in
der exponierten Form, wie sie die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gekannt
hatte. In der Nachkriegszeit orientierten sich die Sozialingenieure,
aber auch die Intellektuellen und Wissenschaftler, nolens volens an den
Modellen, die nun in den beiden Supermächten, in den USA und der
Sowjetunion, entwickelt und propagiert wurden. Beide Imperien dehnten
ihre Zivilisierungsmissionen und universalistischen Programme auf
ihre jeweiligen Einflusssphären in Europa aus. Diese Exporte folgten
bekanntlich ganz unterschiedlichen Methoden. Im Fall des atlantischen
Bündnisses kam es zu einer vergleichsweise komplexeren Konstellation
wechselseitiger Beeinflussung, die am besten mit dem Konzept der
“Westernisierung” für die besiegten Länder, insgesamt aber als Herausbildung
eines neuen “Westens” zu bezeichnen ist. Diese westliche Welt
entwickelte bald auch gemeinsame internationale Organisationsformen
(wie UNO, UNESCO und OECD) für die neuen Labore der Moderne,
die in den ersten beiden Jahrzehnten nach Kriegsende zunächst einmal
als Programme und Experimentierfelder von “Modernisierung” und
“Entwicklung” operierten. Der “westlichen Welt” ordneten sich dabei von
Anfang an mehr europäische Nationen zu, als das militärisch-politische
Bündnis der NATO einschloss. Freilich ragte die Anziehungskraft dieses
demokratischen, sozialstaatlichen und kapitalistischen Modells weit
in die Sphäre des sowjetischen Imperiums hinein. Es steckte damit den
Rahmen ab, in dem sich der Prozess der Integration der europäischen
Nationalstaaten seit den 1950er Jahren und über die Zäsur 1989/90
hinaus vollzieht. Damit brach aber definitiv eine neue Phase in der Entwicklung
der europäischen Nationen an. Sie ist nicht mehr aus jener
Grundspannung zwischen Imperien und Nationen sowie widerstreiten –
den Ordnungsideen zu erklären, die zwischen 1900 und 1945 derart
massiv die Geschichte des Kontinents geprägt hatte.

  1. Christoper A. Bayly, Die Geburt der modernen Welt. Eine Globalgeschichte 1780--1914, Frankfurt am Main 2008; Jürgen Osterhammel, Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2010; Emily S. Rosenberg (Hrsg.), 1870--1945. Weltmärkte und Weltkriege, Geschichte der Welt, Bd. 5, hrsg. von Akira Iriye und Jürgen Osterhammel, München 2012.
  2. Hier seien nur die beiden auffälligsten Beiträge zur deutschen Nationalgeschichte genannt: Heinrich August Winkler, Der lange Weg nach Westen, 2 Bde., München 2000; Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, 5 Bde., München 1987--2008.
  3. Sebastian Conrad, Jürgen Osterhammel, Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871-1914, Göttingen 2004; Sebastian Conrad, Globalisierung und Nation im Deutschen Kaiserreich, München 2010.
  4. Jürgen Zimmerer, "Nationalsozialismus postkolonial. Plädoyer zur Globalisierung der deutschen Gewaltgeschichte", in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 57 (2009), S. 529-548; Stéphane Audoin-Rouzeau, Annette Becker (Hrsg.), La violence de guerre: 1914-1945. Approches comparées des deux conflits mondiaux, Bruxelles 2002; Norman M. Naimark, Flammender Hass. Ethnische Säuberung im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2008; Jürgen Zimmerer, Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust, Münster 2011.
  5. Ulrich Herbert (Hrsg.), Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert, München 2010ff.
  6. Christophe Charle, La crise des sociétés impériales: Allemagne, France, Grande-Bretagne (1900-1940). Essai d'histoire sociale comparée, Paris 2001.
  7. Mark Mazower, Der dunkle Kontinent. Europa im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2002; Eric J. Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, München 1997.
  8. Thomas Etzemüller (Hrsg.), Die Ordnung der Moderne. Social Engineering im 20. Jahrhundert, Bielefeld 2009.
  9. Jörn Leonhard, Ulrike von Hirschhausen (Hrsg.), Comparing Empires. Encounters and Transfers in the Long Nineteenth Century, Göttingen 2012; dies., Empires und Nationalstaaten im 19. Jahrhundert, Göttingen 2011.
  10. Vejas Gabriel Liulevicius, Kriegsland im Osten. Eroberung, Kolonisierung und Militärherrschaft im Ersten Weltkrieg, Hamburg 2002.
  11. Hagen Schulze, Staat und Nation in der europäischen Geschichte, München 1994, S. 278--317.
  12. Lutz Raphael, Imperiale Gewalt und mobilisierte Nation: Europa 1914--1945, München 2011, S. 186--196.
  13. Ebd., S. 82--93.
  14. Dietrich Beyrau, Schlachtfeld der Diktatoren. Osteuropa im Schatten von Hitler und Stalin, Göttingen 2000.
  15. Raphael, Imperiale Gewalt, S. 131--165.
  16. David Kuchenbuch, Geordnete Gemeinschaft. Architekten als Sozialingenieure -- Deutschland und Schweden im 20. Jahrhundert, Bielefeld 2010; Timo Luks, Der Betrieb als Ort der Moderne, Bielefeld 2010; Adelheid von Saldern, "'Alles ist möglich.' Fordismus -- ein visionäres Ordnungsmodell des 20. Jahrhunderts", in: Lutz Raphael, unter Mitarbeit von Clelia Caruso (Hrsg.), Theorien und Experimente der Moderne. Europas Gesellschaften im 20. Jahrhundert, Köln 2012, S. 155--192.
  17. Thomas Etzemüller, "Strukturierter Raum -- integrierte Gemeinschaft. Auf den Spuren des social engineering in Europa im 20. Jahrhundert -- eine Skizze", in: Raphael, Caruso, Theorien, S. 129--154.
  18. Richard Bessel (Hrsg.), Fascist Italy and Nazi Germany. Comparisons and Contrasts, Cambridge 1998; Richard Overy, Die Diktatoren. Hitlers Deutschland, Stalins Rußland, München 2006; Lutz Klinkhammer, Amedeo Osti Guerrazzi und Thomas Schlemmer (Hrsg.), Die "Achse" im Krieg. Politik, Ideologie und Kriegführung, 1939--1945, Paderborn 2010; Sven Reichardt, Armin Nolzen (Hrsg.), Faschismus in Italien und Deutschland. Studien zu Transfer und Vergleich, Göttingen 2005; Jürgen Zarusky (Hrsg.), Stalin und die Deutschen. Neue Beiträge der Forschung, München 2006.
  19. Beyrau, Schlachtfeld; Dieter Pohl, "Nationalsozialistische und stalinistische Massenverbrechen -- Überlegungen zum wissenschaftlichen Vergleich", in: Zarusky, Stalin, S. 253--264; jüngst Timothy Snyder, Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin, München 2012; vgl. dazu die Debatten in Journal of Modern European History, 10 (2012), S. 289--214.

Published 16 January 2013

Original in German
First published in Mittelweg 36 6/2012 (German version)

Contributed by Mittelweg 36
© Lutz Raphael / Mittelweg 36 Eurozine

PDF / PRINT

recommended articles