Christian de Brie

Die Europäische Union, die von ursprünglich 6 auf 25 Mitglieder angewachsen ist, hat ein Identitätsproblem. Sie ist keine gewachsene Gemeinschaft, die sich durch eine gemeinsame Geschichte legitimiert. Die Autoren der künftigen Verfassung sind “überzeugt, dass die Völker Europas – bei allem Stolz auf ihre Identität und nationale Geschichte – entschlossen sind, […] sich eine gemeinsame Geschichte zu schmieden”. Aber lässt sich ohne ein gemeinsames Gedächtnis eine Union zusammenschweißen? Wenn die einzelnen Länder an ihrer ethnozentrischen Sicht der Vergangenheit festhalten, werden sie auch künftig noch Herrscher feiern, die in den Augen der Nachbarvölker womöglich Henker waren, wie zum Beispiel Napoleon. Doch diese Sicht dominiert nach wie vor in den nationalen Museen und Erinnerungsstätten, die jedes Jahr von Millionen Menschen besucht werden.

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Von Gibraltar bis Accra, über Marokko, Mauretanien, Mali, Senegal,
Burkina Faso, Togo und Ghana, durch Wüsten und Sumpfgebiete,
Vogelparadiese und Savannen. Die mehr als 10.000 Kilometer lange
Strecke in einem betagten “Pijo” (Peugeot) quer durch Westafrika zu
fahren, ist keinesfalls eine Heldentat und nicht einmal ein
gefährliches Abenteuer. Aber es ist eine sehr ungewöhnliche,
wunderbare Erfahrung – mit sonderbaren Ritualen bei jedem
Grenzübertritt, mit beglückenden Begegnungen und mit einer
Entdeckung: Das Lebensgefühl afrikanischer Menschen, die man im
chaotischen Verlauf einer unberechenbaren Reise trifft, kann den
Luxus gewohnten, aber ängstlichen und verdrossenen Europäer auf
ganz neue Gedanken bringen.

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