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53 Wunden in Solidarität und Verantwortung

Aneignung und "Hostipitalität" in der Aussage "Wir Flüchtlinge"


Die Aussage "Wir Flüchtlinge" soll, insbesondere, wenn sie von nicht Geflüchteten getroffen wird, Solidarität mit der prekären Situation von Menschen im Exil vermitteln. Inmitten einer der größten Flüchtlingskrisen, die Europa seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt, schwingt in dieser Phrase anscheinend eine rhetorische Selbstidentifikation mit dem "Anderen" mit.[1] Sie gilt als Beweis für Mitgefühl und Empathie für jene Menschen, denen auf der Flucht vor politischem Chaos in der Heimat an den Orten, wo sie voller Hoffnung angekommen sind, alle Grundrechte genommen wurden. Und doch kann das "Wir" in diesem Statement sehr leicht missverstanden und gar zur Quelle widersprüchlicher Interpretationen und Spannungen werden.

Syrian and Iraqi refugees arrive from Turkey to Skala Sykamias, Lesbos Island, Greece. Spanish volunteers (life rescue team with yellow-red clothes) from "Proactiva open arms" help the refugees. Photo: Ggia. Source: Wikimedia


Das "Wir" kann einerseits die unterdrückte Angst vor dem Andersartigen, dem Flüchtling, dem "Anderen" betonen. Es kann die versteckten Widersprüche der eurozentrischen Vorstellung vom großen Graben zwischen dem "Uns", dem angeblich privilegierten alten europäischen "Wir", und "denen" aufzeigen: den kürzlich im europäischen Exil angekommenen Nicht-EuropäerInnen; den Graben zwischen westlichen StaatsbürgerInnen und den legalen MigrantInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien bzw. anderen osteuropäischen Ländern (vor und nach dem EU-Beitritt),[2] den Flüchtlingen des Jugoslawienkriegs,[3] den christlichen und den muslimischen MigrantInnen, den "Weißen" und den "Schwarzen", den "Sans Papiers" und den illegal Eingereisten, die man des Terrorismus verdächtigt.

Andererseits schwingt auch eine verdeckte Exklusivität, Essentialisierung, Aneignung und letztendlich auch etwas Gönnerhaftes in diesem "Wir" mit, verursacht durch das Privileg, das sich aus Aufenthaltsdauer, Klasse, Religion und anderen Unterschieden ergibt. So zeigt sich aufgrund seiner unspezifischen und heterogenen Ausrichtung schon in dem "Wir" an sich eine innere Spaltung. Als basiere die Berechtigung dieses "Wir" auf dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst".

Die Frage, wer sich selbst so positionieren darf, wer in der Aussage "Wir Flüchtlinge" eingeschlossen ist und wie man das Recht erlangt, von diesem "Wir" zu sprechen, ist keine rein rhetorische. Vielmehr sollten wir dringend darüber reden, woher das Misstrauen kommt, das sich hinter der Hinterfragung der Rhetorik und Zeitlichkeit des Pluralpronomens "Wir" verbirgt. Bedeutungsbrüche wie diese ebnen den Weg für eine kritische Rezeption des "Wir".

Wie werden aus Worten Taten?

Obwohl oder vielleicht gerade weil das Deutsche im Gegensatz zu einigen außereuropäischen Sprachen keine exklusive Form der ersten Person Plural vorsieht (eine präzise grammatikalische Unterscheidung zwischen einem allumfassenden "Wir" und einem "Wir", das nur einen Teil der Angesprochenen ausschließt), verbergen sich hinter seiner Verwendung viele potenzielle Doppeldeutigkeiten, was schließlich auch die vielfach zu beobachtenden sozialen und kulturellen Ausgrenzungen ermöglicht. Eine Diskussion der Genealogie des Unterschieds zwischen "Sagen" und "Tun" in der scheinheiligen Verwendung der ersten Person Plural oder der Frage, warum es so wichtig ist, wer durch den Akt der Hierarchisierung ein- oder ausgeschlossen wird, ist heute eines der dringendsten Anliegen. Ob aus der üblichen Engstirnigkeit, Rassismus, Antisemitismus, Antiromaismus oder antislawischem Rassismus, einem ausländerfeindlichen Verhältnis zu egal welcher neu angekommenen/beigetretenen Nation in der EU oder aus einem eindeutig islamophobisch begründeten, durch eine simplifizierte "Krieg gegen den Terror"-Rhetorik verursachten Rassismus – dem Bedürfnis nach Verwendung des allgemeinen Plurals "Wir" liegt offenbar der Anspruch auf eine gewisse positive demokratische Rhetorik zugrunde. Nichtsdestotrotz geht diese einher mit dem genauen Gegenteil, nämlich den Geflüchteten möglichst viele Hindernisse in den Weg zu stellen.

Seit Hannah Arendt ihren Essay mit dem Titel We Refugees (1947) veröffentlichte, ist es zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Regionen üblich geworden, in Texten, die Mitgefühl mit dem prekären Leben der Nichtprivilegierten zum Ausdruck bringen, bei Themen wie Identität, kollektiver Identität und kritischen Ansichten zur politischen Unterscheidung verschiedener Völker derartige inklusive Wendungen zu benutzen.[4] 50 Jahre später konnte Giorgio Agamben es sich nicht verkneifen, seinem Essay über das Flüchtlingsphänomen denselben Titel zu geben.[5] Darin zeigt er eine bemerkenswerte Empathie mit den Geflüchteten, wenn er einen kritischen Vergleich anstellt zwischen dem systembedingten Scheitern, das zur Entstehung der Konzentrationslager des Zweiten Weltkriegs und den gegenwärtigen Auffanglagern führte, und das "nackte Leben" der Gefangenen mit dem "nackten Leben" der Flüchtlinge vergleicht.[6]

Natürlich zählen Vergebung und Mitgefühl für andere, also die, die nicht zur eigenen Gemeinschaft gehören, zu den Grundelementen eines gesunden politischen Lebens, doch ist dies leichter gesagt als getan.[7] Die jüngste Krise in Bezug auf die Situation von Nicht-BürgerInnen und Geflüchteten hat erneut gezeigt, dass Mitgefühl mit allen politischen Subjekten vonnöten ist – will man von einem "Wir" sprechen, so vage es auch definiert und so sehr es auch bereits angeprangert worden sein mag, sogar von Agamben selbst. Die Notwendigkeit eines "Gegennarrativs" und der "Solidarität gegen jene, welche die Bedingungen schaffen, unter denen Angst und Furcht vor dem 'Anderen' gedeihen", geht mit einer Verantwortung einher, die an jede Verwendung des "Wir" geknüpft ist.[8]

Leider zeigen zahlreiche Beispiele, dass Regierungen sich genau gegenteilig verhalten und oftmals nicht einmal einen Hehl aus ihrem mangelnden Respekt vor der fundamentalen Verantwortung für Flüchtlinge machen, sondern deren tragische Schicksale für vordergründige politische Zwecke missbrauchen. Eines der absurdesten Beispiele schmutziger Politik und eines so schlecht durchdachten wie umgesetzten Plans mit tragischen Folgen war eine hollywoodreife Aktion der mazedonischen Regierung im Jahr 2002: Laut einem offiziellen Statement des Innenministeriums gelangten mehrere Arbeitsmigranten mithilfe einer mazedonischen Schlepperbande nach Griechenland. Im Sommer 2002 veranlasste die damalige mazedonische Regierung auf Drängen westlicher DiplomatInnen die Untersuchung einer Schießerei, bei der alle diese unschuldigen Migranten, die von Mazedonien als Al-Quaida-Kämpfer dargestellt wurden, ums Leben gekommen waren. Die Autopsie der Leichen (es konnten sechs Pakistanis identifiziert werden, ein Inder blieb namenlos) sowie die Polizeifotos wiesen darauf hin, dass alle Schüsse von der Polizei stammten und diese versucht hatte, den Tatort zu manipulieren. Alle Leichen wiesen mehrere Schusswunden auf (in einem Fall ganze 53).[9] Die brutale Ermordung von sechs pakistanischen und einem indischen Migranten (am 2. März 2002), die auf mazedonischen Boden gelockt worden waren, diente einerseits dazu, den USA und anderen Westmächten gegenüber die Entschlossenheit des Landes im "Krieg gegen den Terror" unter Beweis zu stellen, andererseits sollte sie das unverhältnismäßig brutale Vorgehen gegen muslimische AlbanerInnen im eigenen Land rechtfertigen.

"Wir Flüchtlinge" hört sich daher oft an wie das Heiratsversprechen eines Don Juan, das allein durch die geringe Glaubwürdigkeit der Figur des Verführers, der es äußert, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Daher könnte eine Idee aus der Sprechakttheorie, nämlich jene der "missglückten Sprechakte", als theoretisches und kritisches Mittel zur Analyse von Debatten dienen, in denen es um die üblichen Widersprüche und/oder Möglichkeiten des positiven Ansatzes zur Lösung der Flüchtlingskrise geht.[10]

Für einige kritische Stimmen steht der Einleitung positiver Bemühungen und gesellschaftlicher Veränderungen ein Mangel an klar formulierter moralischer Verantwortung und somit ein scheinheiliges "Wir" entgegen. So richten sich die normativen und rechtlichen Verpflichtungen gegenüber den Geflüchteten stark nach ethnischer Herkunft, Religion, Ankunftsland und Aufenthaltsstatus (man denke an das international anerkannte Prinzip des non-refoulement, das besagt, dass ein Staat eine Person nicht zurückweisen darf, die begründete Angst um ihr Leben hat). Diese unterschiedlichen und widersprüchlichen Standards sind nur einige der Ursachen der Heuchelei.[11]

Laut J. L. Austin hängt der Unterschied zwischen dem, was man sagt, und dem, was man tut, vom Kontext und den Umständen ab, und der Kontext kann sich erheblich auf die Erfüllung des Versprechens auswirken. Im Kontext der Sprechakttheorie ist ein unerfülltes Versprechen gleichbedeutend mit einem Misslingen, also ein sogenannter "missglückter Sprechakt".[12] Man darf jedoch nicht vergessen, dass das Heraufbeschwören eines "Wir" darauf abzielt, dass Mitglieder ausgewählter Gemeinschaften mit unterschiedlichem Status und unterschiedlicher Herkunft (AfroamerikanerInnen, Roma und "Traveller", Obdachlose, syrische Flüchtlinge oder geflüchtete Kinder jeglicher Religion) freiwillig oder unfreiwillig Teil einer neuen Gemeinschaft werden sollen, die ohnehin schon höchst heterogen ist.

Das Problem mit dem "Wir" besteht darin, dass man letztendlich nur verlieren kann: Ob man Nicht-Mitgliedern solcher Gemeinschaften nun das Recht abspricht, von "Wir" zu reden oder nicht, das Risiko der Essentialisierung lässt sich nicht vermeiden, da das Recht auf Verwendung des "Wir" sich weder genetisch noch durch ethnische Herkunft ableiten lässt – und auch nicht dadurch, dass man sich die grammatikalische Verwendung der ersten Person Plural zu eigen macht. Im Gegenteil, man muss sich das Vertrauen des anderen verdienen, um die Grundvoraussetzungen und die illokutionäre Kraft zu sichern, durch die dieser Sprechakt bzw. diese Äußerung im Hinblick auf die unsichtbar inbegriffenen Hierarchien und Privilegien als geglückt gelten kann.

Auch die Idee des Nationalstaats hilft nicht weiter, denn sie gründet auf ebenjenem Misstrauen zwischen den verschiedenen Nationen und der hierarchischen Differenzierung der Ankommenden. So kritisiert etwa Etienne Balibar moderne Vorstellungen von Nationalstaat und Nationalismus, indem er die Ungewissheit der historischen Realitäten und Kategorisierung der Nation seit ihren Anfängen untersucht.[13] Ihm zufolge ist es unmöglich, den Beginn einer Nation festzumachen oder zu argumentieren, dass die heutige Bevölkerung eines Nationalstaats Nachkommen jener Nation darstellt, die diesem vorausgegangen ist. Da kein Nationalstaat eine ethnische Grundlage hat, schafft sich seines Erachtens jeder Nationalstaat fiktionale Ethnizitäten, um Stabilität zu vermitteln.

Dort, wo es das Phänomen der MigrantInnen oder Geflüchteten nicht gibt, werden diese stabilen Identitäten produziert, weil es für die bereits instabile nationale Identität keine offensichtlichere Bedrohung gibt als die unterschiedlichen Identitäten, die es immer schon gab und die den neuen Migrations- und Fluchtwellen vorangegangen sind: "Die Idee der Nation ohne Staat oder der Nation 'vor' dem Staat ist insofern ein Widerspruch in sich, als dass im historischen Rahmen der Bildung einer Nation immer schon ein Staat impliziert ist (wenn auch nicht notwendigerweise in den Grenzen ihres Territoriums)."[14] Aus diesem Grund ist das "Wir" von Anbeginn an dem Misstrauen und der Angst vor Doppelzüngigkeit geweiht, sowohl seitens der Ein- als auch der Ausgeschlossenen.

"Wir Roma" oder die Unmöglichkeit des "Mit-Seins"

Schon vor der Flüchtlingskrise hatte die Inanspruchnahme und Aneignung einer vermeintlich "gemeinsamen" Position mit den Roma im Kontext Europas eine besondere Relevanz.[15] Das Privileg und die Aneignung hinter der Aussage "Wir Roma" wurde jedoch während und nach dem Jahrzehnt der Roma-Inklusion von 2005 bis 2015 am offensichtlichsten, als die Verinnerlichung des Antiromaismus zu einem Symptom der heuchlerischen Beziehung zwischen Neoliberalismus und Demokratie wurde und die meisten Geldmittel nicht die versprochenen Veränderungen der Lebensbedingungen in den Romagemeinschaften brachten. Einige höchst problematische Kunst- und Kulturprojekte, denen es an einer klaren politischen und wirtschaftlichen Strategie fehlte und die sich der scheinheiligen multikulturellen Grundsätze der neoliberalen Institutionen bedienten, resultierten schließlich in der sogenannten "Romaindustrie".[16]

Es ist weder einfach, die historischen Wurzeln des wiedererwachenden Konservatismus, Nationalismus und Rassismus zu erkennen, die heute offensichtlich unter dem Schutz des neoliberalen Kapitalismus am Werk sind und die aktuellen beschämenden Lebensbedingungen der Roma und anderer "rassifizierter" Minderheiten verursachen, noch ist es einfach, ihnen energisch entgegenzutreten. Während das Jahrzehnt der Romainklusion zumindest die wirtschaftlichen Umstände für die Romagemeinschaften in Europa erleichtern sollte, scheint es, als habe die allgemeine Romafeindlichkeit in Europa eher wieder an Sichtbarkeit und Stärke gewonnen. Der Antiromaismus hat der Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie gegenüber der andauernden Ankunft von syrischen Flüchtlingen den Weg bereitet (vorherrschende Religion der europäischen Roma ist der Islam, obwohl Roma in lokalen Erhebungen oft andere ethnische Zugehörigkeiten und Religionen angeben, um den rassistischen Konsequenzen zu entgehen). Vielleicht ist dies das Ergebnis der langjährigen Leugnung Osteuropas, was die Beteiligung der lokalen Bevölkerung am Holocaust angeht, der vergesslichen Toleranz in EU- wie in Nicht-EU-Ländern, was Denkmäler für Nazipersönlichkeiten angeht, der Ignoranz gegenüber antifaschistischen Ereignissen und Persönlichkeiten der Geschichte oder – was noch häufiger vorkommt – der Vandalisierung antifaschistischer Monumente und jüdischer Gedenkstätten und Friedhöfe.

Der Hauptgrund für die Problematik der Aussage "Wir Flüchtlinge" ergibt sich aus dem Widerspruch, der in einigen der Behauptungen des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy mitschwingt. Nämlich dass, obwohl unsere Existenz in der Welt damit verbunden ist, diese Welt zu teilen und die Idee des "Seins" immer von einem gewissen "Mit-Sein" bestimmt ist, wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich "wir" sagen können, nicht einmal für die Gemeinschaft, zu der wir zweifelsohne gehören.[17] Die Aporie des "Wir" ist die Hauptaporie der Intersubjektivität, wie Nancy bemerkt. Nancy warnt vor der Unmöglichkeit, ein universelles "Wir" festzumachen, das stets aus denselben Komponenten besteht, und wirft uns vor, dass wir vergessen haben, wie wichtig "Zusammensein", etwas "gemein haben" und "Zugehörigkeit" sind – dass "wir" kein Subjekt ist im Sinne der Selbstidentifikation und sich auch nicht aus Subjekten zusammensetzt. Ihm zufolge leben wir unser Leben "beziehungslos".[18]

Hier besteht ein Zusammenhang mit Nancys Idee der "entwerkten Gemeinschaften", die sich weigern, zu Komplizinnen des Staates zu werden.[19] In dieser Form der Aneignung des "Wir" könnte Potenzial für gewisse positive Auswirkungen eines neu entstehenden "Wir" stecken, das nicht auf der Zugehörigkeit als solcher beruht – ein "Wir", das nicht dazugehören, sondern sich der Zugehörigkeit bemächtigen will,[20] aber nur, wenn dies zu einer moralischen Verantwortung führt, die sich nicht notwendigerweise aus rechtlichen, politischen oder sozialen Bedingungen ergibt. Die dringende Aufgabe, der erneuten Rassifizierung Europas entgegenzuwirken sowie solidarisch mit den Gemeinschaften zu handeln, die aus Gebieten vertrieben werden, die sie sehr lange bewohnt haben (denken wir an die Roma in ganz Europa, die aus Serbien vertriebenen AlbanerInnen oder die kroatischen SerbInnen), oder die als Flüchtlinge neu angekommen sind – all das gehört entschiedenermaßen zusammen.

Balibar wiederum unterscheidet ganz klar zwischen unterschiedlichen "Wirs", indem er auf die Verantwortung verweist, die mit dem "Wir", das wir uns aneignen, verloren geht: "Wir, französische Bürger_innen aller Geschlechter, Herkünfte, Berufe, schulden den 'Sans-Papiers' großen Dank dafür, dass sie sich der 'Klandestinität', die ihnen zugeschrieben wurde, verweigert und mit aller Kraft die Frage des Aufenthaltsrechts aufgeworfen haben. Wir verdanken ihnen eine dreifache Demonstration, die uns einige Verantwortlichkeiten überträgt."[21]

Balibars skeptische Ansichten in Bezug auf die Auswirkungen des Maastrichter Vertrags von 1994 stehen im Zusammenhang mit eben dem Paradox, dass die Unionsbürgerschaft der Europäischen Union von Anfang an auf der falschen Gleichung "Bürgerschaft gleich Nationalität" beruhte und durch die Einschränkungen im Hinblick auf den Erhalt des Rechts auf Asyl definiert wird.[22] Die Scheinheiligkeit hinter dem Versprechen des "Wir" zeigt sich sehr klar in seinem Vorschlag für eine verantwortungsvolle Position gegenüber den "Sans Papiers": "Wir verdanken es ihnen, dass sie das überhebliche Doppelspiel der aufeinanderfolgenden Regierungen zerschlagen haben: einerseits 'Realismus', administrative Kompetenz, politische Verantwortlichkeit (man müsse doch die Bevölkerungsströme regulieren, die öffentliche Ordnung aufrechterhalten, die 'Integration' legaler Zuwander_innen sicherstellen etc.), andererseits nationalistische und wahltaktische Propaganda (Bestimmung von Sündenböcken für die Unsicherheit, Projektion der Angst vor Massenarmut in den phantasmatischen Raum identitärer Konflikte)."[23]

Bereits im Jahr 2000 haben Jacques Derrida und Anne Dufourmantelle die Aporie der absoluten Gastfreundschaft diskutiert und die heutige Lage sehr treffend antizipiert. Demzufolge braucht es das Gesetz; Gastfreundschaft, Aufnahme, das Willkommenheißen müssen einer grundlegenden und beschränkenden Gesetzgebung unterworfen werden.[24] Derrida hat in diesem Zusammenhang auch den oxymoronischen Begriff der "Hostipitalität" geprägt, um auf das Problem aufmerksam zu machen, dass der Staat gleichsam zur "kritischen Instanz" geworden ist, der die Macht hat, Freund und Feind zu unterscheiden, die Spreu vom Weizen zu trennen, den Gast vom Parasiten, Gastfreundschaft von Feindseligkeit, das "Wir" vom Wir.[25] Der scheinheilige Kampf gegen die im "Wir" enthaltenen Ressentiments gegenüber Flüchtlingen wird selbst zu einem Schleier, der die rassistische "Hostipitalität" kaschiert, sobald der Glaube an die awrah (die zu verdeckenden intimen Körperteile) als Verbrechen gilt. Dasselbe passiert, wenn die bevormundende "feministische" Debatte über das Burkiniverbot als Rechtfertigung für extreme Maßnahmen dient, die lediglich die Islamfeindlichkeit verdecken sollen, die in direkter Verbindung steht mit der Angst vor Terrorismus und dem Aufruf zu "Sittlichkeit und Säkularismus".[26]

 

  • [1] Laut Serena Parekh wurden 2014 59,5 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, 126.000 Menschen konnten in ihre Heimatländer zurückkehren und 105.000 wurden umgesiedelt; vgl. Serena Parekh, Moral Obligations To Refugees: Theory, Practice & Aspiration, in: The Critique, 6. Januar 2016; www.thecritique.com/articles/moral-obligations-to-refugees-theory-practice-aspiration-2/.
  • [2] Mehr über die widersprüchliche Arbeits- und Einwanderungspolitik der westlichen Länder vor der Spaltung Jugoslawiens findet sich bei Rastko Mocnik, Illegal Migrants and Late Capitalism, in: Motel Ježevo. Zagreb 2001-2002, S. 1.
  • [3] Schon in den 1990er- und 2000er-Jahren während des Kriegs und der Auflösung in Jugoslawien bereiteten mehrere Flüchtlingswellen der "Festung Europa" Sorge, was sich auch auf die verschiedenen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens auswirkte. Das Flüchtlingslager Ježevo in Kroatien und die Flüchtlings- und Auffanglager (wie Stenkovec und Blace), die 1999 in Mazedonien errichtet wurden, um den großen Fluchtbewegungen von 300.000 Menschen gerecht zu werden (die während der Bombardierung Jugoslawiens durch die NATO unterwegs waren), konnten nicht einmal den grundlegendsten Bedürfnissen der Geflüchteten gerecht werden.
  • [4] Hannah Arendt, Wir Flüchtlinge, in: Marie Luise Knott (Hg.), Zur Zeit. Politische Essays. Berlin 1986, S. 7-21. Siehe auch Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. München 1955. Die englische Ausgabe erschien bereits 1951, dem Jahr, in dem Arendt die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt, nachdem sie 1933 für kurze Zeit vom Naziregime festgehalten worden war, weil sie illegal die Grenze zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei überquert hatte. Die deutsche Staatsbürgerschaft war ihr 1937 entzogen worden.
  • [5] Agambens Argument für die Verwendung des "Wir", das "die Notwendigkeit des Mitgefühls für alle politischen Subjekte" unterstreicht, wurde geradewegs von Hannah Arendts Artikel beeinflusst (zum ersten Mal erschienen im Januar 1943 in The Menorah Journal, XXXI), den er zu Beginn seines Essays auch zitiert. Siehe Giorgio Agamben, We Refugees, in: Symposium: A Quarterly Journal In Modern Literatures, Vol. 49, Issue 2, 1995, S. 114-119. Später erschienen noch andere Versionen unter diesem oder anderen Titeln, etwa Giorgio Agamben, Beyond Human Rights, in Open, 2008, Nr. 15 – Social Engineering, S. 90-95.
  • [6] Vgl. Homo Sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Frankfurt am Main 2002.
  • [7] Glen Pettigrove, Hannah Arendt and Collective Forgiving, in: The Journal of Social Philosophy 37:4 (Winter 2006), S. 483-500.
  • [8] Vgl. Phillip Cole, On the borders of solidarity: An ethical perspective on migration, in: Eurozine, 12. August 2016, Erstveröffentlichung in Soundings; www.eurozine.com/articles/2016-08-12-colep-en.html.
  • [9] "Anstatt Soldaten zur Unterstützung der amerikanischen Streitkräfte nach Afghanistan zu schicken, wie andere Länder in der Region es getan hatten, dachten sich hohe Verwaltungs- und Polizeibeamte einen Plan aus, der eine terroristische Verschwörung gegen westliche Interessen in Skopje 'aufdecken' sollte, sagen Ermittlungsbeamte." Nicholas Wood, A Fake Macedonia Terror Tale That Led to Deaths, in: The New York Times, 17. Mai 2004; www.nytimes.com/2004/05/17/world/a-fake-macedonia-terror-tale-that-led-to-deaths.html?_r=0.
  • [10] Vgl. John L. Austin in: J. O. Urmson/Marina Sbisa (Hg.), How to Do Things with Words, 2. Ausgabe, Cambridge, MA 1975, S. 100. Siehe auch Shoshana Felmans Text über Molières Don Juan und die Doppelzüngigkeit seiner Figur: Shoshana Felman, The Scandal of the Speaking Body: Don Juan with J. L. Austin, or Seduction in Two Languages. Stanford 2002.
  • [11] Vgl. Parekh, Moral Obligations to Refugees.
  • [12] Vgl. Austin, S. 100.
  • [13] Vgl. Etienne Balibar, The Nation Form: History and Ideology. Aus dem Französischen von Immanuel Wallerstein und Chris Turner, in: Review (Fernand Braudel Center), 13.3 (1990), S. 329-361, 329.
  • [14] Ebd., S. 331, 351.
  • [15] Der kritischen Analyse Ivana Marjanovićs zufolge gab es eine widersprüchliche und fragwürdige Zusammenarbeit zwischen verschiedenen lokalen und internationalen Organisationen wie "der Weltbank, dem Europarat, der OSZE, des Open Society Institute und den Vereinten Nationen auf der einen Seite und Ländern, die bekannt sind für ihre mangelnde Inklusion von Roma, sowie Roma-NGOs auf der anderen Seite." Ivana Marjanović, Questioning Inclusion: Struggles against Antiromaism in Europe, in: Journal of Visual Art Practice, 10:2 (2011), S. 149-163.
  • [16] Ich beziehe mich hier auf die massive Investition in Kunstprojekte ohne klare politische Strategie, zum Beispiel den 2011 auf der Venedig Biennale präsentierten Roma-Pavillon (mit einem Budget von 600.000 Euro), der EU-Gelder für Romaprojekte verwendete und dabei auch KünstlerInnen unterstützte, die keine Roma waren, sowie das später von derselben Institution veröffentlichte Buch We Roma: A Critical Reader in Contemporary Art. Utrecht 2014.
  • [17] Vgl. Jean-Luc Nancy, singulär plural sein. Berlin 2004.
  • [18] Ebd., S. 19ff.
  • [19] Jean-Luc Nancy, Die undarstellbare Gemeinschaft. Stuttgart 1988.
  • [20] Siehe Giorgio Agamben, Die kommende Gemeinschaft. Berlin 2003.
  • [21] Etienne Balibar, Was wir den "Sans-Papiers" verdanken, eipcp.net, 2013; http://eipcp.net/transversal/0313/balibar/de.
  • [22] Vgl. Etienne Balibar, Is European Citizenship Possible?, in: James Holston (Hg.), Cities and Citizenship. London 1999, S. 195-216, 213.
  • [23] Balibar, Was wir den "Sans-Papiers" verdanken.
  • [24] Vgl. Jacques Derrida, Von der Gastfreundschaft. Wien 2001.
  • [25] Derrida bezieht sich auf die griechische Herkunft der Worte "Parasit" (parásitos = neben Getreide; ein Gast, der die Einladung, neben dem Essen Platz zu nehmen, missbraucht) und "Krise" (von krísis, krínein = trennen, also das Trennen der Spreu vom Weizen). Vgl. Jacques Derrida, Hostipitality, in: ANGELAKI – journal of the theoretical humanities, Band 5, Nummer 3, Dezember 2000.
  • [26] Im Juli 2016 verordnete der Bürgermeister von Cannes ein Burkiniverbot am Strand. Wer dagegen verstieß, riskierte eine Geldstrafe von 38 Euro. Das Verbot wurde daraufhin heftig diskutiert und schließlich von der Justiz wieder aufgehoben. Dennoch war die Verhängung des Verbots zu Beginn der Sommerferien nur eine weitere Maßnahme Frankreichs zur negativen Darstellung des Islams, der zweitwichtigsten Religion des Landes, und stand offensichtlich in Verbindung mit einer gesteigerten Islamophobie im Zuge der jüngsten islamistischen Anschläge auf die Strandpromenade von Nizza und eine katholische Kirche im Nordwesten Frankreichs sowie des Anschlags auf Charlie Hebdo im Januar 2015. Siehe auch Celestine Bohlen, The Multifaceted "Burkini" Debate, in: The New York Times, 22. August 2016; www.nytimes.com/2016/08/23/world/europe/france-veil-burkini-hijab.html.


Published 2016-12-09


Original in English
Translation by Gaby Gehlen
First published in Springerin 4/2016 (German version); Eurozine (English version)

Contributed by Springerin
© Suzana Milevska / Springerin
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Neda Deneva, Constantina Kouneva, Irina Nedeva and Yavor Siderov
Does migration intensify distrust in institutions?

http://www.eurozine.com/timetotalk/does-migration-intensify-distrust-in-institutions/
How do migration and institutional mistrust relate to one another? As a new wave of populism feeds on and promotes fears of migration, aggrandising itself through the distrust it sows, The Red House hosts a timely debate with a view to untangling the key issues. [more]

Editor's choice     click for more

Jürgen Habermas, Michaël Foessel
Critique and communication: Philosophy's missions

http://www.eurozine.com/articles/2015-10-16-habermas-en.html
Decades after first encountering Anglo-Saxon perspectives on democracy in occupied postwar Germany, Jürgen Habermas still stands by his commitment to a critical social theory that advances the cause of human emancipation. This follows a lifetime of philosophical dialogue. [more]

Literature     click for more

Karl Ove Knausgård
Out to where storytelling does not reach

http://www.eurozine.com/articles/2014-04-03-knausgard-en.html
To write is to write one's way through the preconceived and into the world on the other side, to see the world as children can, as fantastic or terrifying, but always rich and wide-open. Karl Ove Knausgård on creating literature. [more]

Jonathan Bousfield
Growing up in Kundera's Central Europe

http://www.eurozine.com/articles/2013-08-16-kuisz-en.html
Jonathan Bousfield talks to three award-winning novelists who spent their formative years in a Central Europe that Milan Kundera once described as the kidnapped West. It transpires that small nations may still be the bearers of important truths. [more]

Literary perspectives
The re-transnationalization of literary criticism

http://www.eurozine.com/comp/literaryperspectives.html
Eurozine's series of essays aims to provide an overview of diverse literary landscapes in Europe. Covered so far: Croatia, Sweden, Austria, Estonia, Ukraine, Northern Ireland, Slovenia, the Netherlands and Hungary. [more]

Debate series     click for more

Europe talks to Europe

http://www.eurozine.com/comp/europetalkstoeurope.html
Nationalism in Belgium might be different from nationalism in Ukraine, but if we want to understand the current European crisis and how to overcome it we need to take both into account. The debate series "Europe talks to Europe" is an attempt to turn European intellectual debate into a two-way street. [more]

Multimedia     click for more

http://www.eurozine.com/comp/multimedia.html
Multimedia section including videos of past Eurozine conferences in Vilnius (2009) and Sibiu (2007). [more]


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