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Das Gedächtnis der Shoah als mémoire croisée der verschiedenen politischen Systeme


European histories


The comfortable historical consensus long obtained within and among western European countries has been undermined by the eastern enlargement of the EU. Europeans are still far from an all-embracing "grand narrative", assuming this is worth striving for at all. [more]
Die letzten fünfzehn Jahre waren in Europa in Bezug auf Erinnerungspolitik recht turbulent: Beinahe jeden Tag wurde eine neue Ausstellung eröffnet, ein nationaler Gedenktag begangen, ein Denkmal enthüllt, eine neue Lektion in Geschichte gelernt... – als lebten wir im "Zeitalter des Gedenkens", wie so mancher Historiker oder Philosoph das nennt. Vergleicht man den östlichen mit dem westlichen Teil Europas, springen vordergründig so viele Ähnlichkeiten der Geschichtspolitik ins Auge, wie es Unterschiede gibt, wenn man etwas tiefer in das kollektive Gedächtnis blickt. Wird es eine gemeinsame europäische Geschichte geben, die für eine Mehrzahl der Bürger gelten kann, egal aus welchem Teil Europas sie kommen? Warum scheinen die tieferen Schichten des kollektiven Gedächtnisses immer noch wesentlich anders zu sein als die sichtbaren Gemeinsamkeiten? Schließlich, in Bezug auf das kollektive Gedächtnis selbst, gibt es einen systemspezifischen Unterschied zwischen dem östlichen und dem westlichen Gedächtnis, und wenn ja, wann hat er sich entwickelt?

Um diese Fragen zu beantworten ist es von Vorteil, dass ich zwischen Österreich und Ungarn pendele. Österreich soll also für eine westliche demokratische Gesellschaft stehen und Ungarn für eine postkommunistische. Ich werde mich emblematisch einer bestimmten Komponente der Gedächtnisse dieser beiden Länder bedienen, der Shoah, um zwei Phänome zu beleuchten:

1. den Konflikt zwischen der fragmentierten Opferperspektive und der allgemeinen Erinnerungspolitik;

2. die Diskrepanz zwischen der Geschichte des westlichen demokratischen und des postkommunistischen kollektiven Gedächtnisses, unter besonderer Berücksichtigung der Fälle Österreich und Ungarn.

Um die Ambiguitäten des europäischen "Zeitalters des Gedenkens" verstehen zu können, will ich mit einer kurzen Definition von drei Schlüsselkategorien beginnen: Geschichtspolitik, Gedächtnis und Erinnerung. Geschichtspolitik ist in erster Linie ein Mittel der politischen Legitimation. Sie dient dazu, politische Ziele mit Hilfe verdichteter historischer Erzählungen moralisch zu rechtfertigen. Diese Erzählungen bestimmen die Rolle, den Platz und die Aufgaben der auf der Bühne der Geschichtspolitik auftretenden Personen und Gruppen. Individuelle Erinnerung funktioniert genau umgekehrt, sie ist Teil und Motor der Selbstrepräsentation beziehungsweise der persönlichen Identität. Sie dient dazu, das Selbst zu stabilisieren und es mit der kollektiven Identität zu harmonisieren. Das kollektive Gedächtnis hingegen – in unserem Fall eines Staates –, versucht einen Ausgleich der immerwährenden Diskrepanz zwischen der aus primären kollektiven Erfahrungen und Wissensbrocken komprimierten Geschichtspolitik und der individuellen Erinnerung, die immer segmentiert und fragmentiert gespeichert und aufgerufen wird.

Mit diesen Ausgleichsbestrebungen des staatlichen Gedächtnisses in Österreich und Ungarn beschäftigt sich dieser Beitrag. Allerdings sollen die Ähnlichkeiten und Differenzen zwischen den beiden Ländern nur kursorisch skizziert werden, denn ich möchte hier keine Fallstudien zur vergleichenden "Gedächtnisgeschichte" in Österreich und Ungarn präsentieren. Vielmehr möchte ich – anhand der beiden Länder – die mémoire croisée zweier unterschiedlicher politischer Systeme darstellen – nämlich eines demokratischen und eines postsozialistischen.

Mémoire croisée I.: Opferperspektiven

In den Jahren 2004 und 2005 arbeitete ich mit einer ungarischen und zwei österreichischen Kolleginnen zusammen an einem Projekt[1], in dem wir die individuellen Erfahrungen und Erinnerungen österreichischer und ungarischer KZ-Überlebender anhand von Interviews rekonstruierten. Es handelte sich um Frauen mit einem ähnlichen Erfahrungshorizont, Frauen, die im Zweiten Weltkrieg als Jüdinnen deportiert und im Konzentrationslager Ravensbrück und Auschwitz-Birkenau sterilisiert worden waren. Wir gingen damals von der Arbeitshypothese aus, dass die Frauen unterschiedliche Erinnerungsperspektiven entwickelt haben würden, da sie später in unterschiedlichen politischen Systemen mit ihren je eigenen gesellschaftlichen Realitäten gelebt hatten. Kurz: wir haben mit einem westlichen Gemeinplatz operiert, nach dem in einer demokratischen Gesellschaft beziehungsweise einem demokratischen Staat eine per definitionem größere Chance bestünde als in einem totalitären System, dass die Wunden der Shoah geheilt würden. Nach der Analyse der Interviews mussten wir uns jedoch mit der Tatsache auseinander setzen, dass es kaum einen Unterschied in den Erzählungen gab. Wir konnten zwar einen merkbaren Unterschied in der Routinisierung des Erzählbaren feststellen, denn die österreichischen Frauen hatten seit den 1980er Jahren ausgiebiger Gelegenheit gehabt, ihre Erzählungen zu formen, zu wiederholen und "einzuüben² als ihre ungarischen Schicksalsgenossinnen, die erst nach der Wende 1989 damit beginnen konnten. Doch die grundlegende Situation war hier wie da dieselbe: weder in Österreich noch in Ungarn konnten die Wunden der Shoah verheilen. Auf diese Perspektive oder eher "Perspektivlosigkeit" der Opfer möchte ich später zurück kommen.

Mémoire croisée II.: Das Gedächtnis des Nationalsozialismus und des Kommunismus in Ost und West

Wir hatten unsere Hypothese vom Heilungseffekt der Demokratie auf der Basis historiographischer Beobachtungen über das nationale und transnationale Gedächtnis entwickelt.[2] Die Mehrheit dieser Beobachtungen beruht aber leider nur auf den westlichen Gedächtniskonstrukten, das heißt auf der Erinnerungskultur und Geschichtspolitik, die im Westen produziert wird.[3] Die westlichen Historiker und Politikwissenschaftler analysieren ihre eigenen nationalen Gesellschaften – in Westeuropa, den Vereinigten Staaten und Israel –, und diese nur aus der westlichen Perspektive.[4] Charles S. Maier, zum Beispiel, verwendet, um das Gedächtnis des Nationalsozialismus und des Kommunismus in den westlichen Gesellschaften zu beleuchten, eine Metapher aus dem Bereich der Kernphysik: Das "heiße" Gedächtnis hat, wie Plutonium, eine lange Halbwertzeit in der Geschichte, während das "kalte" Gedächtnis, wie Tritium, wesentlich kürzer ist.[5] Maiers Schlussfolgerung war, dass das Gedächtnis des Nationalsozialismus eine lange Halbwertzeit in der westlichen Welt hat, während das Gedächtnis des Kommunismus über keinen Mobilisierungseffekt mehr verfügt. Soweit ich abschätzen kann, trat in den postsozialistischen Staaten gerade der umgekehrte Fall ein: Das Gedächtnis des Kommunismus wurde zu einem heißen Topos, der sogar Massen mobilisieren kann, während das Gedächtnis des Nationalsozialismus kalt geblieben ist.

Bisher wurde in der osteuropäischen Historiographie das Gedächtnis des Nationalsozialismus und des Kommunismus meist nur im Modus gegenseitiger Ausschließlichkeit eines "Entweder-Oder" beforscht: Osteuropäische Historiker sind in der Regel entweder Experten des Holocaust-Gedächtnisses oder auf die Erinnerung an den Kommunismus spezialisiert.[6] (Kommunismusforschungen erfahren momentan an und für sich eine Renaissance und spielen in Osteuropa eine wichtige Rolle, sowohl in der politischen Legitimation der Herrschaft als auch in den alltäglichen politischen Inszenierungen.)

Mémoire croisée III.: Globales, europäisches und lokales Gedächtnis

Mit der Globalisierung des Gedächtnisses der Shoah fand auch der erste kulturelle Austausch von kollektivem Gedächtnis zwischen Ost- und Westeuropa statt. Interessanterweise wurde dieser Austausch außerhalb von Europa angeregt – nämlich in den USA. Die amerikanischen Soziologen Daniel Levy und Natan Sznaider z.B. gehen in ihrem Buch der Frage nach, inwieweit der Holocaust nicht mehr eine nationale, sondern eine globale Erinnerung darstellt.[7] Das ging Hand in Hand mit der Anthropologisierung der Opferrolle in Soziologie und Geschichtswissenschaft. Hier wird die spezifische Herkunft der Opfer völlig ausgeblendet, um so den gleichsam anthropologischen Ursachen von Menschheitsverbrechen auf die Spur zu kommen. Im Rahmen der Globalisierung wurde sowohl eine visuelle als auch eine narrative Meistererzählung in Erinnerung an die Shoah nach Europa exportiert, während die Anthropologisierung der 1980er Jahre dazu führte, dass Institute für Genozidforschung wie Pilze aus dem Boden schossen.[8]

Die Erinnerung an die Shoah wurde im globalen Zeitalter zu einem Maßstab für erlittenes Leid.[9] Dabei mutierte das Shoah-Gedächtnis zu einem universalen Container für die Erinnerung an die verschiedenen Opfergruppen. Mitte der 1990er Jahre wurde im Kosovokonflikt der Slogan "Nie wieder Auschwitz!" skandiert. Der Stalinismus ist als "Roter Holocaust"[10] bezeichnet worden. Das Gedächtnis der Shoah und die Geschichtspolitik der USA schufen ab der ersten Nachkriegszeit ein globales Institutionennetzwerk, das dem Imperativ: "Nie wieder!"[11] folgte. Dieses institutionalisierte Gedächtnis ist in den Vereinigten Staaten und in Israel entstanden, und seine Formen folgten und folgen meist amerikanischen oder israelischen Mustern. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte wurde es allerdings auch in Europa integriert.[12] Der – manchmal durchaus widersprüchliche – Anklang dieser Entwicklung in Europa kann ihre osteuropäische Rezeption sowohl erleichtern als auch erschweren. Die kosmopolitische Form des Gedächtnisses erleichterte es zum Beispiel den Ländern des ehemaligen Ostblocks, die Shoah nach vierzig Jahren der Tabuisierung wieder wahrzunehmen und ihre Erinnerungsrituale dementsprechend zu adaptieren. Dieses, seit fünfzig Jahren akkumulierte Wissen und die damit verbundene Praxis könnte sich – im Hinblick auf die Alltagskultur – als sehr nützlich erweisen, um auch in Osteuropa eine Didaktik und Kommunikation geschichtswissenschaftlicher Ergebnisse zu entwickeln.[13]

Der Erfolg der Globalisierung hat ihren Ursprung im Fehlen lokaler Erinnerungen. Die Shoah vernichtete die Substanz des europäischen Judentums, das auf blühenden jüdischen Gemeinschaften beruhte. Die Menschen und ihre Gemeinschaften sind von ihren physischen und symbolischen Orten verschwunden. Die Überlebenden haben ihre frühere Heimat für immer verlassen, weil sie sich mit der schreienden Leere des Ortes und der fehlenden Solidarität ihrer Nachbarn nicht auseinandersetzen wollten oder konnten. Die erzwungene Migration der Überlebenden und der Unwille der Gesellschaft zur Wahrnehmung ihres Leids resultierten darin, dass die Erinnerung an die Shoah disloziert wurde. Es gab fast keine heimischen Erinnerungsgemeinschaften, die ihrer eigenen Shoah-Opfer gedenken wollten. Auch deshalb kamen die konkreten Initiativen zur Erinnerung in den meisten Fällen von "außen". Die frühere Zentralisierung und spätere "Redistribution² der Erinnerungsformen ist daher kein Zufall.

Mémoire croisée IV.: Das Gedächtnis des Holocaust und die Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen

Der nächste Kreuzungspunkt drängt sich anlässlich der Debatte um eine andere Opfergruppe auf. Um die Jahrtausendwende begann in Deutschland und Osteuropa eine heikle, manchmal sogar unheimliche Diskussion über "Flucht und Vertreibung². Ich möchte hier einstweilen die tagespolitischen Verirrungen der Debatte über das Zentrum gegen Vertreibung in Deutschland beziehungsweise der Debatte über die Benes-Dekrete in Österreich und Ungarn ausklammern und mich auf jenen neuen Begriff konzentrieren, der durch diese Diskussion auch in die Historiographie der Shoah Eingang gefunden hat, nämlich den Begriff der ethnischen Säuberungen.[14] Sowohl Norman Naimark als auch Karl Schlögel betonen, dass die Erfahrung der Entwurzelung ein zunehmend wichtiger Bestandteil der europäischen Identität der Nachkriegszeit ist.

Obwohl der analytische Begriff der "ethnischen Säuberung" die Historiographie der Shoah schnell durchdrungen hat, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass die Genozidforschung und die oben erwähnte Epistemologie der Verbrechen gegen die Menschlichkeit sehr ähnlich sind. Hier wird die Shoah aber nicht nur als ethnisches Verbrechen anthropologisiert, sondern auch in die Reihe anderer ethnischer Säuberungen des zwanzigsten Jahrhunderts gestellt und dadurch trivialisiert, in manchen Fallen sogar relativiert.

Einige der Protagonisten betonen zynisch, dass es bei diesem – im Gewand der europäischen Identität auftretenden – Diskurs lediglich um die deutsch-polnische Befriedung gehe. Abgesehen davon handelt es sich aber bei diesem Vertreibungsdiskurs meiner Meinung nach um eine typische mémoire croisée, in der die demokratische Geschichtspolitik aus dem Westen und die postsozialistische Geschichtspolitik aus dem Osten zusammenlaufen und gemeinsam ein neues – europäisches – Gedächtnis produzieren. Dieses, durch die Geschichtspolitik der kommunistischen Verbrechen verstärkte Gedächtnis überschattet heute wie kein anderes die Erinnerung an die Shoah in Osteuropa.

Zusammenfassend können folgende Thesen festgehalten werden:

1. Die Erinnerungen der Opfer als auch der Täter und Zeitzeugen lassen bis in die 1980er Jahre kaum systemspezifische Unterschiede erkennen.

2. Ende der 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre gehen die west- und osteuropäischen Gedächtnisse getrennte Wege: Die Geschichtspolitik produzierte in der westlichen Welt ein heißes Gedächtnis der Shoah, während es in Osteuropa das Gedächtnis des Kommunismus ist, das diese Rolle einnimmt.

3. Das gegenwärtige, dislozierte Gedächtnis der Shoah ist kein nationales Phänomen, vielmehr ein kosmopolitisches beziehungsweise europäisches. Es erleichterte den Ländern des ehemaligen Ostblocks nach vierzig Jahren der Tabuisierung, die Shoah wieder wahrzunehmen und ihre Erinnerungsrituale dementsprechend zu adaptieren.

4. Paradoxerweise hat sich dadurch allerdings auch die Möglichkeit zur Anthropologisierung, Trivialisierung und Relativierung der Nazi-Verbrechen vergrößert.

Ein Beispiel für memoire croisée: Österreich und Ungarn

Wenden wir uns jetzt einem konkreten Beispiel zu. 1945 befanden sich Österreich und Ungarn in einer extremen Situation: sie mussten ein "offizielles", für die ganze Gesellschaft tragbares Gedächtnis der "Judenverfolgung" produzieren (die Begriffe "Holocaust" oder "Shoah" gab es damals noch nicht).

Die Shoah hatte alle Grundlagen des jüdisch-österreichisch-ungarischen Zusammenlebens zerstört. Seither muss man zwischen zwei nationalen Identitäten unterscheiden: zwischen den in der Shoah verfolgten Ungarn und Österreichern einerseits und der nicht-jüdischen Gesellschaft, die die Shoah mit ermöglicht hat und als Täter beziehungsweise Zuschauer an ihr beteiligt war andererseits. Für die Verfolgten bedeutete dies, dass sie ihre frühere Identität aufgeben mussten, die sie mit der gesamten (österreichischen oder ungarischen) Nation geteilt hatten. Sie konnten ihre Identität nicht mehr aus dem gemeinsamen Leben ableiten, sondern mussten sie nunmehr abstrakt definieren: als eine Form der Zugehörigkeit zur nationalen Kultur, zur Sprachgemeinschaft oder zum politischen System. Denn durch die Shoah wurden die Juden aus der österreichischen bzw. ungarischen Nation ausgeschlossen, selbst wenn einige Überlebende voller Scham wieder aufgenommen wurden.

Dieser Bruch der Identitäten ist an einen Bruch der Erinnerungen gekoppelt. Die Erinnerung ist seit der Shoah geteilt in eine jüdische und in eine nicht-jüdische. Durch die Erinnerung an die Vergangenheit werden Ungarn und Österreich für die Juden zu völlig anderen Ländern als für die nichtjüdische Bevölkerung. Das Land trägt zwar denselben Namen, es wird ihm jedoch ein völlig anderes Erinnerungsprofil zugeordnet. Das nahm schon seinen Anfang mit der Ankunft der Roten Armee 1945, die von den Juden als Befreiung erlebt wurde, von der nichtjüdischen Bevölkerung aber mehrheitlich als Beginn einer langen schmachvollen Unterdrückung.

Historiker und Soziologen behaupten gerne, dass die Shoah eine massive soziale Amnesie in den ersten zwei oder drei Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg in Europa zur Folge hatte. Im Großen und Ganzen haben sie Recht. Doch in den ersten zwei Nachkriegsjahren konnte man ganz unterschiedliche Aktivitäten in Hinblick auf die Geschichtspolitik erleben. Am 14. September 1946 wurde im Wiener Künstlerhaus die von der sowjetischen Besatzungsmacht angeregte antifaschistische Ausstellung "Niemals vergessen" eröffnet und so schon relativ früh ein staatliches Gedächtnis produziert. Gleichzeitig waren in Ungarn die Medien nach wie vor von antisemitischer Rhetorik durchdrungen und störten den sozialen Frieden, in manchen Städten fanden sogar weiterhin Pogrome statt.[15] Zugegebenermaßen begannen in beiden Ländern Gerichtsprozesse gegen ehemalige Nazis und eine allgemeine Entnazifizierung etwa gleichzeitig, was allerdings in Ungarn effektiver durchgeführt wurde als in Österreich. Während in Österreich die These vom ersten Opfer des Nationalsozialismus recht früh erfunden wurde, oszillierte der offizielle Standpunkt in Ungarn, nicht zuletzt wegen des stärkeren Einflusses der Sowjetunion, zwischen der These des ersten Kollaborateurs und der des ersten Opfers.

Zu Beginn des Jahres 1947, mit der ersten Amnestie ehemaliger NSDAP-Mitglieder, umgingen 90 % der möglichen Täter in Österreich ein Gerichtsverfahren.[16] Die neue Linie, ehemalige Nazis zu integrieren, brachte den politischen Parteien in Österreich viele Wähler. In Ungarn, parallel zur Machtübernahme durch die Kommunisten, wurden ehemalige Mitglieder der Pfeilkreuzler begnadigt. Der politische Diskurs externalisierte die nationalsozialistische Vergangenheit der Österreicher und Ungarn, indem diese auf die Deutschen projiziert wurde. Eine neue Opferthese wurde konstruiert, nach der die Österreicher die ersten und die Ungarn die letzten Opfer des deutschen Nationalsozialismus waren.[17] Die nationalsozialistische Vergangenheit wurde zu einem heroischen Kapitel der österreichischen und ungarischen Geschichte umgedichtet.[18] Jüdische Opfer wurden unter die Kategorie der "antifaschistischen Widerstandskämpfer" subsumiert und die Antifa-Bewegung institutionalisierte ihren Opferstatus. In beiden Ländern sollte sich dieser dominierende politische Diskurs fast ungebrochen dreißig Jahre lang behaupten. Die Gesellschaft wurde zur Opferrolle erzogen, die Traumata und die Erinnerungen der eigentlichen Opfer hingegen wurden tabuisiert.[19]

In Österreich wurde das lange Schweigen mit der Ausstrahlung der amerikanischen Fernsehsendung "Holocaust" durchbrochen.[20] Mit diesem Film begann der Begriff der "Judenverfolgung" seine weltweite Karriere. Obwohl der Film teilweise in und über Österreich gedreht worden war, wurde er hier eher spät ausgestrahlt, erst nach den Premieren in den USA, England, Israel, Deutschland und Frankreich. Die Serie führte zu einer breiten, schmerzlichen, aber erfolglosen Diskussion über Österreichs Rolle im Nationalsozialismus. Die Nachkommen der Täter erwachten aus ihrem tiefen Schlaf und stellten das Tabu in Frage, während die Überlebenden den Hollywood-Stil des Films kritisierten.

Sieben Jahre später, während der Präsidentschaftswahlen in Österreich, begann, mit ein wenig Unterstützung der amerikanischen Medien, der größte Skandal der Zweiten Republik. Wie wohl bekannt ist, drehte er sich um Kurt Waldheim und seinen Dienst in der Wehrmacht. Aber auch jetzt war Österreich nicht in der Lage, sich mit der Vergangenheit in einer selbstreflexiven Art auseinander zu setzen, sondern wiederholte die gesellschaftlichen Traumata und blockte ab (was dazu führte, dass rechtslastige Sympathisanten sich radikalisierten) und versuchte, kritische Stimmen zu unterdrücken. Zu dieser Zeit diskutierte niemand die ungarische Verantwortung in der Shoah, obwohl die Forschung zur ungarisch-jüdischen Geschichte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Renaissance erfuhr.

In Österreich war der Geist schon aus der Flasche gelassen. Im Rahmen des Gedenkens an den Anschluss 50 Jahre zuvor wurden 1988 eine Reihe von historischen und soziologischen Forschungsprojekten ins Leben gerufen, und die Medien begannen die österreichische nationalsozialistische Geschichte als heißes Thema zu behandeln. Die neuen Veröffentlichungen verdeutlichten, dass eine Mehrheit der österreichischen Bevölkerung den Anschluss willkommen geheißen hatte und bald darauf daran beteiligt war, den Holocaust herbeizuführen.

Nach der Wende 1989 vergrößerten sich die Differenzen in Bezug auf die Geschichtspolitik zwischen den zwei politischen Systemen radikal: die Entwicklung des staatlichen Gedächtnisses schlug in West- und Osteuropa gänzlich unterschiedliche Richtungen ein. In Österreich begann eine breite Diskussion über Täterschaft, und langsam wurde auch die Mitverantwortungsthese gesellschaftlich akzeptiert.[21] 1991, erstmals seit 1945, übernahm Bundeskanzler Franz Vranitzky die Verantwortung für die Judenverfolgung in Österreich. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre begann eine in großem Maßstab angelegte Wiedergutmachung nicht nur Überlebende mit österreichischer Staatsbürgerschaft zu erreichen, sondern weltweit auch ehemalige Zwangsarbeiter. Mehr noch, die Forschungen der Historikerkommission resultierten in neue Regierungsprogramme zur Erinnerungskultur. 2003 wurde die Gedenkstätte Mauthausen eröffnet. Die Ausstellung zeigt deutlich die Rolle Österreichs in der Verfolgung und Ermordung hunderttausender österreichischer Staatsbürger. Mauthausen, wo bis zu 200.000 Menschen aus ganz Europa konzentriert und mehr als die Hälfte davon ermordet wurden, ist das einzige der österreichischen KZs mit einer solchen Gedenkstätte. Die Ausstellung, die auch im Netz besichtigt werden kann, vermittelt drei Botschaften: "Wir waren für den Holocaust verantwortlich"; "Unsere Verantwortung reicht über die Grenzen unseres Landes hinaus"; und "Wir waren nicht nur für die Ermordung von Juden, sondern auch für die Ermordung von Sinti und Roma, Homosexuellen und politischen Gefangenen aus ganz Europa verantwortlich". Die Grundinformation der Gedenkstätte ist in dreißig Sprachen übersetzt. Es scheint, als sei Österreich erfolgreich im mainstream der europäischen Erinnerungskultur angekommen.

Die Ereignisse in Ungarn nahmen einen anderen Verlauf. Der Systemwechsel bedeutete einen Höhepunkt für die Sichtbarkeit der Opfer: alle Opfer des 20. Jahrhunderts meldeten sich zu Wort, um ihre Geschichte und ihre Traumata öffentlich zu erzählen und um Wiedergutmachung zu verlangen. Angeführt wurde die Reihe durch die Opfer der Revolution von 1956, ihnen folgten die Opfer des Stalinismus, und zum Schluss kamen die Opfer der ungarischen Shoah. Die ersten beiden – miteinander konkurrierenden – Opfergruppen wurden aber bald von den politischen Parteien gegeneinander ausgespielt, während die Opfer des Holocaust wieder in den Hintergrund gedrängt wurden.

Ein paar Jahre später, als die Opfer der Revolution von 1956 politisch diskreditiert waren, standen sich das Gedächtnis des Nationalsozialismus und das Gedächtnis des Kommunismus allein auf dem Schlachtfeld der Erinnerung gegenüber – sei es, dass es sich um die Einführung eines neuen staatlichen Gedenktags, die Gründung eines Museums (wie zum Beispiel das Haus des Terrors oder das Holocaust Museum) oder um eine Interpellation im Parlament handelte. Das Gedächtnis der Shoah wurde noch immer kaum in das kollektive Gedächtnis der ungarischen Nation übernommen, obschon das 2005 neu eröffnete Holocaust Museum dazu Anlass geben könnte. Und, schließlich, wurde und wird immer noch die ungarische Täterrolle wenig, und wenn, dann nur oberflächlich, thematisiert.

Mémoire croisée V.: Die letzten Zusammenstöße zwischen kommunikativem und kulturellem Gedächtnis

Ist es wirklich so, dass die Unterschiede im Gedächtnis der Shoah erst nach dem Zusammenbruch des politischen Blocksystems auftraten – oder zumindest damals erstmals zum Vorschein kamen, als sich die politischen Systeme einander annäherten? Das würde bedeuten, dass man die früheren Parallelen und die späteren Differenzen mit Hilfe der politischen Sozialisation nicht erklären kann! Wäre das Gedächtnis der Shoah demnach ein breiteres, gar epistemologisches Phänomen[22] des Herbstes der Moderne à la Huizinga, das immun ist gegen kurzfristige politische Einflüsse – wie auch die Shoah selbst als Zivilisationsbruch gedacht wurde? Gibt es eine mentalitätsgeschichtliche Argumentationslinie, die dieses Paradoxon erklären könnte?

Wenn wir das kollektive Gedächtnis als ein langfristig sich entwickelndes gesellschaftliches Produkt verstehen, in dem sich die Einstellungen, Gedanken und Gefühle der Menschen einer Epoche widerspiegeln, können wir die Parallelen und Differenzen in einem anderen Licht betrachten. Die Parallelen führen uns zurück in die Vorkriegszeit, also in eine Zeit, in der die politischen Systeme einander viel ähnlicher waren als nach dem Krieg. Das Gedächtnis der Nachkriegszeit hat seine Wurzeln in den geteilten Erinnerungen der verschiedenen Gruppen, die zwar zur selben Zeit, in den verschiedenen Systemen aber politisch unterschiedlich sozialisiert wurden. Das heißt: was uns jetzt wie ein Paradox erscheint, ist ein logisches Produkt der unterschiedlichen Sozialisationen über die Zeit hinweg. Dort, wo man sich seit fast dreißig Jahren mit der Shoah unter demokratischen Bedingungen auseinandersetzen konnte und auch sollte, wurde eine Kultur der europäischen Erinnerung – manchmal besser, manchmal schlechter – geschaffen. Wo diese Bedingungen fehlten und daher auch keine dementsprechenden Erfahrungen vorhanden waren, blieben diese Erinnerungen – trotz aller späteren Demokratisierungen des politischen Systems – eingekapselt und folgen nach wie vor (post)sozialistischen Mustern. In diesem Sinn leben wir in einer äußerst absurden Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart, in der die politischen Differenzen der Vergangenheit in die unterschiedlichen Gedächtnisse von heute transformiert wurden.

Damit ist aber unser erstes Problem noch immer nicht gelöst: Wie kann man die Diskrepanz zwischen der auf primären fragmentierten Erinnerungen aufgebauten Opferperspektive in dem sekundären, umfassenden und allgemeinen Gedächtnis des Staates aufheben?[23] Wir befinden uns momentan in einer dramatischen Situation, in der wir zu Augenzeugen jener letzten Zusammenstöße werden, in denen das kommunikative Gedächtnis der Opfer und das kulturelle Gedächtnis ihrer Nation aufeinander treffen. Es sind nur noch sehr wenige Menschen unter uns, die die Shoah erlebt und überlebt haben. Doch sie können uns von ihren traumatischen Erfahrungen erzählen und von ihrer Enttäuschung in Bezug auf die offizielle Geschichtspolitik und das Gedächtnis der Shoah, die beide nicht von ihnen produziert wurden. Vorerst noch kontrolliert ihre beunruhigende Gegenwart das kulturelle Gedächtnis, während dieses aber bereits lauthals die Hegemonie für sich beansprucht. In seinem neuen Buch fragt James E. Young, wie das Gedächtnis der Shoah nach dem Tod der letzten Zeitzeugen in Mahnmalen, Filmen und Kunstwerken überhaupt noch wach gehalten werden kann, ohne dass es zu einer bloßen Institutionalisierung der Erinnerung kommt.[24] Offen bleibt aber, ob, wie er meint, das Gedächtnis der Shoah eine neue Ethik der Erinnerung hervorbringen wird, eine größere Distanz in der Historiographie oder einen kreativeren Umgang mit der Erinnerung, oder aber ob im Gegenteil die kollektive Amnesie den Sieg davon tragen wird und dem Bösen wieder zu Dienste sein wird.

Epilog

Zum Schluss möchte ich diesen Ausblick mit zwei Bildern illustrieren. Das erste Bild ist die Startseite der virtuellen Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, auf der wir die Grundinformationen in dreißig Sprachen lesen und je zwanzig Filme in Originalsprache sehen können. (www.mauthausen-memorial.at) Das zweite Bild zeigt das neueste Holocaust Mahnmal in Budapest, das 2005 zum Gedächtnis an die Opfer des "Pfeilkreutzer"-Terrors in Budapest enthüllt wurde. (www.nsz.prim.hu/cikk/370994/) Die Skulpturengruppe wurde vom Bildhauer Gyula Pauer nach Entwürfen des ungarischen Regisseurs Can Togay fertiggestellt. Es wurden sechzig Paar zeitgetreue Schuhe aus Gusseisen angefertigt, um an jene Juden zu erinnern, die 1944 in die Donau geschossen wurden. Die Künstler wählten bewusst Gusseisen als Material, weil dieses nicht wiederverwertbar und deshalb für die armen illegalen Metallsammler wertlos ist. Zwei Monate später hatte jemand das Mahnmal beschädigt: vier Paar Schuhe waren verschwunden. Wer sie genommen hatte, musste sich gut vorbereitet haben, denn es bedarf spezieller Werkzeuge, um die acht Kilogramm schweren Schuhe zu entfernen. Die Presse berichtete von einem gewöhnlichen Diebstahl. Als im Laufe des Sommers der Wasserstand der Donau sank, kamen auch die Schuhe im Flussbett wieder zum Vorschein: sie waren den Juden ins Wasser "nachgeworfen" worden.


This text is based on a lecture held at the IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften (International Research Centre for Cultural Studies) in Vienna in October 2005 as part of the conference "Do states need a memory?" The revised English version was presented at the conference "Conflicting Memories and European Integration", held in April 2006 at the NYU Center for European and Mediterranean Studies.

 

  • [1] Das Projekt wurde durch die Stiftung "Aktion Österreich Ungarn" unterstützt. Die Teilnehmerinnen waren: Júlia Vajda und Éva Kovács aus Ungarn, Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr aus Österreich.
  • [2] Eine gute Zusammenfassung dieser Historiographien findet man in der Zeitschrift Transit Nr. 22. (Winter 2001/2002).
  • [3] Ein weiteres Beispiel zum "West-internen" Diskurs über Historiographie, Geschichts- und Gedächtnispolitik findet man im Sonderheft der Zeitschrift History and Memory (1997, Nr. 9). In diesem Heft wird das Thema des Vortrags von James E. Young, Dominick Lacarpa, Dan Diner und Carlo Ginzburg problematisiert.
  • [4] Daniel Levy, Natan Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter: Der Holocaust, Suhrkamp: Frankfurt am Main 2001. James E. Young: The Texture of Memory. Holocaust Memorials and Meaning. New Haven and London: Yale University Press 1993. James E. Young: At Memory's Edge. After-Images of the Holocaust in Contemporary Art and Architecture. New Haven and London: Yale University Press 2004; Mark Mazower: Dark Continent: Europe¹s Twentieth Century, New York: Knopf 1998.
  • [5] Charles S. Maier: Heißes und kaltes Gedächtnis: Über die politische Halbwertszeit von Nazismus und Kommunismus. In: Transit Nr. 22 (Winter 2001/2002).
  • [6] Vgl. Transit Nr. 22; Maria Todorova: Remembering Communism (www.ssrc.org); Éva Kovács: "The Cynical and the Ironical – Remembring Communism in Hungary", in: Regio, English Version, 2003. S. 155-169.
  • [7] Vgl. Levy/Sznaider, 2001; Heidemarie Uhl (Hrsg.): Zivilisationsbruch und Gedächtniskultur. Das 20. Jahrhundert in der Erinnerung des beginnenden 21. Jahrhunderts (Gedächtnis – Erinnerung – Identität 3). Innsbruck, Wien, München, Bozen: Studienverlag 2003.
  • [8] Diese notorische Reaktion auf das Paradoxon, dass es um ganz besondere Opfer und um ganz allgemeine Täter geht, kritisierte Dan Diner in Reaktion auf den Essay von Jaspers über die Schuldfrage. Dan Diner: "Schulddiskurse und andere Narrative – Epistemisches zum Holocaust", in: Ders.: Gedächtniszeiten. Über jüdische und andere Geschichte, Verlag C. H. Beck: München 2003. S. 180-200.
  • [9] Levy/Sznaider, 2001.
  • [10] Stephane Courtois, Nicolas Werth, Jean-Louis Panne: Das Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror. Piper: München 2000.
  • [11] Dan Diner (Hg.): Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz, Fischer: Frankfurt am Main 1988.
  • [12] Vgl. Zygmunt Bauman: Moderne und Ambivalenz, Hamburg 1992.; Ders.: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust, Hamburg 1992.; Shulamit Volkov: Das jüdische Projekt der Moderne, Frankfurt a. M. 2001.
  • [13] Durch z.B. Unterrichtsmaterialien zum Holocaust und andere Materialien, die die Holocaust Stiftung des Filmregisseurs Stephen Spielberg aus Berichten von Überlebenden und Augenzeugen zusammenträgt.
  • [14] Vgl. Norman M. Naimark: Fires of Hatred. Ethnic Cleansing in Twentieth-Century Europe. Cambridge, Mass. Harvard University Press 2001.; Karl Schlögel, "Nach der Rechthaberei. Umsiedlung und Vertreibung als europäisches Problem", in: Dieter Bingen; Wlodzimierz Borodziej; Stefan Troebst (Hgg.), Vertreibungen europäisch erinnern? Historische Erfahrungen – Vergangenheitspolitik – Zukunftskonzeptionen, Wiesbaden 2003, S. 11-33. Solch einen Vergleich versuchte ich im Fall Ungarn, siehe: Éva Kovács: "Der schmale Grat zwischen zynischer und skeptischer Erinnerung – einige Bemerkungen zur Institutionalisierung historischer Erfahrungen", in: Anja Kruke (Hrsg.): Zwangsmigration und Vertreibung – Europa im 20. Jahrhundert, Bonn 2005.
  • [15] Zu den Progromen vgl. János Pelle: Az utolsó vérvádak, Budapest: Pelikán 1995; Éva Vörös: Kunmadaras, újabb adatok a pogrom történetéhez, Budapest: Múlt és Jövö 1994; János Varga, A miskolci népítélet, 1946; Medvetánc, 1986, 2-3.
  • [16] Dieses Gesetz erlaubte es ehemaligen NSDAP-Mitgliedern an den Wahlen teilzunehmen (6. Februar 1947). Die allgemeine Amnestie für ehemlige Nazis wurde zehn Jahre später geboren (14. März 1957).
  • [17] Der Begriff des "ersten Opfers" stammte aus der Moskauer Deklaration über Österreich (30. Oktober 1943), "Die Regierungen des Vereinigten Königreiches, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll." Vgl.: Robert H. Keyserlingk, Austria in World War II, Kingston-Montreal 1988, 207.
  • [18] Vgl. die österreichischen Kriegsdenkmäler seit den 1950er Jahren. In: Heidemarie Uhl, "Das 'erste Opfer'. Der österreichische Opfermythos und seine Transformation in der Zweiten Republik", in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 1 (2001), 19-34.
  • [19] Zu den Mechanismen der Tabuisierung zeigt Gerhard Baumgartner faszinierende Beispiele. Vgl. Baumgartner, Gerhard: Erinnerte und vergangene Zeit. In: Emil Brix, Ernst Bruckmüller, Hannes Stekl: Memoria Austriae – Menschen, Mythen, Zeiten, Oldenbourg Verlag: Wien 2004. S. 530-544.
  • [20] Vgl: "Holocaust, The Story of the Family", Weiss (R: Marvin Chomsky), NBC, New York.
  • [21] Obwohl diese Mitverantwortungsgefühl noch immer sehr problematisch war. Siehe Ruth Wodak: "Wir sind alle unschuldige Täter!": Diskurshistorische Studien zum Nachkriegsantisemitismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990.
  • [22] Vgl. Zygmunt Bauman: Moderne und Ambivalenz, Hamburg 1992.; Shulamit Volkov: Das jüdische Projekt der Moderne, Frankfurt a. M. 2001.
  • [23] Siehe Reinhart Koselleck: Die Diskontinuität der Erinnerung. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 2 (1999), S. 213-214.
  • [24] Siehe Young 2000.


Published 2007-04-18


Original in English
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