Latest Articles


08.02.2012
Jonathan Metzger

We are not alone in the universe

A new type of political ecology may lend the Left a broad political platform. But we must first acknowledge wills that are not human. Jonathan Metzger explains why "more-than-humanism" calls for a complete rethink in policy, planning and the law. [ more ]

08.02.2012
Eurozine Review

Naive, the hawks would say

08.02.2012
Berthold Franke

Anger at Kohl

03.02.2012
Daniel Daianu

Markets and society


New Issues


08.02.2012

Merkur | 2/2012

07.02.2012

Springerin | 1/2012

Bon Travail
07.02.2012

L'Homme | 2/2011

Geld-Subjekte
07.02.2012

Res Publica Nowa | 16 (2011)

The tyranny of opinion
07.02.2012

Arena | 1/2012

På apornas planet [On the planet of the apes]

Eurozine Review


08.02.2012
Eurozine Review

Naive, the hawks would say

"Ny Tid" says that only diplomacy can defuse the Iranian bomb; "NAQD" warns that the Arab revolutions are not as feminist as the West thinks; "Blätter" wants an enquiry into institutional racism in Germany; "Letras Libres" pays its respects to a rare revolutionary; "Arena" asks the bane of the Norwegian far-Right to explain Breivik; "Res Publica Nowa" struggles for objectivity amidst the tyranny of opinion; "Merkur" is still angry with Kohl; Springerin observes how artists lead the market when it comes to precarity; "L'Homme" finds that international development begins in the home; and "Vikerkaar" reads 150 years of Estonian thanatography.

25.01.2012
Eurozine Review

The organized upperworld

11.01.2012
Eurozine Review

A new way to talk politics

21.12.2011
Eurozine Review

"Transparency" in scare quotes

07.12.2011
Eurozine Review

Itching powder for the Left



http://www.eurozine.com/articles/2011-05-02-newsitem-en.html
http://www.n-ost.org
http://www.eurozine.com/articles/2009-12-02-newsitem-en.html
http://mitpress.mit.edu/0262025248
http://www.eurozine.com/about/who-we-are/contact.html

My Eurozine


If you want to be kept up to date, you can subscribe to Eurozine's rss-newsfeed or our Newsletter.

Articles
Share |

Europäische Geschichten. Auf dem Weg zur Meistererzählung?

Einleitung

Sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Erinnerungskulturen im Begriff, ihre nationalen Grenzen zu überschreiten, wie die Debatten rund um die Gedenktage deutlich machen.

Die Europäer müssen ihre Geschichte neu schreiben

Geschichte ist quer durch Europa vom Gegenstand der Historiker zunehmend zur öffentlichen Sache und zum Instrument der Politik geworden. Von der glücklichen Geschichtsvergessenheit der Nachkriegsjahre über die Einklagung der Verantwortung für historische Verbrechen durch die 68er bis zur Geschichtsbesessenheit der letzten beiden Jahrzehnte[1] im Westen, von der verordneten Befreiungsgeschichte zur Befreiung der Geschichte(n) im Osten, haben sich höchst verschiedene "Erinnerungskulturen" herausgebildet, die anlässlich des 60. Jahrestags des Kriegsendes auf besonders dramatische Weise kulminieren und aufeinanderstoßen.

European histories


The comfortable historical consensus long obtained within and among western European countries has been undermined by the eastern enlargement of the EU. Europeans are still far from an all-embracing "grand narrative", assuming this is worth striving for at all. [more]
Der Eurozine-Schwerpunkt Europäische Geschichten geht von dem exemplarischen Charakter dieses Gedenktages für die Zukunft des neuen Europa aus und präsentiert Ausschnitte aus einer Debatte, die im Begriff ist, die nationalen Grenzen der Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur zu überschreiten.

In der Regel verblassen Gedenktage im Laufe der Zeit, bis sie schließlich ad acta gelegt oder von neuen Erzählungen überschrieben werden. Der Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs, der 8. bzw. 9. Mai, zeigt eine entgegengesetzte Dynamik: Es scheint, dass er noch nie soviel Gewicht hatte wie heute, 60 Jahre nach dem Ereignis. Wie erklärt sich dieses Phänomen?

Das Datum stellt den zentralen Bezugspunkt für die über Jahrzehnte dominierenden Narrative der Siegermächte und die Gründungsmythen der europäischen Nachkriegsgesellschaften dar: Für die betroffenen Länder markierte es einen Bruch und Neubeginn, für die USA und Sowjetunion eine Legitimationsquelle für ihre konkurrierenden hegemonialen Ansprüche und damit den Anfang des Kalten Krieges.

Der Zusammenbruch des Sowjetimperiums und damit der bipolaren Ordnung, und in der Folge die Osterweiterung haben die eingespielten Interpretationen der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte radikal in Frage gestellt - sowohl in West- als auch in Osteuropa, und zwingen dazu, die "Stunde Null" neu zu bewerten, mit dem Resultat, dass wir es heute mit "so vielen Kriegen wie Nationen" zu tun haben.[2] Zugleich zeichnet sich eine Internationalisierung des Gedenkens ab, wie Andreas Langenohl zeigt.

Der 8. Mai und die Europäische Union

Die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs ist konstitutiv für die Entstehung der Europäischen Union. Die alten Erzfeinde sollten versöhnt und in eine Interessengemeinschaft eingebunden werden, die einen neuen Krieg unmöglich machen würde. Zugleich beruhte der Erfolg dieser Gemeinschaft auf der Anerkennung der Teilung Europas, mit der die andere Hälfte des Kontinents abgeschrieben und von den Segnungen in Gestalt von Demokratie, Frieden und wirtschaftlichem Aufschwung ausgeschlossen wurde.

Erst mit dem unerwarteten Zusammenbruch des Sowjetimperiums 1989 rückte Osteuropa wieder in den politischen Horizont der inzwischen größer gewordenen Union, so dass nach langen Verhandlungen im Mai 2004 weitere acht Länder der Region aufgenommen werden konnten.

Der komfortable historische Konsens, den die westeuropäischen Gesellschaften schon lange im Inneren und untereinander gefunden hatten, ist spätestens mit der Osterweiterung fragwürdig geworden. Denn 1945 hat "eine völlig andere Bedeutung [...] in fast ganz Osteuropa, für fast alle Bürger jener Länder, die der Union 2004 beitraten. Für sie bedeutet 1945 den Übergang von einer Besatzungszeit zur nächsten, von der Naziherrschaft zur Sowjetherrschaft", so Timothy Snyder.

Zugleich ist diese andere Bedeutung ihrerseits nicht eindeutig: In den meisten ehemaligen Satellitenstaaten bzw. Sowjetrepubliken entzündeten sich mit dem Zusammenbruch der auferlegten offiziellen Geschichtsdoktrin heftige, bis heute offene Kontroversen um die Re-Interpretation der eigenen Geschichte, die entscheidend sein werden für die Herausbildung neuer nationaler Identitäten. Man denke etwa an die baltischen Länder: Was aus der einen Perspektive Kollaboration war, ist aus der anderen Widerstand gewesen.

Wie Snyder meint, wird es für die erweiterte EU - als Voraussetzung für ihren Zusammenhalt - wichtig sein, ein historisches Bewusstsein zu entwickeln, das den Neuankömmlingen einen angemessenen Platz verschafft und sie in eine breite Diskussion einbindet. Was heute offensichtlich fehlt, ist eine übergreifende Darstellung der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts - hier ist die Union nach wie vor gespalten und viele der neu hinzugekommenen Gesellschaften noch innerlich zerrissen.

Der 9. Mai und Russland

Russland war der Hauptsieger im Zweiten Weltkrieg und ist der große Verlierer von 1989. Mit seinem Festhalten am Mythos des Großen Vaterländischen Kriegs - der letzten noch nicht diskreditierten sowjetischen Errungenschaft - schreibt es die Ordnung von Jalta fort, um seine geopolitische Position und seine Ansprüche auf die Region zu behaupten. Lev Gudkov zeigt, welche Funktion dieser Mythos darüber hinaus als Quelle des nationalen Selbstbewusstsein und der Legitimität "der zentralisierten und repressiven sozialen Ordnung" hat.

Als sich am 9. Mai auf Einladung des russischen Präsidenten die höchsten politischen Vertreter der ehemaligen Allierten bzw. der betroffenen Länder in Moskau trafen, um des Sieges vor 60 Jahren zu gedenken, sahen sich viele Gäste mit einer Interpretation der Geschichte konfrontiert, die sich kaum mit ihrer eigenen Sichtweise versöhnen lässt. Putins Rhetorik machte schon anlässlich seines Auschwitz-Besuchs im Januar 2005 deutlich, dass er eine historische Kontinuität konstruieren will, die den sowjetischen Mythos restauriert und in eine Linie mit der imperialen russischen Geschichte und dem globalen Kampf gegen den Terrorismus bringt. Diesem Programm folgte auch die Inszenierung in Moskau.

"Bis heute wirkt das Tabu, die Kehrseiten des Sieges aufzuarbeiten." schreibt Gudkov. Es scheint noch ein weiter Weg, bis sich die russische Darstellung des Zweiten Weltkriegs und seiner Folgen mit jenen der - befreiten oder besetzten? - Nachbarn versöhnen lässt.

Von einer für alle verbindlichen "Meistererzählung" des Zweiten Weltkriegs sind die Europäer noch weit entfernt - wenn sie denn überhaupt ertrebenswert ist. Sehr viel wäre bereits gewonnen, wenn die Pluralität der bestehenden Geschichten in einen gemeinsamen, den nationalen Rahmen überschreitenden öffentlichen Raum gestellt und diskutiert würde.

Exemplarische Ansätze hierzu stellen das Gemeinschaftsheft des russischen Magazins NZ mit der deutschen Zeitschrift Osteuropa zum Thema "Kluften der Erinnerung. Rußland und Deutschland 60 Jahre nach dem Krieg" dar, aus dem Eurozine einen großen Teil der Beiträge für diesen Schwerpunkt nimmt. Aber auch die Übersetzung von Adam Krzeminskis überaus instruktivem Artikel "So viele Kriege wie Nationen" aus Polytika ins Englische und Deutsche in signandsight und Perlentaucher oder das Dossier der Neuen Zürcher Zeitung über den "Mai 1945 - ein Ende mit Folgen" (30. April / 1. Mai 2005).

 

  • [1] Aleida Assmann/Ute Frevert, Geschichtsvergessenheit - Geschichtsversessenheit. Vom Umgang mit deutschen Vergangenheiten nach 1945, Stuttgart 1999. Ute Frevert, "Geschichtsvergessenheit und Geschichtsversessenheit revisited. Der jüngste Erinnerungsboom in der Kritik". In: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 40-41/2003), auch www.bpb.de/files/HEKVE4.pdf. Pierre Nora, Gedächtniskonjunktur
  • [2] Adam Krzeminski: So viele Kriege wie Nationen


Published 2005-05-03


Original in German
© Eurozine
 

Focal points     click for more

The EU: Broken or just broke?

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurocrisis.html
Brought on by the global economic recession, the eurocrisis has been exacerbated by serious faults built into the monetary union. In a new Eurozine focal point, contributors discuss whether the EU is not only broke, but also broken -- and if so, whether Europe's leaders are up to the task of fixing it. [more]

European histories (2): Concord and conflict

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurohistories2.html
Broadening the question of a common European narrative beyond the East-West divide. How are contested interpretations of historical and recent events activated in the present, uniting and dividing European societies? [more]

Changing media -- Media in change

Media change is about more than just the "newspaper crisis" and the iPad: property law, privacy, free speech and the functioning of the public sphere are all affected. On a field experiencing profound and constant transformation. [more]

Support Eurozine     click for more

If you appreciate Eurozine's work and would like to support our contribution to the establishment of a European public sphere, see information about making a donation.

Editor's choice     click for more

Katajun Amirpur
Islam and democracy
The history of an approximation

http://www.eurozine.com/articles/2011-12-19-amirpur-en.html
In Iran, official revolutionary dogma has obliged "post-Islamist" philosophers to provide profound justifications for Islam's compatibility with democracy. Katajun Amirpur puts contemporary Iranian thinking on religion and politics in the context of Khomeini-era anti-westernism. [more]

Per Wirten
Where were you when Europe fell apart?

Too many Europeans have too long avoided the question of Europe, says Swedish writer Per Wirten. To prevent the EU from turning into a "post-democratic regime of bureaucrats", intellectuals need to stop mumbling and take the fear of Europe seriously. [more]

Valeriu Nicolae
Change must start from within
Roma integration: EU rhetoric and institutional reality

European member states are answerable to the European Commission regarding the integration of Roma. But what are the chances of national policies succeeding if structural anti-Roma racism exists within European institutions themselves? [more]

Debate series     click for more

Europe talks to Europe

http://www.eurozine.com/comp/europetalkstoeurope.html
Nationalism in Belgium might be different from nationalism in Ukraine, but if we want to understand the current European crisis and how to overcome it we need to take both into account. The debate series "Europe talks to Europe" is an attempt to turn European intellectual debate into a two-way street. [more]

Literature     click for more

Steve Sem-Sandberg
Even nameless horrors must be named

http://www.eurozine.com/articles/2011-09-23-semsandberg-en.html
It is high time to lift the aesthetic state of emergency that has surrounded witness literature for so long, writes Steve Sem-Sandberg. It is not important who writes, nor even what their motives are. What counts is the "literary efficiency". [more]

Literary perspectives
The re-transnationalization of literary criticism

Eurozine's series of essays aims to provide an overview of diverse literary landscapes in Europe. Covered so far: Croatia, Sweden, Austria, Estonia, Ukraine, Northern Ireland, Slovenia, the Netherlands and Hungary. [more]

Behind the headlines     click for more

Mykola Riabchuk
Tymoshenko: Wake-up call for the EU

The EU shouldn't be surprised by the Tymoshenko verdict: its support of anything nominally reformist has been perceived as acceptance of a range of repressions, argues Mykola Riabchuk. [more]

Conferences     click for more

Eurozine emerged from an informal network dating back to 1983. Since then, European cultural magazines have met annually in European cities to exchange ideas and experiences. Around 100 journals from almost every European country are now regularly involved in these meetings.
Changing media, Media in change
The 23rd European Meeting of Cultural Journals
Linz, 13-16 May 2011

http://www.eurozine.com/comp/linz2011.html
The 23rd European Meeting of Cultural Journals took place in Linz, Austria, in May 2011. Under the heading "Changing media, Media in change", the conference explored the challenges and transformations facing media in the wake of the digital revolution. [more]

Multimedia     click for more

http://www.eurozine.com/comp/multimedia.html
Multimedia section including videos of past Eurozine conferences in Vilnius (2009) and Sibiu (2007). [more]


powered by publick.net