Latest Articles


22.05.2012
Daniel Chirot, Almantas Samalavicius

Ideology never ends

An interview with Daniel Chirot

While some eastern European countries have shaken off the "post-communist" tag, in others it remains apt, argues sociologist Daniel Chirot; meanwhile, new disparities in the region are generating a leftwing revival that makes pronouncements of the end of ideology seem rash. [ more ]

22.05.2012
Anna Aslanyan, Stewart Home

Moving the goalposts

21.05.2012
Jacques Rupnik

The euro crisis: Central European lessons

21.05.2012
Kenan Malik

To name the unnameable

21.05.2012
Eurozine News Item

New Eurozine partner: Zarez


New Issues


22.05.2012

Le Monde diplomatique (Oslo) | 5/2012

Quo vadis, middelklassen? [Quo vadis, middle class?]
18.05.2012

Wespennest | 162 (2012)

Anarchistische Welten

Eurozine Review


09.05.2012
Eurozine Review

Sudden and slow-acting poisons

"Mittelweg 36" re-reads Jean Améry on torture; "Free Speech Debate" takes on hate speech laws and superinjunctions; "Esprit" enters the French debate on incest; "New Humanist" says rationalism won't stop witch hunters; "Merkur" makes the case for binding quotas for women; "Wespennest" calls for more women essayists; "Osteuropa" considers the future of European security; "Lettera internazionale" decolonizes the European mind; and "Sarajevo Notebook" seeks out the golden oldies of Roma pop.

18.04.2012
Eurozine Review

Not a Prospero in sight

21.03.2012
Eurozine Review

To hell in a handbasket

07.03.2012
Eurozine Review

There's no neutrality of living



http://www.eurozine.com/articles/2011-05-02-newsitem-en.html
http://mitpress.mit.edu/0262025248
http://www.eurozine.com/about/who-we-are/contact.html
http://www.n-ost.org
http://www.eurozine.com/articles/2009-12-02-newsitem-en.html

My Eurozine


If you want to be kept up to date, you can subscribe to Eurozine's rss-newsfeed or our Newsletter.

Articles
Share |


Nahe Ferne – ferne Nähe?

Einführung und Dokumentation*


Je näher man ein Wort anschaut, desto ferner schaut es zurück
Karl Kraus

Es gab eine Zeit, da galt der Musenkuss nicht nur den Künstlern, sondern auch den Wissenschaftlern. Und in der Renaissance erlebte eine Figur, die man als 'Wissenskünstler' bezeichnen könnte, ihren eindrucksvollen Aufstieg: Leonardo, Michelangelo, Dürer oder Alberti beeindruckten ihre Zeitgenossen – und nicht nur die – ebenso mit ihren herausragenden künstlerischen wie auch ihren wissenschaftlichen Leistungen. In der Epoche der Klassik und Romantik wandelte sich dieser Typus zum 'Wissenschaftskünstler', verkörpert etwa durch Goethe, Herder oder auch Carl Gustav Carus, bekannt als Mediziner und Maler (und als Akademiepräsident der Leopoldina). Mit der Zunahme und Ausdifferenzierung von Wissenschaftsdisziplinen seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts verschärfte sich die Abgrenzung der Wissenschaften von den Künsten. Die wissenschaftlichen und philosophischen Dispute über diese Frage wurden auf wechselnden Schauplätzen geführt – zum Beispiel in den Kontroversen um die Einschätzung von Begriff und Metapher für Wissenschaft und Kunst. Kant hatte bereits gegenüber Herder die "Pünktlichkeit des Begriffs" angemahnt (in seiner Rezension von Herders Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit). Er attackierte und verwarf im Blick auf den Wissenschaftsdiskurs vor allem die Verwendung von Metaphern, jenen Abkömmlingen der künstlerischen Rhetorik und Poetik, die sich den Argumentationsgrund bloß "erschleichen" – so Kant – ’ also nur emotional überreden, anstatt rational zu überzeugen. Er sah demgegenüber allein die Kategorie und den Begriff als wissenschaftstauglich, weil sie – die Abkömmlinge der wissenschaftlichen Logik – als Bausteine innerhalb einer Argumentation durch Vernunftgründe zu überzeugen vermögen. Dieser Streit um den erkenntnistheoretischen Vorrang von Begriff oder Metapher dauert bis heute an, und in der neueren Philosophie steht Nietzsche für jene Strategie ein, die Opposition zwischen Wissenschaft und Kunst, zwischen Begriff und Metapher zu unterlaufen (wie er es vor allem in Die Fröhliche Wissenschaft vorgeführt hat).

Gegenwärtig sind in beiden Bereichen, sowohl den Künsten wie auch den Wissenschaften, verstärkt Tendenzen zu beobachten, Aspekte des gesellschaftlichen Kontextes in den Blick zu nehmen, etwa wenn Bedingungen und Folgen von Wissenschafts- und Kunstproduktion reflektiert werden. Die verwissenschaftlichte Welt zwingt die Kunst zur Auseinandersetzung mit der Wissenschaft, und die Frage nach dem eigenen Status bringt die Wissenschaft mindestens punktuell dazu, sich mit der Kunst auseinanderzusetzen. Annäherung und Kooperation zeigen sich vor allem in der Zunahme von gemeinsamen Problemformulierungen, die in der jüngsten Vergangenheit häufiger auch zu inter- und transdisziplinären Projekten geführt haben zwischen verschiedenen Wissenschafts- und Technikdisziplinen und den Künsten, etwa bei ökologischen Themen oder bei Fragen möglicher zukünftiger Gesellschaftsentwicklungen. Und institutionell beginnt sich an verschiedenen Orten die sogenannte 'künstlerische Forschung' zu verankern, die den Anspruch erhebt, mit künstlerischen Mitteln Wissen zu generieren.

Wen freut es nicht, wenn zwei zusammenfinden, die vom Publikum schon in der Antike als ideales Paar gesehen wurden: Schönheit und Wahrheit. Und das gilt vielleicht umso mehr, da beide sich im Laufe der Zeit gewandelt haben und außerdem seit Längerem eigene Wege gegangen sind (von dem ehemals Dritten im Bunde, dem Guten, ganz zu schweigen).Wissenschaften und Künste also kommen wieder zusammen, und die Gründe und Chancen, aber auch mögliche Risiken einer Wiederannäherung verdienen eine genauere Betrachtung. Aus diesem Grunde behandelten die GEGENWORTE bereits in den Ausgaben 9 (2002) und 20 (2008) angrenzende Themen. Aus der Vielzahl und Vielfalt der Berührungszonen stehen vor allem drei Orte des Zusammentreffens im Blickfeld des aktuellen Heftes: zum einen die Museen als gemeinsamer Ort von Wissenschaften und Künsten, sodann das Thema künstlerische Forschung – 'Wissen schafft Kunst und Kunst schafft Wissen' – sowie schließlich das Wissen der Literatur, ihre Rolle im Kontext einer 'ästhetischen Folgeneinschätzung'.

Immer wieder in der Geschichte sind Wissenschaften und Künste – unter jeweils verschiedenen Bedingungen und mit unterschiedlichen Resultaten – zusammengerückt. Ob ihr aktuelles Rendezvous auch dauerhafte Folgen haben wird, kann freilich erst die Zukunft zeigen. Dazu könnte ein Blick in die Vergangenheit erhellend sein: Die Dokumentation widmet sich jener Epoche, die eine beeindruckende und für die europäische Kultur so folgenreiche Konstellation beider Bereiche darstellte: der Renaissance.

* Einführung von Wolfert von Rahden, Dokumentation von Wolfgang Dinkloh

 



Published 2010-07-30


Original in German
First published in Gegenworte 23 (2010)

Contributed by Gegenworte
© Gegenworte
© Eurozine
 

Focal points     click for more

The EU: Broken or just broke?

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurocrisis.html
Brought on by the global economic recession, the eurocrisis has been exacerbated by serious faults built into the monetary union. In a new Eurozine focal point, contributors discuss whether the EU is not only broke, but also broken -- and if so, whether Europe's leaders are up to the task of fixing it. [more]

European histories (2): Concord and conflict

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurohistories2.html
Broadening the question of a common European narrative beyond the East-West divide. How are contested interpretations of historical and recent events activated in the present, uniting and dividing European societies? [more]

Changing media -- Media in change

Media change is about more than just the "newspaper crisis" and the iPad: property law, privacy, free speech and the functioning of the public sphere are all affected. On a field experiencing profound and constant transformation. [more]

Support Eurozine     click for more

If you appreciate Eurozine's work and would like to support our contribution to the establishment of a European public sphere, see information about making a donation.

Editor's choice     click for more

Slavenka Drakulic
The tune of the future
Italy: old Europe, new Europe, changing Europe

http://www.eurozine.com/articles/2012-03-15-drakulic-en.html
Travelling around Italy, Slavenka Drakulic observes one kind of Europe being replaced by another. Instead of attempting to conserve the cultural past, we should accept that migration will adapt much of what we consider "European" to its own image. [more]

Klaus-Michael Bogdal
Europe invents the Gypsies
The dark side of modernity

Social segregation, cultural appropriation: the six-hundred-year history of the European Roma, as recorded in literature and art, represents the underside of the European subject's self-invention as agent of civilising progress in the world. [more]

George Prevelakis
Greece: The history behind the collapse

Greece's economic crisis has its roots in a political pact dating back to the foundation of the modern state. The threat posed to Europe by the Greek breakdown is less contagion than a wave of anti-western feeling. [more]

Debate series     click for more

Europe talks to Europe

http://www.eurozine.com/comp/europetalkstoeurope.html
Nationalism in Belgium might be different from nationalism in Ukraine, but if we want to understand the current European crisis and how to overcome it we need to take both into account. The debate series "Europe talks to Europe" is an attempt to turn European intellectual debate into a two-way street. [more]

Literature     click for more

Steve Sem-Sandberg
Even nameless horrors must be named

http://www.eurozine.com/articles/2011-09-23-semsandberg-en.html
It is high time to lift the aesthetic state of emergency that has surrounded witness literature for so long, writes Steve Sem-Sandberg. It is not important who writes, nor even what their motives are. What counts is the "literary efficiency". [more]

Literary perspectives
The re-transnationalization of literary criticism

Eurozine's series of essays aims to provide an overview of diverse literary landscapes in Europe. Covered so far: Croatia, Sweden, Austria, Estonia, Ukraine, Northern Ireland, Slovenia, the Netherlands and Hungary. [more]

Behind the headlines     click for more

Mykola Riabchuk
Tymoshenko: Wake-up call for the EU

The EU shouldn't be surprised by the Tymoshenko verdict: its support of anything nominally reformist has been perceived as acceptance of a range of repressions, argues Mykola Riabchuk. [more]

Conferences     click for more

Eurozine emerged from an informal network dating back to 1983. Since then, European cultural magazines have met annually in European cities to exchange ideas and experiences. Around 100 journals from almost every European country are now regularly involved in these meetings.
Arrivals/Departures: European harbour cities as places of migration
The 24th European Meeting of Cultural Journals
Hamburg, 14-16 September 2012

http://www.eurozine.com/comp/hamburg2012.html
Harbour cities as places of movement, of immigration and emigration, as places of inclusion and exclusion, develop distinct modes of being that not only reflect different cultural traditions and political and social self-conceptions, but also communicate how they see themselves as part of the structure that is "Europe". The 2012 Eurozine conference will explore how European societies deal variously with the cultural legacy of the "harbour city". [more]

Multimedia     click for more

http://www.eurozine.com/comp/multimedia.html
Multimedia section including videos of past Eurozine conferences in Vilnius (2009) and Sibiu (2007). [more]


powered by publick.net