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Heutzutage

Über die Resignation


1.

Ein unermessliches Heer zieht haltlos in der Welt umher. Die Statistiken nennen die Zahlen, doch die sind nichts als ein Aufriss. Die Arbeitslosen, gezwungen zu Diebstahl, Prostitution, Selbstmord, polizeilichen und militärischen Söldnerdiensten sind eine Legion ohne Zahl. Wölfe, einsam und scheu, werden solidarisch und aggressiv, wenn sie Hunger leiden. Die Menschen machen sich vereinzelt und gebrochen auf die Suche nach einem Gnadenbrot oder Sklavenhaltern. Und auch denen, die das Recht auf Leben fordern, speien die hungrigen Bäuche das Ans Kreuz mit ihnen! entgegen.

Ihr habt kein Recht zu verzweifeln. Das Misstrauen in die Menschen ist ein Gift, von dem wir uns selbst und so viele andere wie nur möglich entgiften müssen. Das Misstrauen ist die trügerische Rechtfertigung für unsere Anmaßung, für unsere Feigheiten, für unser animalisches Klammern ans Leben. Wenn man so weit ist, zu sagen, der Mensch verdient es nicht anders, ist es die menschliche Würde, die man verflucht, ist es der schönste Traum von unserer Großmut, den man aufgibt. Man verrät nicht nur den Kampf um alle, man verzichtet auch auf jegliche moralische Disziplin.

Camillo Berneri, Unsere Zeit und wir

Einige Daten:

Über zwei Milliarden Personen Opfer von Hunger und Unterernährung (FAO).
Aktuell gibt es 29 Kriege auf der Welt. Zwischen 1990 und 2007 forderten sie etwa 6 Millionen Tote, mehr als die Hälfte davon im Kongo (UNO).
Es gibt circa 500.000 Kindersoldaten (UNICEF).
Es gibt fast 250 Millionen vom Arbeitsmarkt ausgebeutete Kinder, zwischen 12 und 20 Millionen davon unter sklavereiähnlichen Bedingungen (ILO und Anti-Slavery).
Mindestens 3 Millionen Kinder werden zur Prostitution gezwungen (UNICEF).
In den letzten zehn Jahren sind circa 10.000 Flüchtlinge zwischen den afrikanischen und süditalienischen Küsten ertrunken.

The malady of infinite aspiration?


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Dieses geschieht heutzutage, in unserer Zeit. Auch anderes geschieht, aber das, was wir mit statistischem Gleichmut aufgelistet haben, sollte den Vorrang haben. Umso mehr, als eine wache Erinnerung an das, was zu Zeiten Berneris geschah, existieren sollte, als Faschismus und Stalinismus schon etabliert waren, der Nazismus an die Macht gelangte, der antisemitische Rassismus immer gewalttätiger wurde, die Wirtschaftskrise auf einen weiteren Weltkrieg zusteuerte – der in Spanien begann, wo Berneri 1937 starb, getötet von stalinistischen Schergen, während er gegen den Faschismus kämpfte. Die "liberalen Demokratien" resignierten vor den "Zwängen der Wirtschaft", die sie bereits vor dem Faschismus und dem Nazismus hatten resignieren lassen, die pro-sowjetischen Bewegungen resignierten vor den "Zwängen der Geschichte", die sie schon vor dem stalinistischen Regime hatten resignieren lassen. Resignation in beiden Fällen, willig, Diktaturen und Krieg im Namen des Fortschritts als notgedrungenes Opfer hinzunehmen, da der Weg hin zum Besseren bisweilen auch Stillstand und Rückschritt mit sich bringt. Wir wissen, was danach geschah.

Das, was Vorrang haben sollte, kann diesen bisweilen auch haben, in den Reden der Mächtigen, in den Programmen der Medien und auch in den Gesprächen und Gedanken der Menschen. Nicht aller Menschen. Wer unter extremer Armut und Gewalt leidet, kann nicht von den eigenen notgedrungenen Lebensverhältnissen absehen. Was in unseren Gedanken und Gesprächen Vorrang haben sollte, ist für die Opfer die einzig mögliche Wirklichkeit: Sie haben keine Wahl, sie können nicht "über das eigene Leben entscheiden", da andere über ihr Leben entschieden haben, indem sie entschieden, dass ihr Leben unbedeutend ist, eine kleine Nummer mehr auf der Liste der "Verlierer", ein Nichts.

Und hier, um gleich auf eine die Meinungen spaltende Frage zu sprechen zu kommen, zeigt sich der entscheidendste unter den von der herrschenden Ideologie verdrängten Widersprüchen, hieß und heißt es doch in den Worten der Propaganda immer, dass der freie Markt Freiheit und Demokratie garantiert, indem er "gleiche Chancen" für alle bietet. In Wirklichkeit werden die Chancen immer ungleicher und man müsste, kein eben leichtes Paradox, damit alle aus der gleichen Position ihre "Jagd nach Profit" starten könnten, zunächst eine Welt gleichberechtigter Menschen schaffen. Aus dieser Ausgangslüge entstehen unendlich viele andere, denen man nur Einhalt gebieten kann, wenn man wieder auf die erste zurückgeht. Aus der Verdrängung der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen folgen Verdrängungen, die im Stande sind, auch die tiefsten Gedanken über die heutigen "menschlichen Verhältnisse" zu vernebeln, da es allgemeine "menschliche Verhältnisse" nicht gibt, es sei denn, man meint in erster Linie die Verhältnisse derer, die der Gewalt der Wirtschaft und der Waffen ausgesetzt sind. Dass die Menschen "nie schlauer werden", dass sie sich leicht von Opfern in Schlächter verwandeln (beispielhaft dafür die Übergriffe in Südafrika auf Flüchtlinge aus Simbabwe und Mosambik), das enthebt einen, wenn es auch zu düsterstem anthropologischen Pessimismus verleiten kann, nicht der Pflicht, sich Fragen nach dem Zusammenhang zu stellen, in dem dieses "nie etwas lernen" sich neu präsentiert. Fragen nach dem fortdauernden alles beherrschenden Konflikt, der, vor allem in Italien, heftig angeheizt durch die Institutionen Rassismen und Faschismen wieder aufblühen lässt (und Stalinismen, sicher, etwa in den verwerflichen Formen von Solidarität mit China, jenem Land, in dem "kommunistischer" Totalitarismus und "freier Markt" sich verbündet haben in der Idee und Inaussichtstellung eines "Erfolgsmodells" für den ganzen Planeten).

Unter den Millenniumszielen der UNO aus dem Jahr 2000 stand an erster Stelle "die Beseitigung der extremen Armut und des Hungers". Die Wahl des Wortes Millennium ist symptomatisch. Auf diese Weise kann die Frist zur Verwirklichung dieser Ziele bis aufs Jahr 3000 verlegt werden, auch wenn eine zeitliche Schwelle auf das Jahr 2015 festgesetzt wurde. Doch schon der Bericht von 2007 muss eine gewisse "Langsamkeit" und mangelnde Kohärenz der Mächtigen dieser Erde zwischen dem Erklären und dem Tun feststellen. Denn "in the Millennium Declaration of 2000, world leaders set forth a new vision for humanity ... Leaders committed themselves 'to spare no effort to free our fellow men, women and children from the abject and dehumanizing conditions of extreme poverty'. We must recognize the nature of the global trust at stake and the danger that many developing countries' hopes could be irredeemably pierced if even the greatest anti-poverty movement in history is insufficient to break from 'business as usual'." Also, "die Beseitigung der extremen Armut und des Hungers" wäre innerhalb von 15 Jahren möglich. Eine sehr kurze Zeitspanne, errechnet nicht von unverbesserlichen Optimisten, sondern von "Technokraten" internationaler Behörden. Das gab es bereits. Im Bericht von 1990 hatte die Weltbank in Aussicht gestellt, man könne die Zahl extrem armer Menschen bis zum Jahr 2000 halbieren. Im Jahr 2000 gab es stattdessen fast doppelt so viel extrem arme Menschen, und nicht nur aufgrund der "demografischen Entwicklung". Die von der Weltbank 1990 und der UNO 2000 in Aussicht gestellten kurzen Zeiten haben trotz allem eine Grundlage. In der Tat würde zur Beseitigung der Armut die Investition von 10 Prozent dessen reichen, was für Waffen ausgegeben wird. Es würde auch reichen, den Reichtum ein wenig umzuverteilen. Kurz, ein wenig "Kleingeld" würde reichen. Und dennoch rückt das Ziel von Jahrzehnt zu Jahrzehnt nach hinten, immer weiter nach hinten in Richtung einer Zukunft, deren Glanz nur das Bewusstsein jener zu erhellen scheint, die "geben" müssten, jener, die, obwohl zum Handeln fähig, gleichwohl nicht handeln, sondern Versprechungen versprechen, die nichts "kosten", die allenfalls den Versprechenden ein gutes Gewissen bescheren. "In Zukunft".


David Rothkopf von der Carnegie Endowment for International Peace, der für Tageszeitungen wie die Washington Post und die Financial Times arbeitet, hat vor kurzem das Buch Superclass: The Global Power Elite and the World They Are Making veröffentlicht. In der Repubblica vom 21. Juni 2008 fasst Federico Rampini den Inhalt wie folgt zusammen: "Die Metamorphose des internationalen Finanzwesens stellt eine der tragenden Tendenzen dieser Epoche dar. In einem Vierteljahrhundert sind die Kapitalflüsse mächtig und unberechenbar geworden. Sie werden von einer neuen Spezies von Tradern kontrolliert, die eine Gruppe von Finanzriesen repräsentieren, konzentriert wiederum auf einige wenige Länder. Ihre persönlichen Gehälter haben alles bisher Dagewesene in den Schatten gestellt: Der bestbezahlte Manager eines hedge fund hat 2007 allein drei Milliarden Dollar kassiert. Die Machtkonzentration ist ins Unmäßige angewachsen. Die 50 wichtigsten Finanzinstitute kontrollieren 50.000 Milliarden Dollar Aktiva, ein Drittel des Weltkapitals. Der Machtdruck dieser Eliten geht so weit, dass sie einerseits vorgeben, die neuen globalen Finanzinstrumente würden sich selbst regulieren. Andererseits haben diese Helden des Liberismus immer, wenn sich die Krise einstellte, die Regierungen überzeugt, ihre Wunden zu heilen, während die Familien der Arbeiter bei der Verpfändung ihrer Wohnungen zusehen mussten. Diese Eliten verdienen in jedem Fall, ob die Aktienmärkte nun steigen oder fallen. Die 1100 reichsten Kapitalisten der Welt kontrollieren einen Reichtum, der das Gesamtvermögen von 2,5 Milliarden Menschen übersteigt." Dass es ein Verteilungsproblem des Reichtums gibt, ist so offensichtlich, dass sogar Bill Gates und Warren Buffet, deren Reichtümer dem Besitz von 280 Millionen Armen entsprechen, die Verpflichtung fühlten, sich der Philanthropie zu widmen.

Wenn es reicht, die Militärausgaben ein wenig zu kürzen, um den Hunger und die Armut zu beseitigen, warum geschieht es dann nicht? Die höchsten Entscheidungsträger sind immer ferner und werden sich immer noch weiter entfernen. Unnütz, ihnen hinterherzulaufen. Man weiß, dass die "starken Mächte" auf der Welt so stark sind, dass sie längst unkontrollierbar sind. Die Demokratien können bestenfalls ihre Delegierten am außerterritorialen, folglich nicht demokratischen Tisch dieser Mächte kontrollieren. Sie können durch Wahl entscheiden, wen sie an jenen Tisch senden, um Anordnungen zu empfangen. Die wohlhabenden Bevölkerungen müssten verlangen, dass die Verpflichtungen, die ihre Regierungen eingegangen sind, respektiert werden, von den Mächten, die ihnen am nächsten sind, nach den "Regeln der Demokratie". Wie? Hier tut sich eine Art Abgrund in der Praxis auf. Einst hatten Streiks und Demonstrationen durch Verursachung beträchtlicher Schäden für die Wirtschaft ein gewisses "Verhandlungsgewicht", und das nicht allein in Hinsicht auf Lohnforderungen. Heute ist das nicht mehr so. Der Arbeitsmarkt hat die Arbeiter mut- und wehrlos gemacht, sie sind mehr denn je zur "Ware" geworden, in kürzester Zeit ersetzbar durch noch weniger teure Ware. Der Kreis scheint sich unabwendbar zu schließen, denn das Ausmaß der Armut auf der Welt erlaubt es, über jeglichen Protest, jegliche Forderung hinwegzugehen: Es gibt Milliarden von Menschen, die bereit oder gezwungen sind, für fast nichts zu arbeiten. Oder für nichts. Ein Leichtes, darüber zu resignieren.>br/>

Resignation. Wer resigniert? Wer ist Gegenstand der Resignation? Es kann nicht jeder sein. Die Resignation ist so subjektiv, vom Subjekt abhängig, wie die Lebensverhältnisse, die Gründe, die zum Resignieren oder nicht Resignieren unterschiedlich sind.

Wovor kann oder muss man resignieren? Aus welchem Blickwinkel sieht man Resignation, als Zwang oder als Entscheidung? Der Blickwinkel ist abhängig davon, wo und wie man zufällig lebt. Die eventuelle Resignation des Verhungernden ist nicht vergleichbar und vielleicht nicht einmal entfernt verwandt mit der Resignation dessen, der in den wohlhabenden und überernährten Orten des Planeten aus Enttäuschung verzagt. (Das ist keine "billige Rhetorik". Den Schmerz auf "Rhetorik" zu reduzieren hat Funktion, bestens umgesetzt von den Funktionären der "Massenkommunikation"; worüber sich dann mancher Feingeist empört, womöglich Geschmacksfragen vorbringend, als ginge es um eine "Ästhetik" von Wort und Bild und nicht um reale Leben).

Man lebt, wer bequem lebt, in der ständigen Verdrängung des Tragischen, der Tragödien: im Plural, eine für jedes Leben, das leidet. Das war immer so, wird jemand sagen. Das sind Zyklen der Geschichte, wird ein anderer sagen. Beide weise. Aber diese Weisheit macht den Schmerz dessen, der leidet, nicht weniger schmerzvoll und müsste auf die Probe gestellt werden, indem man sie, von Angesicht zu Angesicht, einem unterbreitet, der gefoltert wird, einem von einer Mine verstümmelten Kind. Die Weisen werden das nicht tun. Sie werden möglicherweise sagen, dass "das Leben so ist", der eine ist Opfer, der andere nicht, der eine hat Glück, der andere nicht. Oder aber ein Weiser mit Geschichtsglauben wird sagen, dass es sich um historische "Zwangsläufigkeit" handelt und ein Weiser mit religiösem Glauben, dass der Schmerz im Jenseits mit einem ewig glücklichen Leben belohnt wird.

Wir wissen inzwischen, dass der Sieg der so genannten Postmoderne, das "Ende der großen ideologischen Erzählungen" mit dem Sieg einer Makroideologie zusammenfiel, die in der Folge als "pensiero unico" definiert wurde. Viele jener, die sich in den 80er- und 90er-Jahren für diesen Gedanken begeisterten oder ihn zumindest unterstützten, den sie im Zusammenhang mit einer Konzeption des freien Marktes als einzige Möglichkeit sozialer Organisation sahen, beginnen heutzutage daran zu zweifeln oder sogar die unseligen, zerstörerischen Auswirkungen dieses freien Marktes anzuprangern. Inzwischen ist der Mythos des Sowjetkommunismus gemeinsam mit der Berliner Mauer zusammengebrochen. Inzwischen ist die totalitär-liberistische chinesische Wirtschaft immer stärker geworden (falls es jemand vergessen sollte, in China produzieren auch und vor allem die transnationalen Konzerne des Westens. Sie bedienen sich der versklavten Arbeitskräfte in den Arbeitslagern oder kaufen zu Niedrigstpreisen ein). Inzwischen zeigen sich die Auswirkungen, die der freie Markt im "Süden der Welt" bewirkt hat, auch im "Norden". Außer für einige wenige ist "das Fest beendet". Es war auch vorher ein Fest für wenige, doch wer daran teilnahm, fühlte sich verpflichtet, den Festgästen nicht die Stimmung zu verderben, indem er daran erinnerte, dass der Reichtum, den sie genossen, im wahrsten Sinne des Wortes Beute eines Krieges war, eines unerbittlichen und verschleierten Krieges: jenes eben des "freien Marktes".

Aber das "Ende der Ideologien" brachte auch eine neue Möglichkeit des Denkens mit sich: eines Denkens ohne Sicherheiten. Die Unsicherheit ist nicht zwangsläufig ein negativer Zustand. Im Gegenteil, es ist vielleicht der einzige Zustand, der uns erlaubt ist, wenn wir uns nicht dafür entscheiden, die Augen zu verschließen. Die Unsicherheit hinsichtlich des "Sinns" des Lebens oder der Zukunft, des "Endes der Geschichte", führt nicht zum Ende der Geschichte (wie es wieder von Seiten derer hieß, die nicht unter der sich gerade vollziehenden Geschichte litten). Die Unsicherheit bedeutet nicht die Aufgabe jeglichen "Urteils". Auch ohne den Glauben an irgendein Paradies hier oder im Jenseits kann man verstehen oder zumindest fühlen, dass es ethisch nicht richtig ist anderen anzutun, was man sich selbst nicht antun wollen würde. Und dennoch, in unseren Breiten löste dieser Zustand der Ungewissheit vor allem "hedonistische" Impulse aus, Pseudorelativismen, dazu angetan, die Willfährigkeit zu rechtfertigen, Gesten der Aneignung des Aneigenbaren, ohne sich noch das Problem der "Gerechtigkeit" stellen zu müssen. Dann – aber das ist nur für unser kulturelles Elend relevant – haben sich einige hochgelobte Verfechter des "pensiero debole" – des "schwachen Denkens" – oder jene, die die Interpretationen stets den Fakten vorzogen, eines Besseren besonnen, als sie sahen, dass die Welt eine Richtung nahm, die sie, die Armen, Lügen strafte.


Und doch gab es die Toten durch Hunger, Krieg und all die Gewalt, die heutzutage offensichtlicher ist als früher, auch für jene, die sie früher nicht sehen wollten, und diese Toten waren nicht verborgen, so sehr man sie auch zu verbergen suchte. Man musste sie nur sehen wollen. Man musste sich nur "in die Haut", in den Leib, in die Existenz derer versetzen, die keine Existenz haben konnten, derer, die nur existierten, um die Existenz jener zu nähren, die nicht einmal wissen wollten, woher die Nahrung kam, die sie dick machte.

Die Vergangenheit der 80er- und 90er-Jahre ist eine Vergangenheit, die mit der Verdrängung der vorhergehenden Vergangenheit verbracht wurde, und nicht so sehr jener noch "revolutionären" der 60er- und 70er-Jahre, sondern vor allem jener, in der, wie Hannah Arendt sagte, geschah, "was nicht geschehen durfte": die Vernichtung in den nazistischen Lagern, Hiroshima und Nagasaki und die Millionen von Opfern der angeblich kommunistischen Regime, lange schon angeprangert – offenbart als das, was sie waren, für jene, die sehen wollten – schon seit den frühen 20er-Jahren. Das zwanzigste Jahrhundert ist vorübergegangen, mit seinem Grauen und seinen ständigen Verdrängungen. Doch Grauen und Verdrängungen sind nicht vergangen. Die Vergangenheit vergeht nicht, solange man sie nicht kennt, solange man sie nicht bedenkt. Vielleicht auch, solange man sie nicht verändert.

Zu Resignieren bedeutet heute, vor der Dominanz der wirtschaftlichen Logik zu resignieren, oder vor den Interessen einiger weniger, die das Dasein aller bestimmen. Resignieren vor den Herrenallüren – im wahrsten Sinne des Wortes – von vier oder viertausend "Finanzunternehmern", die von einem Tag auf den anderen Millionen von Menschen in Armut stürzen können, oder vor den Waffen- und Ölhändlern, die sich sowohl am Öl als auch an den Kriegen ums Öl bereichern. Nach Jahrtausenden ist die so "humanistische" westliche Kultur an dem Punkt angelangt, mehr als je zuvor die Triade Geld–Macht–Erfolg anzubeten. Die noch älteren östlichen Kulturen tun es ihr gleich.

Doch Resignieren ist nicht für alle das Gleiche. Wenn die Resignation, der Verzicht hinsichtlich dieser "Werte" (Geld, Macht, Erfolg) richtig sein kann, so nur im negativen Sinn, also in der Verweigerung dessen, was uns verweigert wird: die Möglichkeit zur Veränderung. Die "opulente" Resignation entsteht fast ausschließlich aus dem Gefühl von Ohnmacht hinsichtlich der Distanz zu den Mächten, ihrer Unberührbarkeit. Die Mächte, gegen die man in den 60er- und 70er-Jahren kämpfte, waren nah und sichtbar, oder zumindest glaubte man das, während es heute ferne, nur in ihrer trügerischen Erscheinung sichtbare Mächte sind. Da man nicht auf "alles" Einfluss nehmen kann, verzichtet man darauf, auch das "Wenige", das noch von uns, von unserem Willen, von unserer Verantwortlichkeit abhängen könnte, zu verändern.

Doch das Resignieren ist weiterhin nicht für alle das Gleiche. Auch die Resignation ist ein Luxus. Die Millionen Kinder, die an Hunger, Gewalt und Sklaverei sterben, können nicht resignieren, wissen nicht einmal, was das bedeutet, resignieren. Nur die Augen reißen sie auf, und darin zeigt sich das Dunkel ihres Schmerzes, und draußen zeigt sich das Dunkel derer, die sie nicht anschauen wollen.

Es ist immer so gewesen, wird wieder unser Weiser sagen. Jahrtausende des "Fortschritts", was haben sie also genützt? Nur zu wissen, dass "es immer so war", es immer so sein wird?

Der Fortschritt ... Er war und ist bis heute der verheerendste kulturelle Mythos. Man glaubt weiterhin, es könnte etwas wie "Fortschritt" existieren, unabhängig von denen, die ihn "machen". Und machen tun ihn die Menschen. Von der prometheischen Eroberung des Feuers bis zu jener der Atombombe. Vom Kampf gegen die "Stiefmutter" Natur hin zu ihrer "fortschreitenden" Zerstörung. Um was zu "haben"? Milliarden Menschen, die nichts haben, und wenige, die im wörtlichsten Sinne nicht wissen, wo sie das Zuviel, das sie haben, ausgeben sollen (es gibt beispielsweise Leute, die für 3000 Euro die Stunde nerzgepolsterte Privatjets mieten, um womöglich selbstzufrieden die Abfallhalde einer von hungrigen Menschen wimmelnden Megalopolis zu überfliegen). Um was zu "sein"? Milliarden Menschen, die nur versuchen können zu überleben, und wenige, die glauben zu "sein", weil sie "gewonnen" haben, weil sie sich oberhalb der "sterbenden Masse" befinden. Ihr Leben besteht abgesehen vom Konsumieren alles Konsumierbaren einzig in diesem: "es geschafft zu haben". Der abscheuliche "amerikanische Traum" ist zum weltweiten Alptraum geworden. Vier Bilder über die Hungertoten und dann eine schöne Reportage über die von den Mächtigen auf ihren Wohnsitzen verzehrten Speisen. So ist die Welt ...

Sicher, dies sind keine "philosophischen" Gedanken. Doch vielleicht sind es Gedanken, die jeder denken sollte, jeder von denen, die sich erlauben können, es zu tun. Man sollte sich beispielsweise fragen, ob man wirklich immer hinterherrennen muss, ob man immer rennen muss auf ein Vorwärts zu, von dem man weder weiß, was es ist, noch wo es ankommen könnte. Die Zukunft zu verändern, scheint unmöglich, also lässt man sich vom "Prozess" aufsaugen, indem man weitermacht. Aber der Glaube an die Zukunft ist alles in allem (alles zusammennehmend, was unsere Gattung im Lauf ihrer Geschichte gemacht hat) ein ziemlich neuer Glaube und wurde zudem fast immer von den Fakten widerlegt. Vertraut man sich der Zukunft an, so hat man sich der Vergangenheit anvertraut, dem homo hominis lupus, das jetzt triumphiert.

2.

Denique avarities et honorum caeca cupido
quae miseros homines cogunt transcendere finis
iuris et interdum socios scelerum atque ministros
noctes atque dies niti praestante labore
ad summas emergere opes, haec vulnera vitae
non minimam partem mortis formidine aluntur.

Lukrez, De rerum natura, III.

Grenzen. Man sagt, alles ist Gegensatz: gut–schlecht, Leben–Tod, Freude–Schmerz, Krieg–Friede. Sagt man gut oder schlecht? Muss der Gegensatz Leben–Tod als Zusatz noch jenen von Krieg–Frieden haben? Sind Leben und Tod wirklich gegensätzlich? Wenn man nicht sterben würde, wie viele würden sie sein, gewesen sein, die Lebenden, Ewigen? Der Tod "macht Raum frei" für das Leben anderer. Ein Verfechter des Krieges könnte also hinzufügen, dass gerade aus diesem Grunde ab und zu Kriege notwendig seien, um "Raum freizumachen", Lebensraum. Man hört heute wieder die Rede vom Krieg als "Welthygiene", und vielleicht ist es nicht nur ein zynischer Spruch, der von Resignierten kommen könnte ...

Anzuerkennen, dass im Leben der Tod sei, dass er nicht nur unvermeidbarer, sondern auch fruchtbarer Teil davon sei, heißt zu akzeptieren, dass zum Leben der Schmerz gehört, bedeutet aber nicht, zu akzeptieren, dass das Schlechte überwiegt, dass der Krieg aller gegen alle, auch er, unvermeidbar wäre. Vielleicht ist er es. Aber nur indem man denkt, dass er es nicht sei, kann man versuchen, ihm etwas entgegenzusetzen. Denkt man, er sei es, so denkt man "wie alle" das Recht zu haben, "gegen alle" zu kämpfen.

Da wir sterben müssen, da wir fühlen und wissen, partiell, unvollständig, abgetrennt und trennend zu sein, rächen wir uns für unsere Begrenztheit, indem wir so tun, als seien wir eigen- und vollständig, und greifen alle an, die uns durch ihre Existenz daran erinnern, dass wir es nicht sind. Wir rächen uns für unsere Sterblichkeit, indem wir töten, Tod bringen.

Wir sind begrenzte Wesen, begrenzt durch Geburt und Tod, durch die Sexualität, die uns partiell und unfähig macht, uns "allein" zu reproduzieren. Und doch scheinen wir auch in den Existenzen das wirtschaftliche Prinzip unbegrenzter Entwicklung imitieren zu wollen, dessen Irrationalität auf immer katastrophalere Offensichtlichkeiten prallt. In den wohlhabenden Gesellschaften sind die Mythen der ewigen Jugend und des Hermaphroditentums wieder aufgetaucht. Die Wissenschaft scheint Immunität vor dem Ablaufen der Zeit zu verheißen und Unabhängigkeit von jeder menschlichen Beziehung, die nicht zweckdienlich und nicht von Nutzen ist. Die anderen sind mehr und mehr nur noch Rivalen, Gegner, Konkurrenten, die es zu schlagen gilt im Ergattern der wenigen verfügbaren Plätze im Paradies der "Superklasse", in dem man gemeinsam wohnt und sich gegenseitig Gifte mischt.


Die Vergangenheit verändern. In gewissen Kulturen (man kann es beispielsweise im Koran nachlesen) stellt man sich die Zukunft hinter uns, nicht vor uns vor. Vor uns liegt die Vergangenheit. Nur von der Vergangenheit können wir etwas wissen. Vielleicht ist es die Vergangenheit, die zu verändern wir suchen müssen.

Und vielleicht ist die Veränderung der Vergangenheit nicht ganz so absurd wie es den Anschein haben möchte. Die Ursache–Wirkung-Logik beherrscht noch unsere Kultur. Die Ursachen kommen zuerst, und um bestimmte Wirkungen zu vermeiden, sollte man an den Ursachen arbeiten. Stattdessen hat man immer an den Wirkungen gearbeitet, hat also fast nie etwas erarbeitet. Nach dem marxistischen Glauben beispielsweise (und dieses Beispiel betrifft den gesamten vermeintlichen Antikapitalismus des 20. Jahrhunderts) hätte das kapitalistische "Übel" ursächlich das kommunistische "Gute" bewirkt. Und dennoch musste man dieses "Gute" "organisieren", "lenken", indem man den Kapitalismus durchsetzte, wo er sich noch nicht in seinen "modernen" Formen gezeigt hatte (Russland, China et cetera). Das Paradies würde kommen, aber zunächst musste man nach der feudalen Hölle jene kapitalistische durchlaufen, um die "Produktionsmittel zu entwickeln". Zu diesem Zweck musste man sehr strenge repressive Maßnahmen ergreifen, man musste einige Millionen Menschen opfern, aber dann ... "Philosophische" Plaudereien schön und gut, dies ist geschehen. Der Glauben an die "historische Zwangsläufigkeit" schön und gut, aber das "Opfer" Spaniens führte zum Massaker des Zweiten Weltkriegs. Und schön und gut auch die neoliberistischen Plaudereien der 80er- und 90er-Jahre vom "Eintröpfeln" (trickle down hieß es: der Reichtum der Reichen tröpfelt auf die Armen), aber die Armen sind mehr geworden (auch die Reichen, wird jemand sagen, aber in einer Proportion, die die "Schere" nicht verkleinert hat: Die Verteilung des Reichtums ist in der Tat immer ungerechter). Die "partielle Bereicherung" einiger Millionen Chinesen und Inder schön und gut, aber die anderen Inder und Chinesen leben, so sie leben, von fast unsichtbaren Tropfen, von denen jeder literweise "Schweiß und Blut" kostet.

Die Aufrufe der internationalen Institutionen zur Abschaffung der Armut, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt in die Zukunft rutschen, entsprechen in ihrer Gleichgültigkeit gegenüber den Abermillionen in der Zwischenzeit sterbenden Menschen der "Ergriffenheit" in den Medien, dem "Schauspiel" von Armut und Krieg im Wechsel mit Klatsch- und Skandalnachrichten.

Zu resignieren vor der Herrschaft sehr weniger, vor dem fast ausschließlich propagandistisch hypnotisierenden Gebrauch der Kultur, inzwischen fast ausschließlich "Massen-" oder "Popware", was folgt daraus? Was folgt aus der Komplizenhaftigkeit, die möglicherweise vorgibt, den "Machtapparat" von innen heraus verändern zu wollen? Was folgt aus der Stille: Schweigen, nicht handeln, den Schiffbruch beobachten, bis wir selbst Schiffbrüchige werden oder bis uns der Blick eines Schiffbrüchigen versteinert, eine Meduse, besiegt und nicht weniger sehnsüchtig als wir nach dem "Resignieren vor dem Wohlstand"?

Die Mythen des Fortschritts und der unendlichen wirtschaftlichen Entwicklung entheben den Menschen der Verantwortung, er kann sich dem Egoismus des Besitzens und Anhäufens hingeben.

Finalismen und Teleologien, Soteriologien und Palingenesen, historische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Determinismen: Alles strebt in schier atemloser Suche nach einem zeitweiligen Anderswo, das erlaubt, die Gegenwart des eigenen Lebens zu leben, ohne wählen zu müssen, und, darüber hinaus, ohne wählen zu wollen. Auch der Wille ist in der Tat ein Privileg. Und weil nicht alle wollen können, liegt auch im Nichtwollen eine Verantwortung.

In einem sehr alten mesopotamischen Text heißt es, wäre der Mensch wirklich böse, so wäre die menschliche Spezies längst ausgestorben. Damals waren jedoch die Instrumente, die Waffen, um die menschliche Spezies aussterben zu lassen nur die der körperlichen Aggression des Nahkampfes, Mann gegen Mann. Heute kann man, dem jungen Apoll gleich, "aus der Ferne treffen", sogar aus sehr weiter Ferne, ohne auch nur den Blick der Opfer in den Augen zu haben. Jetzt kann man töten, indem man Rohstoffe verschlingt und die Umwelt zerstört , ohne das eigene Büro zu verlassen: Es reichen Computer und Telefone. Und doch scheinen auch die grausamsten Beutejäger, die erbittertsten Verteidiger eigener Existenz auf Kosten der Existenz und der Zukunft anderer einen Rest von dem zu haben, was man früher Gewissen nannte, oder aber sie müssen selbst jenen heuchlerischen Rest noch als Aushängeschild für ihre Unternehmungen hochhalten. In offiziellen Erklärungen verteidigt man immer noch das Gemeinwohl, die unantastbare Würde des Menschen und andere "gute" Werte, auch wenn dem stets zuwidergehandelt wird. Nur wenige wagen auch die Rhetorik des Guten in Worten von vornherein ausdrücklich anzufechten. Die jetzigen Demagogen sagen, sie handelten "zum Wohle des Landes", auch wenn sie zu ihrem eigenen Wohl handeln. Sowohl die Demagogen als auch ihre Gefolgsleute und Wähler brauchen immer noch diese Vorspiegelung, dieses Schauspiel, das unlängst in Italien einen weiteren Erfolg feierte. (Und den hat es vor allem der Entdeckung eines neuen Feindes zu verdanken, den neuen "Barbaren", gegen die es die eigene Identität zu behaupten, vor denen es den eigenen "Lebensstil" zu verteidigen gilt. Es sind die Üblichen: die Fremden, die Einwanderer, die Armen. Der Spiegel dessen, was jedem von einem Moment auf den anderen passieren könnte, wenn das Unternehmen seiner Existenz "scheitert", wenn er, und sei es nur im Kleinen, unfähig ist, den "obersten Unternehmer" nachzuahmen, der seine kleinen Anbeter regiert.)

Die Vergangenheit zu verändern kann daher heißen, an den Ursachen zu arbeiten. Sich zu weigern, der "Logik" der Macht, des Geldes, des Erfolges zu entsprechen. Nicht nur die Weigerung, sich selbst, sondern auch die Weigerung, andere zu unterwerfen. Nicht Reichtum anzuhäufen, nicht über das Notwendige hinaus zu konsumieren. Nicht den Applaus der Medien zu suchen, sich zu weigern, die eigene Identität über das Erscheinen in Fernsehsendern und Illustrierten zu identifizieren (inzwischen das allerhöchste Ziel fast aller Jugendlichen). Schon ein "ich möchte lieber nicht" nach der Methode von (Melvilles legendärem Schreiber) Bartleby wäre viel. Aus diesem Handeln, das aus der Verantwortung eines jeden von uns entsteht, auch wenn er sie stetig von sich fernzuhalten versucht, könnte vielleicht ein neues gemeinsames Handeln entspringen, ein gemeinsames Aufbauen. Es sollte nicht mehr dem Grundprinzip des Liberismus folgen, demzufolge aus dem Trachten nach individuellem Wohlstand der soziale Wohlstand entstünde, sondern dem gegenteiligen Prinzip, bei dem das Wohl anderer immer an erster Stelle steht. Man sollte versuchen, das in die Praxis umzusetzen, was wir seit eh und je sagen, woran wir behaupten zu glauben, und wenn es auch nur in der egozentrischen Form des "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu " ist. Jeder nach seinen Möglichkeiten, nach seinen Verantwortlichkeiten. Oder wir sollten unsere Worte unter Siegel legen und behaupten, an das zu glauben, was im Handeln überwiegt: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füge allen andern zu". Resigniert, und endlich ehrlich.

 



Published 2008-11-18


Original in Italian
Translation by Miriam Houtermans und Andreas F. Müller
First published in Wespennest 153 (2008)

Contributed by Wespennest
© Giuliano Mesa / Wespennest
© Eurozine
 

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Russia in global dialogue

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In the two decades after the end of the Cold War, intellectual interaction between Russia and Europe has intensified. It has not, however, prompted a common conversation. The focal point "Russia in global dialogue" seeks to fuel debate on democracy, society and the legacy of empire. [more]

Ukraine in focus

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/publicsphere.html
Ten years after the Orange Revolution, Ukraine is in the throes of yet another major struggle. Eurozine provides commentary on events as they unfold and further articles from the archive providing background to the situation in today's Ukraine. [more]

The ends of democracy

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/democracy.html
At a time when the global pull of democracy has never been stronger, the crisis of democracy has become acute. Eurozine has collected articles that make the problems of democracy so tangible that one starts to wonder if it has a future at all, as well as those that return to the very basis of the principle of democracy. [more]

The EU: Broken or just broke?

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurocrisis.html
Brought on by the global economic recession, the eurocrisis has been exacerbated by serious faults built into the monetary union. Contributors discuss whether the EU is not only broke, but also broken -- and if so, whether Europe's leaders are up to the task of fixing it. [more]

Time to Talk     click for more

Time to Talk, a network of European Houses of Debate, has partnered up with Eurozine to launch an online platform. Here you can watch video highlights from all TTT events, anytime, anywhere.
Dessislava Gavrilova, Jo Glanville et al.
The role of literature houses in protecting the space for free expression

http://www.eurozine.com/timetotalk/european-literature-houses-meeting-2014/
This summer, Time to Talk partner Free Word, London hosted a debate on the role that literature houses play in preserving freedom of expression both in Europe and globally. Should everyone get a place on the podium? Also those representing the political extremes? [more]

Eurozine BLOG

On the Eurozine BLOG, editors and Eurozine contributors comment on current affairs and events. What's behind the headlines in the world of European intellectual journals?
Simon Garnett
Britain flouts the European Court of Justice

http://www.eurozine.com/blog/
The UK has passed legislation on data retention that flouts European concerns about privacy. The move demonstrates extraordinary arrogance not only towards the Court of Justice of the European Union but towards the principle of parliamentary deliberation in Britain, writes Simon Garnett. [more]

Vacancies at Eurozine     click for more

There are currently no positions available.

Editor's choice     click for more

William E Scheuerman
Civil disobedience for an age of total surveillance
The case of Edward Snowden

http://www.eurozine.com/articles/2014-04-18-scheuerman-en.html
Earlier civil disobedients hinted at our increasingly global condition. Snowden takes it as a given. But, writes William E. Scheuerman, in lieu of an independent global legal system in which Snowden could defend his legal claims, the Obama administration should treat him with clemency. [more]

Literature     click for more

Olga Tokarczuk
A finger pointing at the moon

http://www.eurozine.com/articles/2014-01-16-tokarczuk-en.html
Our language is our literary destiny, writes Olga Tokarczuk. And "minority" languages provide a special kind of sanctuary too, inaccessible to the rest of the world. But, there again, language is at its most powerful when it reaches beyond itself and starts to create an alternative world. [more]

Piotr Kiezun, Jaroslaw Kuisz
Literary perspectives special: Witold Gombrowicz

http://www.eurozine.com/articles/2013-08-16-kuisz-en.html
The recent publication of the private diary of Witold Gombrowicz provides unparalleled insight into the life of one of Poland's great twentieth-century novelists and dramatists. But this is not literature. Instead: here he is, completely naked. [more]

Literary perspectives
The re-transnationalization of literary criticism

http://www.eurozine.com/comp/literaryperspectives.html
Eurozine's series of essays aims to provide an overview of diverse literary landscapes in Europe. Covered so far: Croatia, Sweden, Austria, Estonia, Ukraine, Northern Ireland, Slovenia, the Netherlands and Hungary. [more]

Debate series     click for more

Europe talks to Europe

http://www.eurozine.com/comp/europetalkstoeurope.html
Nationalism in Belgium might be different from nationalism in Ukraine, but if we want to understand the current European crisis and how to overcome it we need to take both into account. The debate series "Europe talks to Europe" is an attempt to turn European intellectual debate into a two-way street. [more]

Conferences     click for more

Eurozine emerged from an informal network dating back to 1983. Since then, European cultural magazines have met annually in European cities to exchange ideas and experiences. Around 100 journals from almost every European country are now regularly involved in these meetings.
Law and Border. House Search in Fortress Europe
The 26th European Meeting of Cultural Journals
Conversano, 3-6 October 2014

http://www.eurozine.com/comp/conversano2014.html
Taking place in southern Italy, not far from Lampedusa, this year's Eurozine conference will address both EU refugee and immigration policies and intellectual partnerships across the Mediterranean. Confirmed speakers include Italian investigative journalist Fabrizio Gatti and Moroccan feminist and Nobel Peace Prize nominee Rita El Khayat. [more]

Multimedia     click for more

http://www.eurozine.com/comp/multimedia.html
Multimedia section including videos of past Eurozine conferences in Vilnius (2009) and Sibiu (2007). [more]


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