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Rechts von Berlusconi

Italiens Faschisten, Hooligans und radikale Katholiken


Seit dem 14. April 2008 ist es amtlich: Italien hat erneut eine Rechtsregierung. Mit deutlichem Vorsprung gewann Silvio Berlusconis "Volk der Freiheit" vor Walter Veltronis "Demokratischer Partei" – und zwar sowohl im Abgeordnetenhaus (mit 46,8 zu 37,5 Prozent) als auch im Senat (mit 47,3 zu 38 Prozent). Dank dieser komfortablen Mehrheit kann Berlusconi nun unangefochten die Regierung bilden.

Damit aber werden auch jene rechtsradikalen Kräfte wieder relevant, die im außer- und antiparlamentarischen Vorfeld operieren. Denn im Gegensatz zur Bundesrepublik gibt es in Italien eine vitale radikale, auch intellektuelle Rechte, mit durchaus fließenden Grenzen auch zur radikalen Linken. Indem die radikale Rechte frühzeitig auch die soziale Frage thematisierte, fungierte sie immer wieder als Ideengeber für die parlamentarische Rechte – insbesondere bei der Herstellung identitärer Verbindung zwischen Volk und Führung Wie also sieht sie aus, die rechtsextreme Galaxie Italiens?

Faschismus als gescheiterte Revolution

Anders als in Deutschland endete das faschistische Regime in Italien nicht erst 1945, sondern bereits mit der Absetzung Mussolinis durch den faschistischen Großrat im Jahre 1943. Nach abenteuerlichen Flucht- und Rettungsaktionen wurde der Duce, nunmehr als Marionette Deutschlands, nach Salò, einer kleinen Stadt am Gardasee, verbracht und durfte dort Hof halten. Während dieser Zeit zwischen 1943 und seiner Hinrichtung am 28. April 1945 besann sich Mussolini auf die "revolutionären" Ursprünge des Faschismus und versuchte, diese kurzlebige "Sozialrepublik" von Salò nach links zu orientieren: "Wir sind Proletarier im Kampf mit dem Kapitalismus."

Nach dem Krieg musste sich die italienische extreme Rechte endgültig neu definieren. Dabei standen, so der Soziologe Franco Ferraresi, drei Lesarten des Faschismus im Raum: Faschismus als gescheiterte Revolution, Faschismus als dritter Weg zwischen Kapitalismus und Marxismus sowie Faschismus als traditionalistische Revolte gegen die moderne Welt.[1]

Jene Strömungen, die schon während des faschistischen Regimes auf eine "zweite Welle" gedrängt hatten und den idealen Faschismus als antibürgerliche Revolution, den realen dagegen als Verrat an diesem Ideal verstanden, formierten sich 1956 in der Gruppe "Ordine Nuovo" (Neue Ordnung) um Pino Rauti. Sie orientierten sich an der Waffen-SS, am Werk Julius Evolas und den Ideen des Belgiers Jean-François Thiriart.

Thiriart war 1962 als Gründer von "Jeune Europe" in Erscheinung getreten und hatte damit die Richtung des Kampfes vorgegeben: Ähnlich wie dem späten Carl Schmitt ging es dieser Rechten nicht mehr um den Nationalstaat, sondern um Europa als geopolitischen Raum und neues Imperium. Innerhalb von "Ordine Nuovo" bildete sich ein paramilitärischer Arm, die "Bewaffneten Revolutionären Gruppen" (Gruppi Armati Rivoluzionari). Zerstritten über die Frage nach Wahlbeteiligung oder einem bewaffneten Aufstand gegen das herrschende System, trennte sich 1960 eine noch intransigentere Gruppe ab und nannte sich "Avanguardia Nazionale". Wegen des Versuchs einer Neugründung der historischen faschistischen Partei PNF wurden Ordine Nuovo 1973 und Avanguardia Nazionale 1976 verboten. Aber schon 1977 traten die versprengten Reste dieser rechten Terrororganisationen unter dem Namen "Bewaffnete Revolutionäre Zellen" (Nuclei Armati Rivoluzionari) wieder auf den Plan und waren maßgeblich am "schwarzen Terror" und der "Strategie der Spannung" beteiligt, darunter am Bombenanschlag auf den Bahnhof Centrale in Bologna, bei dem im Jahr 1980 85 Menschen starben und mehr als 200 verletzt wurden. Die Grenzen zur organisierten Kriminalität, die für Logistik, Waffenbeschaffung oder falsche Papiere zuständig war, waren zu diesem Zeitpunkt bereits fließend geworden.

Das Jahr 1968 stand in den meisten westeuropäischen Ländern unter dem Zeichen von Jugendprotest und Studentenrevolte. In Italien gründeten sich 1968 jedoch nicht nur links-revolutionäre Organisationen, sondern auch die Gruppe "Volkskampf" (Organizzazione Lotta di Popolo, OLP), die sich auf die rumänische Eiserne Garde, auf Thiriarts Jeune Europe und das NS-Regime berief, aber ebenso Sympathien für den Maoismus entwickelte und deshalb als "nazimaoistisch" galt. Dem damaligen antiautoritären Zeitgeist folgend, nahm sie auch anarchistische Versatzstücke auf und predigte das "kreative Chaos" und den "Volkskampf für eine libertäre und kommunitäre Gesellschaft gegen den Kapitalismus und den Opportunismus". Schon 1973 löste sich diese vorwiegend auf studentische Kreise begrenzte Gruppe jedoch wieder auf.

Faschismus als Dritter Weg

Eine weitere rechtsextreme Bewegung außerhalb der faschistischen Nachfolgepartei Movimento Sociale Italiano (MSI) war bis zu ihrem Verbot die Gruppe "Dritte Position" (Terza Posizione, TP). Sie wurde 1979 unter anderem von Roberto Fiore gegründet, einem der dynamischsten Exponenten des italienischen Rechtsextremismus. Die Gruppe verstand sich weder als rechts noch als links und grenzte sich sowohl vom Marxismus als auch vom Kapitalismus ab. Ihr Ziel war eine von revolutionären Avantgarden angeführte Volksrevolution, die auf vier Säulen beruhen sollte: Tradition, nationale Unabhängigkeit, Antiimperialismus und Militanz.

Nach dem Stillhalteabkommen (dem "historischen Kompromiss") zwischen der damaligen kommunistischen Partei Italiens und den regierenden Christdemokraten regte sich an den Universitäten und Schulen des Landes der Widerstand von Autonomen gegen die "Übermacht" der Parteien. Auch die TP schwamm auf der Welle autonomer Basisorganisationen an Schulen, Universitäten und in Stadtvierteln mit. In direkter Aktion sollten ökologische, urbanistische und bürgerschaftliche Fragen aufgegriffen werden. Im Bereich der Produktion wurde die direkte Kontrolle der Produzenten über den industriellen Prozess gefordert. Die TP entdeckte weltweit die Volksrevolten und verstand sich selbst als Vorhut einer Massenbewegung.[2] "Terza Posizione wird der Wille zur Befreiung der Völker vom Imperialismus der USA und der UdSSR im Namen einer neuen europäischen Ordnung sein; sie wird das Losungswort für jene sein, die das Ende der Ausbeutung und den Tod der bürgerlichen und marxistischen Diktaturen im Namen des Kampfes für das Leben und die Wiedergewinnung unserer Zukunft anstreben." Im Zuge einer kulturellen, sozialen und politischen Revolution würden sich schließlich die Massen erheben, die heute noch dem Egoismus und der Logik des Profits verhaftet seien.

Man glaubt, die Stimme der neulinken Ikonen Antonio Negri und Michael Hardt zu hören, aber es ist die Stimme Roberto Fiores und seiner "Kameraden" von der TP im Kampf für die "Volksrevolution" gegen den "multinationalen Koloss". Die TP geht "ins Volk", an die Arbeitsplätze, in die Stadtviertel, Schulen, Vorstädte, aufs Land, um nicht nur den "Volkszorn" zu teilen, sondern die Menschen durch Protest zu politisieren, zu erziehen, zu organisieren, bis sie eine Persönlichkeit mit eigener Würde und Identität ausbilden und von der Masse zum "Volk" werden. Im Sinne des anarcho-syndikalistischen Theoretikers Georges Sorel gelte es, revolutionäre Inseln einer Gegenmacht zu bilden, "regelrechte kleine Staaten", die, untereinander vernetzt, auf nationaler Ebene als organisatorischer Gegenpol zur bestehenden Macht fungieren.

Gegen die "merkantile Oligarchie" im Verbund mit dem ausländischen Imperialismus muss das Volk Autonomie, Freiheit und Unabhängigkeit erringen, aber nicht mehr als Bourgeois oder Proletarier, sondern als "Menschen", die durch Gemeinschaftssinn, soziale Gerechtigkeit und eine eigene Kultur miteinander verbunden sind. Revolution heißt nicht nur die Umwälzung der politischen Institutionen, sondern vor allem Kulturrevolution. Der "neue Mensch" im Sinne der TP wird nicht mehr der in seinem privaten Egoismus eingeschlossene Massenmensch sein, sondern der "Mensch als Teil des Volkes".

Schon in diesem Manifest von 1979 ging es nicht mehr um soziale Gegensätze, sondern um Identität, Würde, Autonomie, Freiheit und Unabhängigkeit. Der Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit greife zu kurz, ja sei konterrevolutionär, gehe es doch vielmehr um eine neue Art zu denken, um eine andere gesellschaftliche Logik als die auf Profit und Konsumismus ausgerichtete Logik des herrschenden Systems. In der Tradition der konservativen Kulturkritik mit ihrer Großstadtfeindlichkeit prangert die TP die Auswüchse des Großstadtlebens mit seinen Hochhäusern und kasernenartigen Unterkünften an. Die Stadt der Zukunft werde nach radikal anderen urbanistischen und ökologischen Konzepten gestaltet werden: kleine, überschaubare, um ein kulturelles und politisches Zentrum gruppierte Gemeinschaften. In den Vorstädten von Rom, im Hinterland von Mailand, in den "Bassi" von Neapel, in den modernen Schlafstädten herrsche Drogenkonsum, Kriminalität, Egoismus. "Gegen diese Realität stellen wir den Mythos des natürlichen Lebens [...]. Kein chaotischer Asphalt- und Zementdschungel mehr, sondern organisierte und spontan mit- einander verbundene Gemeinschaften."

London als Umschlagplatz des politisch-kommerziellen Komplexes

Auch die TP hatte neben ihrer offiziellen Struktur eine paramilitärische Geheimorganisation zur Seite. Während dieser "operative Kern" sich von der Gruppe löste und mit den "Bewaffneten Revolutionären Zellen" fusionierte, wurden die Gruppenführer nach dem verheerenden Attentat von Bologna 1980 verhaftet, oder es gelang ihnen, sich ins Ausland abzusetzen. Auch Roberto Fiore entzog sich der Festnahme und verlegte sein Wirkungsfeld nach London, das schon seit den 60er Jahren ein Eldorado für rechtsextreme Terroristen war, unter ihnen zahlreiche Italiener.

In London beginnt in den 80er Jahren nicht nur die Vernetzung der italienischen TP mit Teilen der britischen Rechtsextremen, sondern auch eine neue Beschaffungsstrategie, die man als politisch-kommerziellen Komplex bezeichnen kann. Hatten bis zu den 70er Jahren die rechten Terrororganisationen ihre Mittel noch vergleichsweise traditionell durch reine Beschaffungskriminalität eingetrieben, so beschritten Fiore und sein "Kamerad" Massimo Morsello nun den legalen Weg des Unternehmertums und gründeten äußerst florierende Firmen wie "Easy London" und "Meeting Point".[3] Statt sich an der "merkantilen Oligarchie" durch Banküberfälle schadlos zu halten, wurden sie selbst Millionäre. Zu dem Immobilienbesitz traten drei weitere Standbeine: Wohltätigkeitsorganisationen unter dem Schutzschild der katholischen Kirche, die Produktion von CDs mit den Liedern des auch als Folk-Musiker auftretenden Morsello und der Aufbau von Landkommunen, unter anderem in Frankreich und Spanien. Offiziell sollten sie Experimente eines alternativen Land- und Gemeinschaftslebens sein, inoffiziell dienten sie als Rückzugsorte für untergetauchte "Kameraden" oder als Schulungs- und Tagungszentren.

Zur Holding von Fiore und Morsello gehörten darüber hinaus Restaurants, Geschäfte mit italienischen Agrarprodukten und diverse Sprachschulen. Hinzu kamen die engen Kontakte Fiores zu ultrakatholischen Kreisen wie dem "St. GeorgeŒs Educational Trust" und dem "Trust of St. Michael the Archangel". Sie verwiesen nicht nur auf die ideologische Nähe zur rumänischen Legion des Erzengels Michael, sondern fungierten auch als Scharnier zum britischen Ableger der TP. Diese ultrafrommen Kreise betrieben eine Reihe von charity shops, deren Verwalter wiederum Roberto Fiore war und in denen neben gebrauchter Kleidung auch rechtsextreme Literatur feilgeboten wurde.[4]

Rasch propagierte der italienische Exilterrorist auch unter britischen Rechtsextremisten seine "Dritte Position". In den 70er Jahren unterschied sich die britische National Front kaum noch von den Konservativen. Nach dem Sieg Margaret Thatchers folgte eine Phase der Orientierungslosigkeit und Zersplitterung zwischen Reaktionären, Konservativen, Neonazis und nationalen Revolutionären. Anfang der 80er Jahre stieß Fiore daher bei seinen britischen Gesinnungsgenossen auf offene Ohren. Die "revolutionären Nationalisten" im britischen Rechtsextremismus wie Derek Holland oder Nick Griffin machten sich Fiores Dritte Position zu Eigen und engagierten sich beim Aufbau einer Landkommune in Nordfrankreich.[5] Auf der Suche nach einem "Dritten Weg" wurden nicht nur die Ideen Evolas und der Gebrüder Strasser rezipiert, sondern auch genuin britische, eher rechtspopulistische Richtungen wie der Distributismus der 30er Jahre um Belloc und Chesterton.[6]

Nach einer Abspaltung gründeten Holland, Griffin, Fiore und andere 1989 die "Internationale Dritte Position"(ITP), die zunehmend unter den Einfluss ultrakatholischer Kreise wie der "Gesellschaft von St. Pius X."[7] geriet. In Opposition zum wachsenden Einfluss des Katholizismus formierte sich als neuer Dritter Weg das English Nationalist Movement (ENM), das sich 1998 in National Revolutionary Faction (NRF) umbenannte. Internationale Vernetzungen dieser Gruppe bestehen zu den deutschen "freien Nationalisten", zu russischen Nationalbolschewisten und zur französischen Nouvelle Résistance.[8]

Nachdem britische Aufsichtsbehören Fiore 1997 von seinen Ämtern in den Wohltätigkeitsorganisationen suspendiert hatten, kehrte er nach Italien zurück. Die "verwaisten" britischen Nationalrevolutionäre gaben daraufhin die Dritte Position auf und definieren sich inzwischen als national-anarchistisch. Ihre neuen ideologischen Lehrmeister heißen Bakunin und Proudhon. Auch die auf den Amerikaner John C. Calhoun zurückgehende Theorie der Popular Rule kommt wieder zur Ehren und führt zu einem Selbstverständnis als dezentral agierende Graswurzelbewegung mit anarchistischen Anklängen. In einem breiten Feld rechter "Gegenkultur" werden auch Impulse eines "grünen Anarchismus" um die Zeitschrift "Alternative Green" aufgegriffen. Man tritt für Natur- und Tierschutz, ökologische Kampagnen und den Aufbau "organischer" Gemeinschaften ein und besinnt sich wieder, zwischen Anarchopopulismus und Ökofaschismus changierend, auf eigene Traditionen wie Robert Owen oder William Morris.

Von Hooligans bis zu radikalen Katholiken

Nach seiner Rückkehr nach Italien im Jahr 1997 gründete Fiore mit Hilfe seiner gefüllten Kassen noch im gleichen Jahr die neofaschistische Partei "Neue Kraft" (Forza Nuova, FN). Die inzwischen postfaschistische Alleanza Nazionale ist als Bündnispartnerin Berlusconis und der Lega Nord den Hardlinern der rechten Galaxie viel zu angepasst und moderat. In einem Acht-Punkte- Katalog für den "nationalen Wiederaufbau" zeigt die neue Partei, wie stark Fiores Londoner Verbindungen zu vorkonziliaren katholischen Kreisen ideologisch nachwirken. Die festen, unhintergehbaren Punkte dieser Partei lauten: Abschaffung der Abtreibungsgesetze; Familie und demographisches Wachstum als Zentrum der nationalen Wiedergeburt; Stopp der Einwanderung durch "humane" Rückführung der Immigranten; Verbot von Freimaurerei und Geheimsekten; Staatsaufsicht über das Kreditwesen, um den Wucher zu beenden; Neuauflage des Konkordats von 1929; Anerkennung der römischen Kirche in ihrer Rolle als "geistige Führerin" durch den italienischen Staat; Aufbau des Korporativstaats zur "Verteidigung der Arbeiter und der nationalen Gemeinschaft". Die Korporationen trügen nicht nur zur Sicherheit der Arbeiter und zum sozialen Frieden bei, sondern gäben der Arbeit auch den "Aspekt des Heiligen als Fortsetzung des Werkes Gottes" zurück.[9]

Die rasch sehr erfolgreiche FN gilt mit inzwischen rund 2500 Mitgliedern als eine der dynamischsten Kräfte des italienischen Rechtsextremismus und strebt offenbar die Hegemonie über das gesamte Rechtsaußenlager an. Auch hier hat Fiore wieder die Nase im Wind und längst erkannt, wo heute vor allem die Jugend zu gewinnen ist: in den Fußballstadien, wo sich weniger die Skinheads als vielmehr die gewalttätigen Ultras ausbreiten. "Wir sind nicht ihre Eltern", erklärte Fiore 2000 in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin L'Espresso, "aber wir sind bereit, uns ihrer anzunehmen. Das Stadion ist ein Aspekt des sozialen Feldes, auf dem wir politische Arbeit leisten."[10] Dagegen schließt er, als erklärter Abtreibungsgegner inzwischen Vater von neun Kindern, die Rückkehr zur Gewalt und zum Terrorismus aus: "Uns genügt die Kraft unserer Ideen."

Die Nationalbolschewisten und die "neue soziale Frage"

Die Öffnungspolitik der italienischen Rechten außerhalb von MSI und Alleanza Nazionale Ende der 90er Jahre war vor allem eine Reaktion auf die Hegemonie des Neoliberalismus und die von ihm ausgelösten sozialen Verwerfungen. In rascher Folge kam es nach 1997 zu einer Fülle von Neugründungen, Umbenennungen und Bündnissen, häufig mit den inzwischen ergrauten Vete- ranen der 60/70er Jahre an der Spitze.

Während Fiore als ehemaliger Dritter-Weg-Avangardist mit terroristischer Vergangenheit inzwischen einen klerikalfaschistischen Ständestaat propa giert, vertritt die ebenfalls 1997 gegründete "Nationale soziale Front" (Fronte sociale Nazionale, FsN) eine nationalbolschewistische Variante der rechten Galaxie.[11] Auch hier fungiert ein alter Kämpe der Bewegung, Adriano Tilgher, als Chef, schlägt aber deutlich linkere Töne als Fiore an und schließt sogar ein Bündnis mit den Sozialisten nicht aus.

Die politische Strategie der FsN geht von der Krise der Repräsentation breiter Volksschichten aus und hat eine andere Klientel als gewalttätige Fußballfans im Auge, nämlich jene, die in den 70er Jahren noch von den Kommunisten vertreten wurde: "Soziale Schichten, die durch die Logik des Kapitalismus dahin tendieren, immer ärmer zu werden und keine Repräsentanz haben: Arbeiter, Arbeitslose, Unterbeschäftigte, Rentner, Studenten, Kaufleute, Handwerker, Freiberufler, kleine und mittlere Industrie. Gerade letztere sollen dem Zugriff durch die Macht entrissen und durch einen Sozialplan gefördert werden."[12]

Der Antikapitalismus der FsN geht weiter als der jeder heutigen parlamentarischen Linken: "Wir sind und werden immer in besonderer Weise mit den Enterbten der Erde, den Ausgeschlossenen, den Unterdrückten, den Ausgebeuteten, den schwächsten und schutzlosesten Teilen der Gesellschaft sein [...]. Daher sind wir für die Sozialisierung der Produktionsmittel, insbesondere jener, die die Entwicklung und Verteidigung der Gemeinschaft betreffen. [...] Im neuen Jahrtausend, in dem die Arbeiterfrage nicht mehr im Mittelpunkt steht und der "proletarische Internationalismus" marxistischen Angedenkens überholt ist, verlagert sich die neue soziale Frage (Hervorhebung von den Verf., K.P.) auf das nationale Territorium und die Integration von Gebieten des Kontinents, die ökonomisch und politisch autark sind: Es ist der Kampf der Völker, die ihre historische, ethnische, kulturelle und geistige Identität wiedergefunden haben gegen das vaterlandslose Kapital und den engen Kreis globalisierter, kosmopolitischer Oligarchien, die heute die Geschicke der Völker und des ganzen Planeten im Griff haben."[13]

Die FsN zeigt Tendenzen zum Querfrontdenken und entwickelt Sympathien für die Kommunistische Partei der russischen Föderation, der Nachfolgeorganisation der KPdSU unter Gennadij Sjuganow. Allgemein beruft sich die italienische rechtsextreme Galaxie auf den Korporativstaat als alternatives Gesellschaftsmodell zur liberalen Marktwirtschaft. Tilgher dagegen geht weiter, und bewegt sich auf eine Art rechten Titoismus zu. Dem Konzept des Korporativismus sei nämlich eine "sehr viel originellere Idee gefolgt, die von der Expropriation der Expropriateure ausgeht und einen Sozialismus verwirklicht, der unser Schlachtross sein muss, von dem aber niemand etwas hören will: Die Sozialisierung der gesamten Gesellschaft auf der Basis eines Kommunitarismus. [...] Neben der Sozialisierung wird die Ausrichtung auf die Selbstverwaltung der Produktionsmittel vertieft. Sie stellt einen gültigen Versuch dar, die Logik des Profits zu überwinden in Verbindung mit einem Föderalismus, der um die zentrale Idee eines Europas der Völker konstruiert ist."[14]

Auf der Ebene der Parteien ist neben FN und FsN noch eine dritte zu nennen – die 2004 von Pino Rauti ins Leben gerufene "Bewegung soziale Idee" (Movimento Idea Sociale), eine der vielen Abspaltungen von der neofaschistischen Mutterpartei MSI.[15] Während der eine Teil des MSI um die Duce-Enkelin Alessandra Mussolini sich dem Wahlbündnis Berlusconis annähert, hatte der immer noch rührige, inzwischen 82 jährige Faschistenveteran Rauti bei den letzten Wahlen ein Bündnis mit Fiores FN geschlossen.[16]

Rechtsextreme Ideenlaboratorien

Aber die eigentliche Crux dieser und anderer rechter Strömungen liegt in ihrer fortgesetzten Zersplitterung. Auf diese Weise kommt es immer wieder zu Bündnissen und Zusammenschlüssen mit anderen Gruppen, von denen hier exemplarisch nur drei genannt seien: erstens die Comunità Socialismo Nazionale, die sich 2005 von Tilghers FsN löste. Dieser "nationale Sozialismus" orientiert sich an einem "reinen" Squadrismus und fordert ebenfalls die Vergesellschaftung von Unternehmen. Er versteht sich nicht als Partei, sondern als kulturelles, soziales und politisches Laboratorium, als "authentische sozialistische, identitäre, kommunitaristische und revolutionäre Kraft".

Zu diesen außerparlamentarischen Ideenlaboratorien gehört zweitens auch die Gruppe "Front machen" (Far fronte) um den ehemaligen Gymnasiallehrer und Publizisten Paolo Signorelli, der schon Ende der 60er Jahre die Studentengruppe Lotta Popolare gegründet hatte, an diversen rechten Zeitschriften beteiligt war, als Chefideologe von Ordine Nuovo galt und seither, beflügelt von "futuristischer Elektrizität", von einer Gruppe zur nächsten wechselt.[17]

Auch die 2005 von einem ehemals linken Journalisten gegründete Gruppe "Bewegung Null" (Movimento Zero) gehört in dieses Umfeld der rechten Bewegungs- und Debattierkultur. Sie alle verstehen sich als "antagonistische Kräfte" (Signorelli) gegen die Globalisierung, das hegemoniale "Einheitsdenken", die Herrschaft des Wuchers ("usurocrazia") und treten für die Eurasienutopie des russischen Nationalbolschewisten Alexander Dugin ein.[18]

Vor allem Movimento Zero schlägt in der Ablehnung nicht nur des Kapitalismus, sondern der Moderne schlechthin eine Brücke zur letzten der drei oben genannten Lesarten des Faschismus: Dieser wird weder als Revolution noch als Dritter Weg, sondern als Antimodernismus oder Traditionalismus verstanden.[19] Tradition kann natürlich vieles bedeuten und ist in seiner Dehnbarkeit ein klassischer Catch-all-Begriff. Traditionalisten im ideologisch engeren Sinne berufen sich auf Julius Evola, "ein Irrlicht der Konservativen Revolution" (Theodor Wieser), der auch außerhalb Italiens in der intellektuellen "Neuen Rechten" etliche Anhänger findet.

Bis hierhin bilanzierend zeigt sich: Wie in jeder politischen Strömung gibt es auch im Neofaschismus eine Rechte, eine Linke und eine Mitte mit je eigenen Untergruppen und Abspaltungen. Die Linke der rechten Galaxie versteht sich als revolutionär und beruft sich entweder auf die linksfaschistischen Strömungen Ende der 30er Jahre,[20]auf Mussolinis "Sozialrepublik" von Salò oder auf den frühfaschistischen, mit der deutschen SA vergleichbaren Squadrismus, einem paramilitärischen Kampfbund mit antibürgerlichem Habitus. Die Mitte dagegen versteht sich als "Dritter Weg" zwischen Kapitalismus und Sozialismus, institutionalisiert im Korporativ- bzw. Ständestaat. Aber der Werdegang Roberto Fiores von der "Dritten Position" der 70er Jahre zum kapitalistischen Großunternehmer, der zunehmend in das Fahrwasser eines Klerikalfaschismus geriet und heute "papistische" Positionen vertritt, zeigt, dass die "Dritte Position" immer auch eine des Opportunismus ist. Fiores FN pflegt heute Verbindungen zur FPÖ, zur NPD, zum französischen Front National und zur spanischen Falange und könnte mittelfristig, im Gegensatz zu den "antagonistischen" Ultras, als katholisch-konservative Kraft an die Seite von Finis Alleanza Nazionale rücken.[21]

Die Rechte dagegen, der wir uns abschließend zuwenden, stellt weder die soziale Frage noch ist ihr sonderlich am Katholizismus gelegen, sondern ausschließlich und allein am Elitegedanken. Als Bibel dieser in erster Linie antimodernistischen Richtung fungiert das Werk Julius Evolas.

Faschismus als Revolte gegen die moderne Welt

Rechte Intellektuelle im Umfeld der Konservativen Revolution hatten immer schon einen ausgeprägten Hang zur Gnosis. Als moderne Gnostiker treiben sie ihre Gesellschaftskritik bis zur Weltverachtung und diese immer weiter zurück in die Geschichte. Gemessen an einem mythischen Urzustand erscheint die Geschichte Europas nur als Dekadenz und Niedergang. Strittig ist lediglich, ab wann der Verfall begann: Bereits mit Sokrates, erst mit dem Christentum oder noch später mit der Aufklärung, der Französischen Revolution und dem Industriezeitalter.

Julius Evola (1898-1974) gehörte dem Adel an und war Zeit seines Lebens auf der Suche nach jenem Goldenen Zeitalter, dessen Quintessenz die Welt der Aristokratie ist.[22] Der sizilianische Baron kann als italienischer Verschnitt von Arthur de Gobineau, Carl Schmitt und Ernst Jünger gelten. Man nehme Gobineaus Ideal der indischen Kastengesellschaft, Schmitts spezifische Sicht auf den Katholizismus als "römische Form" und Jüngers Figur des Waldgängers als Rückzugsposition in "finsteren Zeiten", verrühre dies mit einer kräftigen Dosis Esoterik und Okkultismus, mit Praktiken pseudosakraler Entgrenzungen des bürgerlichen Ich durch Drogenkonsum oder Kunstrichtungen wie den Dadaismus (dem Evola in seiner Jugend nahe stand)[23] und füge dem eine gehörige Portion männerbündischer Phantasien von politischen Orden hinzu. Abschließend kröne man die Mixtur mit der Idee des künftigen Reiches als militarisiertem Ordensstaat – und man hat Julius Evola, einen Heinrich Himmler als Stubengelehrten.

Aus Evolas elitärem Aristokratismus folgt eine im realen Faschismus als Massenbewegung und als Bündnis unterschiedlicher Kräfte nie gekannte Verachtung des Volkes, der Massen und insbesondere der Arbeiterklasse. "Die Verachtung für die sogenannte 'Arbeiterklasse' ist ein wesentlicher Punkt. Die Männer des Ordens stellen sich jeder Untreue und Versuchung entgegen, die darin bestünde, Zustimmung von den niederen Schichten zu erlangen, die das Konzept des Ranges, des Privilegs und der Macht in Begriffen von Geld und Reichtum definieren."[24]

Die Welt der Tradition ist geprägt vom Sein – im Gegensatz zum Werden der modernen Welt. Ihr Phänotyp ist der Krieger, der sich als "absolutes Individuum" durch Askese, Selbstüberschreitung, Wille zur Transzendenz, Ehre, Treue, Mannhaftigkeit, Härte und Unbeugsamkeit auszeichnet. Historisch kommen diesem Ideal am nächsten das römische Imperium und der von dem Stauferkaiser Friedrich II. geprägte Frühabsolutismus. Der Staat der Zukunft wird "als das autoritäre Organ einer Elite bzw. eines Ordens begriffen [...] Im Ordensgedanken bzw. Ordensstaatsgedanken begegnen sich [...] die faschistische und die nationalsozialistische Ideologie."[25]

Hier zeigt sich: Je radikaler die Rechte in Italien ist, desto mehr orientiert sie sich am NS-Regime und hier wiederum an der SS. Dagegen werden die faschistischen Theoretiker der Regimezeit (Giovanni Gentile, Sergio Panunzio, Alfredo Rocco) nicht mehr rezipiert.[26] Evolas Utopie von einer neuen Lehens-oder Kastengesellschaft und der elitäre Ordensstaatsgedanke, dessen ideale heroisch-militärische Kontinuitätslinie Sparta-Rom-Preußen lautet, hielt ihn auf Distanz zum Regime Mussolinis. Historische Vorbilder sind vielmehr die christlichen Ritterorden und ihre Ordensstaaten.

Evola, den in der Nachkriegszeit die Aura eines Gurus für Eingeweihte umgab, stand immer radikalfaschistischen Bewegungen wie der Eisernen Garde Codreanus oder der Falange José Antonio Primo de Riveras näher als dem italienischen "Normalfaschismus". Auch zum Katholizismus, als universalistischer Doktrin, hielt er Distanz. Daran ließ er, wie auch Carl Schmitt, nur die römische Form, die Hierarchie und den Integralismus in der "mannhaften", also mittelalterlichen Phase der Kirche gelten.

Mit Ernst Jünger schließlich verbindet Evola in späteren Jahren vor allem der Pessimismus hinsichtlich der Verwirklichung seiner Ideen. Die apolitía, der Rückzug aus der Politik auf eine metapolitische Ebene und der Nihilismus des "Waldgängers" macht ihn für all jene interessant, die nach dem Schlüssel zum Verständnis nicht nur der Gegenwart, sondern der Geschichte seit Urzeiten, ja des gesamten Kosmos mit seiner geheimen, nur den Initiierten zugänglichen Sphäre des Sakralen suchen. Zahlenmystik, indische Weisheitslehren, Magisches, Mystisches und Okkultes, der Symbolismus von Zeichen, die stets auf eine hinter der realen Welt verborgene, kosmische Dimension verweisen, offenbaren sich nur einer Elite, deren adäquate Organisationsform weder eine Massenbewegung noch eine profane Partei, sondern ein Eliteorden ist.

Dieser metaphysische Antimodernismus, verbunden mit dem Gedanken elitärer Männerbünde, machte Evola in nachfaschistischer Zeit zu einem Bezugspunkt für jene Rechten, denen der MSI nie radikal genug dem verhassten merkantilen Bürgertum und der profanen, gleichmacherischen Moderne entgegentrat. In der Gedankenwelt dieses elitären Einzelgängers ist kein Raum für die populistischen, links-korporatistischen, nationalistischen und katholisch-konservativen Komponenten, die den Faschismus als ideologisches Amalgam und als politisches Bündnis ausmachten, erst recht nicht für ökofaschistische oder national-anarchistische Richtungen, die in Italien weitgehend unbekannt sind. Als Aristokrat steht Evola, wie schon Gobineau, dem Nationalismus ebenso fern wie den modernistischen Elementen des Faschismus. Aber auf Teile einer orientierungslosen, zu jeder outrierten Antibürgerlichkeit bereiten, auf männliche Überlegenheit pochenden Jugend musste dieses elitäre Nonplusultra als Kompensationsideologie faszinierend wirken, bietet Evola doch in der theoriearmen Landschaft der extremen Rechten eine holistische Weltsicht, die nicht nur Gesellschaftstheorie, sondern zugleich Metaphysik und romantische Welterklärungsformel zu sein beansprucht.

Evolas Revolte gegen die moderne Welt ist eine Revolte gegen die Entsakralisierung, die sich in der Herrschaft des Geldes, im Aufstand des Pöbels, im Triumph der niederen Instinkte und nicht zuletzt im Aufstand der Frau gegen eine vermeintlich kosmisch-sakrale Ordnung manifestiert. Nichts fürchtet dieser Mann aus anderen Zeiten[27] mehr als die im "dekadenten" Westen heraufziehende Gynokratie.[28] Er ist weder konservativ noch faschistisch, sondern reaktionär. Zusammen mit Gobineau, Dónoso Cortes oder René Guénon (der sich in späteren Jahren Abdel Wahid Yahia nannte) irrlichterte er am esoterischen Rand der rechten Galaxie.

Die Metamorphose der "Schwarzen Ritter"

Insgesamt hat die radikale Rechte in Italien seit 1945 einen weiten Weg zurückgelegt. Aus ehemaligen Terroristen sind "Papisten", aus Ultranationalisten glühende Verfechter Europas vom Atlantik bis Wladiwostok geworden. Der Feind aber ist nach wie vor derselbe: die "plutokratische Herrschaft des Wuchers".

Strategisch ist der Terror in den Hintergrund getreten; die "direkte Aktion" verlagert sich in die Fußballstadien. Zwischen gewaltbereiten Fußballfans, frustrierten Kleinbürgern, Subproletariat oder Prekariat, Globalisierungsgegnern, Anhängern der "Zweiten Welle" oder des "Dritten Weges", zwischen Klerikalfaschismus und nationalem Sozialismus, Nationalbolschewismus und Okkultismus, elitärem Orden oder losen Ideenlaboratorien pflegt die italienische Rechte noch den Narzissmus von Kleingruppenidentitäten. Allein Fiores FN scheint derzeit ein ernstzunehmendes Wachstumspotential zu haben. Ob das Bündnis zwischen den beiden Exterroristen Fiore und Rauti, den "Schwarzen Rittern", allerdings zukunftsträchtig ist, bleibt abzuwarten. Weit stärker gilt es jedoch zu beobachten, inwieweit es der radikalen Rech- ten gelingt, ihre völkisch-kapitalismuskritischen Ideen in das neue parlamentarische Rechtsbündnis einzubringen. Dass Berlusconi in der Lage ist, die verschiedensten Ideen zu amalgamieren, hat er in der Vergangenheit allzu oft bewiesen – dass dies in der Regel nicht zu seinem Nachteil gerät, ebenfalls.

 

  • [1] Vgl. Franco Ferraresi (Hg.), La destra radicale, Mailand 1984, S. 17.
  • [2] Vgl. das Manifest "Né fronte rosso né reazione, terza posizione" (1979), www.francocenerelli.com/antologia/controme.htm.
  • [3] Easy London: eine Vermittlungsagentur für junge Italiener, denen als Fertigpaket die Organisation von Reise, Unterkunft und Jobvermittlung geboten wurde. Meeting Point: eine Kette von Billigunterkünften für Jugendliche, die zum Sprachstudium, als Touristen oder Jobber nach London strömten.
  • [4] Vgl. Ciaran Byrne und Matthew Kalman, High street charity shops fund neo-fascist village, 23.11.1997.
  • [5] Kritiker Fiores heben dubiose finanzielle Machenschaften und die Veruntreuung von Spenden und Beteiligungen hervor, bei denen viele Gutgläubige um ihre Einlagen geprellt worden seien.
  • [6] Vgl. Karin Priester, Populismus. Historische und aktuelle Erscheinungsformen, Frankfurt a. M. und New York 2007, S. 26.
  • [7] In Deutschland bekannt als Priesterbruderschaft St. Pius X., 1970 von dem traditionalistisch-katholischen Erzbischof Marcel Lefèbvre gegründet.
  • [8] Diese Splittergruppe hat sich inzwischen aufgelöst.
  • [9] Vgl. Punti Fermi, 8 Punti per la Ricostruzione Nazionale, www.forzanuova.org/punti_fermi.htm.
  • [10] Zit. nach Giancarlo Dotto, Destra: Parlano i leader di Forza Nuova, in: "L'Espresso", 17.02.2000.
  • [11] Zur Vorgeschichte des nationalen Sozialismus vgl. auch Maddalena Carli, Nazione e rivoluzione. Il "Socialismo nazionale", in: Italia: mitologia di un discorso rivoluzionario, Mailand 2001.
  • [12] Vgl. das politische Programm von Fronte sociale Nazionale vom März 2007, www.frontenazionale.it/Tesi-Politiche/identità_forte.html.
  • [13] Ebd., Kap. Soziale Befreiung (Liberazione Sociale).
  • [14] Ebd., Kap. Die neue Synthese (La Nuova Sintesi).
  • [15] Inzwischen mit dem Zusatz "Fiamma tricolore". Die in den drei italienischen Nationalfarben gehaltene Flamme im Parteiemblem steht als Feuersymbol für Ruhm, Macht und Aufschwung.
  • [16] Im November 2002 fand in Ostia eine Versammlung der größten neofaschistischen Gruppen Italiens mit dem Ziel einer Vereinigung statt. Allein die FN Fiores hält sich von diesen Vereinigungsversuchen fern, weil sie ohnehin den größten Zulauf hat und den vielen rechten Klein- und Kleinstgruppen zahlreiche Mitglieder oder Sympathisanten abzieht.
  • [17] Der Antisemitismus ist in allen diesen Zirkeln und Parteien verbreitet und führt pikanterweise auch zu einem innerrechten Antisemitismus. So erklärte Signorelli 2005, er halte sich sowohl von den Papisten um Fiore als auch von den "Levantinern" um Tilgher fern, womit er auf den jüdisch klingenden Namen Tilghers anspielt.
  • [18] Vgl. Andreas Umland, Faschismus à la Dugin, in: "Blätter", 12/2007, S. 1432-1435.
  • [19] In ihrem "Antimodernistischen Manifest" kämpft Movimento Zero gegen die Herrschaft von Wucher und Geld sowie die Entsakralisierung der modernen Welt. Sie ist gegen die repräsentative und für die direkte Demokratie in "begrenztem und kontrollierbarem Raum". Gegen die "Mystik der Arbeit" tritt sie für eine allmähliche Rückkehr zur Selbstproduktion und zum Selbstkonsum ein.
  • [20] Der Korporatismustheoretiker Ugo Spirito hatte 1938 das Konzept der "Besitzkorporation" entwickelt, das bedeutet Abschaffung des Privatbesitzes an Produktionsmitteln und deren Vergesellschaftung in den Korporationen.
  • [21] Bei dem Treffen der Euro-Rechten in Wien im November 2005 traten gleich drei italienische Parteien an, der MSI-Fiamma Tricolore, Fiores FN und Tilghers FsN.
  • [22] Einen guten Überblick über Evolas mythisch-okkultistische Gedankenwelt gibt Anna Jellamo, J. Evola, il pensatore della tradizione, in: Franco Ferraresi (Hg.), La destra radicale, Mailand 1984, S. 215-252. Vgl. auch den von der national-anarchistischen Online-Zeitschrift "Synthesis" übernommenen Aufsatz des Oxforder Faschismusforschers Roger Griffin: Revolts Against the Modern World. The Blend of Literary and Historical Fantasy in the Italian New Right, in: "Literature and History", 1/1985, S. 101-123.
  • [23] Der sizilianische Baron ist auch als Maler drittrangiger Bilder hervorgetreten. Eines davon mit dem Titel "Astrazione" ist im Internet zu besichtigen; vgl. www.yland.net/juliusevola/dada_astrazione.php.
  • [24] Julius Evola, Der Orden der Eisenkrone, in: "Arthos", 2/1973.
  • [25] Vgl. Julius Evola, Reich und Imperium als Elemente der neuen europäischen Ordnung, in: "Europäische Revue", 2/1942, S. 69 ff.
  • [26] Sie waren den faschistischen Ultras nie radikal und antibürgerlich genug. An Gentiles Verständnis des Faschismus als "ethischer Staat" kritisiert Evola, dies sei nur ein "pädagogischer Staat für geistig Minderjährige", vgl. Jellamo, a.a.O., S. 246.
  • [27] "Wir sind keine Menschen von heute", dichtete 1998 der Cantautore Massimo Morsello, der inzwischen verstorbene Kompagnon Roberto Fiores. Mussolini wäre eine solche antimodernistische Zeile wohl kaum eingefallen.
  • [28] Evolas 1974 formulierte Gedanken zur Promiskuität in seinem Ordensprojekt können als rechte Antwort auf die sexuelle Befreiung der 70er Jahre gelesen werden: statt der libertären Kommune I hier die "resakralisierte" Tempelprostitution, verbrämt als sakrale Hierogamie. "Wenn die Frauen einen Teil des Ordens als Mitglieder bilden dürfen, so haben die Mädchen eine Gruppe der 'Drittrangigen' zur Verfügung der Männer des Ordens zu bilden, für eine gemeinsame Verwendung und ohne ein Besitz zu werden." (Evola, Der Orden, a.a.O.)


Published 2008-06-03


Original in German
First published in Blätter für deutsche und internationale Politik 6/2008

Contributed by Blätter für deutsche und internationale Politik
© Karin Priester
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