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Articles

Zur Rolle der Medien in asymmetrischen Konflikten

Militärgeschichte und Medienwissenschaften im Fokus


1. Medien im Krieg

The future of war


Are wars that are fought between nations a thing of the past, and are the future challenges more a case of ethnic strife, break-up of failed states, secession and civil wars? In a special focal point, Eurozine analyzes the changing face of warfare in the twenty-first century, in which terrorism and new security threats have profoundly transformed the way wars are conducted. [ more ]
Medien und Krieg als Einheit zu denken, ist im Sinne einer historisierenden Propagandaforschung nicht neu.[1] Gleichwohl erfährt die Erforschung dieses Zusammenhangs seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes und den in den Folgejahren aufbrechenden inner- wie zwischenstaatlichen Konflikten Europas eine stetig zunehmende Aufmerksamkeit. Eine katalytische Wirkung übten zudem die Terrorakte auf das World Trade Center und das Pentagon wie auch die Interventionen der USA in Afghanistan 2001 und im Irak 2003 aus. Sie führten zu einer immensen publizistischen Tätigkeit auf dem weiten Feld von Krieg und Medien.[2]

Das Interesse an der Erforschung dieser Zusammenhänge mag so gesehen zwar relativ jung sein, entstand andererseits aber nicht spontan. Es stellt vielmehr den vorläufigen Höhepunkt einer (Weiter)Entwicklung verschiedener geisteswissenschaftlicher Disziplinen dar. Wir können beobachten, dass die Beschäftigung mit den Themenfeldern Krieg, Militär und Medien seit den 1990er Jahren nicht nur zunehmend in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit getreten ist, sondern – vielleicht gerade durch die öffentliche Wahrnehmung angeregt – in der Wissenschaft methodisch zusehends akzeptiert und auf einer breiteren Basis diskutiert wird.

Für die Themenfelder von Krieg und Militär verdeutlicht es nach Ende des Ost-West-Konfliktes einen viel alltagspolitischeren Bezug, als mit dem "Ende der Geschichte" (Francis Fukuyama) angenommen werden konnte. Der veränderten außen- und sicherheitspolitischen Situation an den Rändern Europas und auch darüber hinaus folgte eine veränderte Wahrnehmung des Komplexes "Bedrohung und Krieg", die sich in der Beschäftigung mit Krieg, Frieden, Militär und Medienmacht widerspiegelt. Die Wissenschaften erschließen sich hier ein Betätigungsfeld, an das sie noch in den 1990er Jahren nicht zu denken wagten.[3]

Der zunehmende Druck in der Forschungslandschaft, die zunehmende öffentliche Akzeptanz und somit die steigende Attraktivität derjenigen Forschungsfelder, die sich unmittelbar oder doch am Rande mit sicherheitspolitischen und militärischen Aspekten befassen, führen dazu, dass sie zusehends nicht mehr nur den Politikwissenschaften oder der Militärgeschichtsschreibung überlassen werden, sondern unter anderem in die allgemeine Geschichtswissenschaft sowie die Medien- und Kommunikationswissenschaften einfließen. Deutlich wird dies mitunter an der gesunkenen Berührungsangst, auch daran, dass beispielsweise die moderne Militärgeschichtsschreibung als Subdisziplin der allgemeinen Geschichtswissenschaft Aufnahme und Bestätigung in der universitären Wissenschaftslandschaft gefunden hat[4] und die Beschäftigung mit dem weiten Themenfeld Militär zwischen "banal militarism"[5] und "war visions"[6] oszilliert. Es bietet sich die Chance, die gegenwärtigen wie vergangenen sicherheitspolitischen Fragen als Ereignisse im interdisziplinären Umfeld von (Militär)Geschichte, Politik- sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften zu betrachten.

Einen möglichen Schnittpunkt dieses interdisziplinären Ansatzes stellt die Frage nach dem Wechselspiel von Medien und Krieg, nach der Rolle der Medien im asymmetrischen Konflikt dar. Fragen nach dem Verhältnis und den Abhängigkeiten von Medien und Krieg sind vielfältig[7] und führen mittlerweile soweit, dass begründete Forderungen laut werden, die Geschichte der "neuen Kriege" müsse auch eineMediengeschichte sein.[8] Wissenschaftler beleuchten Medien seit den Erfahrungen des Golfkrieges 1991, der Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien und den Luftschlägen gegen Serbien vor allem vor dem Hintergrund der Funktion von Legitimation und Delegitimation des Kriegs in der Öffentlichkeit. Sie fragen ebenso nach der Rolle der Medien für die Vorbereitung eines Kriegs,[9] wie nach dem Einfluss der Medien zur Beendigung von Konflikten.[10] Sie untersuchen die Frage nach dem Stellenwert der Medien als Akteure innerhalb eines Konfliktes. Dabei wird beispielsweise nach der sich wandelnden Rolle und dem Selbstverständnis von "Kriegsreportern" gefragt oder geprüft, ob die kriegführenden Parteien analog zu ihren klassischen militärischen Operationsplänen auch "Informationsoperationen" planen und die informierende bzw. desinformierende Wirkung von Medien zum eigenen Vorteil nutzen.[11] Auch die Analyse des Einsatzes verschiedener elektronischer Medien wie von Video- bzw. Audioclips ist denkbar und zeigt bereits hier in Ansätzen, dass neben die traditionellen Waffenarsenale aus Sturmgewehren und Sprengstoffen elektronische wie Videokameras, Laptops und High-Speed Internetverbindungen getreten sind.[12]

Dieser Beitrag engt die mögliche Themenvielfalt dahingehend ein, als er nach der Rolle von Medien in asymmetrischen Konflikten fragt, wie sie seit "9/11" einer größeren (wissenschaftlichen) Öffentlichkeit gegenwärtig ist. Wie unterscheidet sich die Rolle der Medien in einer "Asymmetrie aus Stärke" von der einer "Asymmetrie aus Schwäche"? Können die Medien unter diesem Focus als "Waffen" verstanden werden? Wenn ja, auf welche Weise wirken sie? Dazu gilt es zunächst den Begriff der "Asymmetrie" bzw. den damit verbundenen Begriff der "neuen Kriege" näher zu erläutern und in Relation zum seit 2001 genutzten Terrorismusbegriff zu stellen (3). Anschließend werden die "Medien" aus Positionen einer "Asymmetrie aus Stärke" (4) und einer "Asymmetrie aus Schwäche" (5) näher beleuchtet, um der Rolle der Medien in asymmetrischen Konflikten nachzuspüren.

2. Forschungsstand

Mit der Erfahrung der zunehmenden Digitalisierung und Visualisierung setzte seit den 1990er Jahren in vielen Wissenschaftsfeldern ein "Run" auf Bilder und Medien[13] ein, dessen gemeinsamer Nenner die Frage nach der zentralen Rolle für eine visuelle und politische Kommunikation[14] darstellt. Die durch die Konflikte in Europa und unter europäischer Beteiligung geführten Kriege gewachsene Aufmerksamkeit in Bezug auf das Bedingungsgefüge von Medien und Krieg beschränkt sich dabei nicht auf ein einzelnes Wissenschaftsfeld, sondern schloss neben der Medien- und Kommunikationswissenschaft[15] auch Kunstund Kulturwissenschaften[16] und nicht zuletzt auch die Politik-[17] und Geschichtswissenschaft[18] ebenso wie die autobiographischen Berichte beteiligter Journalisten[19] mit ein.

Verglichen mit der Frage nach "neuen und alten Kriegen"[20] einerseits und dem allgemeinen Verhältnis von Krieg und Medien andererseits, ist die spezielle Frage nach dem Zusammenhang derMedien respektive der Bilder als Waffen in einem asymmetrischen Konflikt bislang vergleichsweise selten betrachtet worden. Dieses Wechselspiel wird interessanterweise intensiver von denjenigen Autoren beschrieben, die sich eingehend mit der Frage einer asymmetrischen Kriegsführung beschäftigten.[21] Dies mag daran liegen, dass es sich hierbei eher um ein sicherheitspolitisches Interesse und weniger um einen medien- und kommunikationswissenschaftlichen Ansatz handelt, kann doch Öffentlichkeit als Schlachtfeld verstanden werden.[22] Dieser Auffassung liegt das Verständnis von Asymmetrie und "Terrorismus als Kommunikationsstrategie"[23] zu Grunde, das zur Frage überleitet, was im Folgenden unter "asymmetrischen Konflikten" zu verstehen ist.

3. Die "neuen Kriege", asymmetrische Konflikte und der Terrorismus

Der Begriff des "asymmetrischen Konfliktes" ist, obwohl häufig mit den Schlagwörtern der "neuen" und "alten Kriege" in Verbindung gebracht, nicht eindeutig.[24] Vielleicht bedingt es gerade die Assoziation mit den sogenannten "neuen Kriegen", dass auch die "Asymmetrie" fälschlicherweise als ein neues Phänomen gewertet wird. In Abgrenzung zum symmetrischen Krieg wurde die Begrifflichkeit in die wissenschaftliche Diskussion bereits in den 1970er Jahren eingeführt und beschreibt eigentlich ein Phänomen, das so alt ist, wie die Kriege selbst.[25]

3.1 Die "neuen Kriege"

Die "alten Kriege" zeichnen sich in ihren Abläufen und Mustern durch eine gewisse Symmetrie aus. Ihr Prototyp ist der zwischenstaatliche europäische Konflikt seit dem Dreißigjährigen Krieg. Seit der Frühen Neuzeit standen sich in zeitlich begrenzten Kriegen überwiegend reguläre Truppen als Träger des staatlichen Gewaltmonopols gegenüber, deren Verhalten von Einhegungs- und Regulationsmechanismen[26] gekennzeichnet war.

Die "neuen Kriege" hingegen charakterisiert diesbezüglich eine Entgrenzung. Sie sind von langer Dauer, in ihrem Gewaltmaß jedoch als "low intensity wars"[27] bezeichnet. In ihnen steht nicht der Kombattant, sondern die Zivilbevölkerung mehrheitlich im Focus der Gewaltanwendung.[28] Diese "neuen Kriege" zeichnen sich dadurch aus, dass der Staat als Träger des Gewaltmonopols in den Hintergrund rückt und an seine Stelle Warlords, Bürgerkriegsgeneräle oder private Söldnerfirmen treten und somit nicht nur eine Entstaatlichung sondern auch eine Privatisierung und Ökonomisierung der Auseinandersetzungen stattfindet. Das Ziel dieser sowohl räumlich wie zeitlich diffundierenden Konflikte – und dies mag der entscheidende Unterschied zu einem klassischen Staatenkrieg europäischer Prägung sein – ist nicht die Ausrichtung auf eine militärische Entscheidung, sondern die Ausrichtung auf das bellum se ipsum alit, dass Krieg zu einer Lebensform wird, "in der das Erwerbsleben in der Form von Gewaltanwendung stattfindet."[29]

3.2 Der asymmetrische Konflikt und die neue Qualität des Terrorismus

So wie die "alten Kriege" durch die Symmetrie der Kriegsführung bestimmt sind, so wird die Asymmetrie als Kennzeichen der "neuen Kriege" wahrgenommen, was de facto jedoch nicht zutreffend ist. In ihrer Bedeutung umfasst sie vielmehr ein Kontinuum, das von der "Auseinandersetzung zweier Staaten unterschiedlicher Kapazität über ungleiche Verfahren in der Kriegs- und Operationsführung bis hin zum Guerillakrieg zwischen Staaten und nicht-staatlichen, privat organisierten Akteuren"[30] reicht.

Herfried Münkler weist in der Diskussion auf zwei mögliche Ausprägungen der Asymmetrie hin: Für einen technologisch oder organisatorisch unterlegenen Gegner muss auf Grund der grundsätzlichen "Unerreichbarkeit" eines militärtechnologisch und -organisatorisch überlegenen Gegners die Strategie auf eine "Asymmetrisierung aus Schwäche"[31] hinauslaufen. Neben die Asymmetrie aus Schwäche tritt aber auch eine Asymmetrie aus Stärke, die sich eben aus jener waffentechnologischen bzw. militärorganisatorischen Überlegenheit ergibt.[32] Beide zielen auf Unverwundbarkeit ab.

Mit den Anschlägen von New York und Washington erlebte die Weltöffentlichkeit einen solchen Angriff aus der Position der Schwäche heraus. Gleichzeitig beinhaltet diese Form des Kriegs[33] Elemente der "neuen Kriege". Der Angriff basierte nicht auf den Plänen eines staatlichen Akteurs, sondern wurde aus privaten Netzwerken heraus initiiert und von wenigen Männern durchgeführt. Eine formale Kriegserklärung gab es nicht, die Akteure im Hintergrund bleiben verborgen, ein Gegner lässt sich weder tatsächlich personifizieren noch territorialisieren. Der Konflikt, geführt mit Mitteln der Asymmetrie, ist ein low intensity war, koordiniert von Privatiers und Warlords. Der genutzte Terror ist Mittel der Asymmetrie und bildet einen vorläufigen Höhepunkt für eine neue Qualität des internationalen Terrorismus.[34]

Diese Strategie des Terrorismus ist weniger an den unmittelbaren physischen Folgen der Gewaltanwendung orientiert – sie könnte ihn auch nur bedingt erreichen – als vielmehr an den kurz- und langfristigen psychischen Effekten, die durch den Angriff auf die Moral über Furcht und Schrecken erreicht werden.[35] Insofern korrespondiert der "neue Terrorismus" mit den "neuen Kriegen", da die öffentliche Meinung für den politischen Meinungsbildungsprozess und somit die Zivilbevölkerung Zielscheibe der Aktionen ist. Zudem zielt er auf die ökonomischen Grundlagen westlicher Gesellschaften. In diesem Sinne kann Terror als eine Kommunikationsstrategie begriffen werden, die beim Feind Furcht und Schrecken verbreiten soll, in den eigenen Reihen hingegen Zuversicht und Zutrauen in die Fähigkeit weckt, "auch einen deutlich überlegenen Gegner in einem lange dauernden Konflikt besiegen zu können."[36] Im Sinne einer Kommunikationsstrategie terroristischer Anschläge argumentiert auch Brosius und betont, dass Terror als symbolischer Akt durch die Kommunikationswissenschaften analysiert werden könne:

"Insofern kann man die Planung und den Ablauf eines terroristischen Aktes als ein rhetorisches Genre bezeichnen. Terroristen wenden periodisch wiederkehrende rhetorische Figuren an, welche die Medien dazu zwingen, ihnen Zugang zu verschaffen, ohne den der Terrorismus seine Ziele nicht erreichen könnte. Terroristen gleichen hierin den Öffentlichkeitsarbeitern von Parteien, Verbänden und Unternehmen. Gemeinsames Ziel ist es, die Aufmerksamkeitsschwelle der Medien durch inszenierte Ereignisse und Geschehnisse zu überwinden."[37]

Damit schließt sich der Kreis über die "neuen Kriege" und den "neuen Terrorismus" hin zur Frage der Asymmetrie. Versteht sich der Angreifer als im Krieg (gegen die westliche Welt), muss er zu solchen Mitteln einer asymmetrischen Kriegsführung greifen, die es ihm erlauben, den Feind erfolgreich zu bekämpfen. Da ein Sieg über klassische militärische Machtmittel nicht erreichbar ist, bedeutet Asymmetrie die Umgehung der militärischen Stärke "bei gleichzeitigem Schlag in seine verwundbaren Weichteile."[38] Eine solch verwundbare Stelle westlicher Demokratien ist ihr Meinungspluralismus und der Einfluss öffentlicher Meinung auf politische Entscheidungsprozesse. Das entscheidende Mittel für dieses asymmetrische Vorgehen ist die Wechselwirkung von Terrorismus und Medien.[39] Damit bilden Medien für den Terrorismus eine entscheidende Schnittstelle im Innersten demokratisch kontrollierter Herrschaft und komplexer Gesellschaftssysteme des Westens.

So sind Terroranschläge das Mittel einer auf Schwäche basierenden asymmetrischen Kriegsführung, indem sie über die Medien sowohl in die Meinungsbildung als auch in komplexe ökonomische Abläufe eingreifen. Medien können aber nicht nur aus Schwäche heraus als Waffe eingesetzt werden, sondern sind ebenso aus einer Position der Stärke verwendbar.

4 Asymmetrie aus Stärke – Medien zwischen "Public Diplomacy" und "Information Operations"

Mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes und einer damit einhergehenden neuen Perzeption eines veränderten Kriegsbildes hat sich auf Seiten der Nationalstaaten die Funktion von Kommunikation im Krieg gewandelt.[40] Der Trend geht hin zur "Public Diplomacy" einerseits und umfassenden Informationsoperationen andererseits.[41] Das Ziel auf beiden Ebenen ist es, den Krieg in den Köpfen zu entscheiden, bevor auch nur ein Schuss gefallen ist. Insofern nutzen Regierungsapparate und zunehmend das Militär "Medien als Kriegswaffe".[42]

4.1 Traditionelle militärische Kommunikation

Das herkömmliche Verständnis vom Einsatz der Medien betraf in erster Linie immer das Einwirken auf die gegnerische oder eigene Öffentlichkeit. Es ging dabei um den Komplex der Legitimation des eigenen militärischen Einsatzes, implizierte aber auch die Felder von Information und Desinformation im Einsatzgebiet. Gerade in Hinblick auf die Rolle der Medien im Vietnam-Krieg wurde wiederholt auf die Bedeutung der Legitimation und den Einfluss der Öffentlichkeit hingewiesen.[43] Aber auch die Frage nach der Kontrolle der unliebsamen, weil schwer beherrschbaren Massenmedien war ein stets virulentes Thema. Doch ging es allzu oft um die Frage, wie man gegen die Medien einerseits die Heimatfront überzeugen, andererseits aber auch auf die feindliche Bevölkerung und auch die feindlichen Truppen im eigenen Sinne einwirken konnte.

4.2 Medien in der strategischen Einflusskommunikation

Die Anpassung aus Erfahrungen vergangener Kriege[44] sowie an den rasanten technologischen Fortschritt machten einen gänzlich anderen Ansatz notwendig, der die asymmetrische Stärke der USA im Bereich der Informationsüberlegenheit verdeutlicht. Seit den 1990er Jahren betreiben sie den Ausbau ihrer Fähigkeiten zur strategischen Einflussund Krisenkommunikation.[45] Die Rolle, die den Medien dabei zuteil wird, ist nicht nur – pejorativ formuliert – die des "willfährigen Helfers",[46] sondern spricht auch für ihr symbiotisches Verhältnis zur Politik und verdeutlicht, dass die Medien sowohl "Akteur als auch Instrument"[47] politischer Kommunikation sind. Ob es den Medien jedoch gelingt, ihre Unabhängigkeit aus dieser Symbiose auch in der Berichterstattung zu bewahren und nicht zu Gefahr laufen, ein "konstruiertes Kriegsbild"[48] zu vermitteln, bleibt zu hinterfragen, spricht jedoch für ein gewisses Erreichen der Ziele einer information warfare.

Nicht mehr länger gegen sonder vielmehr mit den Medien wird die Austragung von Konflikten angegangen. Unter Zuhilfenahme der Medien nimmt das Militär, aber auch die Politik, Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung. Erwartungen werden geweckt, Szenarien und Täuschungen verbreitet. Auf diese Weise macht das US-Militär "Information, Desinformation und Nichtinformation zu einer neuen Waffengattung" und führt "einen neuen Krieg: den Informationskrieg."[49]

Die Gewinnung der Oberhoheit über Information ist somit ein zentrales Anliegen amerikanischer Kriegsführung in einem sicherheitsstrategischen Kontext. Es gilt "die Macht der Information politisch und militärisch umfassend zu operationalisieren."[50] Doch stößt auch die Umsetzung dieser Ziele beispielsweise im Konzept der embedded journalists – im übrigen Ausdruck der Asymmetrie aus Stärke der US-Amerikaner auf diesem Feld – auf Kritik und somit auf Grenzen, wenn die Unabhängigkeit der Medien als inoffizieller vierter Gewalt in scheinbare oder tatsächliche Gefahr gerät.[51]

Nicht mehr die Legitimation gegenüber der eigenen Bevölkerung bildet die Zielsetzung, sondern der offensive Ansatz, "gegnerische Elitenperzeptionen zu ändern, Befehlsketten zu stören, die technologischen und sozialen Kommunikationsinfrastrukturen der anderen Partei so zu manipulieren".[52] Dies ist ein umfassender Einsatz von Medien aus der Position der Stärke, der freilich sehr wohl auf den "lessons learned" des Vietnam-, Falkland- und des Irakkriegs von 1991 aufbaut und sich während der Operation "Allied Force" 1999 zu dem Instrumentarium eines umfassenden information warfare für Afghanistan und Irak 2003 weiterentwickelte. Die Informationsoperationen sind innerhalb der information warfare die methodische Antwort auf die zunehmende Bedeutung der Informationstechnologie und die steigende Vernetzung der Öffentlichkeit. Sie sind somit ein bestimmender Faktor der Sicherheitspolitik und nehmen daher für die Militärplaner eine immer bedeutendere Rolle ein.[53]

5 Asymmetrie aus Schwäche – Die Medien als Waffe des Terrorismus

Doch nicht nur aus der Position der Stärke, sondern auch aus militärischer Unterlegenheit heraus werden Medien im asymmetrischen Konflikt genutzt.[54] Dabei wirken sie auf ein komplexes Beziehungsdreieck westlicher Gesellschaften.

5.1 Beziehungsdreieck Politik – Kommunikation – Öffentlichkeit

Eine der hierfür notwendigen Grundannahmen bedingt, dass sich strategische Kommunikation auf Basis von Massenmedien als wesentlicher Verstärkungsfaktor entscheidend auf politische Entwicklungen in westlichen Demokratien auswirken könne.[55] Damit tritt ein Beziehungsdreieck von Politik, Kommunikation und Öffentlichkeit in den Vordergrund, das Beobachtung und Beeinflussung öffentlicher Meinung als zentrale Elemente politischen Handelns versteht.[56] Verstärkt wird dieser Effekt durch die Globalisierung der weltweiten Informationskanäle und dem hieraus resultierenden Umstand, dass nicht nur die öffentliche Meinung des eigenen Volkes, sondern auch die verbündeter Nationen und anderer Staaten Berücksichtigung finden müssen und somit die öffentliche Meinung eine "wesentliche Bezugsgröße im Legitimierungsprozess von bewaffneter Gewalt"[57] darstellt.[58] Insofern müssen Terroristen Mittel und Wege finden, auf diesen Meinungsbildungsprozess einzuwirken, um über die Öffentlichkeit auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Terror kann demzufolge eine Kommunikationsstrategie darstellen, deren Grundlage eine hohe Kommunikationsdichte ist.[59]

5.2 Die Medien als Waffe

Im Unterschied zu einer medialen Asymmetrie aus Stärke verfügen terroristische Gruppen zwar über ein gewisses Maß an hardware und auch weltweite Verbindungen, aber sie haben nicht ohne Weiteres Zugriff auf eine Organisationsstruktur, wie die USA sie für ihre public diplomacy oder information operations entwickeln. Hier nutzen Terrororganisationen die Strukturen und Mechanismen westlicher Medien und kehren diese damit von ihrer historisch entwickelten Rolle als Akteur zu einer Waffe im Kampf um. Terroranschläge wirken durch die Verbreitung von Angst und Schrecken auf die Zivilbevölkerung. Sie sind ihrer Natur nach jedoch räumlich und in ihrer physischen Wirkung begrenzt. Diesen Nachteil kompensieren Terroristen, indem sie die Funktionsweise westlicher Medien ausnutzen.

Dies erklärt, weshalb – eingedenk der Funktionsmechanismen der Medien – Anschläge im wahrsten Sinne "zur besten Sendezeit" verübt werden.[60] Damit ist garantiert, dass Fernsehsender rasch vor Ort sind und innerhalb kürzester Zeit ihr Material landes- und weltweit ausstrahlen können, andererseits aber auch sofort eine größtmögliche Zahl an Zuschauern, an zu interessierenden Dritten, verfügbar ist. Über die Wirkmechanismen der Bilder, die wir am schnellsten wahrnehmen und auf Grund ihrer scheinbaren Authentizität auch am ehesten gewillt sind als "Wahrheit" zu akzeptieren, kann ein Anschlag überhaupt erst aus seiner räumlichen Begrenztheit entfliehen und sich wellenförmig ausbreiten. In der Bereitschaft des Zuschauers, diese "Faszination des Schreckens" konsumieren zu wollen, liegt für die Medien eine ökonomische Chance. In der Hoffnung auf hohe Einschaltquoten verbreiten sie bereitwillig exklusive und abendfüllende Berichte über Terroranschläge. In diesem Sinne kann – bei aller Vereinfachung – davon gesprochen werden, dass "Terrorismus und Medien in einer symbiotischen inneren Beziehung miteinander verknüpft"[61] sind, vielleicht so wie auch Medien und Militär während des Kosovokrieges 1998/99 und des Irakkrieges 2003 eine (temporäre) Symbiose miteinander eingingen.

Letztendlich erklären diese Zusammenhänge die Aussage des bundesdeutschen Innenministers in einem Interview zur Terror-Gefahr in Deutschland: "Ohne moderne Massenkommunikation wäre der heutige Terrorismus völlig wirkungslos. Im Zeitalter der Kommunikation kann man mit geringen Mitteln große Wirkung erzielen."[62]

6. Zusammenfassung

In dieser Arbeit wurde nach der Rolle der Medien in asymmetrischen Konflikten gefragt. Es galt dabei zunächst zu klären, wie ein asymmetrischer Konflikt näher zu fassen ist. Asymmetrie – als Entgrenzung verstanden – ergibt sich demnach nicht allein aus einer Position der Schwäche. Vielmehr kann sie auch ausdrücklich auf Überlegenheit gründen. Dieser Dualismus spiegelt sich auch in der jeweiligen Rolle, die den Medien von den Akteuren zugedacht wird, wider. Die Protagonisten dieser beiden Positionen sind die USA und ihr Konzept einer information warfare einerseits und der weltweit agierende Terrorismus (islamistischer Prägung) andererseits.

Die USA nutzen ihre Vormachtstellung seit Ende der 1990er Jahre, um im Zuge der Ent- und Weiterentwicklung ihrer Konzepte von information warfare und information operations die Medien einerseits weiterhin zur Legitimierung ihres Handelns vor der (Welt)Öffentlichkeit zu nutzen, andererseits aber auch, um über die Medien einen Informationskrieg um die Herzen und Köpfe der Menschen zu führen. In diesem Sinne werden Medien zu einem festen Bestandteil der Kriegsführung.

Der Terrorismus hingegen nutzt das weltweite Mediensystem auf anderer Basis und letztlich auf eine andere Weise. Seine Wirkmittel sind die im Terror verbreiteten Ängste und Schrecken. Die Aktionen des Terrorismus orientieren sich an den Mechanismen der westlichen Medien und nutzen das Beziehungsdreieck von Politik, Kommunikation und Öffentlichkeit westlicher Demokratien, um ihre räumlich und physisch begrenzte Wirkung zu entgrenzen und auf diese Weise auf politische Entscheidungsprozesse einzuwirken.

Medien stellen sich somit als ein doppeltes Instrumentarium medialer Kriegsführung dar. Sie sind sowohl auf Seiten des "Goliath" als auch auf Seiten des "David" eine unverzichtbare Waffe. Während jenem die eigenen Medien überwiegend der Informationssteuerung und Einflussnahme dienen, nutzt dieser die feindliche zivile Ressource "Medienlandschaft" zur Erreichung seiner eigenen militärischen Ziele.

Der Gewaltakt ist so betrachtet stets ein Kommunikationsakt. Dieses Verständnis reflektiert abschließend die einleitende Beobachtung, dass die Beschäftigung mit Krieg und Medien im Schnittpunkt einer modernen Militärgeschichtsschreibung, der Politik- sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften kulminiert und eine interdisziplinär angelegte, geisteswissenschaftliche Analyse unserer eigenen Gegenwart erlaubt.

 

  • [1] Siehe beispielsweise Ute Daniel (Hrsg.), Propaganda. Meinungskampf, Verführung und politische Sinnstiftung (1789-1989), Frankfurt am Main 1994; Gerald Diesener, Rainer Gries (Hrsg.), Propaganda in Deutschland. Zur Geschichte der politischen Massenbeeinflussung im 20. Jahrhundert, Darmstadt 1996; Frank Kämpfer, Propaganda. Politische Bilder im 20. Jahrhundert, bildkundliche Essays, Hamburg 1997 (=20th Century Imaginarium. Volume 1). Neuere Werke zum Themenkomplex "Propaganda", die im Kontext des jüngsten Diskurses zu betrachten sind: Thymian Bussemer, Propaganda. Konzepte und Theorien, Wiesbaden 2005; Andreas Elter, Die Kriegsverkäufer. Geschichte der US-Propaganda 1917-2005, Frankfurt am Main 2005; Rainer Gries und Wolfgang Schmale (Hrsg.), Kultur der Propaganda, Bochum 2005; Anne Morelli, Die Prinzipien der Kriegspropaganda, Springe 2004.
  • [2] Bibliographien zu diesem Themenkomplex vgl. bei Jörg Becker, "Bibliographie zum Thema 'Krieg und Medien'" in: Ulrich Albrecht und Jörg Becker (Hrsg.), Medien zwischen Krieg und Frieden, Baden-Baden 2002 (=Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung, Band 29), S. 267-279; Christian Filk, Im Bann der Live-Bilder. Krisenkommunikation, Kriegsberichterstattung und Mediensprache im Informationszeitalter. Studien nach dem Ende der Ost/West-Konfrontation. Mit einer Auswahlbibliographie, Siegen 2006.
  • [3] Erste Überlegungen zur Zusammenarbeit von Geschichts- und Medienwissenschaften bei Fabio Crivellari und Marcus Sandl, "Die Medialität der Geschichte. Forschungsstand und Perspektiven einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Geschichts- und Medienwissenschaften", in: HZ 277 (2003, 3). S. 619-654.
  • [4] Thomas Kühne und Benjamin Ziemann (Hrsg.), Was ist Militärgeschichte? Paderborn, München, Wien, Zürich 2000 (=Krieg in der Geschichte. Band 6); Jutta Nowosadtko, Krieg, Gewalt und Ordnung. Einführung in die Militärgeschichte, Tübingen 2002 (=Historische Einführungen. Band 6).
  • [5] Tanja Thomas und Fabian Virchow (Hrsg.), Banal Militarism. Zur Veralltäglichung des Militärischen im Zivilen, Bielefeld 2006 (=Cultural Studies. Band 13).
  • [6] Thomas Knieper und Marion G. Müller (Hrsg.), War Visions. Bildkommunikation und Krieg, Köln 2005.
  • [7] Jürgen Wilke, "Krieg als Medienereignis – Konstanten und Wandel eines endlosen Themas", in: Kurt Imhof und Peter Schulz (Hrsg.), Medien und Krieg – Krieg in den Medien. Zürich 1995 (=Mediensymposium Luzern. Band 1), S. 21-35.
  • [8] Karl Prümm, "Die Historiographie der 'neuen Kriege' muss Mediengeschichte sein", in: ZF/SCH, 2 (2005,1), S.100-104.
  • [9] Siehe hierzu Heinz Loquai, "Medien als Weichensteller zum Krieg", in: Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.), Schurkenstaat und Staatsterrorismus. Die Konturen einer militärischen Globalisierung. Münster 2004 (=agenda Frieden 46. Dialog, Beiträge zur Friedensforschung. Band 44), S. 107-124.
  • [10] Siehe hierzu Lars Klein, "Größter Erfolg und schwerstes Trauma: die folgenreiche Idee, Journalisten hätten den Vietnamkrieg beendet", in: Ute Daniel (Hrsg.), Augenzeugen. Kriegsberichterstattung vom 18. zum 21. Jahrhundert, Göttingen 2006, S.193-216; Gerhard Paul, "Der Vietnamkrieg als Sonderfall und Wendepunkt in der Geschichte der Visualisierung des modernen Krieges?", in: Thomas Knieper und Marion G. Müller (Hrsg.), War Visions. Bildkommunikation und Krieg, Köln 2005, S. 80-104; Gerhard Paul, Bilder des Krieges-Krieg der Bilder. Die Visualisierung des modernen Krieges, München 2004, S.311-364; Hans-Ulrich Kneubühler, "Vietnam und die Krise des Kalten Krieges", in: Kurt Imhof und Peter Schulz (Hrsg.), Medien und Krieg – Krieg in den Medien, Zürich 1995 (=Mediensymposium Luzern. Band 1), S. 73-84.
  • [11] Siehe hierzu Thymian Bussemer, "Medien als Kriegswaffe. Eine Analyse der amerikanischen Militärpropaganda im Irak-Krieg", in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B49-50/2003. S. 20-28; Andrea Szukala, "Informationsoperationen und die Fusion militärischer und medialer Instrumente in den USA. Der Versuch einer militärischen Antwort auf die neuen Bedrohungen", in: Medien- und Kommunikationswissenschaft, 53 (2005, 2-3). S. 222-240.
  • [12] Vgl. Bruce Hoffmann, Terrorismus – der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt, Bonn 2006 (=Bundeszentrale für Politische Bildung. Schriftenreihe. Band 551), S. 344.
  • [13] Im Sinne einer allgemeinen Bildwissenschaft, die sich nach eigenem Verständnis in status nascendi befindet, siehe Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.), Bildwissenschaft: Disziplinen, Themen, Methoden, Frankfurt am Main 2005; Klaus Sachs-Hombach, Das Bild als kommunikatives Medium. Elemente einer allgemeinen Bildwissenschaft, Köln 2003.
  • [14] Siehe hierzu Thomas Knieper und Marion G. Müller (Hrsg.), Kommunikation visuell. Das Bild als Forschungsgegenstand – Grundlagen und Perspektiven, Köln 2001; Ute Frevert und Wolfgang Braungart, Sprachen des Politischen. Medien und Medialität in der Geschichte, Göttingen 2004; Habbo Knoch und Daniel Morat (Hrsg.), Kommunikation als Beobachtung. Medienwandel und Gesellschaftsbilder 1880-1960, München 2003.
  • [15] Siehe hierzu Christiane Eilders und Lutz M. Hagen, "Kriegsberichterstattung als Thema kommunikationswissenschaftlicher Forschung. Ein Überblick zum Forschungsstand und den Beiträgen in diesem Themenheft", in: Medien- und Kommunikationswissenschaft, 53. (2005, 2/3), S. 205-221; Andrea Szukala, "Medien und öffentliche Meinung im Irakkrieg", in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 24-25, 2003, S. 25-34; Kurt Imhof und Peter Schulz (Hrsg.), Medien und Krieg – Krieg in den Medien, Zürich 1995 (=Mediensymposium Luzern. Band 1); Filk, Im Bann der Live-Bilder; Martin Löffelholz (Hrsg.), Krieg als Medienereignis II. Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert, Wiesbaden 2004.
  • [16] Siehe hierzu Annegret Jürgens-Kirchhoff und Agnes Matthias (Hrsg.), Warshots. Krieg, Kunst & Medien, Weimar 2006 (=Schriften der Guernica-Gesellschaft. Band 17); Christer Petersen (Hrsg.), Nordamerika und Europa, Kiel 2004 (=Zeichen des Krieges in Literatur, Film und den Medien, Band 1); Stephan Jaeger und Christer Petersen (Hrsg.), Ideologisierung und Entideologisierung, Kiel 2006 (=Zeichen des Krieges in Literatur, Film und den Medien. Band 2); Georg Seeßlen und Markus Metz; Krieg der Bilder, Bilder des Krieges. Abhandlungen über die Katastrophe und die mediale Wirklichkeit, Berlin 2002. Aus Sicht der Pädagogik Sascha Carl, Krieg der Köpfe. Medien als Waffe im Kampf um Meinungen, Haltungen und Ideologien, Dissertation, München 2004.
  • [17] Siehe hierzu Christian Büttner, Joachim von Gottberg und Verena Metze-Mangold (Hrsg.), Der Krieg in den Medien, Frankfurt am Main 2004; Goedart Palm und Florian Rötzer (Hrsg.), MedienTerrorKrieg. Zum neuen Kriegsparadigma des 21. Jahrhunderts. Hannover 2002 (=Telepolis). Aus der Zeit vor 9/11 und der Friedensforschung näher stehend siehe Wilhelm Kempf und Irena Schmidt-Regener (Hrsg.), Krieg, Nationalismus, Rassismus und die Medien, Münster 1998 (=Friedenspsychologie. Band 4).
  • [18] Der "Run" auf die Bilder führte im Bereich der Geschichtswissenschaft zur Frage, inwiefern der Historiker die Quelle Bild nutzen kann, um sich den Aussagen dieser Quellengattung zu nähern. Siehe hierzu die Diskussion zu einer Visual History bei Gerhard Paul, Visual History. Ein Studienbuch, Göttingen 2006. Der geschichtswissenschaftliche Zugang zum Komplex von Medien und Krieg konzentriert sich neben der Propagandafrage oft auf die Frage der Kriegsreporter: Ute Daniel (Hrsg.), Augenzeugen. Kriegsberichterstattung vom 18. zum 21. Jahrhundert, Göttingen 2006; Anton Holzer (Hrsg.), Mit der Kamera bewaffnet. Krieg und Fotografie, Marburg 2003; Arbeitskreis Historische Bildkunde (Hrsg.), Der Krieg im Bild – Bilder vom Krieg, Frankfurt am Main 2003. Ein zeithistorischer Ansatz findet sich bei Gerhard Paul, Der Bilderkrieg. Inszenierungen, Bilder und Perspektiven der "Operation Irakische Freiheit", Göttingen 2005.
  • [19] Beispielsweise Ulrich Tilgner, Der inszenierte Krieg. Täuschung und Wahrheit beim Sturz Saddam Husseins, Berlin 2003; Bettina Gaus, Frontberichte. Die Macht der Medien in Zeiten des Krieges, Frankfurt am Main 2004; Stefan Aust und Cordt Schnibben (Hrsg.), Irak. Geschichte eines modernen Krieges, München 2004.
  • [20] Im Zuge der Anschläge vom 09.11.2001 und dem Golfkrieg 2003 siehe Herfried Münkler, "Neues vom Chamäleon Krieg. Essay", in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 16-17/2007. S. 3-9; ders., Der Wandel des Krieges. Von der Symmetrie zur Asymmetrie, Weilerswist 2006; ders., Über den Krieg. Stationen der Kriegsgeschichte im Spiegel ihrer theoretischen Reflexion, 4. Auflage, Weilerswist 2005; ders., Die neuen Kriege. Reinbek 2004. Bereits 1991 entfachte die Diskussion über ein neues Kriegsbild Martin van Creveld, Die Zukunft des Krieges. Neuausgabe mit einem Vorwort von Peter Waldmann, 3. überarbeitete deutsche Ausgabe, Hamburg 2004. Zur Diskussion über die Frage, wie neu die "neuen Kriege" wirklich sind, siehe Martin Kahl und Ulrich Teusch, "Sind die 'neuen Kriege' wirklich neu?", in: Leviathan 32 (2004,3), S. 382-401 und die Erwiderung durch Herfried Münkler, "Was ist neu an den neuen Kriegen? – Eine Erwiderung auf die Kritiker", in: Anna Geis (Hrsg.), Den Krieg überdenken. Kriegsbegriffe und Kriegstheorien in der Kontroverse, Baden-Baden 2006 (=Schriftenreihe der Sektion Politische Theorien und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. Band 6), S.133-150. Siehe auch Josef Schröfl und Thomas Pankratz (Hrsg.), Asymmetrische Kriegführung – ein neues Phänomen der Internationalen Politik? Baden-Baden 2004; Monika Heupel und Bernhard Zangl, "Von 'alten' und 'neuen' Kriegen – Zum Gestaltwandel kriegerischer Gewalt", in: Politische Vierteljahresschrift 45 (2004,3), S. 346-369; Sven Chojnacki, "Wandel der Kriegsformen? – Ein kritischer Literaturbericht", in: Leviathan 32 (2004,3), S. 402-424.
  • [21] Vgl. Peter Waldmann, Terrorismus und Bürgerkrieg. Der Staat in Bedrängnis, München 2003. S. 194-214; Hoffman, Terrorismus, S. 268-304, 305-347; Münkler, Wandel, S. 189-208; Münkler, Über den Krieg, S. 252-264; Georg Geyer, "Zündschnur der Asymmetrie – Grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Politik, Massenkommunikation und Gesellschaft im asymmetrischen Konflikt", in: Schröfl und Pankratz (Hrsg.), Asymmetrische Kriegführung, S. 283-297.
  • [22] Siehe hierzu die Überlegungen bei Hans-Joachim Reeb, "Öffentlichkeit als Teil des Schlachtfeldes. Grundlagen der Kriegskommunikation aus militärischer Perspektive", in: Martin Löffelholz (Hrsg.), Krieg als Medienereignis II. Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert, Wiesbaden 2004. S. 197-213; Hans-Joachim Reeb, Weltöffentlichkeit und Sicherheitspolitik. Überlegungen zur internationalen politischen Kommunikation, Bremen 2004 (=WIFIS-Aktuell. Band 34).
  • [23] Vgl. Herfried Münkler, "Terrorismus als Kommunikationsstrategie. Die Botschaft des 11. September", in: Internationale Politik 56 (2001,12), S. 11-18. Ältere Werke, die ebenfalls diesen Zusammenhang betonen, beispielsweise Patricia Ruby Palmerton, Terrorism and the Media: A Rhetorical critical Analasys ot the "Crisis in Iran", Dissertation, Minnesota 1984. Andererseits erkennen vergleichbar alte Werke diesen Zusammenhang noch nicht: Christopher Dobson, Ronald Payne, The Weapons of Terror. International Terrorism at Work, London 1979.
  • [24] Vgl. Münkler, Wandel, S. 298.
  • [25] Vgl. ebd., S. 151. So beinhaltet der gemeinhin als klassischer "alter Krieg" verstandene Zweite Weltkrieg eine Reihe asymmetrischer Konflikte, wie etwa den Partisanenkrieg in Jugoslawien oder Italien. Holm Sundhaussen, "Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges", in: Agilolf Keßelring (Hrsg.), Wegweiser zur Geschichte Bosnien-Herzegowina, 2. Aufl. Paderborn 2007. S. 107-111.
  • [26] Vgl. Münkler, Chamäleon Krieg, S. 8.
  • [27] Vgl. Creveld, Zukunft, S. 45-55.
  • [28] Vgl. Münkler, Wandel, S. 299.
  • [29] Herfried Münkler, "Sind wir im Krieg? Über Terrorismus, Partisanen und die neuen Formen des Krieges", in: Politische Vierteljahresschrift 42 (2001,4), S. 583.
  • [30] Geyer, Zündschnur, S. 284. Die Tatsache, dass es sich auch bei der Privatisierung des Kriegs um kein neues Phänomen handelt, zeigte die gemeinsame Tagung der Arbeitskreise Historische Friedensforschung, Militärgeschichte, Militär und Gesellschaft der Frühen Neuzeit und des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes vom 14. bis 16. Mai 2006: "Die Rückkehr der Condottieri? Krieg und Militär im Spannungsfeld zwischen Verstaatlichung und Privatisierung. Die Entwicklung vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart."
  • [31] Vgl. Münkler, Wandel, S. 139-142.
  • [32] Vgl. ebd., S.140f.
  • [33] Zur Frage, ob es sich bei Terrorangriffen tatsächlich um Kriege handelt, siehe Münkler: Sind wir im Krieg?
  • [34] Vgl. Kai Hirschmann, "Terrorismus in neuen Dimensionen. Hintergründe und Schlußfolgerungen", in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 51/2001, S. 7-15; Waldmann, Terrorismus, S. 31f.
  • [35] Vgl. Münkler, Sind wir im Krieg? S. 588.
  • [36] Ebd., S. 588.
  • [37] Hans-Bernd Brosius, "Die Symbiose von Medien, Gewalt und Terrorismus", in: Ellen Bos und Antje Helmerich (Hrsg.), Neue Bedrohung Terrorismus. Der 11. September 2001 und die Folgen, Münster 2003 (=Politik. Forschung und Wissenschaft. Band 9), S. 142.
  • [38] Geyer, Zündschnur, S. 285.
  • [39] Vgl. Hirschmann, Terrorismus, S. 10; Shlomo Shpiro, "Medien und Terrorismus. Eine klare Strategie wird benötigt", in: Internationale Politik 56 (2001,12), S. 19-24.
  • [40] Vgl. Szukala, Informationsoperationen, S. 223; Löffehlholz, Kriegsberichterstattung, S. 25.
  • [41] Vgl. Hans-Joachim Reeb, "Meinungsschlacht und Medienmacht. Rolle und Akteure des sicherheitspolitischen Informationsmanagements", in: Reader Sicherheitspolitik, II.1. (2006,8), S. 118-124; Carsten Schlüter, "Information Operations. Die Weiterentwicklung US-militärischer Strategien zur Instrumentalisierung der Medien", in: Martin Löffelholz (Hrsg.), Krieg als Medienereignis II. Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert, Wiesbaden 2004, S. 239-254.
  • [42] Vgl. Bussemer, Medien als Kriegswaffe; Reeb, Meinungsschlacht und Medienmacht.
  • [43] Vgl. Klein, Größter Erfolg und schwerstes Trauma; Paul, Der Vietnamkrieg als Sonderfall.
  • [44] So die Entwicklung vom sogenannten Pool-Prinzip hin zum Embedding. Thomas Rid, War and Media Operations: The US Military and the Press from Vietnam to Iraq, London, New York 2007.
  • [45] Siehe Walter Jertz und Carsten Bockstette, "Militärpolitische Perzeptionen und die Zukunftsperspektiven des strategischen Informationsmanagements. Die Entwicklung der Krisenkommunikation von der Kosovo Operation 'Allied Force' 1999 zur Operation 'Iraqi Freedom'", in: Christian Büttner, Joachim von Gottberg und Verena Metze-Mangold (Hrsg.), Der Krieg in den Medien, Frankfurt am Main 2004, S. 51-72.
  • [46] Bussemer, Medien als Kriegswaffe, S. 20.
  • [47] Hans-Joachim Reeb, "Die Medien im 'Krieg gegen den Terror'. Kriegsberichterstattung am Beispiel Afghanistan", in: Reader Sicherheitspolitik. II.1. (2002,7), S. 18.
  • [48] Reeb, Medien im "Krieg gegen den Terror", S. 31.
  • [49] Tilgner, Der inszenierte Krieg, S. 132.
  • [50] Szukala, Informationsoperationen, S. 223.
  • [51] Vgl. Wolfgang Donsbach, Olaf Jandura und Diana Müller, "Kriegsberichterstatter oder willfährige Propagandisten? Wie deutsche und amerikanische Printmedien die "Embedded Journalists" im Irak-Krieg sahen", in: Medien- und Kommunikationswissenschaft 53 (2005, 2-3), S. 298-313; Bussemer, Medien als Kriegswaffe, S. 25-27; Löffelholz, Kriegsberichterstattung.
  • [52] Szukala, Informationsoperationen, S. 223. Einen Überblick in Form eines durchaus bissigen Rundumschlags gegen solch eine "Informationsarbeit" bietet Goedart Palm, "But we are under attack. Kriegsstimmungen zwischen Propaganda und Informationskrieg", in: Goedart Palm und Florian Rötzer (Hrsg.), MedienTerrorKrieg. Zum neuen Kriegsparadigma des 21. Jahrhunderts, Hannover 2002 (=Telepolis), S. 106-124.
  • [53] Vgl. Szukala, Informationsoperationen, S. 224.
  • [54] An dieser Stelle wird der Aspekt, dass moderne Medien die Kommunikation innerhalb terroristischer Organisationsstrukturen erleichtern, genauso ausgeblendet, wie auch die Tatsache, dass moderne Medien der Selbstdarstellung und Nachwuchswerbung dienen können.
  • [55] Vgl. Geyer, Zündschnur, S. 288.
  • [56] Vgl. ebd.
  • [57] Reeb, Öffentlichkeit als Teil des Schlachtfeldes, S. 205.
  • [58] Es wird aber auch deutlich, dass der Einfluss der Medien auf die Öffentliche Meinung nicht nur auf asymmetrische, sondern auch auf "klassische" Staatenkriege zutrifft und hier auf politisch Verantwortliche einwirkt. Siehe dazu Evelyn Bytzek, "Kosovokrieg, Kriegsberichterstattung und die Popularität der deutschen Regierungsparteien und -politiker", in: Medien- und Kommunikationswissenschaft 53 (2005, 2-3). S. 369-388; Andrea Szukala, "Medien und öffentliche Meinung im Irakkrieg", in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 24-25, 2003, S. 25-34.
  • [59] Vgl. Münkler, Terrorismus als Kommunikationsstrategie, S. 16-18.
  • [60] Vgl. hierzu die Beispiele bei Hoffman, Terrorismus, S. 275-304. Auch Brosius, Die Symbiose von Medien, Gewalt und Terrorismus, S. 141-143.
  • [61] Hoffman, Terrorismus, S. 284; Brosius, Die Symbiose von Medien, Gewalt und Terrorismus, S.142f.
  • [62] Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt vom 05.02.2007. S. 3.


Published 2007-09-27


Original in German
First published in Mittelweg 36 4/2007

Contributed by Mittelweg 36
© Thorsten Loch/Mittelweg 36
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The 22nd European Meeting of Cultural Journals took place in Vilnius, Lithuania, 8 to 11 May 2009. Under the heading "European Histories", the Eurozine conference explored the role of history and memory in forming new identities in a Europe in change. [more]

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