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Der Faschismus

Eine Definition zur Orientierung


Das Problem des Faschismus am Anfang des 21. Jahrhunderts

Historische Ereignisse verändern Perspektiven der Geschichtsschreibung. So haben die Ereignisse vor der zurückliegenden Jahrhundertwende, mit der zugleich ein Jahrtausend zu Ende ging, der Faschismusforschung zu neuen Impulsen und Reflexionen verholfen. Das Ende des sowjetischen Imperiums und der rasche, weltweite Niedergang des Kommunismus haben alte Vorbehalte verschwinden lassen, haben Tabus und Fetische aus dem Forschungsfeld beseitigt. So ist der Totalitarismus – ein Ansatz, der in den 1980er Jahren zum Gerümpel des Kalten Kriegs zu zählen schien – in der gegenwärtigen Historiographie des Faschismus wieder zu einem zentralen Thema geworden, auch dank meiner eigenen Forschungen und theoretischen Versuche im Lauf der letzten drei Jahrzehnte. Ebenso verhält es sich mit der vergleichenden Analyse von Kommunismus und Faschismus, einem Vorgehen, das noch jüngst als skandalöse Provokation gegolten hatte. Das ist zweifellos ein Fortschritt, wenn auch – was für jegliche Form des Fortschritts gilt – begleitet von negativen Folgen. Zu ihnen zählt etwa die Tendenz, das traditionelle "antifaschistische Paradigma" durch ein neues "antikommunistisches" zu ersetzen, mit Hilfe dessen der Vergleich zwischen Faschismus und Bolschewismus neuerlich ideologisiert und ersterer zu einer Variante des zweiten wird oder umgekehrt. Auf diesem Weg kommen mit Hilfe von Argumentationen, die auf oberflächlichen Analogien und unzulässigen Vereinfachungen beruhen, Deutungen zustande, die den Faschismus als häretischen Marxismus begreifen möchten, als einen defekten Kommunismus, als feindlichen Bruder des Leninismus oder Stalinismus – und was dergleichen ideologische Verwandtschaften mehr sind, deren Stammbaum bis zur Jakobinerherrschaft zurückreicht, in der alle Totalitarismen ihren Ursprung hätten: Zweige eines einzigen Baumes, der in der Französischen Revolution wurzelt. Derlei Tendenzen, etwa die der "Defaschisierung" des Faschismus, tragen zum Verständnis des Faschismus (oder des Kommunismus) im 20. Jahrhundert überhaupt nichts bei.

Geschichtsereignisse verändern auch die Wahrnehmung der Vergangenheit. Der Beginn eines neuen Jahrhunderts, ja, eines neuen Jahrtausends, eröffnet eine außergewöhnliche Perspektive auf die Geschichte des Faschismus und legt es nahe, dessen Verständnis in eine Deutung des 20. Jahrhunderts als einer Epoche ganz eigener Prägung einzuordnen, der eine besondere Stellung im Rahmen der Geschichte der Menschheit zukommt. Die Arbeit an einer solch umfassenden Interpretation des 20. Jahrhunderts hat kaum erst begonnen. Sie wird das Verständnis des Faschismus gewiss beeinflussen, wie im umgekehrten Fall die Deutung des Faschismus und die anderer einzelner wichtiger Phänomene des Jahrhunderts Einfluss auf die Interpretation jener Epoche nehmen werden. Aus dieser Zirkularität geht tendenziell eine schwindelerregende Spirale von bestimmt nicht leicht zu meisternden Themen und Problemen hervor.

Die Historiker, die das 20. Jahrhundert vom privilegierten Beobachtungspunkt seines Endes aus betrachten, können sich der Versuchung kaum entziehen, dieser Epoche einen einheitlichen Sinn zu unterlegen. Die Phänomene des 20. Jahrhunderts – darunter den Faschismus, der in seiner historischen Einzigartigkeit neu zu erfassen wäre – in eine einheitliche Geschichtsperspektive zu bringen wird eine schwierige Aufgabe sein, auch wegen des objektiv zu konstatierenden Ausnahmecharakters dieses Jahrhunderts.

Es stellt sich als das "Jahrhundert zweier Wirklichkeiten" dar – als bestünde es tatsächlich aus zwei unterschiedlichen und einander entgegengesetzten historischen Realitäten, als sei es bevölkert von zwei anthropologisch gegensätzlichen menschlichen Spezies. Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein monströses Jahrhundert. Es war die großartigste Epoche, was die Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik, der Verbesserung der materiellen Lebensumstände, der Ausweitung individueller und kollektiver Emanzipation, des Fortschritts der Vernunft, der Toleranz, der Freiheit und der Menschenwürde anlangt. Gleichzeitig war es die fürchterlichste Epoche – angesichts des Ausmaßes und der Grausamkeit ihrer Kriege und Vernichtungsaktionen, der Entfesselung eines eher unmenschlichen denn übermenschlichen Willens zur Macht, der Erfindung neuer, maßloser Herrschaftstechniken und der Vernichtung der Freiheit und Würde so vieler Menschen, die den Angriffen des Irrationalismus, des Integralismus und des Fanatismus ausgeliefert waren.

Dieses "Jahrhundert zweier Wirklichkeiten" – die wie zwei Seiten einer Münze unlösbar miteinander verbunden sind – als etwas Einheitliches zu begreifen ist eine gewaltige Herausforderung für den Historiker. Wir sehen uns mit einem unüberschaubaren Feld von Problemen konfrontiert, die nicht nur bei der Interpretation der einzelnen Ereignisse des Jahrhunderts auftauchen, sondern grundsätzliche Fragen wie die nach dem Wesen der Moderne, dem Sinn der Geschichte und der Bedeutung der menschlichen Existenz aufwerfen.

Das Jahrhundert des Faschismus?

Es gibt verschiedene Vorschläge zur Definition der Geschichte des 20. Jahrhunderts vermittels einer einzigen Formel. Bei jedem dieser Vorschläge hat man ein bestimmtes Phänomen ausgewählt, das kraft seiner Dauer, seiner Ausdehnung, seiner starken Wirkung auf das Schicksal der Menschheit das Jahrhundert am markantesten geprägt haben soll. Man hat das 20. Jahrhundert als das der Ideologien definiert, das der Extreme, des Totalitarismus, des Kommunismus, der Demokratie. Auch der Faschismus könnte den Anspruch erheben, das Signet seines Namens der Geschichtsdefinition des gesamten 20. Jahrhunderts aufzuprägen. Wenn wir die geographische Verbreitung all jener Bewegungen und Regime bedenken, die in der Zwischenkriegszeit und in der zweiten Jahrhunderthälfte als faschistisch bezeichnet wurden, gäbe es sicher kein politisches Phänomen, das größere Universalität besäße. Die wandlungsfähige Vitalität des Faschismus habe – so die Theorie vom "roten Faschismus" – gar den Bolschewismus über den Stalinismus, mithin auch die anderen kommunistischen Regime unmittelbar beeinflusst. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts behaupten einige Historiker sogar, der aus der bolschewistischen Revolution hervorgegangene Kommunismus sei tot, der Faschismus hingegen trete jetzt erneut und mit neuer Brutalität auf, etwa in Gestalt der xenophoben, fundamentalistischen und rassistischen Bewegungen des Westens und des Orients sowie in den verschiedenen Formen des kommunistischen und postkommunistischen Nationalismus auf dem Gebiet des einstigen Sowjetimperiums. Wäre es also legitim, das 20. Jahrhundert als das des Faschismus zu bezeichnen? Müssen wir vielleicht einräumen, dass Mussolini recht hatte, als er prophezeite, es werde das Jahrhundert des Faschismus sein?

Prüfen wir die vorgeblich vielgestaltige Universalität des Faschismus. Es mag nützlich sein, ihm die historische Erfahrung des Kommunismus gegenüberzustellen. Die Universalität des Kommunismus war geschichtlich tatsächlich wirksam – während die Universalität des Faschismus historisch durchaus umstritten ist. Der Kommunismus war seinem Wesen nach universal, eine internationalistische Bewegung. Das konkretisierte sich nach der bolschewistischen Revolution in der Institution der Dritten Internationale, zu der als Glieder einer einzigen weltweiten Bewegung die kommunistischen Parteien der einzelnen Länder gehörten, in denen sich Männer und Frauen aller Nationen und Rassen organisierten. Die nationalen Unterschiede und Differenzen, die Spaltungen und schließlich bewaffneten Konflikte zwischen kommunistischen Nationen heben die auf dem Marxismus-Leninismus und dem Fortschrittsdenken der bolschewistischen Revolution beruhende Einheit von Herkunft und Ideologie nicht auf.

Der Faschimus hat eine solche Form der Universalität nie gekannt, nicht im ideologischen Sinne und nicht in politischer Hinsicht. Betrachtet man den Faschismus als supranationales Phänomen, so besitzt er keine einheitliche Matrix, keine ideologische Einheit und keine gemeinsame Antriebskraft. Es ist kein Zufall, dass es zwar eine Komintern, aber keine Faschintern gegeben hat. Auch wenn der Faschismus Jünger und Nachahmer in allen Teilen der Welt fand, auch wenn er den Ehrgeiz hatte, den traditionellen Nationalismus in der Nuova Civiltà des italienischen Fascismo oder in der Neuen Ordnung des Nationalsozialismus aufzuheben, glaube ich nicht, dass man ihn als ein politisches Phänomen fassen kann, zu dem das Bewusstsein universeller Berufung gehört. Die nationalistische oder rassistische Matrix prägt Wesen und Entwicklung des Faschismus entscheidend. Sie ist von einer nach Ursprung und Berufungsbewusstsein genuin internationalistischen Bewegung dem Wesen nach verschieden.

Faschismus und Kommunismus

Von diesem Standpunkt aus zeigt sich auch, dass die angebliche genetische Affinität von Faschismus und Kommunismus jeglicher geschichtlichen Grundlage entbehrt. Ebenso ungegründet scheinen mir Definitionen des Faschismus als Häresie des Marxismus oder als Variante des marxistischen Revisionismus. Genetisch, historisch und kulturell bilden Faschismus einerseits und Sozialismus wie Kommunismus andererseits eine absolute Antithese. Zwischen ihnen herrscht, von beiden Seiten aus betrachtet, die offene, bewusste und unaufhebbare Gegnerschaft von Todfeinden.

Gewiss enthielt der Faschismus eine wichtige ideologische Komponente, die darauf abzielte, dem totalitären Staat einen radikaleren und stärker antibürgerlichen sozialen Gehalt zuzuweisen – gleichwohl wurden die Strukturen dieses Staates nicht in Frage gestellt, keine klassenlose Gesellschaft ohne Staat oder eine Assoziation freier Arbeiter angestrebt. Diesen sozialen Faschismus, den sogenannten Linksfaschismus, der oft höchst verworren war und verwirrend wirkte, als eine Häresie des Marxismus aufzufassen und in ihm den Ansatzpunkt für eine allgemeine Definition des Faschismus zu suchen, scheint mir jedoch ein weiterer Fall von Verstümmelung und Verzerrung historischer Realitäten zu sein. Im Faschismus spielten die militanten, vom revolutionären Sozialismus geprägten Kader zweifelsohne eine wichtige Rolle bei der Herausbildung der Ideologie, der Organisation und der Techniken faschistischer Praxis. Es ist jedoch ganz offensichtlich, dass diese Kämpfer zum Zeitpunkt ihrer Zuwendung zum Faschismus bereits die wichtigsten Grundlagen des Marxismus und Sozialismus vollständig preisgegeben hatten: den Klassenkampf, den revolutionären Primat der Arbeiter klasse, die völlige Emanzipation der Menschheit in Gleichheit und Freiheit, das Ende der in Klassen geteilten Gesellschaft, die Abschaffung des Staates, den Internationalismus. Im Christentum kann man jemanden nicht als Häretiker bezeichnen, der Christus und die Evangelien ablehnt. Häretiker wäre, wer fortfährt, seinen Glauben an Christus zu bekennen und ihn für reiner und wahrer hält als den des Klerus und der kirchlichen Theologen. Wer jedoch die Existenz Christi oder Gottvaters ablehnt, die christliche Moral von sich weist, nicht an die Gemeinschaft der Heiligen und die Heraufkunft des Reichs Gottes glaubt, ist nicht als Häretiker zu bezeichnen: Er ist kein Christ mehr. So waren im Hinblick auf den Marxismus und den revolutionären Sozialismus jene Faschisten, die (wie Mussolini selbst) aus der revolutionären Linken stammten, keine Häretiker, sondern wahrhafte "Atheisten", die sämtliche Grundideen des Marxismus und des egalitären internationalen Sozialismus leugneten – radikal und umfassend.

Dass der Faschismus auf dem Nationalismus beruht, ist nicht zu leugnen, während sein Sozialismus ambivalent bleibt. Er erweist sich bei genauerem Hinsehen weder als egalitär noch als internationalistisch und zielt auch nicht auf die Aufhebung der Klassen und die Emanzipation der Menschheit in einer Welt verallgemeinerter Freiheit. Ähnlichkeiten zwischen Faschismus und Bolschewismus sind in der Organisation des Regimes als Einparteienstaat zu finden: Dabei geht es allerdings nicht um die Universalität des Faschismus oder um eine Herkunftsverwandtschaft von Faschismus und Bolschewismus, sondern vielmehr um die Universalität des totalitären Herrschaftssystems im 20. Jahrhundert. Das jedoch ist eine andere und kompliziertere Geschichte.

Die Risiken des "generischen Faschismus"

Insofern glaube ich, dass die Erscheinungsform des Faschismus im 20. Jahrhundert, seine historische Wirklichkeit, neu zu umreißen ist. Dies wird besonders deutlich angesichts der Folgen, die der nachgerade inflationäre Gebrauch der Kategorie "generischer Faschismus" zeitigt. Unter diesem Begriff werden häufig nicht nur die Bewegungen, Regime und Personen zusammengefasst, die sich selbst, in der Zwischenkriegszeit und danach, als faschistisch bezeichnet haben, sondern auch all jene, welche die jeweiligen Autoren gemäß ihrer eigenen Definition als "faschistisch" betrachten, auch wenn sie sich selbst nicht so bezeichnet oder eine solche Zuordnung bestritten haben. Es ist gar die Rede von Leuten, die Faschisten gewesen seien, ohne es zu wissen, also von einem quasi "objektiven" Faschismus. Hier ist nicht der Ort, die diversen Fälle zu erörtern, auf die jene Methode angewandt wurde. Doch sollte man sich fragen, was die Konsequenzen eines derartigen Ansatzes wären, wollte man ihn zur Klassifizierung anderer politischer Bewegungen ver wenden. Aufgrund einer Theorie des generischen Bolschewismus ließen sich dann paradoxerweise die Anhänger des linken Flügels der christdemokratischen oder der sozialistischen Partei als "unbewusste Bolschewisten " bezeichnen. So wäre im Nachhinein die faschistische Überzeugung legitimiert, alle Antifaschisten seien als "objektive Bolschewisten" zu behandeln. Von etwas geringerer Absurdität wäre die Konsequenz, dass sich die kommunistische Theorie vom Sozialfaschismus der sozialdemokratischen Parteien oder Gramscis Ansicht vom "Semifaschismus" der antifaschistischen Opposition des Aventin bestätigt fände – alles Varianten einer Doktrin des "objektiven Faschismus", die von den ideologischen Stellungnahmen der einzelnen Exponenten einer politischen Gruppierung völlig absieht.

Die theoretischen Untersuchungen zum "generischen Faschismus" sind in der Forschung zu den politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts ein isolierter Einzelfall geblieben. Jedenfalls sind mir Begriffsprägungen wie generischer Jakobinismus, generischer Liberalismus, generischer Sozialismus oder generischer Bolschewismus nicht bekannt. Vielleicht sollte das Faktum dieses offenbar singulär gebliebenen Ansatzes zu neuerlichem Nachdenken über eine solche Begriffsverwendung bei der Analyse der historischen Wirklichkeit führen? Der Nutzen einer Definition – im ursprünglichen Sinne des Wortes – liegt doch im Begrenzen, im Einschränken und darin, Trennungen vorzunehmen. Die Definition eines "generischen Faschismus" lässt demgegenüber die deutlichen historischen Konturen des Faschismus verschwinden. So kommt es zu einem "elastischen" Faschismus, der sich in Zeit und Raum ständig ausdehnt oder zusammenzieht: Mal umfasst er den ganzen Planeten, dann beschränkt er sich wieder auf einen Teil Europas; mal dehnt er sich über zwei Jahrhunderte aus, vom Jakobinismus und De Maistre bis auf den heutigen Tag, um dann wieder auf die Periode zwischen den Weltkriegen zusammenzuschrumpfen. Diese exzessive Elastizität und die ständig neuen Spezifizierungen, die unausweichlich bei der Anwendung des Begriffs "generischer Faschismus" eingeführt werden müssen, um den unterschiedlichsten geschichtlichen Erfahrungen Rechnung zu tragen, sollten eine Warnung vor der Ausarbeitung allzu umfassender Theorien des Faschismus sein. Sie riskieren, in Interpretationen zu münden, welche die Komplexität des Faschismus in einer fragwürdigen Eindimensionalität erstarren lassen.

Der Faschismus ist nicht lediglich eine Ideologie

Die Erkenntnis, dass es eine eigene Ideologie und eine eigene Kultur des Faschismus gibt, war eine der wichtigsten Errungenschaften der jüngeren Geschichtswissenschaft. Sie hat entscheidend zu einem tieferen Verständnis des Faschismus und ganz allgemein des "Jahrhunderts der Ideologien" beigetragen. Dennoch scheint mir dieser Fortschritt mit großen Risiken verbunden, die sich vor allem in der Neigung manifestieren, der Ideologie für die Definition des Faschismus die entscheidende Rolle zuzuweisen oder im Ideologischen eine Dimension zu identifizieren, wo sich der Faschismus "in Reinkultur" abzeichne. Bei Versuchen, ein allgemeines Modell des Faschismus zu formulieren, hat das sowohl zur Vernachlässigung der organisatorischen Dimension geführt, d.h. von Fragen, welche die soziale Zusammensetzung von Bewegung und Partei, ihre organisatorische Strukturierung und den Habitus ihres Auftretens betreffen, als auch zur Vernachlässigung der institutionellen Dimension, das heißt des Komplexes von Institutionen, der die genuine und originelle Struktur des vom Faschismus geschaffenen politischen Systems nach der Machtergreifung ausgemacht hat. Diese beiden Dimensionen sind – zusammen mit der ideologischen – unablösbare Attribute der historischen Wirklichkeit des Faschismus. Sie werden nun von einigen Theoretikern des "generischen Faschismus", der ausschließlich ideologisch definiert werden soll, ganz im Gegensatz dazu gewissermaßen als bloße Degenerationsformen der reinen Wesenheit des Faschismus betrachtet, einer Wesenheit, die in der unvermeidlichen Mangelhaftigkeit realer Praxis ihre Integrität einbüßt – oder sie gelten als Hilfselemente, die für die Erarbeitung eines theoretischen Modells irrelevant sind. Noch ernster ist freilich die Gefahr zu nehmen, dass die Tendenz des "generischen" Faschismusverständnisses, die ideologische Dimension zu privilegieren, zum Modell eines vollkommen einheitlichen Faschismus führt, für den die Ideologie zentral ist.

Ich habe meine Untersuchungen damit begonnen, der ideologischen Dimension des Faschismus ihre historische Individualität zurückzugeben. Insofern kann man mir bestimmt nicht vorwerfen, die Bedeutung der Ideologie im Faschismus zu ignorieren oder herunterzuspielen. Dennoch glaube ich nicht, dass ein Primat der Ideologie plausibler für die Ausarbeitung einer allgemeinen Theorie des Faschismus wäre als jener der Ökonomie oder der sozialen Strukturen. Eine solche Theorie darf die Ideologie nicht von der Geschichte, den Mythos nicht von der Organisation, die Kultur nicht von den Institutionen trennen. Durch derartige Separierungen entstehen Missverständnisse, die das Wesen des Faschismus verzeichnen. Das gilt insbesondere für den Irrationalismus, also die Dominanz des mythischen Denkens in der faschistischen Ideologie und Kultur. Die irrationalistische und mythische Eigenart faschistischer Kultur anzuerkennen heißt ja nicht, dem Faschismus eine eigene Rationalität abzusprechen, sei es nun in der Kultur oder in dem, was der Faschismus faktisch als Organisation und Institution darstellte. Man muss sich vor Augen halten, dass das irrationale Moment faschistischer Kultur, also seine Mythen, politisch deshalb wirksam waren, weil sie sich mit der Rationalität der Organisationen und Institutionen verbanden. Ohne diese Rationalität, ohne seine Ausformung als Partei und Regime, ohne seine Mutation zur Ideologie eines modernen Staates wäre der Faschismus wohl nur ein marginales Phänomen der politischen Kultur geblieben, begrenzt auf die Lager des intellektuellen Snobismus und des Sektierertums. Der Nexus zwischen Mythos und Organisation, zwischen Irrationalität und Rationalität, ist ein unauflösliches Element des Faschismus, das in allen theoretischen Versuchen als solches mitzubedenken ist.

Wo und wann wurde der Faschismus geboren?

Mit welcher Methode man auch versucht, eine allgemeine Definition des Faschismus, einen Idealtypus im Sinne Max Webers zu formulieren, in jedem Fall muss die vorgelegte Definition den historischen Wirklichkeiten entsprechen. Man sollte nicht versuchen, umgekehrt die Geschichte der Theorie anzupassen, um deren Kohärenz zu sichern. Der Idealtypus muss, so Weber, "aus seinen einzelnen, der geschichtlichen Wirklichkeit zu entnehmenden Bestandteilen allmählich komponiert werden" und ist begrifflich in "konkrete genetische Zusammenhänge von stets und unvermeidlich spezifisch individueller Färbung" einzubinden.[1] Insofern hat eine allgemeine Definition des Faschismus, die sich nicht von der Geschichte loslösen will, notwendigerweise mit dessen spezifischer Verkörperung in Zeit und Raum zu beginnen. Genau festzulegen, wann und wo der Faschismus geboren wurde und zum ersten Mal auftrat, ist folglich ein unumgänglicher Ausgangspunkt – sowohl bei der Interpretation des italienischen Fascismo als auch bei der Untersuchung der konstitutiven Elemente einer allgemeinen Theorie des faschistischen Phänomens (einer Theorie, die ihre Tragfähigkeit durch ständige Konfrontation mit der historischen Forschung zu überprüfen hat).

Was Ort und Zeitpunkt des Ursprungs angeht, so scheint mir ein Datum gesichert und unbestreitbar: Der Faschismus entsteht in Italien nach dem Ersten Weltkrieg als eine neue politisch-soziale Bewegung, die nationalistisch und modernistisch, revolutionär und totalitär ist und im Übrigen von einer Mystik der nationalen Wiedergeburt getragen wird; er organisierte sich zu einem neuen Typus von Herrschaft, beruhend auf dem Einparteienstaat, einem repressiven Polizeiapparat, dem Führerkult und den diversen Organisationen sowie der Kontrolle und der permanenten Mobilisierung der Gesellschaft im Interesse des Staates.

Dass der italienische Faschismus etwas Neues darstellte, scheint mir unwiderleglich, denn er war

a. die erste nationalistisch-revolutionäre Bewegung, die in einer Parteimiliz organisiert war, kraft derer sie das Gewaltmonopol der Staatsmacht brach und die parlamentarische Demokratie zerstörte, um einen neuen Staat aufzubauen und die Nation zu erneuern,

b. die erste Partei, die das mythische Denken an die Macht brachte und die Sakralisierung des Politischen institutionalisierte, mit den Instrumenten (Dogmen, Mythen, Riten, Symbolen und Geboten) einer politischen Religion, die exklusiv und integralistisch auftrat und als kollektiver Glaube verordnet wurde,

c. das erste politische Regime, das kraft der bereits angeführten Elemente von Beginn an als "totalitär" definiert wurde, während dieses Prädikat auf dem Weg der Analogie erst nach und nach auch dem Bolschewismus und dem Nationalsozialismus zugeschrieben wurde.

Diese drei Charakteristika sind nach meinem Dafürhalten die Grundelemente einer Definition des italienischen Faschismus und dessen, was an ihm neu war; sie wären auch die Ausgangsbasis für die Konstruktion eines allgemeinen Modells. Tatsächlich ließen sich auch andere Bewegungen und Regime im Europa der Zwischenkriegszeit durch diese neue Bewegung, dieses neue Regime, inspirieren. Erst nach dem Erscheinen des Faschismus in Italien stellt sich die Faschismusfrage – will heißen, ergibt sich der Komplex von Interpretationen, die dieses Phänomen in den letzten acht Jahrzehnten auf sich gezogen hat. Die grundlegenden Bestandteile der Faschismusinterpretationen – bürgerliche Reaktion, moralische Krisis, Ausdruck nationaler Besonderheiten, Revolution des Mittelstandes, totalitäres System – sind allesamt zuerst in Italien während der 20er Jahre aufgetaucht und wurden dann auf andere Bewegungen und Regime mit ähnlichen Zügen angewandt und präziser ausformuliert. Das Gleiche wird sich für den Begriff des Totalitarismus zeigen.

Der Faschismus als totalitäres Experiment

Der Begriff des "Totalitarismus" ist eines der wesentlichen Elemente meiner Faschismusinterpretation. Er bezieht sich nicht ausschließlich auf das politische System des Faschismus, sondern auch auf dessen Organisation und Kultur. Es gibt zahlreiche, zumeist von Politologen entwickelte Definitionen und Theorien des Totalitarismus. Manche Autoren bestreiten, dass es sich beim Faschismus um ein totalitäres Regime mit einem totalen Staat handle; sie behalten diese Definition dem Nationalsozialismus und Kommunismus vor. Andere behaupten, nicht einmal diese beiden Regime könnten als totalitär definiert werden, da es weder dem Nationalsozialismus noch dem Kommunismus (auch unter Stalin nicht) gelungen sei, einen vollständigen und vollkommenen Totalitarismus zu organisieren. Schließlich sprechen einige Autoren dem Begriff des Totalitarismus jeglichen historischen Wert ab. Sie meinen, es habe niemals ein historisches Phänomen gegeben, das die Charakteristika aufweist, die von den Totalitarismustheoretikern in Anspruch genommen werden.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Totalitarismusbegriff Teil des propagandistischen Arsenals des Kalten Kriegs. Deshalb war er als Instrument politisch-historischer Analyse zunächst diskreditiert. Der Missbrauch eines Begriffes stellt an sich jedoch kein überzeugendes Argument für seine Verbannung aus der Geschichtswissenschaft dar. Der "Totalitarismus" gehört zur Geschichte des 20. Jahrhunderts und kann insofern weder aus ihrer Deutung gestrichen werden noch aus einer Definition des Faschismus, wo der Begriff seinen Ursprung nahm. Seine Tilgung entspräche meiner Überzeugung nach der Elimination von "Rassismus" und "Antisemitismus" aus einer Definition des Nationalsozialismus oder der Elimination des Marxismus und Kommunismus aus der Definition des Bolschewismus. Der Faschismus war historisch die einzige Einparteiendiktatur des 20. Jahrhunderts, die sich selbst als totalitäre Staatlichkeit begriff. Damit bezog sie sich auf ihre ureigene Vorstellung von Politik und auf ein Regime neuen Typs, das nicht nur auf der Konzentration aller Macht in den Händen der Partei und des Duce beruhte, sondern auch auf der flächendeckenden Verbreitung von Massenorganisationen. Die Gesellschaft sollte insgesamt faschisiert und in allen Aspekten individuellen wie kollektiven Lebens durch die Partei kontrolliert werden, um schließlich eine neue Rasse von Eroberern und Herrschernaturen hervorzubringen.

Der auf den Stalinismus und Nationalsozialismus eingeschränkte Gebrauch des Totalitarismusbegriffs, den wir bei so vielen Politologen und Historikern antreffen (aus Gründen, die bei genauerem Hinsehen häufig gravierende Mängel an Kenntnissen zur Geschichte des Faschismus und zu seinem Wesen als Staat und Partei verraten), hat beinahe vergessen lassen, dass dieser Begriff mit dem Faschismus und aus dem Faschismus entstanden ist. Dass dem Ausschluss des Faschismus aus dem Totalitarismuskonzept die Unkenntnis seiner historischen Faktizitäten zugrunde liegt, zeigt sich insbesondere bei Hannah Arendt. In ihrem 1951 erschienenen Buch[3] über die Ursprünge totalitärer Herrschaft behauptet sie, der Faschismus sei bis 1938 nicht totalitär, sondern allenfalls eine aus der Krise der Parteiendemokratie hervorgegangene, gewöhnliche nationalistische Diktatur gewesen. Eine ähnliche Einschätzung haben auch andere Politologen und Faschismushistoriker formuliert, wie etwa Alberto Aquarone oder Renzo De Felice. Mittlerweile gilt sie als eine unumstößliche Wahrheit. Tatsächlich stützt sich Arendts Urteil auf ausgesprochen magere Informationen. Ihren Reflexionen fehlen konkrete historische Daten, auch lässt sie bibliographische Hinweise auf historiografische Monographien zum Faschismus und faschistischen Totalitarismus vermissen, obwohl ihr solche Arbeiten, also etwa die Schriften von Luigi Sturzo, sogar in englischer Sprache zur Verfügung gestanden hätten. Die einzigen Quellen, die Arendt zur Begründung ihres kategorischen Urteils über den nicht-totalitären Charakter der faschistischen Diktatur heranzieht, waren eine vom faschistischen Industriellenverband herausgegebene, etwa 100 Seiten umfassende Propagandaschrift in englischer Sprache, ein Büchlein mit vier Reden Mussolinis über den korporativen Staat in englischer Übersetzung und eine kurze Ausführung von Franz Neumann in seinem ausschließlich dem Nationalsozialismus gewidmeten Werk Behemoth zur Beziehung von Staat und Partei im faschistischen Regime (ihrerseits ausschließlich gedeckt durch eine Behauptung Mussolinis!)

All dies hat nicht verhindert und kann nicht verhindern, dass Hannah Arendts Beurteilung des italienischen Faschismus fleißig nachgebetet wird; noch heute verkünden Politologen wie Historiker schlicht und einfach, der Faschismus sei nicht totalitär gewesen. Einer seriösen Auseinandersetzung mit neueren Ergebnissen historischer Forschung und den sich daraus ergebenden neuen Überlegungen zum faschistischen Totalitarismus gehen sie aus dem Wege.

Noch vor der eigentlichen Entstehung des Einparteienstaates haben antifaschistische Intellektuelle und Politiker der Jahre zwischen 1923 und 1925 die Begriffe "totalitär" und "Totalitarismus" geprägt. Sie dienten zur Definition von Ideologie, Politik und Kampfmethoden einer faschistischen Partei, die – bewaffnet und mit explizit diktatorischem Ehrgeiz – das Gewaltmonopol des Staates brechen wollte. Die eigene Ideologie sollte wie eine neue Laienreligion verbreitet werden. Man sprach allen anderen Parteien und Ideologien, die mit der eigenen integralistischen Auffassung von Politik unvereinbar waren, das Existenzrecht ab. Jene Handvoll Antifaschisten, die mit Fug und Recht als die Begründer des Begriffs "Totalitarismus" gelten können, hatten das Wesen, die Logik und die Ziele der faschistischen Partei richtig vorausgeahnt, noch ehe der Faschismus an die Macht gekommen war. In einem ungezeichneten, wahrscheinlich aber von Luigi Salvatorelli verfassten Artikel der antifaschistischen Zeitschrift La Stampa vom 18. Juli 1922 wird die diktatorische Ambition der faschistischen Partei klar erfasst:

Der Faschismus ist eine Bewegung, die mit allen Mitteln versucht, sich des Staates und des gesamten Lebens der Nation zu bemächtigen, um eine absolute und ausschließliche Diktatur zu errichten. Das wichtigste Mittel hierzu ist nach dem Programm der Partei und im Geiste ihrer Führer wie Mitläufer die vollständige Unterdrückung aller verfassungsmäßigen Freiheiten, öffentlicher wie privater – d. h. die Zerstörung der Verfassung und des gesamten liberalen Aufbauwerkes des Risorgimento. Wenn die Diktatur so stabil ist, dass keine Institution existieren, keine Handlung ausgeführt und kein Wort gesprochen werden kann, es sei denn im totalen, hingebungsvollen Gehorsam gegenüber dem Faschismus, dann wäre dieser vielleicht geneigt, der Gewalt zu entsagen, da nun ihr Objekt fehlte, er würde sich aber natürlich vorbehalten, beim ersten Zeichen erneuten Widerstandes sofort wieder loszuschlagen.[4]

Einige Monate nach dem Marsch auf Rom, im April 1923, schreibt Salvatorelli, der Faschismus beabsichtige, "seine totale Diktatur der Partei " zu errichten, "er will die Parteidiktatur, er will die 'eine Partei', also die Unterdrückung aller anderen, also das Ende des politischen Lebens, wie man es in Europa seit einem Jahrhundert kennt."[5] Gleichzeitig wies der liberale Antifaschist Giovanni Amendola, der wahrscheinlich der Erfinder des Ausdrucks "totalitär" (mit dem er sich auf die neue Wahlordnung der Regierung Mussolini und die sogenannte Lex Acerbo bezog) gewesen ist, auf den Anspruch des Faschismus hin, eine integralistische und intolerante Religion zu sein:

Der Faschismus hat nicht so sehr darauf abgezielt, Italien zu regieren, als vielmehr darauf, die vollständige Kontrolle über das Gewissen aller Italiener zu übernehmen. Es reicht ihm nicht, die Macht zu besitzen, er will den Besitz am privaten Gewissen aller Bürger, er will die Bekehrung der Italiener [...] Der Faschismus hat den Anspruch einer Religion [...], den ungeheuren Ehrgeiz und die unmenschliche Unnachgiebigkeit eines religiösen Kreuzzuges. Er verheißt dem, der sich nicht bekehrt, kein Glück, und stellt dem, der sich nicht taufen lässt, keine Rettung in Aussicht."[6]

Und noch einmal, im Oktober desselben Jahres, bekräftigt Amendola, der wesentliche Zug der faschistischen Bewegung sei ein "totalitärer Geist, der es in Zukunft nicht zulassen wird, dass irgendwo irgendein Morgengrauen nicht mit dem römischen Gruß willkommen geheißen wird", und der in Italien einen "einzigartigen 'Religionskrieg'" entfesselt habe, um seine Ideologie allen Italienern als verpflichtenden Glauben aufzunötigen.[7] Anfang des Jahres 1925, vor der Rede Mussolinis am 3. Januar, schrieb der Sozialist Lelio Basso:

Ich bin Marxist und werde dem Staat seine Aufgabe als Vormund, als Verteidiger der Interessen der herrschenden Klassen, gewiss nicht bestreiten. Der faschistische Staat stellt sich jedoch noch eine ganz andere Aufgabe – er "verteidigt nicht, er greift an". Der faschistische Staat beschränkt sich mit anderen Worten nicht darauf, die herrschende Ordnung rechtlich zu sichern, wobei antagonistischen gesellschaftlichen Kräften der Versuch erlaubt bliebe, einer neuen Form des gesellschaftlichen Lebens den Boden zu bereiten. Nein, er will das Volk schlechthin darstellen, er schließt kategorisch aus, dass eine zu ihm im Widerspruch stehende (oder auch nur von ihm irgendwie verschiedene) Bewegung auftreten dürfte, und wenn sich eine solche schüchtern regt, dann versucht er sie restlos zu zerstören. Wenn wir an diesem Punkt angelangt sind, wenn alle Organe des Staates, die Krone, das Parlament, die Justiz, die in der traditionellen Theorie die drei Gewalten verkörpern, sowie deren Instrument, die Streitkräfte, Werkzeuge einer einzigen Partei sind, welche sich zum Dolmetscher des einstimmigen Willens erklärt, des unterschiedslosen und jeden weiteren Fortschritt ausschließenden Totalitarismus – dann können wir wohl sagen, dass die Krise des Staates in ihr Extrem eingetreten ist und entweder aufgelöst werden oder zum gewaltsamen Ausbruch kommen muss.[8]

Freilich wurde der Begriff "Totalitarismus" seit 1925 auch von den Faschisten selbst gebraucht. Sie prägten ihn als ein geradezu eigenes Markenzeichen, das ihre Vorstellung von Politik und Staat bezeichnete. Gefordert wurde die Konzentration aller Macht in den Händen der Partei und des Duce, geplant war die Faschisierung der Gesellschaft durch Kontrolle der Partei über alle Bereiche des öffentlichen Lebens mit dem Ziel einer, wie es Mussolini definierte, "Umgestaltung des Wesens" der Italiener. Eine neue Rasse von Eroberern und Herrennaturen sollte geschaffen werden. In den folgenden Jahren gebrauchten die Antifaschisten den Begriff des totalitären Staates oder totalitären Regimes, um die neuen Formen der Einparteienherrschaft zu bezeichnen. Luigi Sturzo, der Gründer der Volkspartei, der 1924 ins Exil getrieben wurde, schrieb 1926, der Faschismus sei auf dem Weg "zum 'Totalitarismus und zum Absolutismus' [...], er führt ein System ein, das zwar äußerliche Formen von Volksvertretung zulässt, [...] aber die Macht der Regierung derart vermehrt, dass sie zum Richter und Herrscher über alle anderen staatlichen Mächte wird".[9] Seit Ende der 20er Jahre waren es vor allem die demokratischen Antifaschisten, die den Begriff des totalitären Staates gebrauchten, um die neuen Einparteienherrschaften in Russland, Italien und Deutschland zu charakterisieren.

Meine Definition des Faschismus als Totalitarismus knüpft an diese frühen Einsichten an und beruht auf einer Analyse der konkreten historischen Wirklichkeit des italienischen Faschismus – gewonnen durch Forschung, Reflexion und durch den Vergleich mit anderen Einparteienherrschaften, die in der Zwischenkriegszeit(und noch später, nach dem Zweiten Weltkrieg) aus revolutionären Bewegungen hervorgegangen sind. Mit dem Wort "Totalitarismus" definiere ich also ein Experiment politischer Herrschaft, verwirklicht von einer revolutionären Bewegung, die in einer militärisch disziplinierten Partei mit einer integralistischen Auffassung von Politik organisiert ist, ein Machtmonopol anstrebt und, sobald sie dieses Monopol mit gesetzlichen oder außergesetzlichen Mitteln erlangt hat, die vorherige Regierungsform zerstört oder umwandelt und einen neuen Staat errichtet, beruhend auf der Herrschaft einer einzigen Partei und mit dem Hauptziel einer Eroberung der Gesellschaft, das heißt: der Unterwerfung, Integration und Homogenisierung der Beherrschten gemäß dem Prinzip der vollständigen Politisierung der individuellen wie kollektiven Existenz, die nun im Lichte der Vorstellungen, Mythen und Werte einer Ideologie nationaler Wiedergeburt gesehen wird, sakralisiert in Form einer politischen Religion mit dem Anspruch, Individuum und Masse durch eine anthropologische Revolution zu formen, das menschliche Wesen zu erneuern und einen neuen Menschen zu schaffen, der mit Leib und Seele für die Verwirklichung der revolutionären und imperialistischen Pläne der totalitären Partei kämpft, um eine neue supranationale Ordnung zu errichten.

Am Beginn des totalitären Experiments steht als Gründer und Urheber eine revolutionäre Partei, die ihr Machtmonopol als unaufhebbar betrachtet, die Existenzmöglichkeit anderer Parteien und Ideologien verneint und im Staat ein Mittel zur Verwirklichung ihrer Herrschaftsund Erneuerungspläne sieht. Die grundlegende Voraussetzung des totalitären Regimes ist eine revolutionäre Massenbewegung mit integralistischer Ideologie und dem Ehrgeiz, das staatliche Gewaltmonopol zu erobern. Das totalitäre Regime ist ein politisches System, das auf der Symbiose von Staat und Partei beruht und auf einem Komplex mächtiger Institutionen, beherrscht von den Hauptvertretern einer neuen Befehlsaristokratie, ausgewählt vom Führer der Partei, der mit seiner charismatischen Autorität die gesamte Struktur des Regimes beherrscht. Das totalitäre politische System funktioniert als Labor, in dem man am Experiment einer anthropologischen Revolution arbeitet, an der Erschaffung eines neuen Menschentyps.

Was den Totalitarismus im Sinne dieser Definition charakterisiert, ist seine innere Dynamik, die sich in der Forderung nach einer permanenten Revolution ausdrückt, einer kontinuierlichen Expansion politischer Macht, einer ständigen Intensivierung der Kontrolle über die Gesellschaft mit stets neuen Eingriffen – die Gesellschaft soll durch ein immer weiteres und engeres Netz der Organisation und Integration ganz der Partei unterworfen werden. Der totalitäre Staat als politisches Laboratorium ist zum fortwährenden Experimentieren verdammt, um seine anthropologische Revolution in der Gesellschaft zu verwirklichen. Dass ich den Totalitarismus als Experiment definiere und nicht so sehr als Regime, soll die Verbindung zwischen seinen wichtigsten Grundelementen unterstreichen und seinen dynamischen Charakter hervorheben – er ist ein ständiger Prozess und kann an keinem Punkt seiner Verwirklichung als abgeschlossen betrachtet werden.

Der faschistische Totalitarismus war ein Experiment, das sich nach und nach in der politischen Kultur, in den Institutionen und im Lebensstil des faschistischen Regimes verwirklichte, im Zuge einer komplexen Wechselbeziehung zwischen Ideologie, Partei und Regime. Das betraf nicht nur die Innenpolitik, die Institutionen, die Gesellschaft, die Kultur, es beeinflusste auch die Entscheidungen und Ziele der Außenpolitik.

Die Geschichte des faschistischen Experiments ist eine Geschichte ständiger Spannungen, Widerstände und Konflikte – in den Institutionen, in der Gesellschaft, im kollektiven Gewissen und im Inneren des Faschismus selbst. Gewiss stieß das totalitäre Experiment im Laufe seiner Verwirklichung auf zahlreiche Hindernisse in der Gesellschaft, im Apparat des alten Staates, in der Kirche. Doch zeigen die jüngsten Forschungen, darunter auch meine eigenen über die Partei und das faschistische Regime, dass zu Beginn des Zweiten Weltkriegs der faschistische Staat auf jeden Fall weitaus totalitärer war als Ende der 20er Jahre. Das war selbst den traditionellen Institutionen klar geworden, die sich lange in der Illusion gewiegt hatten, der Faschismus werde sich mit der autoritären Macht zufriedengeben, die sie ihm zustimmend überlassen hatten – mit dem Polizeistaat, dem Mythos des Duce und dem Gehorsam der Italiener. Zu denen, die dann von der Realität des totalitären Staates enttäuscht waren und ernsthafte Befürchtungen zu hegen begannen, gehörte etwa der Kardinal von Mailand, Schuster, der Anfang 1939 in einer nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Rede vor der lombardischen Bischofskonferenz das Scheitern der Aussöhnung von Regime und Kirche und die gefährliche Ausbreitung der "faschistischen Religion" beklagte.

Unter uns gesagt sieht sich die katholische Kirche heute nicht nur einem neuen faschistischen Staat gegenüber – der existierte bereits im Jahr des Konkordats –, sondern auch einem herrschsüchtigen philosophisch-religiösen System, das, auch wenn es so nicht ausdrücklich in Worte gefasst wird, auf die Ablehnung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses hinausläuft, die Ablehnung der spirituellen Transzendenz der Religion, der Rechte der christlichen Familie und des Individuums [...] Anstatt eines Apostolischen Glaubensbekenntnisses und einer katholischen Kirche mit göttlichem Ursprung haben wir jetzt ein faschistisches Glaubensbekenntnis und einen totalitären Staat, der – wie jener Hegel'sche Staat – Attribute des Göttlichen für sich in Anspruch nimmt. Auf religiöser Ebene ist das Konkordat völlig bedeutungslos geworden.[10]

Im Lande selbst bestand keine ernsthafte Bedrohung für ein geordnetes Funktionieren des totalitären Laboratoriums, auch wenn man uns immer noch von einer Monarchie erzählen möchte, die dem Faschismus gegenüber angeblich "stets als Bremse und Gegengewicht bei Zwangsmaßnahmen"[11] gewirkt habe. In Wirklichkeit lag bei der sogenannten Diarchie von Duce und König, die Mussolini gegen Ende des faschistischen Regimes beschwor, um seine eigeneVerantwortung herunterzuspielen, die wirkliche Macht ganz in den Händen des Duce, während der König, obwohl er formell das Staatsoberhaupt blieb, in keinem Fall den systematischen Abbau der Verfassungsordnung, die auf das Albertinische Statut gegründet war, verhinderte oder abbremste. Er konnte und wollte das nicht.Vittorio Emanuele III. legte auch keinenWiderspruch gegen die bizarrsten Verirrungen der anthropologischen Revolution ein, den Antisemitismus und Rassismus. Die traditionellen Institutionen zeigten ihr schweigendes Einverständnis – gelegentlich mag es ein widerstrebendes gewesen sein – mit der Macht Mussolinis und der Entwicklung des totalitären Experiments. Es bestimmte dasVerhältnis zwischen Monarchie und Faschismus wesentlich. Als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der König aufgefordert wurde, die Aktionen zu benennen, mit denen dieMonarchie den Vormarsch des faschistischen Totalitarismus zu verhindern versucht hätte, war das einzige Beispiel für effektivenWiderstand, das er anführen konnte, die einjährige Verzögerung – von 1923 bis 1924 – eines Erlasses zur Beschränkung der Pressefreiheit. Der König selbst räumte seine Machtlosigkeit dem Faschismus gegenüber ein: "Er habe", war zu hören, "sich doch nicht dem Staatsoberhaupt entgegenstellen können."[12]

Das totalitäre Experiment des Faschismus verschlang sich in seinen Rhythmen, Zeitabläufen und Methoden mit anderen totalitären Experimenten und endete wie jene in der Katastrophe. Gewiss gelang es dem Faschismus nicht, seine totalitären Wunschvorstellungen zu realisieren. Der Zweite Weltkrieg hielt ihn auf. Es ist daran zu erinnern, dass dieses totalitäre Experiment an der militärischen Niederlage zugrunde ging. Der Faschismus scheiterte nicht am Widerstand der Monarchie oder anderer traditioneller Institutionen, die erst aktiv wurden, nachdem der faschistische Großrat einem politisch bereits dem Untergang geweihten Duce das Vertrauen entzogen und so den Zusammenbruch des Regimes ausgelöst hatte.

Das totalitäre Experiment in Italien, das die faschistische Partei und ihr Führer in Gang brachten, weist zweifelsohne deutliche Unterschiede gegenüber denen des Kommunismus und Nationalsozialismus auf. Sie verringern freilich nicht seine historische Bedeutung für ein Verständnis des totalitären Phänomens im 20. Jahrhundert. Wenn es heißt, der Faschismus habe keinen "perfekten Totalitarismus" verwirklicht, ist dem Befund sicherlich zuzustimmen. Allerdings muss man ihm entgegenhalten, dass die immer gründlichere Erforschung der als "vollständig" oder "perfekt" totalitär geltenden Regime ihrerseits Widerstände, Hindernisse und merkliche Unterschiede zwischen ehrgeizigen Plänen und faktischen Ergebnissen zutage gefördert hat. In keinem totalitären Regime war das Gewaltmonopol rein monolithischen Charakters; nie ist die Eroberung der Gesellschaft vollständig gelungen; niemals hat die anthropologische Revolution den neuen Menschentyp hervorgebracht, der dem phantasierten Modell entsprochen hätte; auch konnte die politische Religion zu keinem Zeitpunkt die gesamte Bevölkerung in eine Gemeinschaft von Gläubigen verwandeln. Zu konstatieren, dass es historisch kein totalitäres Experiment gegeben hat, das als "vollkommen " oder "gelungen" bewertet werden könnte, heißt aber gewiss nicht, der Totalitarismus habe nie existiert. Die totalitären Laboratorien wurden errichtet, und sie haben ihre Arbeit mit dem Ziel aufgenommen, den sozialen Organismus umzuformen und einen neuen Menschen zu erschaffen. Und bei ihren Versuchen haben sie die Existenz von Millionen Menschen berührt, verändert, beschädigt oder ausgelöscht. Es steht außer Zweifel, dass der faschistische Staat eines dieser Laboratorien gewesen ist.

Elemente einer Definition des Faschismus

Auf der Grundlage dieser Überlegungen können wir uns nun daranmachen, die für eine Definition des Faschismus wesentlichen Elemente zusammenzustellen. Auf eine solche Definition könnte sich dann auch eine vergleichende Analyse beziehen.[13] Die Definition, die ich vorschlage, beruht auf drei in Verbindung zueinander gesetzten Dimensionen: es handelt sich um die organisatorische, die die soziale Zusammensetzung, die Struktur, den Lebensstil und die Kampfmethoden der Partei betrifft, die kulturelle, in der es um das Menschenbild und die Ideen von Masse und Politik geht, sowie schließlich um die institutionelle Dimension, die den Komplex jener Strukturen und Beziehungen meint, aus denen sich das faschistische Regime ergibt.

A. Die organisatorische Dimension

1. eine Massenbewegung mit klassenüberschreitenden Ausmaßen, wo sowohl in den Führungspositionen wie in der Masse der Anhängerschaft hauptsächlich junge Männer des Mittelstandes eine Rolle spielen, die vorher größtenteils nicht politisch engagiert waren, sich nun aber in der neuen, bisher unbekannten Gestalt der "Parteimiliz" organisieren und ihre Identität nicht über die gesellschaftliche Hierarchie oder die Klassenherkunft bestimmen, sondern durch das Gefühl der Kameradschaft; sie sehen sich als Vollstrecker einer Mission der nationalen Erneuerung, im Kriegszustand mit den politischen Gegnern; sie wollen das Monopol der politischen Macht und setzen Terrormaßnahmen, parlamentarische Taktik und Kompromisse mit den führenden Schichten ein, um eine neue Ordnung zu errichten, welche die parlamentarische Demokratie zerstört.

B. Die kulturelle Dimension

2. eine Kultur, die auf dem mythischen Denken und einer tragisch-archaischen Auffassung vom Leben beruht (das eine Verkörperung des Willens zur Macht sein soll), auf dem Mythos von der Jugend als geschichtsmächtiger Kraft, auf der Militarisierung der Politik als Modell für das ganze Leben und die Organisation der Gesellschaft.

3. eine Ideologie von antiideologischem und pragmatischem Charakter, die sich als antimaterialistisch, antiindividualistisch, antiliberal, antidemokratisch, antimarxistisch proklamiert, tendenziell populistisch und antikapitalistisch, eher ästhetisch als theoretisch formuliert mit den Mitteln eines neuen politischen Stils und den Mythen, Riten und Symbolen einer Laienreligion, die dazu dient, die Massen kulturell-sozial zu einer geschlossenen Glaubensgemeinschaft zu formen, deren Ziel die Schaffung eines "neuen Menschen" ist.

4. eine totalitäre Auffassung vom Primat der Politik, die als entscheidende Lebenserfahrung gilt und als ständige Revolution aufgefasst wird; mit ihr soll durch den totalitären Staat die Fusion von Individuum und Masse in der organisch- mystischen Einheit der Nation erreicht werden, die eine ethnische und moralische Gemeinschaft ist, während Maßnahmen der Diskriminierung und Verfolgung gegen alle jene ergriffen werden, die man als außerhalb dieser Gemeinschaft stehend betrachtet, sei es als Feinde des Regimes oder als Angehörige von Rassen, die angeblich minderwertig sind oder zumindest gefährlich für die Integrität der Nation.

5. eine Staatsbürgermoral, die von der absoluten Unterordnung des Bürgers unter den Staat ausgeht, von der totalen Hingabe des Individuums an die Nation, von der Disziplin, der Männlichkeit, der Kameradschaft, dem kriegerischen Geist.

C. Die institutionelle Dimension

6. ein Polizeiapparat, der Dissens und Opposition überwacht, kontrolliert und unterdrückt, auch mit dem Rückgriff auf organisierten Terror.

7. eine Einheitspartei, die die Funktion hat, durch ihre eigene Miliz die bewaffnete Verteidigung des Regimes – eines Komplexes neuer öffentlicher Institutionen, wie ihn die revolutionäre Bewegung geschaffen hat – zu gewährleisten; die neuen Führungskader zu stellen und eine "Befehlsaristokratie" herauszubilden; die Massen im totalitären Staat zu organisieren und sie in einen erzieherischen Prozess der permanenten gläubig-emotionalen Mobilisierung hineinzuziehen; innerhalb des Regimes als Organ der "fortwährenden Revolution" die Verwirklichung des Mythos vom totalitären Staat in den Institutionen, in der Gesellschaft, in der Mentalität und in den Sitten voranzutreiben.

8. ein politisches System, das auf der Symbiose von Partei und Staat beruht, durch eine Funktionshierarchie geordnet, die von oben ernannt und von der Figur des "Führers" überragt wird, dem eine charismatische Sakralität eignet und der die Aktivitäten der Partei, des Regimes und des Staates lenkt und koordiniert sowie als oberster und nicht in Frage zu stellender Schiedsrichter bei den Konflikten zwischen den Potentaten des Regimes auftritt.

9. eine korporative Wirtschaftsorganisation, welche die Gewerkschaftsfreiheit unterdrückt und den Bereich staatlicher Intervention ausdehnt; gemäß technokratischer Prinzipien und orientiert an Solidaritätsidealen sollen Arbeiter und Bauern als unter der Kontrolle des Regimes willig Mitwirkende einbezogen werden, um so die Macht des korporativen Staates zu vergrößern, wobei das Privateigentum und die Teilung der Gesellschaft in Klassen vorausgesetzt bleiben.

10. eine Außenpolitik, die am Erwerb von Macht und der Erlangung nationaler Größe orientiert ist und in eins mit imperialistische Expansion auf die Schaffung einer neuen Ordnung zielt.


 

  • [1] Max Weber, "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus", in: ders., Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. 1, Tübingen 1920, S. 31.
  • [2] Aus der umfangreichen Literatur zum Totalitarismus führe ich nur einige jüngere Studien an: Abbott Gleason, Totalitarianism. The Inner History of the Cold War, New York 1995; Alfons Söllner, Ralf Walkenhaus, Karin Wieland (Hrsg.), Totalitarismus. Eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts, Berlin 1997; Achim Siegel (Hrsg.), The Totalitarian Paradigm after the End of Communism. Towards a Theoretical Reassessment, Amsterdam/Atlanta 1998; Bernard Bruneteau, Le totalitarisme, Paris 1999; Juan J. Linz, "Further Reflections on Totalitarian and Authoritarian Regimes", in: ders., Totalitarian and Authoritarian Regimes, London 2000, S. 1-48.
  • [3] Hannah Arendt, The Origins of Totalitarianism, New York 1951, S. 256.
  • [4] "Il Governo e la Destra", in La Stampa, 18. 7. 1922.
  • [5] "Secondo tempo", ebd., 25. 4. 1923.
  • [6] Il Mondo, 1. 4. 1923
  • [7] Giovanni Amendola, "Un anno dopo", Il Mondo, 2. 11. 1923. abgedruckt in: La democrazia italiana contro il fascismo, 1922-1924, Milano/Napoli 1969, S. 193.
  • [8] Prometeo Filodemo (d. i. L. Basso), "L'antistato", in Rivoluzione Liberale, 2. 1. 1925.
  • [9] Luigi Sturzo, Italia e fascismo (1926), Bologna 1965, S. 204.
  • [10] Zitiert bei P. Beltrame Quattrocci, Al di sopra dei gagliardetti, Casale Monferrato 1985, S. 260-262.
  • [11] Nachzulesen bei Domenico Fisichella, Totalitarismo. Un regime del nostro tempo, Roma 2002, S. 170.
  • [12] Paolo Puntoni, Parla Vittorio Emanuele III, Bologna 1993, S. 291–298 und 321.
  • [13] Diese Definition wurde von mir zum ersten Mal im Artikel "Fascismo" der Enciclopedia Italiana di scienze, lettere ed arti, 1979-1992 vorgetragen (V Appendice; Istituto della Enciclopedia Italiana, Roma 1992, S. 198). Weiterentwickelt wurde sie in: ders., "El fascismo y la vía italiana al totalitarismo", in: M. Pérez Ledesma (Hrsg.), Los riesgos para la democracia. Fascismo y neofascismo, Madrid 1997


Published 2007-03-07


Original in English
Translation by Joachim Kalka
First published in Mittelweg 36 1/2007

Contributed by Mittelweg 36
© Emilio Gentile/Mittelweg 36
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