Latest Articles


03.07.2009
Toomas Hendrik Ilves

Who are we? Where are we?

National identity and mental geography

Over the last thousand years, Finland, Estonia, Latvia and Lithuania have had multiple identities and been members of several empires. Now, writes the President of Estonia, "we should be looking to create identities that go beyond those that history has foisted upon us". [ more ]

02.07.2009
Martin M. Simecka

Still not free

01.07.2009
Stefan Jonsson

The first man

29.06.2009
Tatiana Zhurzhenko

The geopolitics of memory

25.06.2009
Timothy Snyder

Holocaust: The ignored reality


New Issues


03.07.2009

Gegenworte | 21 (2009)

Die Wissenschaft geht ins Netz [Science goes internet]
03.07.2009

Mute | 12 (2009)

The creative city in ruins
03.07.2009

Varlik | 7/2009

Eurozine Review


24.06.2009
Eurozine Review

So what's our problem?

"Hungarian Quarterly" divines the future of the forint; "Index on Censorship" gives libel law a bad press; "Samtiden" doubts whether Norwegian police women are any freer with the hijab; "Le Monde diplomatique" (Berlin) applies the belt to Europe's cordon sanitaire; "Mittelweg 36" sees solidarity outgrow the nation; "Roots" says yes to Europe, but not at any cost; "Kulturos barai" does not dismiss the idea of a new Lithuanian Grand Duchy; "Le Monde diplomatique" (Oslo) calls the European elections a farce; "Rili" wants to keep the market out of universities; and "Fronesis" explains what 2°C means in an expertocracy.

09.06.2009
Eurozine Review

Happy birthday, Mr Habermas

26.05.2009
Eurozine Review

In monads' land

05.05.2009
Eurozine Review

Advanced profligate capitalism

21.04.2009
Eurozine Review

A kind of Tory communist



http://www.blaetter.de/usa2008.php
http://xwords.fr
http://www.atlas-der-globalisierung.de
http://www.readme.cc
http://www.kakanien.ac.at
http://www.eurozine.com/about/who-we-are/contact.html

My Eurozine


If you want to be kept up to date, you can subscribe to Eurozine's rss-newsfeed or our Newsletter.

Articles

Die notwendige Verbindung zwischen Hier und Dort

Nur wer sich die Freiheit nimmt, über Grenzen zu gehen, begegnet dem anderen - aber für manche Menschen sind Grenzen unpassierbar

Wir erleben Grenzen nicht als Zeichen und Momente des Nichtmöglichen, sondern als Orte des Übergangs und des Wandels. In der echten Beziehung[1] erfordert die gegenseitige Beeinflussung der Identität eine wirkliche Autonomie aller individuellen oder kollektiven Identität. Eine so verstandene Beziehung bedeutet nicht Verwirrung oder Auflösung. Ich kann mich im Austausch mit dem anderen verändern, ohne mich dabei zu verlieren oder zu verfälschen. Deshalb brauchen wir Grenzen, nicht damit sie uns aufhalten, sondern damit wir die Freiheit haben, uns von uns selbst weg und zum anderen hin zu bewegen, damit wir das Wunderbare des Diesseitigen spüren.

Cultural citizenship


The concept of cultural citizenship responds to the multicultural context of contemporary societies, in which the concern with equality is increasingly being complemented with a concern with difference. Eurozine groups together texts articulating issues central to the concept. [ more ]
Eurozine Editorial
Cultural citizenship
Gerard Delanty
Citizenship as learning process
Rainer Bauböck
Who are the citizens of Europe?
Ivaylo Ditchev
Mobile citizenship?
Ivaylo Ditchev
Utopia of freedom or reality of submission?
António Sousa Ribeiro
The reason of borders or a border reason?
Rada Ivekovic
Tranborder translating
Edouard Glissant
The necessary relation between here and there
Charles Taylor
Democratic exclusion -- and its consequences
Leonardo Avritzer, Boaventura de Sousa Santos
Towards widening the democratic canon
Axel Honneth
Justice and communicative freedom
Axel Honneth, Krassimir Stojanov
Racism as a defect of socialization
Per Wirtén
Free the nation -- cosmopolitanism now!
José Manuel Pureza
Towards a post-Westphalian Internationalism
Es ist nicht einfach, sich an die Stelle von Menschen zu versetzen, die wirkliche Niederlagen und Tränen ertragen mussten. Aber wir können die Orte unserer Leiden und Niederlagen zu Orten der Verheißung machen, können insofern auch die Grenze zu Orten überschreiten, an denen andere menschliche Gemeinschaften gelitten und ausgeharrt haben, und können den Lobpreis und die Pracht dieser Orte begreifen. Zwischenstaatliche Grenzen ohne Zwänge und bürokratische Schikanen zu überqueren, ist angenehm. Wie selbstverständlich kommt man aus der Atmosphäre Marokkos in die Atmosphäre Algeriens, vom französischen zum spanischen Lebensgefühl, von der Luft, die wir in Savoyen atmen, zur Luft der Toskana ("Ist es noch weit bis zur Toskana?"), von den blauen Wüsten Perus zu den ockerfarbenen in Chile. Als wäre man ein Gewand losgeworden, von dessen Existenz man nichts wusste, erfüllt von einem Vorgeschmack auf das, was kommen wird. Die Grenze ist eine Einladung, die Unterschiede zu genießen, sie macht die Abwechslung zum Vergnügen.

Kommen wir nun jedoch auf die Menschen zurück, denen diese Freude verwehrt ist: zu den ausgesperrten Migranten. Versuchen wir zu erfassen, wie schwer und schrecklich dieses Verbot auf ihnen lastet. Eine Grenze zu übertreten ist ein Privileg, das niemandem versagt sein sollte, mit welcher Begründung auch immer. Grenzen sind da, damit wir uns daran freuen, auf die andere Seite zu gelangen, die Unterschiede in uns aufzusaugen und sie gemeinsam zu erleben. Wenn Not und Elend Menschen zwingen, welche Grenze auch immer zu verletzen, dann ist das genauso skandalös wie die Hintergründe dieses Elends.

Nach der langen, dramatischen Jagd auf illegale Migranten in Europa - England, Frankreich, Spanien und Italien, jedes noch so winzige Fürstentum hat sich zum Mitmachen bewegen lassen - zeigte ein Fernsehsender Anfang 2006 ein paar Illegale, die mit Gewalt nach Mali zurückgebracht worden waren. Einer von ihnen hat dort, mitten in der Wüste, auf einem ungenutzten Gelände eine Installation geschaffen, an der die Kinder des Ortes lernen, was es heißt, eine Grenzsperre überwinden zu wollen. Da steht ein verrosteter, verbogener Gitterzaun, der eher auf das Vorhandensein eines Gartens hindeutet, als dass er ihn tatsächlich beschützen könnte. Und dieser Zaun ist übersät mit menschlichen Gestalten, klein wie Fliegen, es sieht aus, als würde das Gitter sie auffressen, darunter winzige zerfetzte Verletzte, die versuchen, über diese unermessliche Höhe hinüberzuklettern. Die Kamera macht einen Schwenk vom Sand in der Umgebung auf die Gesichter der Kinder, auf die ruhigen Bewegungen des Mannes, der die Installation zeigt.

Ich hätte mir dieses Kunstwerk, dieses Exempel einer wirklichkeitsnahen Geschichtsschreibung gern aus nächster Nähe und lange angesehen, aber die Kamera schwankt und wackelt. Mit der Kamera gelingt es eben nicht immer, die magische Spur, die elementare Kraft oder auch die geheime Verbundenheit zu erfassen. Eine Installation, die keine ist, das Gitter klappert im heißen Wind, dies ist wirklich keine Kunst im buchstäblichen Sinn. Sie öffnet ausnahmsweise den Raum um uns herum, sie wendet sich dem Flüchtigen zu und der vernünftigen Regellosigkeit allen Bluts unter der Sonne. Da spricht der Mann, der die Installation aufgebaut hat, seelenruhig nicht zu den Kindern, die es schon wissen, sondern in die Kamera, dass er es wieder tun werde, er könne einfach nicht mit leeren Händen in sein Dorf zurückkehren, er werde es wieder versuchen, er habe keine Angst vor dem Tod, schließlich seien auch die mit menschlichem Fleisch gespickten Stacheldrahtzäune nicht unüberwindlich.

Deshalb berührt uns der Anblick von Häfen, ob sie (wie das westafrikanische Gomée) einst Sklavenumschlagplatz waren oder nicht, und auch Grotten, Höhlen, Zellen, unüberwindliche Ferne und ausweglose Enge, Orte, unter denen du leidest, und Orte, von denen du nichts weißt, die namenlosen und die herausragenden, Auschwitz und das Nichtmitteilbare, Gorée, Robben Island, das Fort de Joux und die Höhle von Tjibaou, Saint Pierre auf Martinique und alle Vulkane des amerikanischen Kontinents, die Osterinsel, Zentrum des Unfasslichen, Matouba in Asche, die von Zuckerrohr umstellte Plantage, Karthago und das schwarze Salz, der Bauch der Sklavenschiffe, die Salzsteuer und das rote Salz, Hiroschima und Nagasaki, die Smala von Abdelkader und die Große Mauer, so unerreichbar und lang, und die Zelle des Sokrates, die Bibliothek von Timbuktu, New Orleans und die Wirbelstürme auch vor "Katrina", die Pestizide, durch die Bananenstauden für immer ungenießbare Früchte tragen, und der Vulkan Empedokles, die Favelas, die sich überall auf der Welt häufen, der Handel mit den Feuern der Sahara und der Wüsten des Ostens, die Garotte Atahualpas, Kirke im nebligen Schlund des Vergessens, Lissabon und San Francisco mit ihren Erdbeben, Atlantis, Bagdad, der Styx und für mich die Agonie des Lézarde-Flusses. Aber Sie können noch lange so weiterreden, Sie werden das Ende der Spur nie erreichen.

In gewisser Weise ist ein Hafen eine Höhle, mit seinen Becken und seiner Enge. Es gibt keinen Ort, der uns so nah und so fern ist wie ein Hafen, vielleicht nur ein Felsblock oder eine Reihe von Felsen im Meer, oder ein Gulag am Ende eines Schneefelds gelegen wie ein eigener, unzugänglicher Kontinent, oder eine Goldmine unter freiem Himmel in Brasilien. Warum wollen Sie Leute, die vergessen haben, zwingen, sich zu erinnern, wenn Sie selbst nicht genügend Atem haben, um in unsere gemeinsame Höhle hineinzugelangen und durch sie hindurchzugehen, oder Ihnen die freundliche Unbedarftheit fehlt, in der Ferne alles miteinander zu vermengen. Wir alle müssen uns zusammen erinnern, unsere Gedächtnisse nehmen aneinander teil wie ein Wurzelgeflecht, ein Rhizom. Häfen sind die offenen Grenzen der Fantasie.

Diese Häfen und diese Grenzen, die Isthmen, Passagen, Meerengen, Deltas glauben wir in den Legenden und Geografien der Träume von Riesen bewacht, denn der Riese überblickt beide Seiten der Grenzlinie, er erfasst sowohl die Identität des Hier als auch die des Dort, er begreift ihre notwendige Verbindung und bewahrt und verteidigt ihre notwendige Besonderheit. In den meisten Mythen ist der Riese gut, weil er alles begreifen kann, beiderseits der Grenze. So wie die Figuren der Anabell Guerrero. Sie sind mit den kleinen Dingen ihres Alltags beschäftigt und schauen dabei in die Ferne, über die Schranke oder das Gitter oder die Sperre der Grenze hinweg. Sie sind keine Insignien, die etwas Gewaltiges bezeichnen, sondern Wegweiser zur echten Beziehung.


 

  • [1] Für Glissant beinhaltet Beziehung eine Spannung, aber auch die innere Verbindung zwischen den Menschen in den Ländern des Nordens und des Südens, ehemaligen Kolonisten und ehemals Kolonisierten, zwischen den reichen und den armen Ländern auf der Welt [Anm. d. Ü.].


Published 2006-10-20


Original in French
Translation by Beate Thill (aus dem Französischen)
First published in Le Monde diplomatique (Berlin) 10/2006

Contributed by Le Monde diplomatique (Berlin)
© Edouard Glissant/Le Monde diplomatique (Berlin)
© Eurozine
 

Focal points

European histories

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurohistories.html
For solidarity to exist in the enlarged EU, an historical awareness must be developed that includes the experiences of new members. [more]

Media landscapes: Central and eastern Europe

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/medialandscapes.html
How Media autonomy in Europe's "newer democracies" is being inhibited by market forces and continuing political intervention. [more]

The malady of infinite aspiration?

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/financialcrisis.html
Sound in principle or sick at heart? Articles on the financial crisis, compiled under Durkheim's memorable phrase, "the malady of infinite aspiration". [more]

Editor's choice

Laurent Mauriac, Pascal Riché
Online journalism: Transposition or transformation?

http://www.eurozine.com/articles/2009-05-22-mauriacriche-en.html
The editors of the pioneering French politics website explain their concept for bridging the gap between print and the Internet. [more]

Literature

Andrea Zlatar
Literary perspectives: Croatia
Post-traumatic stress disorder

http://www.eurozine.com/articles/2009-03-31-zlatar-en.html
Common to new Croatian writing is the postwar experience, with marginal characters exploring tensions between individual and society. [more]

Katharina Raabe
The read expanse

http://www.eurozine.com/articles/2009-04-16-raabe-de.html
In the twenty years since the fall of communism, literature has been lifting the fog settling over the historical expanses of eastern central Europe. [more]

Conferences

Eurozine emerged from an informal network dating back to 1983. Since that time, a variety of European cultural magazines have met once a year in European cities to exchange ideas and experiences. In the meantime, approximately 100 periodicals from almost every European country have become involved in these meetings.
European histories
The 22nd European Meeting of Cultural Journals
Vilnius, 8-11 May 2009

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/vilnius_european_histories.html
The 22nd European Meeting of Cultural Journals took place in Vilnius, Lithuania, 8 to 11 May 2009. Under the heading "European Histories", the Eurozine conference explored the role of history and memory in forming new identities in a Europe in change. [more]

powered by publick.net