Latest Articles


24.05.2012
Claudia Ciobanu, Mircea Vasilescu

"The Romanian press is beyond salvation"

An interview with Mircea Vasilescu

Earlier this year, Eurozine partner "Dilema Veche" was almost dragged down with the rest of a failing Romanian press. But thanks to original journalism, inventive strategy and an independent attitude, the magazine looks like pulling through all the stronger, says its editor. [ more ]

23.05.2012
Eurozine Review

A protest of Scrooges

22.05.2012
Daniel Chirot, Almantas Samalavicius

Ideology never ends

22.05.2012
Anna Aslanyan, Stewart Home

Moving the goalposts

21.05.2012
Jacques Rupnik

The euro crisis: Central European lessons


New Issues


Eurozine Review


23.05.2012
Eurozine Review

A protest of Scrooges

"Kulturos barai" talks to Daniel Chirot about modernity, crisis and ideology; "NZ" plots the new Russian class-consciousness; "Le Monde diplomatique" (Oslo) asks which way the middle class will swing; "Wespennest" explains what anarchism can do for you; "Dilema Veche" recalls better days for Romanian journalism; "Reset" abandons print for web; "Letras Libres" reveals the political Borges; "dérive" rescues the bungalow from historical oblivion; and "Vikerkaar" profiles Estonian situationist duo Johnson & Johnson.

09.05.2012
Eurozine Review

Sudden and slow-acting poisons

18.04.2012
Eurozine Review

Not a Prospero in sight

21.03.2012
Eurozine Review

To hell in a handbasket



http://www.eurozine.com/articles/2011-05-02-newsitem-en.html
http://mitpress.mit.edu/0262025248
http://www.eurozine.com/about/who-we-are/contact.html
http://www.n-ost.org
http://www.eurozine.com/articles/2009-12-02-newsitem-en.html

My Eurozine


If you want to be kept up to date, you can subscribe to Eurozine's rss-newsfeed or our Newsletter.

Articles
Share |


Die Reform findet nicht statt

Aus der "Jahrhundertreform" der UNO, von der im Vorfeld des New Yorker Gipfels die Rede war, ist nichts geworden. In fast erpresserischen Vorverhandlungen wurde der Entwurf von Generalsekretär Kofi Annan erheblich verwässert, vor allem auf Betreiben der Bush-Administration. Und auch eine Erweiterung des Sicherheitsrats um neue ständige Mitglieder wird es so schnell nicht geben.

Kein Versuch zur Reform der UNO wurde so lange und so gründlich vorbereitet wie dieser. Seit ihrer Gründung im Jahre 1945 erlebte die Weltorganisation etwa alle 8 bis 10 Jahre eine Reformdebatte. Wegen der Blockade der Weltorganisation durch die Ost-West-Konfrontation blieben diese Debatten zumeist ohne konkrete Ergebnisse. Mit Ende des Kalten Krieges änderten sich die Rahmenbedingungen. Auf sieben groþen Weltkonferenzen (u. a. zu den Themen Umwelt und Entwicklung, Menschenrechte, Bevölkerungs- und Sozialfragen, Frauen und Rassismus) konnten sich die Mitgliedstaaten auf die Definition der wichtigsten Probleme und Herausforderungen in einer zunehmend globalisierten Welt verständigen.

Das gelang zwar nicht immer im Konsens aller Mitgliedstaaten, aber immer mit mindestens 90-prozentiger Mehrheit. Bei einigen dieser Weltkonferenzen wurden über die Problemanalyse hinaus konkrete Maþnahmen beschlossen oder es gelang die Vereinbarung mehr oder weniger verbindlicher Aktionspläne. Auf der Rio-Konferenz für Umwelt und Entwicklung im Jahre 1992 wurde der Grundstein gelegt für das zehn Jahre später verabschiedete Kioto-Protokoll zum Klimaschutz.

Doch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem völkerrechtswidrigen Präventivkrieg der USA und Groþbritanniens vom Frühjahr 2003 gingen die Wahrnehmungen über die wichtigsten globalen Probleme und die daraus abgeleiteten Handlungsprioritäten zwischen Nord und Süd wieder deutlich auseinander. Vor diesem Hintergrund beauftragte Generalsekretär Annan im September 2003 einen 16-köpfigen Expertenausschuss ("High Panel"), eine Analyse der wichtigsten globalen Herausforderungen vorzunehmen und Vorschläge zu entwickeln, die darauf zielten, die UNO bei der Bewältigung dieser Herausforderungen handlungsfähiger zu machen.

Den im Dezember 2004 vorgelegten Bericht des "High Panel" machte Annan zur Grundlage seines umfassenden Reformvorschlages "In gröþerer Freiheit - Entwicklung, Sicherheit und Frieden für alle", den er der Generalversammlung im März dieses Jahres präsentierte. Annans Reformpaket bestand aus drei Elementen:

- institutionelle Reformen: Dazu gehören die Aufwertung des Wirtschafts-und Sozialrats (Ecosoc), die Gründung einer UNO-Institution für "nachhaltige Friedensmaþnahmen" nach kriegerischen Konflikten, die Umwandlung der Menschenrechtskommission in einen Menschenrechtsrat, Managementreformen und Verbesserung des Aufsichtswesen in der New Yorker Zentrale.
- politische Selbstverpflichtungen: So sollen die Mitgliedstaaten per Resolution in der Generalversammlung ausdrücklich ihre "Verantwortung zum Schutz" ihrer Bürger vor schweren Menschenrechtsverletzungen anerkennen. Ist eine Regierung "nicht in der Lage oder nicht willens", diese Verantwortung wahrzunehmen, soll der Sicherheitsrat das Recht erhalten, sich in die "inneren Angelegenheiten" eines Staates einzumischen - vorrangig mit politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Instrumenten, notfalls aber auch mit militärischen Mitteln. Der Sicherheitsrat soll per Resolution einen Katalog von Kriterien verabschieden, der künftig als Basis für die Entscheidung über militärische Maþnahmen dienen soll. Schlieþlich soll die Generalversammlung eine Terrorismusdefinition verabschieden, wozu Annan einen Entwurf vorlegte. Auch mahnte der Generalsekretär die Mitgliedstaaten zur Erfüllung bestehender vertraglicher Verpflichtungen, explizit auch hinsichtlich der atomaren Abrüstung.
- fristgemäþe Umsetzung der Millenniumsziele: Annan forderte die Mitgliedstaaten auf, die von einem UNO-Gipfel 2000 beschlossenen "Millenniumsziele" zur Halbierung der weltweiten Armut bis spätestens zum Jahr 2015 zu erfüllen. Hierzu machte der Generalsekretär sowohl den Ländern des Nordens wie des Südens konkrete, mit Zeitplänen versehene Vorschläge. Die Staaten des Nordens sollen u. a. den Anteil ihrer öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen am Bruttosozialprodukt bis 2015 auf 0,7 Prozent steigern, Agrarsubventionen abbauen, ihre Märkte für Produkte aus den 48 ärmsten Ländern dieser Erde öffnen sowie mehr Mittel zur Bekämpfung von Aids bereitstellen.

Keine Verpflichtungen mehr zur Armutsbekämpfung

Hinter der Verknüpfung der UNO-Reform mit den Millenniumszielen steht Annans berzeugung, dass ohne eine Umsetzung wenigstens dieser bescheidenen Ziele (nach Joschka Fischer "das soziale Minimum in einer globalisierten Welt") die durch Armut bedingten und verschärften Konflikte dieser Welt derart eskalieren werden, dass selbst eine institutionell reformierte UNO sie nicht mehr bewältigen kann.

Der Präsident der UNO-Generalversammlung, Gabuns Auþenminister Jean Ping, übernahm sämtliche Vorschläge Annans in seinen Anfang Juni präsentierten ersten Entwurf für eine Abschlusserklärung des New Yorker Gipfels. Und auch der dritte Entwurf, den Ping nach intensiven Konsultationen mit fast sämtlichen Mitgliedstaaten Anfang August vorlegte, enthielt noch alle Vorschläge des Generalsekretärs (wenn auch mit leichten Korrekturen) sowie alle konkreten Handlungsempfehlungen des Generalsekretärs. Doch Ende August legte der neue UNO-Botschafter der USA, John Bolton, 750 Korrekturforderungen zu Pings Entwurf vor. Er forderte die Streichung sämtlicher Verpflichtungen zu Armutsbekämpfung, Rüstungskontrolle, Stärkung der UNO, Klimaschutz usw. Verbindliche Formulierungen sollte die Gipfelerklärung nach Vorstellung Washingtons lediglich zu den Themen Terrorismusbekämpfung und Managementreform in der UNO-Zentrale enthalten. Die Millenniumsziele zur Halbierung der Armut sollen in der Erklärung überhaupt nicht mehr erwähnt werden.

Aufgeschreckt durch diesen Frontalangriff der Bush-Administration auf Annans Reformansatz legten andere Regierungen ihre alten Einwände gegen Pings Entwurf wieder auf den Tisch. Zahlreiche Länder haben Bedenken, dass der Generalsekretär im Zuge der insbesondere von Washington geforderten Managementreform zu viel Macht und Kompetenzen erhalten soll und künftig nicht mehr der Kontrolle durch die Generalversammlung unterliegt. In den intensiven Verhandlungen der letzten Tagen vor dem Gipfel dienten derartige Bedenken auch als Faustpfand, um die Zustimmung der USA zu verbindlichen Verpflichtungen zur Armutsbekämpfung abzuringen. Der letzte, zwei Tage vor Gipfelbeginn vorliegende 45-seitige Entwurf für die Abschlusserklärung enthielt immer noch 250 Klammern, die Dissens markieren.

Nicht mehr auf der Tagesordnung steht die Erweiterung des Sicherheitsrats, die vor allem die rot-grüne Koalition in Berlin zum "wichtigsten Ziel" einer UNO-Reform erklärt hatte. Der im Juni gemeinsam von Deutschland, Indien, Brasilien und Japan in die Generalversammlung eingebrachte Antrag, der auf ständige Ratssitze für diese vier Staaten sowie für zwei afrikanische Länder abzielte, war bereits Anfang August endgültig gescheitert. Nachdem die Afrikanische Union mit ihren 53 Mitgliedern auf einem Gipfeltreffen die Unterstützung des G-4-Antrages mit 90er-Mehrheit abgelehnt hatte, mussten die G-4-Regierungen ihre Hoffnung auf die für eine Annahme erforderliche Zweidrittelmehrheit in der Generalversammlung (128 von 191 Staaten) endgültig begraben.

Doch der Antrag der G 4 hatte ohnehin nicht den Hauch einer Chance auf Realisierung. Denn selbst wenn er die erste Hürde in der Generalversammlung genommen und diese dann in einem zweiten Schritt sechs neue ständige Mitglieder für den Sicherheitsrat gewählt hätte. Da die Erweiterung eine Veränderung der UNO-Charta erfordert hätte, hätte diese die Zustimmung der fünf derzeitigen ständigen Ratsmitglieder erfordert. Doch China und die USA hatten in den letzten Monaten wiederholt sehr deutlich gemacht, dass sie dazu nicht bereit sind. Und auch die drei anderen ständigen Mitglieder Russland, Frankreich und Groþbritannien sind trotz aller Sympathieerklärungen für den Antrag der G nicht sehr unglücklich darüber, dass sie ihre Privilegien Veto und ständiger Sitz nicht mit anderen Staaten teilen müssen und dass im Rat auf absehbare Zeit alles beim Alten bleibt. In Berlin versucht man die Hoffnung nicht aufzugeben. Der G-4-Antrag sei "keinesfalls tot, sondern nur vorrübergehend im Gefrierfach" erklärte ein für die UNO-Reformfragen zuständiger hoher Beamter von Auþenminister Fischer Anfang September. Die Frage, wie lange die Gefrierphase dauern solle, wollte der Beamte nicht beantworten.

 



Published 2005-09-16


Original in German
First published in Le Monde diplomatique 9/2005

Contributed by Le Monde diplomatique (Berlin)
© Andreas Zumach/Le Monde diplomatique
© Eurozine
 

Focal points     click for more

The EU: Broken or just broke?

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurocrisis.html
Brought on by the global economic recession, the eurocrisis has been exacerbated by serious faults built into the monetary union. In a new Eurozine focal point, contributors discuss whether the EU is not only broke, but also broken -- and if so, whether Europe's leaders are up to the task of fixing it. [more]

European histories (2): Concord and conflict

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurohistories2.html
Broadening the question of a common European narrative beyond the East-West divide. How are contested interpretations of historical and recent events activated in the present, uniting and dividing European societies? [more]

Changing media -- Media in change

Media change is about more than just the "newspaper crisis" and the iPad: property law, privacy, free speech and the functioning of the public sphere are all affected. On a field experiencing profound and constant transformation. [more]

Support Eurozine     click for more

If you appreciate Eurozine's work and would like to support our contribution to the establishment of a European public sphere, see information about making a donation.

Editor's choice     click for more

Slavenka Drakulic
The tune of the future
Italy: old Europe, new Europe, changing Europe

http://www.eurozine.com/articles/2012-03-15-drakulic-en.html
Travelling around Italy, Slavenka Drakulic observes one kind of Europe being replaced by another. Instead of attempting to conserve the cultural past, we should accept that migration will adapt much of what we consider "European" to its own image. [more]

Klaus-Michael Bogdal
Europe invents the Gypsies
The dark side of modernity

Social segregation, cultural appropriation: the six-hundred-year history of the European Roma, as recorded in literature and art, represents the underside of the European subject's self-invention as agent of civilising progress in the world. [more]

George Prevelakis
Greece: The history behind the collapse

Greece's economic crisis has its roots in a political pact dating back to the foundation of the modern state. The threat posed to Europe by the Greek breakdown is less contagion than a wave of anti-western feeling. [more]

Debate series     click for more

Europe talks to Europe

http://www.eurozine.com/comp/europetalkstoeurope.html
Nationalism in Belgium might be different from nationalism in Ukraine, but if we want to understand the current European crisis and how to overcome it we need to take both into account. The debate series "Europe talks to Europe" is an attempt to turn European intellectual debate into a two-way street. [more]

Literature     click for more

Steve Sem-Sandberg
Even nameless horrors must be named

http://www.eurozine.com/articles/2011-09-23-semsandberg-en.html
It is high time to lift the aesthetic state of emergency that has surrounded witness literature for so long, writes Steve Sem-Sandberg. It is not important who writes, nor even what their motives are. What counts is the "literary efficiency". [more]

Literary perspectives
The re-transnationalization of literary criticism

Eurozine's series of essays aims to provide an overview of diverse literary landscapes in Europe. Covered so far: Croatia, Sweden, Austria, Estonia, Ukraine, Northern Ireland, Slovenia, the Netherlands and Hungary. [more]

Behind the headlines     click for more

Mykola Riabchuk
Tymoshenko: Wake-up call for the EU

The EU shouldn't be surprised by the Tymoshenko verdict: its support of anything nominally reformist has been perceived as acceptance of a range of repressions, argues Mykola Riabchuk. [more]

Conferences     click for more

Eurozine emerged from an informal network dating back to 1983. Since then, European cultural magazines have met annually in European cities to exchange ideas and experiences. Around 100 journals from almost every European country are now regularly involved in these meetings.
Arrivals/Departures: European harbour cities as places of migration
The 24th European Meeting of Cultural Journals
Hamburg, 14-16 September 2012

http://www.eurozine.com/comp/hamburg2012.html
Harbour cities as places of movement, of immigration and emigration, inclusion and exclusion, develop distinct modes of being that communicate how they see themselves as part of the structure that is "Europe". The 2012 Eurozine conference will explore how European societies deal variously with the cultural legacy of the "harbour city". [more]

Multimedia     click for more

http://www.eurozine.com/comp/multimedia.html
Multimedia section including videos of past Eurozine conferences in Vilnius (2009) and Sibiu (2007). [more]


powered by publick.net