Wenn das Essen schneller wächst
Nutzen und Schaden genmanipulierter Nahrungsmittel
Viele Europäer lehnen die Pläne zum kommerziellen Anbau von genetisch
modifizierten Organismen (GMO) ab, wobei sie unter GMO vor allem
genmanipulierte Nutzpflanzen verstehen. Doch einige Regierungen und die
interessierten transnationalen Unternehmen treiben die Entwicklung
dennoch mit aller Macht voran. Die Befürworter behaupten, GMO seien für
die künftige Ernährung der Weltbevölkerung absolut notwendig, denn anders
werde man bei dem enormen Bevölkerungswachstum nicht ausreichend
Lebensmittel produzieren können. Ein spezielles Argument lautet, GMO
kämen insbesondere der Dritten Welt zugute und hier sowohl den
unterernährten Massen als auch den armen Bauern, die ihren Feldern unter
extrem ungünstigen Bedingungen eine Ernte abringen und sich mit ihren
Produkten auch noch auf dem Weltmarkt behaupten müssen.
Die von den GMO-Gegnern beschworenen Gefahren erklären die Befürworter
für unerheblich: In Feld- und Laborversuchen hätten bislang keine
gravierenden Nebenwirkungen festgestellt werden können, dem menschlichen
Organismus drohe offenbar kein Schaden. In den USA konsumiere man seit
über zehn Jahren genmanipulierte Getreidesorten und Soja, ohne dass es zu
nachweisbaren Schädigungen gekommen sei.
Kurzum, nicht nur die Gentechnologen, sondern auch Regierungen und
Unternehmer der Lebensmittelindustrie behaupten, dass GMO entscheidend
dazu beitragen, der Menschheit einen anständigen Ernährungszustand zu
garantieren. Deshalb sei es unverantwortlich, ihre Entwicklung
verhindern zu wollen, einen solchen Luxus könnten sich nur die reichen
und saturierten Europäer leisten.
Doch die Befürworter haben Unrecht. Zwar könnten GMO durchaus eine
Wohltat sein für die Menschheit und für die Welt, in der wir zu leben
haben. Es wäre beispielsweise möglich, neue Pflanzensorten zu entwickeln,
die gegen Klimaveränderungen und Verunreinigung des Bodens resistent
wären. Noch vor zwanzig Jahren, als die genetische Veränderung von
Pflanzen (im Gegensatz zu Bakterien) noch relativ neu war, träumten die
Wissenschaftler des International Crop Research Institute for Semi-Arid
Tropics (Icrisat) davon, Hirse für die Sahel-Zone zu produzieren, die
hitze- und dürreresistenter sein sollte als die vorhandenen Sorten.
Heute geht weltweit (vor allem in den Tropen) immer mehr Farmland durch
Versalzung verloren; eine neue Auswahl von salzresistenten Getreidesorten
und Futterpflanzen wäre also höchst wünschenswert. Auch die globale
Erwärmung mit ihren immer extremeren Klimaschwankungen, wodurch sich
bestimmte Pflanzenkrankheiten immer weiter ausbreiten, erhöht den Bedarf
an neuen Pflanzensorten, die unter bislang unbekannten klimatischen und
Umweltbedingungen wachsen könnten. Genetische Manipulation ist kein
Allheilmittel - aber sie könnte hilfreich sein, vor allem wenn in der
Landwirtschaft ein zunehmend radikaler Wandel notwendig werden sollte.
Doch unter den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen
wird die Welt solche segensreichen GMO-Produkte nicht erleben. Und selbst
wenn, so werden die bereits sichtbaren Nachteile die möglichen Vorteile
bei weitem übertreffen. Dabei sind die potenziellen Schädigungen für
unsere Gesundheit oder die Umwelt keineswegs der entscheidende Punkt.
Viel wichtiger sind zwei andere Dimensionen der GMO-Problematik.
Erstens sind die Argumente, die von Regierungen und Unternehmen
angeführt werden, einfach nicht richtig: Neue GMO-Erzeugnisse sind
keineswegs notwendig, um unsere künftige Nahrungsmittelversorgung zu
sichern. Zweitens ist die aktuelle Generation von GMO-Produkten
keineswegs dazu gedacht, "die Welt zu ernähren" und die Probleme der
Bauern in der Dritten Welt lösen. Ihre Entwicklung soll vielmehr eine
Machtverschiebung herbeiführen: Die Kontrolle über den Anbau wird den
Bauern der Dritten Welt weggenommen und geht in die Hände transnationaler
Unternehmen und westlicher Regierungen über. Regierungen, die sich den
GMO bislang verweigert haben (wie die von Sambia und bis vor kurzem auch
Brasilien), treibt also weder der Aberglaube noch die "Angst vor
Veränderung" um, wie es viele GMO-Lobbyisten unverfroren behaupten. Diese
Regierungen wissen vielmehr ganz genau, dass der Druck vor allem
politischer Natur ist. Sie sind sehr wohl in der Lage, imperialistische
Anmaßung zu erkennen, auch wenn sie als angebliche technologische Segnung
daherkommt.
Betrachten wir zuerst das demografische Argument. Die GMO-Befürworter
verweisen zu Recht darauf, dass die Weltbevölkerung von heute sechs
Milliarden bis 2050 auf rund neun Milliarden Menschen ansteigen wird.
Damit liege doch auf der Hand, dass die Welt immer mehr Nahrung
produzieren müsse. Ein Großteil des fruchtbaren Landes sei ja bereits
kultiviert. Der einzige Ausweg sei demnach die ständige Steigerung der
Hektarerträge, und die könne momentan nur durch die neuen Techniken
genetischer Manipulation garantiert werden.
Aber was auf der Hand zu liegen scheint, muss keineswegs richtig sein.
Alle seriösen Beobachter der globalen Ernährungssituation sind sich darin
einig, dass Hungersnöte nur ganz selten darauf zurückgehen, dass keine
Ernten erzielt werden. Die einzige historische Ausnahme dürften die
Ernteausfälle der späten 1960er- und 1970er-Jahre sein, die zur
Entwicklung neuer Weizen- und Reisarten im Zuge der "grünen Revolution"
führten. Doch ansonsten liegt der "Fehler" praktisch immer in den
politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen, zum Beispiel wenn der
Goldabbau die Wasservorräte strapaziert.
Heute liegt die größte akute Bedrohung vielleicht in der allgemeinen
Entwicklung der Landwirtschaft, die - anstatt Grundnahrungsmittel für die
unmittelbaren Verbraucher anzubauen - zunehmend für den Export
produziert, also etwa Kaffee und Bananen, aber auch Riesenmengen an Soja
(heute das Hauptexportgut Brasiliens), Erdnüssen (Hauptexportgut des
Senegal) und Futtergetreide, das heute schon die Hälfte der weltweiten
Weizenexporte und ein Drittel der globalen Maisexporte ausmacht. Dieses
Getreide wird an Rinder, Schweine und Geflügel in den USA und in Europa
verfüttert. Diese Tiere werden dann von Menschen verzehrt, die bereits an
Verfettung leiden. Übergewichtigkeit gilt heute bereits als "Epidemie",
und weltweit dürfte es bald mehr Diabetiker geben, als die Vereinigten
Staaten Einwohner haben.
In anderen Worten: Unsere Welt produziert bereits genug Nahrung für
alle. Und wenn wir nicht darauf versessen wären, irrsinnige Mengen an
Vieh zu züchten (weil es dem Profit dient, und nicht etwa dem wirklichen
Bedarf), würde diese Menge völlig ausreichen, die neun Milliarden
Menschen zu ernähren, die bis 2050 die Welt bevölkern. Dazu müssen wir
gar nicht alle Vegetarier werden, es reicht, wenn wir uns ein wenig
zurückhalten. Denn wenn die Viehzucht im selben Tempo zulegt, wird die
Gesamtheit der Viecher im Jahre 2050 so viel Futtermittel auffressen,
dass man davon weitere vier Milliarden Menschen ernähren könnte.
Im Übrigen gehen UN-Experten (im Gegensatz zu den GMO-Anhängern) in
ihren Prognosen davon aus, dass sich die Weltbevölkerungszahl um 2050
stabilisieren wird: Das wäre die größte Veränderung in der menschlichen
Entwicklung seit 10.000 Jahren, also seit sich die landwirtschaftliche
Tätigkeit im größeren Maßstab entwickelt hat. Also wird es niemals
notwendig sein, dass wir viel mehr Nahrungsmittel produzieren müssen, als
wir es bereits tun - allerdings nur dann, wenn es der Menschheit in
erster Linie um die Nahrungsmittelversorgung und um globale Gerechtigkeit
ginge - und nicht um Profit.
Natürlich wäre ein gewisses Wachstum gar nicht schlecht. Doch bei den
weitaus wichtigsten Agrarprodukten - Weizen, Reis und Mais - haben sich
die Erträge seit hundert Jahren mittels konventioneller Züchtungen um ein
bis zwei Prozent pro Jahr erhöht. Und solche Steigerungsraten sind
zweifellos auch in Zukunft möglich. Und die "grüne Revolution" erzielte
ihre enormen und schnellen Erfolge - zehn Jahre bevor man auf die Methode
genetischer Manipulation verfiel - auf der Basis einer einzigen
Veränderung: Man musste bei Weizen und Reis nur kürzere Halme züchten,
damit man mehr Düngemittel verabreichen konnte, ohne dass die Pflanzen zu
hoch schossen und dann umknickten, was bis dahin das Problem gewesen
war. Ein vergleichbares Problem ist heute weit und breit nicht zu sehen,
und das Gerede über eine neue, auf GMO setzende "grüne Revolution" in
Afrika ist nur ein Hype. Oder aber es beruht auf einem Missverständnis,
was bei verantwortlichen Politikern eigentlich nicht vorkommen darf.
Sicherlich klingen einige Argumente für die Einführung von GMO höchst
verlockend. "Goldener Reis" beispielsweise soll besonders viel
Beta-Karotin enthalten - ein natürliches Pigment, das der Körper zur
Bildung von Vitamin A braucht. Vitamin-A-Mangel führt unter anderem zu
einer Hornhauterkrankung, auch als "Trockene-Augen-" oder "Sicca-Syndrom"
bekannt, unter der heute weltweit 40 Millionen Kinder leiden. Da wäre
doch, so die Behauptung, der Vitamin-A-reiche "Goldene Reis" die richtige
Lösung.
Doch Beta-Karotin ist in der Natur fast überall im Überfluss vorhanden.
Jedes grüne Blattgemüse und alle gelben Wurzeln wie Karotten, aber auch
Papaya und Mango enthalten Beta-Karotin. Traditionelle Bauern hatten
stets ihren Gemüsegarten, in dem sie Spinat und vieles andere Blattgemüse
anbauten. Papaya wächst in den Tropen wie Unkraut, und Mangos sind in
Mittelamerika und in der Karibik praktisch überall als Wildfrucht zu
finden. Bis vor kurzem, bevor die Frucht kommerziell angebaut wurde, war
sie überall praktisch umsonst zu haben. Kurzum, der Vitamin-A-Mangel
demonstriert nicht etwa, dass die traditionelle Landwirtschaft versagt,
sondern dass sie von einem monokulturellen Anbau erdrückt wird, der auf
Exportprodukte setzt und monetäre Erträge erzielen soll. Wobei Letztere
nur ganz selten den Erzeugern zu Gute kommen.
"Goldener Reis" ist also eine Hightech-Lösung für ein Problem, das die
kommerzialisierte Hightech-Landwirtschaft erst hervorgebracht hat. Das
ließe sich mit einer Fülle weiterer Beispiele belegen. Auf diese Weise
kann man dem ganzen Hype, der um die GMO entstanden ist, die Luft
ablassen - und zugleich der Behauptung entgegentreten, dass
genmanipulierte Produkte völlig ungefährlich seien.
Diese Behauptung ist natürlich unsinnig. Denn kein Mensch kann
garantieren, dass GMO absolut sicher sind. Aber wir können sehr wohl
Beweise dafür verlangen, dass die Risiken der GMO-Produktion geringer
sind als das Risiko, auf diese "Errungenschaft" zu verzichten. Sollten
GMO tatsächlich nötig sein, um die Weltbevölkerung zu ernähren, dürfte
man die vermeintlichen Risiken für die menschliche Gesundheit und die
Umwelt natürlich nicht ignorieren. Sollten sie aber keineswegs nötig sein
- und es sieht ja ganz danach aus - rät uns der gesunde
Menschenverstand, auf Nummer sicher zu gehen und die Finger von solchen
problematischen Neuerungen zu lassen. Warum ein Risiko eingehen, wenn es
letztlich gar nichts bringt?
Damit kommen wir zu unserem zweiten Argumentationsstrang: zu den
tatsächlichen Motiven der massiven GMO-Propaganda und zu dem wichtigsten
Grund, warum man solche Produkte - jedenfalls unter den aktuellen
Gegebenheiten - entschieden ablehnen muss.
Die eigentliche Ursache dafür, dass die moderne Landwirtschaft es nicht
schafft, die Weltbevölkerung zu ernähren, liegt in der schlichten
Tatsache, dass sie das auch gar nicht soll. Wie ich in meinem Buch So
shall we Reap beschreibe, könnte ein System der Landwirtschaft, das
tatsächlich auf Bedingungen wie Landschaft und Bodenbeschaffenheit, der
Pflanzen- und Tierarten sowie auf die realen Bedürfnisse der Menschen
abgestimmt wäre, uns alle prima ernähren. Für ein solches System habe ich
den Begriff "Aufgeklärte Landwirtschaft" geprägt - was nichts anderes
bedeutet als verantwortungsvolles Wirtschaften, das auf bewährten
Verfahren und dem gesundem Menschenverstand beruht.
Doch historisch gesehen war die Landwirtschaft nie danach ausgerichtet,
einfach die Menschen zu ernähren. Sie wurde stets so geformt, dass sie
die herrschende politische und wirtschaftliche Theorie bestätigte. Stalin
schuf seine "Kollektivfarmen" - die im Grunde ländliche Fabriken waren -
um zu beweisen, dass seine Art von Kommunismus klappt. Das Ergebnis
waren Millionen Hungertote.
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), an die von der Europäischen Union so
viel Zeit und Geld verschwendet wurde, ist vor allem aus einem Grund
verfehlt: Sie zwingt die Landwirtschaft, sich einer Politik anzupassen,
deren Ziel die Herstellung einer wirtschaftlichen und politischen Einheit
war, die einigen Industriezweigen (wie der Autobranche) zu Gute kommen
und ein paar hehre Ziele realisieren sollte (etwa das Ziel, Kriege
zwischen europäischen Staaten weniger wahrscheinlich zu machen). Doch
eine solche Landwirtschaftspolitik hat fast nichts mit dem simplen Ziel
zu tun, für qualitativ gute Nahrungsmittel zu sorgen.
Die gesamte Nahrungsmittelproduktion dieser Welt funktioniert heutzutage
gemäß dem Mantra, dass Landwirtschaft lediglich "ein Geschäft wie jedes
andere" sei. Dieser Grundsatz wird auch von der WHO
(Welthandelsorganisation) unterstrichen und bekräftigt. Demnach geht es
nicht etwa darum, die Menschen anständig zu ernähren (das taucht im
offiziellen Zielkatalog schon gar nicht mehr auf). Sondern darum,
Nahrungmittel zu den günstigsten Kosten zu produzieren, eine maximale
Wertschöpfung (über die "Veredelung" von Getreide zu Fleisch) und beim
Verkauf die höchstmöglichen Preis zu erzielen. Um dieser Ziele willen
werden Arbeitskräfte eingespart (normalerweise der größte Kostenfaktor im
agrarischen Produktionsprozess) und durch den Einsatz industrieller
Chemieprodukte (wie Pestizide und Herbizide) und großer Maschinen
ersetzt. Der Herstellungsprozess insgesamt muss also vereinfacht werden.
Da komplexe Arbeiten auf dem Felde auf menschliche Hände angewiesen sind,
konzentriert sich die moderne "Agrarindustrie" auf Monokulturen und eine
intensive "fabrikmäßige" Tierhaltung: Weizen, Gerste, Reis und Soja
werden exklusiv und auf von Horizont zu Horizont reichenden Flächen
angebaut. Und in den USA gibt es schon Schweinefarmen mit Millionen von
Tieren, die man nun auch in Europa plant.
Die Ergebnisse dieser Politik sind in mannigfacher Hinsicht verheerend.
Reduzierte Kosten bedeuten stets erhöhtes Risiko. Die jüngsten Epidemien,
wie Maul- und Klauenseuche oder BSE, wurden durch die kostensparende
Tierhaltung verursacht, die zur offiziellen Politik geworden ist. Noch
gravierender sind jedoch die Auswirkungen auf die Beschäftigung. In der
Dritten Welt arbeiten 60 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft.
Sollte diese überall auf der Welt nach westlichem Muster industrialisiert
werden, werden die meisten dieser Menschen arbeitslos werden. Wenn die
blinden Agrobusiness-Fans behaupten, diese 60 Prozent könnten in den
"neuen" Industrien Beschäftigung finden, so sind sie entweder im
Kopfrechnen schwach, oder sie sind auf ihren vielen Reisen nie aus ihren
Hotelzimmern und Konferenzsälen hinausgekommen.
In Indien zum Beispiel leben eine Milliarde Menschen, davon 600
Millionen auf dem Land. Die viel gepriesene Informationstechnologie, die
angeblich die "neue" Industrie darstellt, beschäftigt höchstens 100 000
Menschen. Damit könnte sie allenfalls einem von 10 000 Bauern Arbeit
geben, die die industrialisierte Landwirtschaft aus ihren Dörfern
vertreiben wird.
Die andere "Wachstumsbranche" ist die Tourismusindustrie. Aber nur ganz
wenige Inder haben das Glück, einen Job als Taxifahrer zu ergattern, und
auch die arbeiten für knapp 15 Euro die Woche. Vielleicht fragt man
einmal bei denen nach, was sie von den "neuen" Industrien halten.
In Großbritannien wurde das Gros der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte
erst Mitte des 20. Jahrhundert freigesetzt, als andere Industriezweige
schon 150 Jahre lang in Blüte standen. Heute will man der Dritten Welt
einreden, sie habe - im Namen des "Fortschritts" und der "Effizienz" -
ihre Landwirtschaft zu rationalisieren, bevor solche
Beschäftigungsalternativen auch nur am Horizont zu ahnen sind. Viele oder
sogar die meisten der Armen und Hungernden in der Dritten Welt sind
ehemalige Bauern oder stammen aus bäuerlichen Familien, die durch die
schon erfolgte landwirtschaftliche Industrialisierung von ihrem Land und
damit ihrem Broterwerb vertrieben wurden.
In diesem Industrialisierungsprozess sind die genveränderten Produkte zu
einem Schlüsselfaktor geworden. Zum Beispiel hat man GMO entwickelt, die
resistent gegen Herbizide sind. Damit lässt sich eine stark vereinfachte
Art von Landwirtschaft betreiben, bei der die Bauern GMO anpflanzen und
dann die Felder mit Herbiziden vollsprühen, sodass nur die
monokulturellen Nutzpflanzen überleben. Und was noch entscheidender ist:
Pflanzenzucht, und damit auch genetisch manipulierte Pflanzenzucht,
funktioniert nur dann profitabel, wenn die Sorten ein globales "Design"
haben, das heißt: wenn sie überall auf der Welt angebaut werden können.
Auch dies ist das genaue Gegenteil von guter Landwirtschaft, die den
lokalen Verhältnissen von Boden, Landschaft und Klima angepasst sein
sollte.
GMO-Produkte bedeuten dagegen, dass Sorten, die vornehmlich für die USA
entwickelt wurden, auch den Bauern in Mittelamerika und Afrika
aufgedrückt und auch dort auf immer größeren Flächen und ausschließlich
monokulturell angebaut werden. Ein weiterer Unterschied: Bei
traditionellem Anbau können die Bauern manchmal (nicht immer) einen Teil
der Ernte abzweigen und als Saatgut ausbringen. GMO-Produkte dagegen
können so entworfen werden, dass sie jedes Jahr neu ausgesät werden
müssen. Sollte der Bauer versuchen, sie zu reproduzieren, kann man sie
aufspüren und den Farmer wegen unerlaubten "Kopierens" verklagen. Das
kommt durchaus vor.
Auf diese Weise werden die Märkte auf GMO eingestimmt, und die
Biotech-Unternehmen werden auf dem Welt-Agrarmarkt schlagartig zum
entscheidenden Faktor. Diese Unternehmen wiederum gehören Großkonzernen -
oder werden von ihnen gehalten -, welche genau die Chemieprodukte
herstellen, auf die die GMO angewiesen sind. Die westlichen Regierungen,
die in der Regel von der Landwirtschaft und ihren Besonderheiten keinen
Schimmer haben, sind total auf ökonomisches Wachstum und die Steigerung
ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) fixiert. Kein Wunder, dass sie die
Großkonzerne unterstützen, die häufig auch die großen Steuerzahler sind.
Ein bombensicheres Geschäft also.
Dies alles kann einen traurig stimmen. Denn tatsächlich könnten ja GMO
durchaus von Nutzen sein. Und etliche potenziell nützliche Projekte sind
auch schon in Planung. Doch das Hauptgewicht liegt eindeutig auf der
GMO-Produktion durch Biotech-Unternehmen, und zwar im Auftrag von Multis,
die ihre industrialisierten, genveränderten Sorten der ganzen Welt
aufschwatzen wollen. Diese Entwicklung muss gestoppt werden. Denn dieses
Konzept basiert auf einem falschen Hype und auf gezinkten Informationen.
Falls sich diese Produkte ungehindert durchsetzen, wird es zu sozialen
Unruhen kommen - und zu Hungersnöten von einer Dimension, die wir uns
heute noch überhaupt nicht vorstellen können.
Published 2004-07-15
Original in English
Translation by Elisabeth Wellershaus
Contributed by Le Monde diplomatique (Berlin)
© Le monde diplomatique
© Eurozine













