Latest Articles


08.02.2012
Ibtissam Bouachrine

Rjal and their queens

The Arab Spring and the discourse on masculinity and femininity

Aware of the West's preoccupation with the situation of women in Muslim countries, Arab media have been careful to show women playing a leading role in the uprisings. But misogyny among the protesters suggests these revolutions will benefit women no more than previous ones. [ more ]

08.02.2012
Eurozine Review

Naive, the hawks would say

08.02.2012
Jonathan Metzger

We are not alone in the universe

08.02.2012
Berthold Franke

Anger at Kohl


New Issues


08.02.2012

Merkur | 2/2012

07.02.2012

Springerin | 1/2012

Bon Travail
07.02.2012

L'Homme | 2/2011

Geld-Subjekte
07.02.2012

Res Publica Nowa | 16 (2011)

The tyranny of opinion
07.02.2012

Arena | 1/2012

På apornas planet [On the planet of the apes]

Eurozine Review


08.02.2012
Eurozine Review

Naive, the hawks would say

"Ny Tid" says that only diplomacy can defuse the Iranian bomb; "NAQD" warns that the Arab revolutions are not as feminist as the West thinks; "Blätter" wants an enquiry into institutional racism in Germany; "Letras Libres" pays its respects to a rare revolutionary; "Arena" asks the bane of the Norwegian far-Right to explain Breivik; "Res Publica Nowa" struggles for objectivity amidst the tyranny of opinion; "Merkur" is still angry with Kohl; Springerin observes how artists lead the market when it comes to precarity; "L'Homme" finds that international development begins in the home; and "Vikerkaar" reads 150 years of Estonian thanatography.

25.01.2012
Eurozine Review

The organized upperworld

11.01.2012
Eurozine Review

A new way to talk politics

21.12.2011
Eurozine Review

"Transparency" in scare quotes

07.12.2011
Eurozine Review

Itching powder for the Left



http://www.eurozine.com/articles/2011-05-02-newsitem-en.html
http://www.n-ost.org
http://www.eurozine.com/articles/2009-12-02-newsitem-en.html
http://mitpress.mit.edu/0262025248
http://www.eurozine.com/about/who-we-are/contact.html

My Eurozine


If you want to be kept up to date, you can subscribe to Eurozine's rss-newsfeed or our Newsletter.

Articles
Share |


Rechtlich ungebändigte Kriege

Der Internationale Strafgerichtshof- Ein Europäisches Projekt

Aus innenpolitischen Interessen weigern sich die USA weiterhin, dem Internationalen Strafgerichtshof beizutreten. Europa muss trotz allem seine Bemühungen um ein verbindliches Völkerrecht vorantreiben, argumentiert Niels Kadritzke.

Den politischen Atlantikgraben hat der US-amerikanische Politikberater und Kolumnist Robert Kagan jüngst so beschrieben: "In den entscheidenden strategischen und internationalen Fragen von heute sind die Amerikaner vom Mars, die Europäer von der Venus." Eine dümmliche Verallgemeinerung, die zahlreichen Widerspruch erregte. In Washington scheint man entschlossen, es Kagan Recht zu machen. Allen voran der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz, der den Europäern bestätigt, was viele vermutet hatten: Die Behauptung, der Irak verfüge über einsatzfähige Massenvernichtungswaffen, sei zwar nur ein Vorwand gewesen, aber nötig, um die Venusmenschen in der eigenen Administration zu überzeugen. Und die Vereinten Nationen? Für den Marsmenschen existieren sie gar nicht mehr, nicht einmal als Adressat für Tricks und Lügen.

Der neue Unilateralismus der Ära Bush hat UN und Völkerrecht abgehakt. Wo die UN-Charta der Souveränität der USA im Wege ist, wird sie ignoriert oder gebrochen. Der Kern des Völkerrechts ist das ius ad bellum, die Frage nach dem Recht zum Kriege. In der nationalen Sicherheitsdoktrin vom September 2002 hat Washington dieses Recht ganz neu definiert: als souveräne Selbstermächtigung zum Präventivkrieg, und nicht nur zur Abwehr von Terroristen.

Der Berliner Historiker Heinrich August Winkler sieht in der neuen US-Doktrin einen revolutionären Akt: "Die größte Errungenschaft in der Geschichte des Völkerrechts, die Ächtung des Angriffskriegs, ist von der stärksten Militärmacht der Welt außer Kraft gesetzt worden."Auf der Ächtung des Angriffskrieges basierte der Nürnberger Prozess gegen die Nazi-Kriegsverbrecher - ein Zusammenhang, den Bush in seiner Rede in Auschwitz nicht erwähnte. Denn der Internationale Strafgerichtshof (ICC), gegen den seine Regierung einen Präventivfeldzug führt, ist eine Fortentwicklung des Nürnberger Tribunals.

Der ICC ist für die Ahndung von Verbrechen zuständig, die gegen das ius in bello, auch humanitäres Kriegsrecht genannt, verstoßen. Die Bush-Regierung will also nach dem Präventivkriegsverbot mit dem ICC die zweite Säule des internationalen Rechtssystems kippen. Da die Gründung nicht zu verhindern war, soll zumindest kein Amerikaner vor dem Internationalen Strafgerichtshof erscheinen müssen. Bisher hat Washington von 35 Staaten die Zusage erhalten, dass sie keine US-Bürger an den ICC überstellen werden.

UN-Charta wie ICC sollen verhindern helfen, dass Krieg als Mittel der Politik wieder denkbar oder gar selbstverständlich wird. Dadurch fühlen sich die USA in der freien Entfaltung ihrer Souveränität behindert. Ihre neue nationale Sicherheitsdoktrin besagt, dass keine Macht die militärische Schlagkraft der USA auch nur annähernd erreichen dürfe, weshalb die eigenen Waffensysteme ständig optimiert werden müssten. Für diesen Zweck ist der Ernstfall eine willkommene Sache. Ein Krieg gegen eine morbide Armee bot unter anderem die einmalige Chance, bei geringen eigenen Verlusten das Zusammenspiel der intelligenten Waffensysteme zu testen. Um das eigene Risiko und die eigenen Opfer zu minimieren, ist es nötig, dass die eigene Kriegsführung durch das ius in bello möglichst wenig eingeschränkt wird. Wenn im Kosovokrieg die Bomben aus großer Höhe fielen, verringerte das das Risiko für die Piloten und erhöhte jenes für die Zivilbevölkerung. Das humanitäre Kriegsrecht verbietet Kampfmethoden, "die unnötiges Leiden oder vermeidbare Verletzungen" verursachen. Das gilt auch und gerade für Clusterbomben, die im Irak ebenso eingesetzt wurden wie völkerrechtlich geächtete Minentypen. Kein Wunder, dass die USA die Einklagbarkeit des humanitären Kriegsrechts vor dem ICC scheuen. Zudem wird ein Staat, der sich der Kontrolle durch das ius in bello entzieht, leichter in den Krieg ziehen. Der US-Historiker Michael Byers argumentiert: Wo der rechtlich ungebändigte Einsatz von Hightech-Waffen die eigenen Opfer minimiert, ist ein Krieg innenpolitisch leichter durchzusetzen. Daher sei für manche US-Politiker "ein Krieg nicht mehr das hochriskante letzte Mittel, sondern eine attraktive Option zur Durchsetzung außenpolitischer Ziele".

Byers liefert damit eine plausible Erklärung für den Feldzug der Bush-Regierung gegen den Internationalen Strafgerichtshof. Doch die Europäer, die diesen Feldzug als Bedrohung empfinden, sollten ihr Eintreten für das geltende Völkerrecht nicht aus einer exklusiven oder kerneuropäischen Identität begründen. Was sie schützen wollen, galt auch in den USA einmal als Kern der "westlichen Wertgemeinschaft". Die Bush-Administration versucht derzeit in Europa, feste Verbündete für ihre "Koalition der Willigen" gegen den ICC zu gewinnen. Rumänien und Albanien haben sich bereits verpflichtet, keine US-Bürger an den ICC zu überstellen. Bulgarien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Mazedonien stehen unter Druck, dasselbe zu tun. Wenn der US-Botschafter in einem Brief an die Zagreber Regierung betont, man habe 19 Millionen Dollar Militärhilfe beiseite gelegt, und nach einer "beiderseits akzeptablen bilateralen Vereinbarung" werde man dafür sorgen, "dass diese wichtige US-Militärhilfe weiter fließen" könne, wird deutlich, auf welche Weise die Länder genötigt werden. Den Bulgaren stellt das Pentagon US-Stützpunkte in Aussicht, die aus ökonomischen Gründen höchst willkommen sein dürften.

Der US-Präventivkrieg gegen den ICC ist eine direkte Herausforderung an die EU. Wenn die Union verhindern will, dass mögliche Beitrittsländer ihre Position zum humanitären Völkerrecht konterkarieren, muss sie unverzüglich eine klare Haltung beziehen. Der ICC ist ein politisches Projekt, das maßgeblich von den EU-Staaten vorangetrieben und durchgesetzt wurde, dennoch hat die EU ihre Position bislang nicht klar genug formuliert. Zwar hat sie im September 2002 die bilaterale Vereinbarung Rumäniens mit den USA als völkerrechtswidrig zurückgewiesen, aber diese Position ist angesichts des Drucks aus Washington unzureichend. Was fehlt, ist eine rechtliche Form, die alle Mitglieds-, Beitritts- und Kandidatenländer auf eine gemeinsame Position verpflichtet. Deshalb müsste man in die (für alle verbindlichen) "Kopenhagener Kriterien" das Verbot von Ausnahmeklauseln einarbeiten, oder besser noch: in dem EU-Verfassungsdokument, das noch 2004 verabschiedet werden soll, die verbindliche und lückenlose Zusammenarbeit mit dem ICC festschreiben. Damit wäre das künftige Europa verpflichtet, das ius in bello auch gegen die Erosionsbemühungen der USA zu schützen.

Ein solcher Schritt würde der Polarisierung zwischen "Kerneuropäern" und "Atlantikern" keinen Vorschub leisten. Denn die künftige Rolle des ICC wird auch in den USA kontrovers erörtert. Die Coalition for the International Criminal Court, der über tausend Nichtregierungsorganisationen der USA angehören, hat der EU ausdrücklich gedankt, "dass sie die von den USA vorgeschlagenen, gegen das ICC gerichteten Vereinbarungen als unvereinbar mit dem Völkerrecht ablehnt". Im Kampf gegen die Zerstörung des Völkerrechts gibt es keinen Atlantikgraben.


 



Published 2003-07-09


Original in German
Contributed by Le Monde diplomatique (Berlin)
© Le monde diplomatique
© Eurozine
 

Focal points     click for more

The EU: Broken or just broke?

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurocrisis.html
Brought on by the global economic recession, the eurocrisis has been exacerbated by serious faults built into the monetary union. In a new Eurozine focal point, contributors discuss whether the EU is not only broke, but also broken -- and if so, whether Europe's leaders are up to the task of fixing it. [more]

European histories (2): Concord and conflict

http://www.eurozine.com/comp/focalpoints/eurohistories2.html
Broadening the question of a common European narrative beyond the East-West divide. How are contested interpretations of historical and recent events activated in the present, uniting and dividing European societies? [more]

Changing media -- Media in change

Media change is about more than just the "newspaper crisis" and the iPad: property law, privacy, free speech and the functioning of the public sphere are all affected. On a field experiencing profound and constant transformation. [more]

Support Eurozine     click for more

If you appreciate Eurozine's work and would like to support our contribution to the establishment of a European public sphere, see information about making a donation.

Editor's choice     click for more

Katajun Amirpur
Islam and democracy
The history of an approximation

http://www.eurozine.com/articles/2011-12-19-amirpur-en.html
In Iran, official revolutionary dogma has obliged "post-Islamist" philosophers to provide profound justifications for Islam's compatibility with democracy. Katajun Amirpur puts contemporary Iranian thinking on religion and politics in the context of Khomeini-era anti-westernism. [more]

Per Wirten
Where were you when Europe fell apart?

Too many Europeans have too long avoided the question of Europe, says Swedish writer Per Wirten. To prevent the EU from turning into a "post-democratic regime of bureaucrats", intellectuals need to stop mumbling and take the fear of Europe seriously. [more]

Valeriu Nicolae
Change must start from within
Roma integration: EU rhetoric and institutional reality

European member states are answerable to the European Commission regarding the integration of Roma. But what are the chances of national policies succeeding if structural anti-Roma racism exists within European institutions themselves? [more]

Debate series     click for more

Europe talks to Europe

http://www.eurozine.com/comp/europetalkstoeurope.html
Nationalism in Belgium might be different from nationalism in Ukraine, but if we want to understand the current European crisis and how to overcome it we need to take both into account. The debate series "Europe talks to Europe" is an attempt to turn European intellectual debate into a two-way street. [more]

Literature     click for more

Steve Sem-Sandberg
Even nameless horrors must be named

http://www.eurozine.com/articles/2011-09-23-semsandberg-en.html
It is high time to lift the aesthetic state of emergency that has surrounded witness literature for so long, writes Steve Sem-Sandberg. It is not important who writes, nor even what their motives are. What counts is the "literary efficiency". [more]

Literary perspectives
The re-transnationalization of literary criticism

Eurozine's series of essays aims to provide an overview of diverse literary landscapes in Europe. Covered so far: Croatia, Sweden, Austria, Estonia, Ukraine, Northern Ireland, Slovenia, the Netherlands and Hungary. [more]

Behind the headlines     click for more

Mykola Riabchuk
Tymoshenko: Wake-up call for the EU

The EU shouldn't be surprised by the Tymoshenko verdict: its support of anything nominally reformist has been perceived as acceptance of a range of repressions, argues Mykola Riabchuk. [more]

Conferences     click for more

Eurozine emerged from an informal network dating back to 1983. Since then, European cultural magazines have met annually in European cities to exchange ideas and experiences. Around 100 journals from almost every European country are now regularly involved in these meetings.
Changing media, Media in change
The 23rd European Meeting of Cultural Journals
Linz, 13-16 May 2011

http://www.eurozine.com/comp/linz2011.html
The 23rd European Meeting of Cultural Journals took place in Linz, Austria, in May 2011. Under the heading "Changing media, Media in change", the conference explored the challenges and transformations facing media in the wake of the digital revolution. [more]

Multimedia     click for more

http://www.eurozine.com/comp/multimedia.html
Multimedia section including videos of past Eurozine conferences in Vilnius (2009) and Sibiu (2007). [more]


powered by publick.net