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Amerika die Lösung, die Welt das Problem?


Vor kurzem war ich in der Hauptstadt eines jener Länder zu Besuch, die von der US-Regierung neuerdings in einem Atemzug mit Libyen und Kuba genannt werden. Diese Stadt ist außerdem die Hauptstadt eines Landes, das laut Ansicht der USA neuerdings zum alten Europa gehört, im Unterschied zu Albanien oder Rumänien, die neuerdings zum neuen Europa gezählt werden. Sie ist auch die Hauptstadt eines Landes, das bis vor kurzem als der treueste europäische Alliierte der USA betrachtet wurde, da es mehr als jedes andere europäische Land den USA seine jetzige Existenz verdankt.

Kurz gesagt, ich war in Berlin, das, wie wir alle wissen, eine so alte europäische Stadt ist, dass es Zeit hatte, große Teile Europas in Schutt und Asche zu legen, selbst völlig zerstört zu werden, durch eine Mauer geteilt zu werden und aus all dem als die im Schnellverfahren renovierte Hauptstadt des vereinten Deutschlands wiederaufzuerstehen. Gleichzeitig ist Berlin eine so junge Stadt, dass es sich an all das so gut erinnern kann, als wäre es gestern geschehen.

Lange Zeit wurde diese Erinnerung als ein Vorteil für Europa geschätzt, nachdem es unter anderem diese Erinnerung war, die die friedliche Vereinigung Europas denkbar und möglich machte. Es war eine Erinnerung, die sagte: "Kein Konflikt zwischen Europas Ländern darf in Zukunft zu einem Krieg führen". Damit war es eine Erinnerung, die auch sagte (selbst, wenn nur wenige es offen sagten): "Europas Länder können zukünftig nicht gegensätzliche militärische und sicherheitspolitische Interessen haben". Auf alle Fälle war es eine Erinnerung, die über eine lange Zeit die Deutschen weniger geneigt machte, in einen Krieg einzutreten, wofür ihnen viele andere Länder zutiefst dankbar waren.

Diese kleine Neigung hat Deutschland seit ein paar Wochen in den tiefsten Teil der Hölle der außenpolitischen Rhetorik Amerikas platziert, dorthin, wo auch Libyen und Kuba sind.

Warum?

Nun, nicht etwa, weil Deutschland plötzlich noch weniger geneigt zu sein scheint, in einen Krieg einzutreten als bisher; im Gegenteil hat Deutschland eine immer stärkere Bereitschaft dazu gezeigt, sowohl im Kosovo als auch in Afghanistan. Aber auch nicht deshalb, weil sich Deutschlands Sicht auf die Welt und die USA plötzlich geändert hätte.

Was geschehen ist, und es ist unzweifelhaft etwas Dramatisches geschehen, hat sich nicht in Berlin ereignet oder in Deutschland, auch nicht in Frankreich oder Belgien oder in einem anderen Land des alten Europa.

Es hat sich in den USA ereignet. Was sich in den USA getan hat, ist eine dramatische Veränderung in der Art und Weise, die Welt zu betrachten. Mehr noch, es ist ein dramatisches Drängen an die Macht, aus einer historisch tief verwurzelten, aber weitgehend unterdrückten amerikanischen Sicht auf die Welt im Allgemeinen und Europa im Besonderen: Die Betrachtung der restlichen Welt als ein Problem und Amerikas als dessen Lösung.

Vom Glaubenssatz der Bush-Doktrin, dass Amerika durch einen Präventivkrieg die Welt vom Bösen (Terrorismus, Schurkenstaaten, Massenvernichtungswaffen) befreien kann und muss, geht eine deutliche Spur zurück zur Auffassung der ersten puritanischen Kolonisatoren - von Europa als gefallen und von Amerika als gebenedeit. Und zu Thomas Jeffersons Hoffnung, "während die ewigen Kriege in Europa wüten, werden in unserer Welt die Lämmer neben den Löwen schlafen". Und zu Woodrow Wilsons vierzehn Punkten um "die Welt durch Freiheit und Gerechtigkeit zu erlösen." "Wir Amerikaner sind das von Gott auserwählte Volk [...], von dem sich die Menschheit Großes erwartet", schrieb der amerikanische Schriftsteller Herman Melville.

Diese unterschwellig ständig anwesende Strömung in der amerikanischen Selbstsicht ist es, die die USA zeitweise dazu bringt, zwischen dem Impuls, die Welt auf Abstand zu halten und dem Impuls, ein neues Amerika aus ihr zu machen, hin und her zu pendeln, zwischen der Tendenz zum Isolationismus und der Tendenz zur Missionierung. Zwei Pendelschläge, aber ein und dieselbe Strömung.

Die Bush-Administration leitete mit einem kräftigen Pendelschlag Richtung Isolationismus ein (indem sie eine Reihe von internationalen Abmachungen brach), ließ aber das Pendel mit der Schockwelle nach dem 11. September zur Missionierung umschlagen. Während keiner der Pendelbewegungen war es von Bedeutung, was die Welt dachte oder ob sie guthieß, was Amerika sagte und tat. Amerika war die Lösung, die Welt das Problem.

Dies ist also geschehen. Wir haben eine amerikanische Administration bekommen, die nicht bloß die Welt nach ihrem eigenen Kopf umformen will, sondern die auch noch von der Welt verlangt, den Kopf der USA zu dem ihren zu machen. Darüber gib es in den Ländern des alten Europa immer mehr Kopfschütteln. Nicht, weil sie für Terrorismus oder Schurkenstaaten oder Massenvernichtungswaffen sind, sondern weil sie nicht wie George W. Bush oder Donald Rumsfeld oder Paul Wolfowitz oder John Ashcroft oder einer jener anderen messianischen Gesellschaftsumformer denken können, die die Macht in den USA ergriffen haben und nun ein Texas aus dem Irak und ein Amerika aus dem Nahen Osten zu formen gedenken.

Was für die Länder des alten Europa denkbar ist, ist ein Krieg als ein letzter Ausweg, um einen Angriff mit Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Was für sie nicht denkbar ist, ist ein Krieg, um die Welt umzugestalten. Aus Erfahrung wissen die Länder des alten Europa, wie schwer es ist, die Welt umzugestalten, wie kostspielig und wie blutig. Und wie wirkungslos, weil nur von kurzer Dauer.

Vermutlich weiß Deutschland darüber besser Bescheid als sonst ein Land. An einem Konferenztisch in einem geschichtsträchtigen Gebäude in Berlin höre ich, wie sich der frühere Bürgermeister von Hamburg, Klaus von Dohnanyi fragt, weshalb die Amerikaner sich dazu entschieden haben, mit Hilfe von Beleidigungen Salz in die Wunden nach Gerhard Schröders unkluger Fixierung der Position der Deutschen in der Irak-Frage zu streuen. Weshalb sie statt dessen nicht vorziehen, ein, zwei diplomatische Türen zu öffnen.

Er hätte sich auch wie die New York Times vor kurzem (11.2.2003) fragen können, weshalb die Bush-Administration eine derart leichtsinnige und destruktive "mit-uns-oder-gegen-uns"-Einstellung einigen ihrer wichtigsten Alliierten gegenüber an den Tag legt.

Die Antwort darauf ist, dass etwas Neues, das tatsächlich etwas sehr Altes ist, in Amerikas offizieller Sicht von sich selbst und der Welt spürbar geworden ist.

"Amerika ist Gottes letzter Versuch, die Menschheit zu retten", schrieb Ralph Waldo Emerson.

Amerika muss in den nächsten drei Wochen damit beginnen, die Menschheit zu retten (danach wird es zu warm), sagt George Walker Bush.

Die Menschheit ist nicht überzeugt.


 



Published 2003-02-18


Original in Swedish
Translation by Sandra Nalepka
© Göran Rosenberg
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