Latest Articles


28.11.2008
Anatolij Podol's'kyi

A reluctant look back

Jews and the Holocaust in Ukraine

While Ukraine's official politics of remembrance omits Jewish heritage, private individuals and organizations are trying to integrate Jewish culture and history into Ukrainian identity. This process demands the recognition of Ukrainians' share of responsibility for the Shoah. [ more ]

27.11.2008
Delphine Bechtel, Michael Brenner, Frank Golczewski, Francois Guesnet, Rachel Heuberger, Cilly Kugelmann, Anna Lipphardt

Remembrance as balancing act

27.11.2008
Micha Brumlik

From obscurantism to holiness

27.11.2008
Katrin Steffen

Disputed memory

27.11.2008
Vytautas Toleikis

Repress, reassess, remember


New Issues


Eurozine Review


18.11.2008
Eurozine Review

The malady of infinite aspiration

"Esprit" watches market prophecies self-fulfil; "Blätter" calls off the bets in the financial casino; "Mute" refutes the received wisdom about inflation; "Dilema veche" notes how the financial crisis is reimposing the East-West divide; "New Humanist" turns to Durkheim to make sense of the depression; "Wespennest" doesn't give in to resignation; "Le Monde diplomatique" (Berlin) enters the belly of the piggy bank; "Vikerkaar" heeds cultures' anthropophagic appeal; "Dialogi" warns of a cultural wasteland in Maribor; and "Kritika & Kontext" returns a lost son to Bratislava.

04.11.2008
Eurozine Review

Neither man nor woman nor dog nor cat

21.10.2008
Eurozine Review

The greed of others

07.10.2008
Eurozine Review

A savage joke

16.09.2008
Eurozine Review

Graphic and explicit



http://www.blaetter.de/usa2008.php
http://xwords.fr
http://www.atlas-der-globalisierung.de
http://www.readme.cc
http://www.kakanien.ac.at
http://www.eurozine.com/about/who-we-are/contact.html

My Eurozine


If you want to be kept up to date, you can subscribe to Eurozine's rss-newsfeed or our Newsletter.

Articles

"Blood, sperm and tears"

Sexuelle Gewalt in Kriegen

Durch die Behandlung von sexueller Gewalt vor dem Kriegsverbrechertribunal und dem Mut der Opfer, das Schweigen über die Taten zu brechen, gerät eine stillschweigende gesellschaftliche Übereinkunft ins Wanken, nach der sexuelle Gewalt in Kriegen nicht als Kriegsverbrechen, sondern als marginale Begleiterscheinung einer durch den Krieg verursachten Verrohung zu betrachten sei.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Februar 2001:

Brigadegeneral Tono Suratnam soll in Ost-Timor wenigstens eine Frau vergewaltigt haben. Suratnam, der jetzt in Jakarta Dienst macht, war von Juni 1998 bis August 1999 Kommandeur in Ost-Timor. Bevor die Timorer in einem Referendum am 30. August 1999 für die Unabhängigkeit von Indonesien stimmten, hatten Soldaten und Polizisten Jakartas ... dort Tausende von Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen ... Die Vergewaltigung, derer der General verdächtigt wird, war eine bei den indonesischen Streitkräften verbreitete Taktik, um aufrührerische Provinzen im größten Inselreich der Welt unter Kontrolle zu halten. In Ost-Timor gab es 'Vergewaltigungshäuser', etwa das ehemalige 'Tropical Motel' in Dili, wo noch nicht einmal achtzehn Jahre alte Frauen als 'Sexsklavinnen' für Soldaten aller Ränge gehalten wurden...

Esmeralda Boe und Morta Abu Bare stammen aus Ost-Timor. Sie könnten die Großmütter dieser nicht mal achtzehnjährigen Mädchen sein. Beinahe zeitgleich berichteten sie im Dezember 2000 vor dem Internationalen Tokioter Tribunal zu den sexuellen Gewaltverbrechen der japanischen Militärs während des Zweiten Weltkriegs,[2] was ihnen vor mittlerweile mehr als fünfzig Jahren, sie waren noch Kinder, angetan worden war. Die Japaner hatten schätzungsweise 200 000 Mädchen und Frauen aus verschiedenen Ländern es ostasiatischen Raums an die Kriegsschauplätze verschleppt, um für den "comfort" ihrer Soldaten zu sorgen. Comfort, japanisch: jan, meint Trost, Wohlergehen, Erleichterung. Im englischen Wörterbuch findet sich ein weiterer Terminus: "soldier's comfort", übersetzt: Liebesgaben - ein Hinweis darauf, daß die Praxis, Soldaten mit gewaltsam erzwungenem Geschlechtsverkehr zu versorgen, keine japanische Erfindung ist.

Die japanische Regierung setzt auf Zeit, mit der zum Geschichte gewordenen Phänomen werden soll, wofür man bis heute nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Der Spielraum für eine solche Strategie wird indes enger. Nicht nur das erwähnte Tokioter Tribunal, sondern auch die öffentlich wahrgenommene Berichterstattung der UNO zu den gegenwärtigen Ereignissen in Ost-Timor und vor allem die Den Haager Urteilsfindung und der -spruch im sogenannten Foca-Prozeß [3] im Februar 2001, nach der Vergewaltigungen als Kriegsverbrechen zu ahnden sind, deuten darauf hin, daß er an nahezu allen gegenwärtigen und vergangenen Kriegsschauplätzen[4] auffindbaren sexuellen Gewalt gegen Frauen mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Sexuelle Gewalt gegen Frauen wird offenbar erst dann zum Gegenstand öffentlicher Debatten, wenn Frauen, denen sie widerfahren ist, Gelegenheit bekommen, darüber zu reden. Bis Ende der 60er Jahre galt, daß das Reden von Vergewaltigung mehr oder weniger von weiblich-hysterischen Phantasien durchsetzt sei, der Tatbestand von Frauen bewußt oder unbewußt herbeigeführt oder von einzelnen Kranken oder Kriminellen begangen werde.[5] Anfang der 70er Jahre setzten feministische Autorinnen wie Susan Brownmiller, Germaine Greer, Susan Griffin und Kate Millett diesen gängigen Auffassungen eine radikal andere Sicht entgegen. Mit Titeln wie Gegen unseren Willen (Brownmiller), Sexus und Herrschaft (Millett), Rape: the All American Crime (Griffin) verwiesen sie auf das Ausmaß der im Alltag regelmäßig vorkommenden Vergewaltigungen und auf die Funktion sexueller Gewalt, die hierarchischen Geschlechterverhältnisse in Friedens- wie in Kriegszeiten zu stabilisieren. Empirisch unterstützt wurden die Autorinnen durch die Berichte von Frauen, die im Zuge der Frauenbewegung ermutigt worden waren, ihre Erfahrungen offenzulegen. 1971 schlußfolgerte Susan Griffin:

Vergewaltigung ist ein Akt der Aggression, in dem dem Opfer das Recht auf Selbstbestimmung abgesprochen wird. Sie ist ein Akt der Gewalt, der, wenn auch nicht immer von Schlägen begleitet und mit der Tötung des Opfers endend, grundsätzlich eine tödliche Gefahr in sich birgt. Und schließlich ist Vergewaltigung eine Form des Massenterrorismus, denn die Opfer von Vergewaltigungen werden willkürlich ausgewählt.[6]

In den 80er Jahren konzentrierte sich die Diskussion auf die kulturellen Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit, die der oben konstatierten Herrschaftsbeziehung zwischen den Geschlechtern zugrunde liegen.[7] Es wurde die Kategorie "Gender" (soziale Geschlechtsidentität) in Abgrenzung zu "Sex" (biologisches Geschlecht) eingeführt und danach gefragt, wie aus anatomischen Unterschieden angeblich eine natürliche und ahistorische Herrschaftsbeziehung abgeleitet wird.[8] Miriam Engelhardt argumentiert, daß aus der Vorstellung, der Mann habe einen Körper, die Frau hingegen sei Körper, folge, daß der Mann als Subjekt ein Verhältnis zu seinem Körper habe, ihn beherrschen, manipulieren oder als Instrument und Waffe einsetzen könne, während die Frau mit ihrem Körper zusammenfalle, ihr Wesenskern im Innern des Körpers vermutet werde. Männer können verletzen, während Frauen als verletzbar gelten. Weibliche Sexualität muß geschützt werden, weil man sie rauben kann, als sei sie ein eigenständiger Körperteil. Mit der Zuweisung von Verletzungsmacht an den Mann und Verletzungsoffenheit an die Frau wird der Status der Frau als Opfer und der des Mannes als Beschützer zur naturgegebenen Konstante.[9] Kenntlich zu machen, daß es sich um kulturelle Konstruktionen handelt, führt jedoch nicht dazu, deren Wirkungsmacht in der sozialen Realität, die sich an realen Körpern entfaltet, einzuschränken, gibt aber einen anderen Blick frei. Mythen und Erzählweisen, in die Genderkonstruktionen eingeschrieben sind, wie die, der zufolge Männer in Kriegen die eigenen Frauen verteidigen oder die der Feinde "erobern" und ihnen beides zur Ehre gereiche, lassen sich mit ihrer Hilfe überprüfen: Gegen was verteidigen Männer ihre Frauen, wie gehen die Eroberungen von statten und worin besteht ihr Zweck?

Wenn nun seit Mitte der 90er Jahre der sexuellen Gewalt im Krieg mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, so vor allen Dingen deshalb, weil Zeuginnen aus dem ehemaligen Jugoslawien und den Ländern, aus denen die Japaner die "comfort women" zwangsrekrutiert hatten, von engagierten Frauen unterstützt und ermutigt, reden.

Die Zeuginnen wenden sich an eine männliche und weibliche Öffentlichkeit, der sie ihre Erfahrungen als Kriegserfahrung präsentieren. Das ist nicht selbstverständlich, denn

obwohl Frauen von Kriegen - zwar nicht in derselben - aber in gleicher Weise betroffen sind wie Männer, sind sie in unserer Kultur nicht authorisiert über Krieg und Militär zu reden. Nach Kriegen wird - wie die Geschichtsschreibung zeigt - männliche, nicht aber weibliche Kriegserfahrung in das kulturelle Gedächtnis aufgenommen".[10]

Weibliche Erfahrungen werden in eine Grauzone des Privaten verbannt.
Kriegerische Kampfhandlungen werden nicht ausschließlich zwischen sich feindlich gegenüberstehenden Soldaten ausgetragen, sondern richten sich gezielt gegen die Zivilbevölkerung - gegen Frauen, Kinder und alte Menschen. Bis zu den Kriegen in Ex-Jugoslawien wurde nicht systematisch auf die Frage eingegangen, welcher Art die Kampfhandlungen sind, die gegen die weibliche Zivilbevölkerung angewandt werden. So ist zum Beispiel der Angriff der japanischen Armee auf Nanking als "Rape of Nanking" in die Geschichte eingegangen. Darüber, daß es sich nicht um eine metaphorische, sondern um eine tatsächliche massenhafte Vergewaltigung und Ermordung von Frauen gehandelt hatte, und was diese Form der Gewaltausübung über die Art der Kriegsführung aussagt, wurde erst in den vergangenen Jahren ansatzweise nachgedacht.[11] Die Berichte von Frauen verweisen darauf, daß die Anwendung sexueller Gewalt regelhafter Bestandteil von Kampfhandlungen war und nicht naturwüchsige Begleiterscheinung des "Ausnahmezustands" Krieg, daß sexuelle Demütigungen, Zwangsprostitution, Vergewaltigungen und Massenvergewaltigungen in die Planung der Kriegsführung eingingen, so unterschiedlich die Motive der einzelnen Soldaten, diese Form von Gewalt auszuüben, auch gewesen sein mögen. Während des Tokioter Tribunals fand auch ein "Public Hearing on Crimes against Women in recent Wars and Conflicts"[12] statt, auf dem Frauen aus verschiedenen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas berichteten. Es gelang den Frauen, das, was sie erlebt haben, sehr genau zu beschreiben, ungeachtet der Schwierigkeit, ein angemessenes Vokabular zur Schilderung der Vorgänge zu finden.[13] Es liegen noch keine vergleichenden Untersuchungen vor, die sich der Frage widmen, wodurch sich die Ausübung sexueller Gewalt in unterschiedlichen Kriegstypen und an unterschiedlichen Schauplätzen mit ihren jeweils unterschiedlichen historischen und kulturellen Hintergründen unterscheidet. Die Aussagen der Frauen aus diesen unterschiedlichen Ländern und Kontinenten verweisen zunächst auf gravierende Übereinstimmungen.

Die Koreanerin Kim Young Suk, eine er ehemaligen "comfort women", beschreibt, wie der japanische Offizier Nakamora sie behandelte:

'Du koreanisches Mädchen, du siehst hübsch aus, laß uns ein bißchen Spaß haben.' Aber ich war erst zwölf Jahre alt und hatte keine Vorstellung davon, was 'laß uns ein bißchen Spaß haben' meint. Nakamora holte seinen Penis raus, und er zog mich aus, und ich fürchtete mich so. Er nötigte mich, mich auf den Boden zu legen und verletzte mich mit seinem Bajonett, und ich blutete. Er zog mir die Hose aus und vergewaltigte mich, bis ich blutete.[14]

Wir können aus diesem Bericht schließen, daß der Offizier Nakamora an beidem gleichermaßen "Spaß" hatte, an der körperlichen und verbalen Grausamkeit wie an dem sexuellen Akt der Penetration. Das System der "comfort stations" wie der Militärbordelle anderswo war ein System der sexuellen Sklaverei, in dem die Frauen nicht nur sexuell ausgebeutet, sondern auch schwer mißhandelt und nicht selten getötet wurden. Christa Paul weist darauf hin, daß der Begriff Zwangsprostitution eher dazu angetan ist, den Charakter dieser Gewaltanwendung zu verschleiern, weil in ihm ein Rest an Eigenbeteiligung der Frauen anklingt, den der Offizier hier auf zynische Weise abfordert.[15] Die Soldaten, die sich der Mädchen "bedienten", standen Schlange vor der "comfort station",[16] wußten mithin, daß sie sich an einer Art von Massenvergewaltigung beteiligten. Wie in diesem Fall das Bajonett, benutzen Soldaten häufig ihre Waffe, um Frauen während einer Vergewaltigung zu mißhandeln. Joanna Bourke verweist auf die Rolle, die das Bajonett in der militärischen Ausbildung spielt:

More robust forms of military training had to be used to encourage men to hate. During the First World War, Second World War, and (even) the Vietnam War, the bayonet drill was, as we have seen, widely used to 'awaken savage instincts'.[17]

Eine algerische Zeugin berichtet aus dem Jahr 1995 von der fundamentalistischen Praxis der "mutaa marriage ", der "Vergnügungsehe auf Zeit", eine Umschreibung, die, ähnlich wie Nakamoras Rede vom "Spaß", möglicherweise die Unterstellung enthält, daß der Gewaltakt auch dem Opfer neben dem Schmerz und der Angst Vergnügen bereite:

Sie bedeckten mein Gesicht, und ich konnte nichts sehen. Sie forderten mich auch auf, sie nicht anzusehen. Sie schrien mich an: 'Du solltest dich schämen!' Sie vergewaltigten mich nacheinander und brüllten übles Zeug. Ich schrie, meine Kinder konnten mich hören, aber sie konnten nichts tun. Sie vergewaltigten mich. Mein Körper blutete von all den Schlägen. Aber das irritierte sie nicht. Sie fuhren fort, mich zu schlagen und zu verletzen, während sie mich vergewaltigten.[18]

Hier gehen Vergewaltigung und Schläge mit Gesten demonstrativer Demütigung einher, wie sie auf ähnliche Weise von Zeuginnen aus unterschiedlichen Kriegsschauplätzen - das Bedecken des Gesichts oder Verbinden der Augen, die erzwungene Zeugenschaft oder gar Beteiligung von Angehörigen, zum Beispiel von Vätern, die gezwungen wurden, ihre Töchter zu vergewaltigen - immer wieder berichtet werden.

Eine Zeugin aus Burundi wurde 1999 zunächst Opfer von Rebellen und nachfolgend von Soldaten der staatlichen Armee, von denen sie Hilfe erwartet hatte:

Sie banden mich wie Jesus am Kreuz mit Armen und Beinen an vier Bäumen fest. Ich zitterte, ich weinte, betete zu Gott. Eine Person küßte jeden Teil meines Körpers und beachtete dabei weder mein Weinen noch den Versuch, meiner Wut laut Ausdruck zu verleihen. Er penetrierte mich schweigend mit einem Penis, so hart, daß ich dachte, er benütze ein Messer. Er ejakulierte auf meinen Körper, und ich mußte mich wieder übergeben. Die erste Person ließ von mir ab, und ich hoffte, in den nächsten Minuten tot zu sein. Dann machte der zweite das gleiche mit mir. Er hielt mir vor, daß meine ethnische Gruppe ihm und seiner Familie so viele schlimme Dinge angetan hätte und daß er bis zu seinem Tod jedem, den er anträfe, das gleiche antun werde. Schließlich ließen sie mich nach ein paar Tagen wissen, daß sie mich zu 'meinen Brüdern', sie meinten die Soldaten der Regierung, bringen würden. Ich dachte bei ihnen Schutz zu finden, aber einer fragte, ob ich Sex haben wolle mit ihm, und wenn nicht, würden sie mich zu den Rebellen zurückbringen. Er fesselte mich, wie die anderen es getan hatten, und vergewaltigte mich ... die zweite Person erschien und die dritte ... [19]

Die aufgezwungenen Gesten der Zärtlichkeit scheinen die Lust der Täter ebenso zu steigern wie die Rede von Rache während der Mißhandlung und die Gewißheit, das Opfer mit der Übergabe an die vermeintlichen Beschützer weiteren Mißhandlungen auszusetzen.

Eine Zeugin aus Bangladesch schildert die Entdeckung, daß sie mit Lust gequält wird, als Steigerung des Schreckens:

Auf einmal bemerkte ich, daß sie mich mit Lust ansahen. Ich habe diesen Ausdruck so oft gesehen. Ich begann mich zu wehren, sie schlugen mich. Offiziere der pakistanischen Armee, Bengalen und Nicht-Bengalen, die die Armee unterstützten, quälten mich während der gesamten Dauer des Kriegs. Zwei Massenvergewaltigungen habe ich erlebt.

Sie betont: "Ich bin nicht nur ein Opfer von Vergewaltigung und Gewalt. Ich bin Zeugin der Greueltaten, die die pakistanische Armee und ihre Kollaborateure während des Kriegs 1971 begingen",[20] und benennt damit möglicherweise ein weiteres Motiv für ihre Mißhandlung. In Bangladesch wurde, wie später auch aus Bosnien berichtet, gezielt vergewaltigt, um die Frauen zu schwängern - eine Kriegsstrategie, über die seit einigen Jahren auch in der internationalen Rechtsprechung diskutiert wird.[21]

Wenn sich aus diesen Aussagen auch noch nicht eindeutig schlußfolgern läßt, ob die Täter die Penetration lediglich als Steigerung einer körperlichen Mißhandlung vollziehen oder diese die sexuelle Erregung hervorbringt und in besonderer Weise steigert, so ist, scheint mir, für die Frauen die Erfahrung entscheidend, daß die Täter zu dem einen oder anderen in der Lage sind und sie, als Feindinnen im Kontext eines Kriegs, gezielt eingesetzte männliche Sexualität als Mißhandlung über sich ergehen lassen mußten. Wo Krieg stattfindet, findet sich auch "das gern verleugnete Stück Wirklichkeit ..., daß der Mensch nicht ein sanftes, liebebedürftiges Wesen ist, das sich höchstens, wenn angegriffen, auch zu verteidigen vermag, sondern daß er zu seinen Triebbegabungen auch einen mächtigen Anteil von Aggressionsneigung rechnen darf." "Infolgedessen", fährt Sigmund Freud fort, "ist ihm der Nächste ... auch eine Versuchung, seine Aggression an ihm zu befriedigen, ... ihn ohne seine Einwilligung sexuell zu gebrauchen, ... ihn zu demütigen, ihm Schmerzen zu bereiten, zu martern und zu töten."[22] Auch Männern,[23] und in diesem Fall in besonderer Weise tabuisiert, in der Regel jedoch Frauen geschieht ebendies in dieser Reihenfolge und Kombination, wenn sie zu Opfern sexueller Gewalt im Krieg werden. Die Kriegsherren wußten, wie Kaiser Hirohito, Oberbefehlshaber der japanischen Armee im asiatisch-pazifischen Krieg,[24] und wissen darum. Es bedarf nicht der Unterstellung, militärische Strategen würden am grünen Tisch konzipieren, wie sich diese "Versuchung" militärisch einsetzen ließe. Gleichwohl läßt sich an vielen Kriegsschauplätzen aufzeigen, daß dieses Phänomen in das militärische Kalkül eingeht und strategisch eingesetzt wird. Was für Japan und Ex-Jugoslawien belegt ist, deutet sich für Nazideutschland, wenn auch noch nicht hinreichend erforscht, an.[25]

Kevin Gerard Neill geht so weit zu konstatieren: "Wie jedes Gewehr oder jede Granate dient Vergewaltigung einem bestimmten militärischen Zweck ... Die Frauen des bekämpften Volks oder der Nation zu vergewaltigen wird Teil der Strategie, sie zu zerstören"[26], ein Übergriff auf den Besitz und die Verfügungsgewalt des männlichen Gegners, der das soziale Gefüge nachhaltig irritiert, den Gegner dehumanisiert und ethnische Identitäten gegeneinander ausspielt.[27] Die beispielsweise auch von Susan Griffin[28] vertretene These, die Vergewaltigung der Frau richte sich in erster Linie gegen den männlichen Feind, verweist darauf, auf welch fundamentale Weise Frauen in einer solchen militärischen Strategie zum Objekt degradiert werden. Der konkrete sexuelle Übergriff auf einen konkreten weiblichen Körper wird ausgeblendet, das Opfer und der Vorgang als solcher verschwinden. Frauen sind jedoch, so Susan Brownmiller, nicht nur Zielscheiben von kriegerischer Gewalt, weil sie zum Feind gehören, sondern weil sie selbst, mit ihren reproduktiven und sexuellen Fähigkeiten und Verwundbarkeiten, der Feind sind. Sie werden vergewaltigt, weil Vergewaltigung die männliche Dominanz und die weibliche Unterordnung befestigen soll. Schließlich und endlich sind sie Zielscheibe, weil sie dafür sorgen, daß das Zivilleben nach dem Krieg weiter funktionieren kann.

Sowohl Griffin als auch Brownmiller folgen der Vorstellung von einem instrumentellen Einsatz sexueller Gewalt, in die jedoch nicht alle die Momente aufgehen, die in den Schilderungen der betroffenen Frauen, aber auch der Soldaten, auftauchen. So läßt sich die Antwort auf die sehr kontrovers diskutierte Frage,[29] ob es sich bei er Anwendung sexueller Gewalt im Krieg um Akte reiner Gewalt, sexualisierter Gewalt oder gewaltsam erzwungener Sexualität handelt, möglicherweise aus den Schilderungen der Betroffenen und der Akteure entnehmen. Die Frage ist deshalb so prekär, weil die Antworten auch Auskunft darüber geben, ob es sich um eine Form von Gewalt handelt, die der "Ausnahmezustand" Krieg hervorbringt und die sich gleichsam zufällig der Sexualität bedient, oder ob im Zivilleben mehr oder weniger ausgeprägte Prädispositionen in der Situation des Kriegs sich auf extreme Weise Ausdruck verschaffen. Rhonda Copelon argumentiert, es ließe sich zwar keine direkte Verbindung zwischen der bewußt und strategisch eingesetzten Vergewaltigung als Kriegswaffe und der Vergewaltigung, wie sie in Friedenszeiten im öffentlichen und privaten Raum stattfindet, ziehen. Krieg steigere aber die Brutalität der Vergewaltigung, mindere die Sensibilität gegenüber menschlichem Leiden und fördere das Gefühl männlicher Überlegenheit. Doch die Trennlinie sei nicht so scharf. Gruppenvergewaltigungen im zivilen Leben zeichneten sich wie die im Krieg dadurch aus, daß sie in der Öffentlichkeit, wiederholt und offen über das Opfer triumphierend, stattfänden. Bei einer Vergewaltigung in der Ehe fände statt, was in Bosnien zu beobachten war: sie sei brutal, werde auf Dauer praktiziert, spreche der Frau die Verfügung über ihre Reproduktionsfähigkeit ab, veranlasse sie möglicherweise, ihr Haus zu verlassen, und sei weit davon entfernt, sozial und juristisch durchgreifend sanktioniert zu werden. Vergewaltigung, wo immer sie stattfände, sei ein Angriff auf die eigene Identität, auf die Selbstwahrnehmung und auf die bis dahin selbstverständliche Gewißheit im eigenen Sein, ein Angriff nicht nur auf den Körper und die körperliche Integrität, sondern auch auf das Sich-Heimisch-Fühlen in einer Gemeinschaft, auf das Vertrauen können in zwischenmenschliche Beziehungen.[30]

Was eigentlich naheliegt, wird dennoch häufig gern übersehen: Die Antwort der Opfer sexueller Gewalt ist eine andere als die der Täter. Die gesellschaftliche Praxis, Vergewaltigung als offenes Geheimnis zu behandeln, als etwas, worüber man spricht, ohne zu sagen, über wen und was man spricht, wehrt nicht nur die Frage nach den Ursachen und Motiven von Vergewaltigungen ab, sie schafft auch eine Atmosphäre von Scham, die den bereits beschämten Frauen zusätzlich aufgebürdet wird, sie isoliert und daran hindert, sich öffentlich gegen das ihnen widerfahrene Unrecht zu wehren. In einer bizarren Verdrehung werden aus ihnen Schuldige, verantwortlich für die verletzte Ehre der Familie oder der Gemeinschaft. Sie müssen befürchten, ausgegrenzt zu werden.

In Tokio berichteten Frauen, wie Maxima Dela Cruz von den Philippinen und Teng-Kao Pao Chu aus Taiwan, wie die Kriegsereignisse ihr Leben zerstört haben: "Wir kehrten weinend nach Hause zurück. Wir konnten niemandem etwas erzählen, oder man hätte uns getötet. Es war so beschämend, und so gruben wir ein tiefes Loch und vergruben es." "Ich habe mein Leben verloren. Ich wurde als dreckige Frau betrachtet. Ich hatte nichts, um mich über Wasser zu halten, und die Aussichten auf Jobs waren extrem gering. Ich habe furchtbar gelitten."[31]

Erst fünfzig Jahre später ist es den Frauen möglich, über das Erlebte zu sprechen. Viele, denen es ähnlich erging, sind inzwischen gestorben, viele haben Selbstmord begangen, viele schweigen bis heute. Sprechen zu können ist aber die Voraussetzung dafür, Gefühle der Wut gegen die Täter wirksam werden zu lassen, Depressionen als normale und nicht als verrückte Reaktionen wahrzunehmen und mit psychischen und physischen Folgebeschwerden aktiv umzugehen - den Status des Überlebenden statt den des Opfers einnehmen zu können. Über traumatisierende Erfahrungen zu reden erfordert Mut: Die Verletzung von Intimität muß öffentlich preisgegeben werden, die Erinnerung kann einen Flashback auslösen, es muß mit erheblichem Widerstand gerechnet werden, damit, daß die Glaubwürdigkeit angezweifelt wird.

Auch Männer reden über ihre Kriegserfahrungen und beschreiben die Deformationen, die sie im Krieg an sich erfahren haben. In seinem Buch Achill in Vietnam. Kampftrauma und Persönlichkeitsverlust[32] beschreibt der amerikanische Psychiater Jonathan Shay die "populäre militärische Kultur, die die Entmenschlichung des Feindes zu einer Notwendigkeit erklärt"[33] und aus Soldaten potentielle "Berserker" macht: "Es war mir völlig egal, ob ich lebte oder starb. Ich wollte Blut sehen. Ich wollte Rache, alles andere war mir egal. Ich konnte mir nicht vorstellen, je nach Hause zu kommen. Da gab's keine Hoffnung ... Nichts."[34] Für Shay sind seine Patienten, durchaus nachvollziehbar, schwer traumatisierte Opfer dieser Art von Kriegführung. Seltsam ausgeblendet bleibt, daß die Soldaten exzessiv gewalttätig gegen Frauen waren, und was dieser Umstand in ihrer Psyche bewirkte. In einer Passage, die er mit "Die besonderen Leiden von Frauen nach der Niederlage" überschreibt, zitiert er eingangs Adrienne Rich:

Vergewaltigung stellt einen Bestandteil des Kriegs dar; aber genauer müßte man es wohl so ausdrücken, daß die Fähigkeit zur Entmenschlichung eines anderen, die die männliche Sexualität so sehr durchdringt, hier vom Gebiet der Sexualität auf das des Kriegs übertragen wird. Das beliebte Lied aus der militärischen Grundausbildung: 'This is my rifle, this is my gun; / This is for killing, this is for fun' ist kein Produkt einer seltsamen Gehirnwäsche, die die wuchernde Phantasie irgendeines Kasernenhofschleifers hervorgebracht hat; es bedeutet vielmehr eine Anerkennung der Tatsache, daß das Anschlagen der Saite der Sexualität in der ... (männlichen) Psyche gleichzeitig mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Saite der Gewalttätigkeit anschlägt und umgekehrt.[35]

Shay überliest die Brisanz des radikalen Statements, indem er als Folge beschreibt, was Rich als Voraussetzung deutet, und - im ganzen Buch - nicht darauf eingeht, was die überwiegend sehr jungen und oft sexuell unerfahrenen GIs zu exzessiven sexuellen Gewalttaten veranlaßt haben könnte:

Gleicherweise fügt der Soldat sich selber lebenslange Schäden zu, wenn er Vergewaltigung oder mit Notzucht verbundenen Mord zum Teil seiner Kriegführung macht ... Die überwältigende Mehrzahl der Frontveteranen, die ich kennengelernt habe, ist sich in schmerzhafter Weise bewußt, daß es ihrem Sexualleben an Intimität, Zärtlichkeit, spielerischen Zügen und leichtem Umgehen miteinander fehlt.

Shay geht nicht darauf ein, daß die Soldaten in Vietnam aktiv eine Form von Sexualität gelebt haben, die schwer mit Gefühlen von Intimität und Zärtlichkeit vereinbar ist, sondern beschreibt einen Flashback von widerfahrenen Schrecken:

Für viele von ihnen ist Sex soviel wie ein Auslöser sich aufdrängender Erinnerungen und Gefühle an und über Vietnam, wie das Geräusch von Explosionen und der Geruch eines Leichnams. Sex und Wut sind so miteinander verflochten, daß diese Menschen sich einen zärtlichen, zwanglosen Sex ohne Wut oft nicht vorstellen können.[36]

In einer mit "Falsche Konkurrenz der Opfer" überschriebenen Passage appelliert er an die Opfer der Opfer:

Man möchte annehmen, daß schwere psychische Schäden unter den verschiedenen Gruppen von Traumatisierten, die Völkermord, politische Folter, Grausamkeiten in der Familie, Inzest, Krieg, mißbräuchliche religiöse Kulte und Zwangsprostitution überlebt haben, zu gegenseitigem Mitleid und Respekt der Betroffenen führen müssen. Unglücklicherweise ist dies jedoch nicht der Fall.[37]

Was in Shays Arbeit ausgeblendet bleibt, benennen die Interviews mit Vietnam-Veteranen in Mark Bakers Nam. The Vietnam War in the Words of the Men and Women who fought there[38] in einer Deutlichkeit, die darauf schließen läßt, wie entlastend es für die Soldaten gewesen sein mußte, über ihre diesbezüglichen Erfahrungen sprechen zu können. Ein ähnliches Motiv mag die ehemaligen japanischen Soldaten dazu veranlaßt haben, vor dem Tokioter Tribunal auszusagen. Wenn gleich einer gemischtgeschlechtlichen Öffentlichkeit[39] vorgetragen, richten sich die Aussagen, so scheint mir, an männliche, nicht an weibliche Rezipienten.

Yoshio Suzuki:

Als Vorgesetzter einer Artillerieeinheit war ich 1944 selbst es, der den Soldaten nach einem Einsatz gestattete, zu tun, 'was immer sie wollten'. In einer Gruppe älterer Frauen stieß ich auf eine etwa Dreißigjährige. Ich schickte die anderen weg - sie versuchte, mir in die Toilette zu entkommen. Sie so zu sehen, steigerte meine sexuelle Erregung. Ich zog sie aus, sie war nackt, und ich vergewaltigte sie brutal, schlug sie mit meinem Gewehr. Sie konnte sich nicht wehren, sie zitterte, ihr Gesicht war weiß, und sie war sprachlos, sie gehorchte mir widerspruchslos.[40]

Er schildert eine erlebte und ausgelebte Konnotation von Gewaltanwendung mit sexuellem Lustgewinn, die, im zivilen Leben offiziell sanktioniert, im Krieg partiell erlaubt war. Sie scheint bei ihm auch heute noch Schamgefühle auszulösen, eine Scham nicht vor den Opfern, sondern vor sich selbst. Möglicherweise wurden die Opfer nach ihrer Vergewaltigung auch deshalb so häufig umgebracht, weil ihre Peiniger sich ihnen in dieser Weise preisgegeben hatten.

Ein Vietnam-Veteran beschreibt, wie "Haß und Frustration" sich an einem vietnamesischen Mädchen in Anwesenheit ihres Vaters entladen:

She was crying. I think she was a virgin. We pulled her pants down and put a gun to her head .. .I was taking her body by force. Guys were standing over her with rifles, while I was screwing her ... Baby-san, she was crying. So a guy just put a rifle to her head and pulled the trigger just to put her out of the picture ... That's what the hatred, the frustration was. After we raped her, we took her cherry from her, after we shot her in the head, you understand what I'm saying, we literally started stomping her body.[41]

Während dieser Schilderung einer Eskalation von Gewalt das Erschrecken über sich selbst deutlich anzumerken ist, ist das lapidare "Nature is nature" möglicherweise als Abwehrversuch gegen ein solches Erschrecken zu werten:

You take a group of men and put them in a place where there are no round-eyed women. They are in an all-male environment. Let's face it. Nature is nature. There are women available. Those women are of another culture, another color, another society. You don't want a prostitute. You've got an M-16. What do you need to pay for a lady for? You go down to the village and you take what you want.[42]

Ein zweiter Zeuge vor dem Tokioter Tribunal, der ehemalige japanische Soldat Yasugi Kaneko, präsentiert eine für die ermordete Frau schreckliche Logik, der er sich unterwarf:

Wir hatten noch die Parole im Kopf: 'Habt mehr Babys, zukünftige Soldaten und Mütter', und als ich ins Schlachtfeld ging, ordneten die Befehlshaber an: 'Tötet die Frauen, tötet die Kinder! Denn als Erwachsene werden sie unsere Widersacher sein!' Ich sollte Kinder töten und konnte selbst dabei jeden Augenblick umkommen, also vergewaltigte ich Frauen. Wenn du Frauen schon umbringen solltest, konntest du sie auch vergewaltigen, nicht wahr.[43]

Der Vietnam-Veteran Sergeant Mac Custer "made love and war":

They were supposed to go after what they called a Viet Cong whore. They went into the village and instead of capturing her, they raped her - every man raped her. As a matter of fact one man said to me later that it was the first time he had ever made love to a woman with his boots on ... But at any rate, they raped the girl, and then, the last man to make love to her shot her in the head.[44]

Militärisches Kalkül, das Gewaltpotential der Soldaten in beschriebener Weise zur Bekämpfung des Gegners frei- und einzusetzen und die Motive der Soldaten, sexuell gewalttätig zu werden, gehen nicht umstandslos ineinander auf, sie können, wie im folgenden, von Joanna Bourke[45] zitierten Fall, auf groteske Weise gegenläufig sein: Während es Massakers von My Lai am 16. März 1968, bei dem Frauen vergewaltigt und auf grausamste Weise abgeschlachtet werden, gerät Leutnant William L. Calley, wie er sich später in seinen autobiographischen Aufzeichnungen "Body Counts" erinnert, außer sich, als er auf den Soldaten Dennis Conti stößt, der eine junge vietnamesische Mutter zum oralen Sex nötigt. Er befiehlt ihm, seine "verdammten Unterhosen" anzuziehen, und überlegt, was ihn an dieser Szene so aufgebracht hat:

Rape: In Vietnam it's a very common thing ... I guess lots of girls would rather be raped than killed anytime. So why was I being saintly about it? Because: if a GI is getting a blow job, he isn't doing his job. He isn't destroying communism ... Our mission in My Lai wasn't perverted, though. It was simply 'Go and destroy it' ... No difference now: if a GI is getting gain, he isn't doing what we are paying him for. He isn't combat-effective.[46]

Dennis Conti, er meinte, sein Recht auf seine Kriegsbeute wahrnehmen und sich sexuell vergnügen zu dürfen, hatte sich geirrt: Erwartet wurde von ihm, seine Fähigkeit zur sexuellen Gewaltausübung "combat-effective" einzusetzen.

Soldaten müssen, idealerweise bereits in der Ausbildung - im Fall Vietnams reichte häufig die Zeit dazu nicht aus[47] -, auf dem Kriegsschauplatz selbst zum Töten trainiert, konditioniert werden. Sie haben möglicherweise Voraussetzungen dazu in ihrer männlichen Sozialisation erworben,[48] aber nicht jeder 18jährige GI kam als Rambo oder als John Wayne zur Army, um zwei der einflußreichsten, wenn auch sehr unterschiedlichen Bezugsgrößen zu nennen, auf die sich beispielsweise die von Mark Baker interviewten Vietnam-Veteranen beziehen. Der amerikanische Professor für System-Management, Frank J. Barrett, hat anhand von Interviews "die Konstruktion hegemonialer Männlichkeit" am Beispiel der US-Marine untersucht,[49] eine Konstruktion, die dazu dienen soll, Soldaten zum Töten zu konditionieren. Daß sich die Vorstellung, gegenüber anderen hegemonial zu sein, über rassistische Ideologien herstellen läßt, wird beachtet und ist als Muster vertraut. Ein Haßtraining,[50] in dem der Gegner zum minderwertigen, bedrohlichen, verachtenswerten anderen degradiert wird, soll die Tötungshemmung beseitigen. Zu untersuchen, was es bedeutet, daß dieser andere, besser gesagt: dieses andere, Minderwertige, Bedrohliche, gegen das es sich abzusetzen gilt, in der Praxis überwiegend weiblich ist und auch der männliche Gegner dabei als weibisch klassifiziert wird, steht dagegen noch aus. Barrett beschreibt, wie die militärische Ausbildung mit Genderkonstruktionen arbeitet. Soldat sein, heißt ein Mann zu sein, und ein Mann zu sein, heißt nicht nur hart, diszipliniert und leistungsfähig, sondern vor allem nicht weiblich zu sein. Der soldatische Jargon ebenso wie der Jargon militärischer Ausbilder ist durchdrungen von Sexismen. Es ist naheliegend, daß sich auf diese Weise ein realer Haß auf Frauen aufbauen kann, der jederzeit und erst recht in Kampfsituationen abrufbar ist. Barrett macht aber auch darauf aufmerksam, daß letztlich

jedes Gendersystem an einem inneren Widerspruch zwischen Ideologie und Praxis krankt ... Wenn beispielsweise das hegemoniale Ideal von Männlichkeit mit einer ausgeprägten Heterosexualität, Unabhängigkeit und Härte assoziiert wird - wie wird männliche Identität dann in einer Organisation hergestellt, die für diese Eigenschaften keine Verwendung hat und es unmöglich macht, sie auszuleben.[51]

Und er beschreibt, wie die interviewten Männer mit diesem Konflikt, die Widersprüche zwischen den Anforderungen es militärischen Alltagslebens - Bereitschaft zur Unterordnung, Ertragen von Abhängigkeit und Gruppenzwang und der als eingeschränkt erlebten Möglichkeit, den hegemonialen Männlichkeitsentwurf ausleben zu können -, umgehen. Sie konkurrieren einzeln darum, die Durchhaltefähigsten zu sein, in Gruppen, zum Beispiel Flieger (in der Hierarchie am höchsten angesiedelt) versus Marines versus Versorgungsoffiziere (auf der untersten Ebene der Hierarchie), darum, die Kampf- und Leistungsfähigsten zu sein, und bestätigen und bestärken sich in ihrer Männlichkeit im Männerbund Militär. Jonathan Shay geht einen Schritt weiter und verweist darauf, daß das Gendersystem auf die Armee übertragen wird: "Ähnlich wie Familien sind auch Armeen Institutionen, die eine Welt schaffen. Beide rufen erfolgreich den Respekt, die Treue, die Liebe, die Bestätigung, die Dankbarkeit und den Gehorsam ihrer neuen Mitglieder hervor."[52] Er beschreibt die Regularien, mit denen in der Familie Armee Abgrenzungs-, Einschließungs- und Unterordnungsprozesse organisiert werden, "ob das neue Mitglied sie nun als wohltätig oder abträglich erfährt".[53] Die Abwesenheit der Frau wird kompensiert durch die innige Beziehung zum Kameraden: "Der Schrecken und die Entbehrung im Kampfeinsatz verbinden die Menschen in einer fürsorglichen Leidenschaft, die das Wort Bruder nur teilweise abdeckt. Im Kampf werden Männer füreinander zu Müttern."[54]

Die Abwesenheit der Frau als Sexualpartnerin, auf die Shay nicht eingeht, wird über ihre Abwertung kompensiert und Sexualität auf Potenz reduziert. In den Erzählungen von Soldaten taucht immer wieder auf, wie der Einsatz der Waffe selbst und das Kampferlebnis zum Mittel werden, sich der eigenen Potenz zu versichern. Bei Mark Baker ist zu lesen: "A gun is a power. To some people carrying a gun constantly was like having a permanent hard on. It was a pure sexual trip every time you got to pull the trigger."[55] Joanna Bourke zitiert: "The experience seemed to resemble spiritual enlightenment or sexual eroticism: indeed, slaughter could be likened to an orgasmic, charismatic experience. However you looked at it, war was a 'turn on'."[56]

Zu untersuchen wäre, ob solche orgiastischen Erlebnisse dazu dienen, die reale Abwesenheit des weiblichen Sexualpartners und damit die Möglichkeit, sich seiner Potenz als vitaler Lebensentäußerung zu versichern, zu kompensieren. Denkbar wäre auch, daß sie dazu beitragen, den Widerspruch auszugleichen, der sich aus der Anforderung ergibt, sich als hegemonial männlich und gleichzeitig als familiär weiblich bewähren zu müssen. Der Rückversicherung der Potenz über den Kampf und den Besitz einer Waffe steht die tödliche Gefahr in der Kampfsituation entgegen. Was auf dem Kasernenhof noch relativ reibungslos funktionieren mag, wird im Kriegseinsatz zur fragilen Angelegenheit. Hier wird die Konfrontation mit der als unmännlich stigmatisierten Angst unausweichlich, die Abhängigkeit von einem verantwortungsbewußten und fähigen Vorgesetzten und einem guten "buddy" existentiell. "Die lebensgefährliche Abhängigkeit des modernen Soldaten von der Institution Militär bei allem, was er zum Überleben benötigt, ist so groß wie die eines Kleinkinds von den Eltern",[57] schreibt Jonathan Shay; eine Abhängigkeit also, die mit Ohnmachtsgefühlen einhergeht, die ebenfalls dem hegemonialen männlichen Selbstbild widersprechen. Die Konfrontation mit in negativer, abgrenzender Absicht als weiblich oder kindlich stigmatisierten Gefühlen wird als Versagen erlebt und kann in Haß auf die gerade in dieser Situation so sehr vermißten Frauen, als Mütter und als Geliebte, umschlagen. Wenn dem so ist, macht folgende zunächst bizarr klingende Aussage eines Vietnam-Veteranen Sinn: "Die US-Armee (in Vietnam) war wie eine Mutter, die ihre Kinder verriet, damit deren Vater sie vergewaltigen konnte, um so ihre eigenen Interessen zu schützen."[58]

Wenn Angst und Abhängigkeit in Wut umschlagen und aus Wut Haß wird, der sich wiederum in Aggressionen entlädt, ist dem Entwurf einer hegemonialen männlichen Identität zumindest partiell wieder Rechnung getragen. Ein Prozeß der Transformation, der individuell schwer zu leisten ist, der einer Gruppe oder einer Bezugsperson (des buddys) bedarf, in der sich die Individuen spiegeln, rückversichern und gegenseitig bestärken können. Einer lebensbedrohlichen Situation ausgeliefert, extrem abhängig voneinander, begehen Soldaten Gruppenvergewaltigungen, versichern sich in der Gruppe ihrer Potenz und ihrer Fähigkeit, sich der weiblich konnotierten Angst zu bemächtigen. Der Double Veteran, der Veteran, der nicht nur Frauen vergewaltigt, sondern auch getötet hat, hat sich bewährt: Er hat die Angst in dieser Art von "SOP"- Standard Operation Procedure - bezwungen. Aus seiner Sicht entsprang der Gewaltakt einer Notsituation, in der er sich befand, eine Sicht, die der Logik im Zivilleben folgt, nach der die Frauen es sind, die eine Vergewaltigung provozieren, wenn sie die Männlichkeit des Täters in Frage stellen. Vielleicht ist hierin begründet, warum sich die Aussagen der Männer nicht an Frauen zu richten scheinen: Frauen sind in dieser Art von Überlebensstrategie als Subjekte ausgeblendet, sind, wie eingangs zitiert, Körper. Der japanische Historiker Yoshimi Yoshiaki beschreibt die Situation der Soldaten, die sich so auch auf anderen Kriegsschauplätzen, beispielsweise Vietnam, wiederfinden läßt und der auch dort auf ähnliche Weise Rechnung getragen werden sollte.

Im japanischen Militär wurden die Soldaten sehr schlecht behandelt und ihre Rechte als Menschen total ignoriert. Mit Andauern des Kriegs befanden sie sich in der zunehmend verzweifelnden Situation, nicht zu wissen, wann dieser Krieg enden würde, der sie von Japan nach China geführt hatte und in dem sie keinen Sinn sahen. Sie wußten nicht, wofür sie kämpften. Ihre negativen Gefühle nahmen ständig zu, und die Befehlshaber befürchteten, daß sich diese Haltung auch unter den Offizieren ausbreiten könnte. Die militärische Administration folgerte daraus, daß man dem mit der Einrichtung von 'comfort stations' Abhilfe schaffen könnte.[59]

Die Logik der Militärs kalkuliert ein, daß die an sich selbst erfahrene Gewalt und Frustration sich in exzessiver, nicht nur sexueller Gewalt gegen Zivilisten entladen könnte. Die Abhilfe, die die "comfort stations" in Japan, die Militärbordelle in Vietnam und an den Kriegsschauplätzen der deutschen Wehrmacht schaffen sollten, bestand nicht darin, potentielle Gewaltentladungen zu unterbinden, sondern zu kanalisieren und zu kontrollieren. Den Soldaten wird sexuelle Machtausübung zugestanden, weil sie dazu beiträgt, die Kampfmoral, die Bereitschaft, Todesangst ertragen und töten zu können, aufrechtzuerhalten.

Die Abhilfe besteht, unabhängig davon, ob der einzelne Soldat sie als solches empfindet, nicht darin, der Frustration ein sexuelles Vergnügen entgegenzusetzen, sondern den Triumph der Potenz über den Tod. Dieser Triumph bestimmt die folgende Szene, in der die Leiche eines Vietcong geschändet wird:

They had propped the corpse against some C-rations, placed sunglasses across his eyes and a cigarette in his mouth, and balanced a 'large and perfectly formed' piece of shit on his head ... I kept my officer's face on, but inside I was ... laughing. I laughed - I believe now - in part because of some subconscious appreciation of this obscene linkage of sex and excrement and death; and in part because of the exultant realization that he - whoever he had been - was dead and I - special, unique, me - was alive.[60]

Da die Bereitschaft zu töten und getötet zu werden, aus Männern potentielle Helden macht, kann das, was sie dazu befähigt, die Rückversicherung ihrer vitalen Potenz, nicht umstandslos negativ sanktioniert werden. Sanktioniert wird, was den militärischen Zielen konträr läuft, und gilt dann als Verbrechen gegen die Ehre. Das Reden über die sexuelle Gewalt, im Alltag und im theoretischen Diskurs, ist selbst ein kultureller und politischer Prozeß, der auf die Sache zurückwirkt. Es wird eingewendet, daß man nicht über Details sexueller Gewalt reden könne, ohne zu riskieren, eine pornographische Rezeption zu provozieren. Der Einwand verweist auf die Notwendigkeit, eben diese Rezeption selbst zu thematisieren und zu skandalisieren und mit der öffentlichen Rede auch über die Details gegenläufige Mythenbildungen und Tabuisierungen wirkungslos werden zu lassen.

Der jüngste Prozeß vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal zum ehemaligen Jugoslawien in Den Haag war in mehrfacher Hinsicht ein Durchbruch. Er war der erste, der sich ausschließlich mit Vergewaltigungen und sexueller Gewalt im Krieg befaßte. Verhandelt wurden schwerste Mißhandlungen muslimischer Frauen in der bosnischen Stadt Foca. Am 22. Februar dieses Jahres verkündete die Vorsitzende Richterin Florence Mumba das Urteil: Die drei Hauptangeklagten erhielten achtundzwanzig, zwanzig und zwölf Jahre Haft.

"Ich wünschte, ich hätte die Ratlosigkeit in den Gesichtern der Männer sehen können, eine Ratlosigkeit, die aus dem Widerspruch erwuchs zwischen dem, was sie glaubten, getan zu haben - und dem, was vom Gericht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft wurde", schrieb Slavenka Drakulic. Sie verweist darauf, daß mit diesem Urteil eine stillschweigende gesellschaftliche Übereinkunft ins Wanken gerät, nach der sexuelle Gewalt in Kriegen nicht als Kriegsverbrechen, sondern als marginale Begleiterscheinung einer durch den Krieg verursachten moralischen Verrohung zu betrachten sei. Der Mut der Zeuginnen, dieses Schweigen zu brechen und sich im Zeugenstand nochmals den erlebten Schrecken auszuliefern, machte die Kehrtwende möglich.

 

  • [1] So überschreibt Gertrud Koch ihren Aufsatz in: October, 72 (1995), S. 27 -42.
  • [2] Women's International War Crimes Tribunal on Japan's Military Sexual Slavery, Tokyo, December 8 - 12, 2000.
  • [3] Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag
  • [4] Überblicke finden sich bei Dorothy Q. Thomas, Regan E. Ralph, Rape in War: Challenging the Tradition of Impunity, in: SAIS, A Journal of International Affairs, Winter-Spring 1994, Volume XIV, Number One; Women's Caucus for Gender Justice (Hrsg.), Public Hearing on Crimes against Women in recent Wars and Conflicts. A Compilation of Testimonies, Tokio und New York 2000.
  • [5] Vgl. dazu Charlene L. Muehlenhar, Sharon Danoff-Burg, Irene G. Powch, Is Rape Sex or Violence? Conceptual Issues and Implications, in: David M. Buss, Neil M. Malamuth (Hrsg.): Sex, Power, Conflict. Evolutionary and Feminist Perspectives, New York 1996.
  • [6] Susan Griffin, Rape: the all-American crime, in: Ramparts 10, No. 3, Sept. 1971, S. 35, Übersetzung G. Z. "Rape is an act of aggresssion in which the victim is denied her selfdetermination. It is an act of violence which, if not actually followed by beatings or murder, nevertheless always carries with it the threat of death. And finally, rape is a form of mass terrorism, for the victims of rape are chosen indiscriminately."
  • [7] Ein Überblick findet sich bei Ruth Seifert, Militär und Geschlechterverhältnisse. Entwicklungslinien einer ambivalenten Debatte, in: Christine Eifler, Ruth Seifert (Hrsg.): Soziale Konstruktionen - Militär und Geschlechterverhältnis, Münster 1999, S. 44 - 70.
  • [8] In Fortsetzung und Abgrenzung von diesen Theorien gehen Theoretikerinnen wie Judith Butler davon aus, daß auch das biologische Geschlecht eine Konstruktion und gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen ist. Die Implikationen, die diese Dekonstruktion von Gender auf den hier behandelten Gegenstand hat, sind bisher noch nicht untersucht. Zum Thema sexueller Gewalt liegen diesbezügliche Arbeiten von Sharon Marcus, René Heberle und anderen vor.
  • [9] Miriam Engelhardt, Vergewaltigung. Zur ordnungsstiftenden Funktion der Thematisierung von weiblicher Verletzungsoffenheit und männlicher Verletzungsmacht, unveröffentlichtes Vortragsmanuskript, Hamburg 2000.
  • [10] Ruth Seifert, a.a.O., S. 48.
  • [11] Vgl. u. a. Iris Chang, Die Vergewaltigung von Nanking. Das Massaker in der chinesischen Hauptstadt am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, Zürich 1999. Chang widmet einen wesentlichen Teil ihrer Untersuchung den Vergewaltigungen und betont, den Titel aus diesem Grund gewählt zu haben.
  • [12] Women's Caucus for Gender Justice (Hrsg.), Public Hearing on Crimes Against Women in recent Wars an Conflicts. A Compilation of Testimonies, Tokio, New York, Dezember 2000.
  • [13] So weist zum Beispiel Hyunah Yang vom südkoreanischen "testimony team" des Tokioter Tribunals darauf hin, daß der Begriff Vergewaltigung den koreanischen Überlebenden zum Zeitpunkt ihrer Vergewaltigung selbst unbekannt war. Joan Ringelheim (Genocide and Gender. A split Memory, in: Ronit Lentin [Hrsg.], Gender and Catastrophe, London 1997, S. 18-35) und Fionnuala Ni Aolain (Sex-based-violence and the Holocaust. A Reevaluation of Harms and Rights in International Law, in: Yale Journal of Law and Feminism, 12/2000, S. 43-84) kommen bei ihren Untersuchungen der Erinnerungsberichte von Holocaust-Überlebenden zu dem Ergebnis, daß eine weitaus differenziertere Sprache gefunden werden muß, um sexuelle Gewalt gegen Frauen angemessen beschreiben zu können.
  • [14] Tonbandmitschnitt der Aussage vor dem Tokioter Tribunal, Übersetzung aus dem Englischen G. Z.
  • [15] Zur Problematisierung dieses Begriffs vgl. Christa Paul, Vergewaltigungslager als Instrument der Kriegsführung, in: Zwangsprostitution von Frauen in bewaffneten Konflikten, Terre des Femmes (Hrsg.), Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzung, Bonn 2001.
  • [16] Abgebildet in: Yoshimi Yoshiaki, Comfort Women. Sexual Slavery in the Japanese Military during World War II, New York 1995, S. 130.
  • [17] Joanna Bourke, An intimate History of Killing. Face-to-Face Killing in Twentieth-Century Warfare, London 1999, S. 153.
  • [18] Public Hearing, a.a.O.; Übersetzung aus dem Englischen G. Z
  • [19] Public Hearing, a.a.O.; Übersetzung aus dem Englischen G. Z
  • [20] Public Hearing, a.a.O.; Übersetzung aus dem Englischen G. Z
  • [21] Vgl. u.a. Anne Tierney Goldstein, Recognizing Forced Impregnation as a War Crime under International Law, Center for Reproductive Law and Policy, New York 1993. Zum Umgang mit den Kindern, die aus solchen Vergewaltigungen hervorgehen, vgl. Charli Carpenter, Surfacing Children: Limitations of Genocidal Rape Discourse, in: Human Rights Quarterly, 22 (2000), S. 428 - 477.
  • [22] Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur, Gesammelte Werke Bd. 14, Werke aus den Jahren 1925 - 1931, 4. Aufl., Frankfurt am Main 1968, S. 20 f.
  • [23] So nach jüngsten Berichten in Tschetschenien, vgl. Lipkan Basajewa, Wer vergewaltigt wird, schweigt. Russische Soldaten mißbrauchen in Tschetschenien auch Männer, in: die tageszeitung, 6. August 2001, S. 6.
  • [24] Was die vor dem Tokioter Tribunal aufgetretenen Experten nachweisen konnten und zum Schuldspruch des Tribunals führte.
  • [25] Vgl. Birgit Beck, Vergewaltigung von Frauen als Kriegsstrategie im Zweiten Weltkrieg?, in: Andreas Gestrich (Hrsg.), Gewalt im Krieg. Ausübung, Erfahrung und Verweigerung von Gewalt in Kriegen des 20. Jahrhunderts, Jahrbuch für Historische Friedensforschung 4, Münster 1996, S. 34 - 50; Insa Meinen, Wehrmacht und Prostitution - Zur Reglementierung der Geschlechterbeziehungen durch die deutsche Militärverwaltung im besetzten Frankreich 1940 - 1944, in: 1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, 14 (1999), S. 35 - 55; Franz Seidler, Prostitution. Homosexualität. Selbstverstümmelung. Probleme der deutschen Sanitätsführung 1939 ­ 1945, Neckargmünd 1977.
  • [26] Kevin Gerard Neill, Duty, Honor, Rape: Sexual Assault Against Women During War, in: Journal of International Women's Studies 2 (2000)1, S. 5; Übersetzung G. Z.
  • [27] Zu der Frage, wie sich diese Ziele jeweils zueinander verhalten, vgl. Rhonda Copelon, Gendered War Crimes: Reconceptualizing Rape in Time of War, in: Julie Peters, Andrea Wolper (Hrsg.), Women's Rights, Human Rights. International Feminist Perspectives, New York, London 1995, S. 63 - 79.
  • [28] Susan Griffin, a.a.O.
  • [29] Vgl. Auswahlbibliographie "Sexuelle Gewalt in Kriegen" in Mittelweg 36 10 (2001), 5, S 21-32.
  • [30] Rhonda Copelon, a.a.O., S. 75 f.
  • [31] Tonbandmitschnitt Tokioter Tribunal, Übersetzung G. Z
  • [32] Jonathan Shay, Achill in Vietnam. Kampftrauma und Persönlichkeitsverlust, Hamburg1998.
  • [33] Ebenda, S. 274
  • [34] Ebenda, S. 93.
  • [35] Adrienne Rich, "Caryatid: Two Columns", in: On Lies, Secrets and Silence: Selected Prose 1966 ­ 1978, New York 1979, S. 114 f., zit. nach Jonathan Shay, a.a.O., S. 188.
  • [36] Jonathan Shay, S. 190.
  • [37] Ebenda, S. 278.
  • [38] Mark Baker, Nam. The Vietnam War in the Words of the Men and Women who fought there, New York 1981.
  • [39] Die zitierten japanischen Soldaten haben vor dem Tokioter Tribunal ausgesagt, die Vietnam-Veteranen der Publizierung ihrer Berichte zugestimmt.
  • [40] Tonbandmitschnitt, Übersetzung aus dem Englischen G. Z.
  • [41] Mark Baker, a.a.O., S. 211.
  • [42] Ebenda, S. 206.
  • [43] Tonbandmitschnitt G .Z.
  • [44] Sergeant Michael Mac Custer, in: 'Vietnam Veterans Against the War', The Winter Soldier Investigation. An Inqiry into American War Crimes, Boston 1972, S. 29, zit. nach Karen Stuhldreher, State Rape: Representations of Rape in VietNam, in: The Viet Nam Generation Big Book, Volume 5, Number 1 - 4, März 1994, vgl. auch Joanna Bourke, a.a.O., S. 191.
  • [45] Joanna Bourke, a.a.O., S. 172 - 175.
  • [46] Zit. nach Joanna Bourke, a.a.O., S. 173.
  • [47] Was dazu führte, daß die, wie bei Mark Baker geschildert, frisch eingetroffenen GIs völlig unvermittelt dazu gezwungen wurden, sinnlose Grausamkeiten zu begehen, wie etwa die Mißhandlung eines bereits toten Vietcongs.
  • [48] Vgl. Thomas Kühne (Hrsg.), Männergeschichte / Geschlechtergeschichte. Männlichkeit im Wandel der Moderne, Frankfurt am Main 1996.
  • [49] Frank J. Barrett, Die Konstruktion hegemonialer Männlichkeit in Organisationen: Das Beispiel der US-Marine, in: Christine Eifler, Ruth Seifert (Hrsg.), Soziale Konstruktionen - Militär und Geschlechterverhältnis, Münster 1999, S. 71 - 93.
  • [50] Vgl. z. B. Joanna Bourke, a.a.O., Kapitel 6, "Love and Hate".
  • [51] Frank Barrett, a.a.O., S. 75.
  • [52] Jonathan Shay, a.a.O., S. 209.
  • [53] Ebenda.
  • [54] Ebenda, S. 90
  • [55] Mark Baker, a.a.O., S. 206.
  • [56] Joanna Bourke, a.a.O., S. 15.
  • [57] Jonathan Shay, a.a.O., S. 35.
  • [58] Ebenda.
  • [59] Tokioter Tribunal, Tonbandmitschnitt G. Z.
  • [60] William Broyles, zit. nach Joanna Bourke, a.a.O., S. 15.


Published 2001-11-27


Original in German
Contributed by Mittelweg 36
© eurozine
© Mittelweg 36

powered by publick.net