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The Arab Spring and the discourse on masculinity and femininity

Aware of the West's preoccupation with the situation of women in Muslim countries, the Arab media have been careful to show women playing a prominent role in the uprisings. But this belies the reality, writes Ibtissam Bouchraine. [ more ]

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"Ny Tid" says that only diplomacy can defuse the Iranian bomb; "NAQD" warns that the Arab revolutions are not as feminist as the West thinks; "Blätter" wants an enquiry into institutional racism in Germany; "Letras Libres" pays its respects to a rare revolutionary; "Arena" asks the bane of the Norwegian far-Right to explain Breivik; "Res Publica Nowa" struggles for objectivity amidst the tyranny of opinion; "Merkur" is still angry with Kohl; Springerin observes how artists lead the market when it comes to precarity; "L'Homme" finds that international development begins in the home; and "Vikerkaar" reads 150 years of Estonian thanatography.

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Die Wut des Infanten


Ein Infant ist ein Kind, aber auch ein Kind, das König sein wird. Der Infant steht auf dem Balkon, der mit rotem Glas verschlossen ist. Die Sonne dringt durch das Glas und lässt das Zimmer aufglühen, das heißt, das Zimmer ist rot, da die Sonne durch das Glas dringt, und das Glas ist rot. Es gibt einen Wandteppich. (Wandteppich: großes, aus Wolle oder Seide gewebtes Tuch, manchmal mit Gold oder Silber durchwirkt, auf dem Bilder kopiert werden; handgemachte Wandteppiche sind am künstlerischsten und wertvollsten. Ein Gobelin ist ein bekannter Wandteppich.) Die Abendbrise erfüllt das Zimmer mit dem Duft von Klematiden (Klematis oder Waldrebe, medizinische Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse - Windröschen, Eisenhut und Pfingstrose - mit einem rötlichen, langen, schlanken, biegsamen, für Kletterpflanzen charakteristischen Stiel). Die Klematiden verströmen einen milden Duft und befinden sich in Vasen aus Opalglas, die, da sie opalen sind, weiß-blau aussehen und schillernd strahlen. Es gibt Vorhänge. Man kann logischerweise annehmen, dass die Vorhänge rot aussehen. Der Infant, das Kind, das König sein wird, sitzt auf seinem Thronsessel (also auf seinem Thron) und trägt einen blauen, mit Lilien geschmückten Anzug. Der Infant blickt durch die rote Glasfront auf eine Gruppe von Kindern, sie spielen auf einer Pappelallee, das ist ein breiter Weg, an dem Pappeln stehen. Das Kind ist blass, seine Wangen gleichen Lilienblütenblättern, und Lilienblütenblätter sind weiß. Seine nervösen Hände haben Finger, die wie Altarkerzen aussehen (Altarkerze: lange Kerze). Die Pupillen des Kindes, das König sein wird, entzünden sich an der Flamme einer Räucherpfanne (Gefäß, um Duftkügelchen zu verbrennen), als es die anderen Kinder auf dem pappelbestandenen Weg spielen sieht. Und da es zwar König sein wird, nichtsdestotrotz aber immer noch ein Kind ist, so scheint es verständlich, dass es aus dem Schloss, in dem es lebt, hinaus will, über die Felder laufen, sich in das Wasser des Flusses stürzen, Wildschweine mit Windhunden (Hund, dessen Oberlippe und Ohren herabhängen, mit kräftiger Schnauze, geradem Rücken, langem Körper und nach hinten gerichteten Beinen) verfolgen, den Jungfrauen Minnelieder singen und mit den anderen Kindern spielen will. Nur zu gerne würde der Infant die edelsteinbesetzte Kette herschenken, die er wie ein Halseisen trägt, um ein freies Leben führen zu können. Der Infant steht auf. Er kann dem Wunsch nicht widerstehen, aus dem Schloss hinaus auf die unendlichen Felder zu gehen. Etwas, das ihm verboten ist, denn auch wenn er ein Kind ist, so ist er ein Kind, das König sein wird. Er stürzt zu Boden, gepeinigt von seinem Verlangen nach Freiheit. Er ruft nach einem Vasallen und reißt sich die edelsteinbesetzte Kette vom Hals, die ein Symbol der Gefangenschaft ist, die ihm sein Stand auferlegt. Sebastián schließt das Buch. Es ist dasselbe, das er aus der Bücherei gestohlen hat, eine relativ neue Ausgabe, Gesammelte Gedichte, und der schöne, klingende Name eines berühmten Menschen oder von jemandem, der den Ruhm verdient. Sebastián ist im Bett. Die Mutter glaubt, er schlafe, da er sich verstellt, wenn er sie vorbeigehen sieht. Sobald sie sich entfernt, steht er auf (in seiner Fantasie natürlich) und setzt sich auf den Thronsessel. Er ist kein Infant, er wird kein König sein. Dennoch ... Da gibt es einen Jungen, der Héctor heißt. Groß, stark, mit rauher Stimme. Obwohl er gleich alt ist wie Sebastián, sieht er älter aus. Er trägt nie ein Hemd und zeigt seine Männerbrust mit den sich deutlich abzeichnenden Muskeln, sie ist so weiß, dass die roten Brustwarzen um so mehr hervorstechen, die voller Leben und von einer immer stärker werdenden Dunkelheit umrundet sind. Héctor läuft wie kein anderer, springt wie kein anderer, wie kein anderer klettert er auf Bäume, lässt Drachen steigen, macht einen Kopfstand, geht auf den Händen, badet im Fluss und schwimmt in jedem Stil, und in jedem macht er es gut. Er besteht jede Probe, die man ihm stellt. Einmal schwang er sich an ein paar Lianen von einem Baum zu einem anderen, wie Tarzan, sagte er. Oft gehen sie am Abend, kurz bevor es Nacht wird, zu den Pferdeweiden. Sie tun es um diese Zeit, da dann der alte Zambo[1], der sich um die Pferde kümmert, zu Hause ist, um zu baden und den Eintopf zu essen, den er sich selbst zubereitet. Es ist der günstigste Moment, um zu reiten. Es macht nichts, dass die Pferde nicht gesattelt sind; besser, besser, dass sie nicht gesattelt sind, schreit Héctor, der ungemein geschickt auf den rauhen Rücken eines Pferdes springt und über die Weide trabt, sich an der Mähne festhält und eine Hand hebt wie ein echter Cowboy. Sebastián reitet nie auf den Pferden. Er setzt sich auf einen Felsen, um Héctor über die Weide reiten zu sehen, Pferd und Mensch zu einer einzigen Kraft verschmolzen, bis der Mischling kommt und sie lauthals beschimpft. Héctor gleitet wie ein Lufthauch zu Boden, läuft, springt über das Weidengatter und verschwindet so schnell, dass es scheint, er wäre nie dort gewesen. Sebastián bleibt auf dem Felsen sitzen und wird von den Beleidigungen überhäuft, hört sich die Reihe von Flüchen an und zieht langsam, mit gesenktem Kopf ab, geht zum Fluss, wo jetzt der Reiter splitternackt badet, der Reiter, der ihn ins Wasser wirft und anschreit, Warum bist du geblieben? Bist du ein schwuler Feigling oder was? Infant, rotes Zimmer, Klematiden, goldene Lilien ... Vor zwei oder vielleicht drei Tagen wollte Héctor ihm beibringen, wie man einen Bocksprung macht. Sie probierten es den ganzen Nachmittag, aber Sebastián gelang es nicht. So sehr es Héctor auch versuchte, er sagte ihm viele Dinge, viele böse Worte sagte er, es gelang ihm nicht. Die schwachen, nutzlosen Arme Sebastiáns hielten nicht stand. Sebastián blieb am Boden liegen, hörte das Lachen des anderen, der von unten wie ein Riese aussah. Aber das Schlimmste war nicht Héctors Lachen, auch nicht seine eigene Ohnmacht, das Schlimmste war, dass eine Nachbarin, die gerade vorbeiging, auf die süßeste, liebevollste Weise zu ihm kam, seinen Kopf streichelte und ihm sagte, Du bist sehr intelligent, Sebastián, deine Welt sind die Buchstaben und die Zahlen, darin übertrifft dich keiner. Infant, erregende Düfte, Opalgläser, güldene Räucherpfannen ... Und der Nachmittag mit Carucha? Das ist der Name einer jungen Ziege, die die ganze Zeit über meckert, als wüsste sie, dass sie einmal als Eintopf enden würde. Eines Tages rief ihn Héctor, um ihm zu zeigen, dass Ziegen nicht nur zum Meckern und zum Gegessenwerden auf der Welt waren. Er befahl: Halt sie ganz fest am Kopf. Es war ein stiller, dunkler Nachmittag, es sah nach Regen aus und es schien, als wären sie die einzigen Bewohner des Planeten. Héctor ließ seine Hosen hinunter. Sebastián wurde sich mehr denn je zuvor der schwarzen Fülle an Haar rund um die nicht weniger mächtige Fülle an Männlichkeit bewusst, und mehr denn je kam ihm auch aufgrund des stolzen Blicks in den düsteren Augen des anderen die Befriedigung zu Bewusstsein, die Héctor angesichts seines eigenen Körpers fühlte, die Freude darüber, der zu sein, der er war. Héctor steckte seinen Mittelfinger in das Arschloch der Ziege, mit der anderen Hand berührte er seinen Schwanz, die Latte, den Ständer, das ist ein Ständer, sagte er und zeigte ihm, wie aufrecht er stand. Dann kam an die Stelle des Fingers der Schwanz, die Latte, der Ständer, und er begann, sich so zu bewegen, wie es die Hunde tun. Auf seinem kantigen Gesicht erschien der Ausdruck eines Menschen, der auf nichts sonst mehr achtet, so als würde er ein Gewicht heben oder etwas, das ihm Widerstand leistete, seine Augen waren geschlossen, der Mund geöffnet, ein Speichelfaden troff aus einem seiner Mundwinkel. Sebastián ließ Héctor mit der Ziege allein und ging nach Hause. Es begann zu nieseln. Wo warst du?, schrie die Mutter aus der Küche her, aber er antwortete nicht, schloss sich ins Badezimmer ein, zog sich nackt aus und wollte sich die edelsteinbesetzte Kette herunterreißen, die er nicht hatte.


 

  • [1] Zambo - Mischling aus Schwarzen und Indios


Published 2001-08-03


Original in Spanish
Translation by Georg Pichler
Contributed by Wespennest
© Wespennest
© Eurozine
 

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