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Sudden and slow-acting poisons

"Mittelweg 36" re-reads Jean Améry on torture; "Free Speech Debate" takes on hate speech laws and superinjunctions; "Esprit" enters the French debate on incest; "New Humanist" says rationalism won't stop witch hunters; "Merkur" makes the case for binding quotas for women; "Wespennest" calls for more women essayists; "Osteuropa" considers the future of European security; "Lettera internazionale" decolonizes the European mind; and "Sarajevo Notebook" seeks out the golden oldies of Roma pop.

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To hell in a handbasket

07.03.2012
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There's no neutrality of living



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Im Prisma des Lokalen

Die Dynamik der kulturellen Globalisierung

Während wir die Welt zur Haustür geliefert bekommen können, gehen gleichzeitig auch lokale Traditionen und Lebensformen schneller verloren als zuvor. Zugleich bietet unser Zeitalter aber auch die Möglichkeiten, diese Traditionen effektiver zu archivieren, und somit auch zu unterstützen. Globalisierung zeigt sich also als dialektischer Prozess, in dem Globalisierung und Lokalisierung, Konflikt und Kreolisierung Hand in Hand gehen, und der uns auch größere Chancen aber auch größere Risiken bereiten wird. Wir müssen lernen, neue Erfahrungen zu bewältigen.

Donnerstag morgen am Prenzlauer Berg, Berlin: Beim Frühstück mit Darjeeling aus der chinesischen Provinz Yunnan und biologisch-dynamisch angebautem Müsli aus der Uckermark über-fliegen wir die Süddeutsche Zeitung: Beim "Swiss Music Alpine Festival" im japanischen Norikura hat der koreanische Jodler Kim Chul Hong den ersten Platz gewonnen. Siemens und Fujitsu geben ihre Joint-venture Pläne bekannt. Der BBC World Service berichtet später über die neue Initiative der Grameen Bank in Bangladesch. Sie stellt ihren 2,1 Millionen Kreditnehmerinnen nun Mobiltelephone zur Verfügung und katapultiert damit eines der ärmsten Länder der Welt auf ungewöhnliche Weise ins Informationszeitalter. Im Kosovo sind die ersten KFOR-Truppen einge-troffen. Später am Tag erzählt die türkische Schneiderin von der Gründung der Drogen-Selbsthilfegruppe im Nebenhaus und der Entscheidung ihrer Tochter, in Zukunft verschleiert zur Schule zu gehen. Im Briefkasten liegt ein Rundschreiben der Gesellschaft für Bedrohte Völker: "Unterstützen Sie mutige Frauen in Kurdistan, Tibet, Äthiopien und Bosnien."

Meinte man vor einem Jahrzehnt noch, Weltbilder, Wirtschafts- und politische Systeme konkreten Orten zuordnen zu können, so wird dies heute fragwürdig. Globalisierung vollzieht sich in den unterschiedlichsten Bereichen und Dimensionen. Finanzen, Firmen, Ideen und Menschen sind so mobil wie noch nie zuvor. Aber während die wirtschaftlichen und politischen Fol-gen der weltumspannenden Vernetzung differenziert und kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert werden, bleiben die Auswirkungen auf Kultur und Alltagswelt merkwürdig unterbelichtet.

Folgen wir den öffentlichen Meinungsmachern dann läuft kulturelle Globalisierung auf eines von zwei Szenarien hinaus: Im weitverbreiteten Bild der globalen Kulturschmelze werden einst kulturell eigenständige Gesellschaften von weltweit verfügbaren Waren und Medien überrannt. In einer Welt, in der Menschen von Bratislava bis Bangkok Big Macs essen, Jeans tragen, auf raubkopierten Windows-Versionen arbeiten und MTV sehen, erscheint kulturelle Vielfalt akut bedroht. Und da die meisten der globalen Güter und Ideen westlichen Ursprungs sind, liegt es nah, in Globalisierung nur einen neuen Namen für Amerikanisierung oder Westernisierung zu sehen.

Die zweite, nicht weniger apokalyptische Zukunftsversion, sieht die Welt in kultureller Fragmentierung und interkulturellen Konflikt versinken. Als Antwort auf die Homogenisierung scheint den Menschen nur noch die Abschottung gegen Fremdeinflüsse und die Zuflucht zu einem übersteigerten ethnischen Bewußtsein übrig zu bleiben. Die These von Kultur als neuer Konfliktlinie - Huntingtons Kampf der Kulturen - scheint durch die wachsende Anzahl ethnischer und religiöser Konflikte in Afghanistan, Sri Lanka, Kaschmir, dem Kongo oder auf dem Balkan bestätigt zu werden.

Aus der von uns eingenommenen ethnologischen Perspektive wird jedoch keines dieser beiden Szenarien, und auch keine Kombination aus beiden (wie beispielsweise von Benjamin Barber in seinem Werk Coca Cola und Heiliger Krieg vertreten) den in Bewegung geratenen Grenzen zwischen Orten und Sprachen, Hautfarben und Lebensformen gerecht. Zum einen erweisen sich die Grundannahmen, auf denen die Homogenisierungs- und Fragmentierungsprognosen basieren, als unhaltbar. Kultureller Wandel ist nicht unweigerlich ein Nullsummenspiel und folgt einer wesentlich komplexeren Dynamik als von den genannten Autoren angenommen. Zum anderen werden Fragen nach der Bedeutung der zeitgenössischen Entwicklungen für die Menschen nicht beantwortet. Warum erlernen Deutsche asiatische Kampfsportarten? Warum ist die australische Seifenoper Neighbours die Lieblingsserie junger asiatischer Briten? Was versteht die pakistanische Regierung unter Menschenrechten?

Die ethnologische Linse

Erst aus der Zusammenschau der kulturellen Dimension und makroökonomischer und strukturpolitischer Perspektiven können wir zu einem differenzierten Bild der zeitgenössischen Globalität gelangen. Objektiv meßbare Daten zur Gesundheitsversorgung, Arbeitslosigkeit und Religionszugehörigkeit müssen zu der jeweiligen kulturellen Bewertung von Lebensstil, Fortschritt und Gleichberechtigung in Bezug gesetzt werden.

Ethnologie/ Anthropologie, die Wissenschaft vom Menschen, beschäftigt sich auf vielfältige Weise mit dem Aspekt des Menschen und seiner Lebenswelt, der erworben und nicht biologisch festgelegt ist. Gute Ethnologie verbindet detaillierte empirische Studien mit umfassenderen philosophischen und politischen Fragestellungen. Ein wesentliches Ziel dabei ist es, fremde Verhaltensweisen und Weltbilder aus einer immanenten Perspektive zu betrachten und anderen zugänglich zu machen. Ethnologie ist um eine holistische Sicht und Beschreibung der unterschiedlichsten gesellschaftlichen Phänomene bemüht, die von anderen Disziplinen meist getrennt untersucht werden. Das Zusammenspiel und die gegenseitige Durchdringung verschiedener Sphären wie Rechtspraktiken, Weltbilder und soziale Strukturen stehen im Vordergrund des Interesses.

Mittelpunkt der ethnographischen Methode ist eine längere, meist zwischen 12 bis 18 Monate dauernde Feldforschung. In der teilnehmenden Beobachtung können menschliche Praktiken und Verhältnisse ganzheitlich erfaßt werden und verbale Aussagen in ihrem Kontext untersucht werden. Denn oft widerspricht das, was Menschen sagen, ihren Handlungen. Für eine Studie über amerikanische Geschlechterverhältnisse fragte die Soziologin Arlie Hochschild zahlreiche Paare nach ihrer häuslichen Arbeitsteilung. Im gemeinsamen Haushalt, so schilderte eines der Paare im Interview, war der Mann für Ordnung und Sauberkeit des Erdgeschosses zu-ständig, während die Frau sich um die erste Etage kümmerte. Diese Aufteilung, von dem Paar als Beleg ihrer Gleichberechtigung angeführt, erschien jedoch in einem gänzlich anderen Licht, als die Soziologin das Haus der beiden besuchte. Im Erdgeschoß befanden sich Hobby-raum und Garage, im ersten Stock Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer, sowie Küche und Bad! Für die Ehepartner stellte Gleichberechtigung offensichtlich einen so hohen Wert dar, daß sie ihre eigenen Praktiken nur verzerrt wahrnahmen bzw. nach außen hin falsch darstellen mußten.[2]

Der ganzheitliche Anspruch der Ethnologie ist im Zeitalter der weltumspannenden Vernetzung immer schwerer einzulösen und stellt die Disziplin vor neue theoretische und methodologische Aufgaben. Immer seltener sind Kultur, Gesellschaft und Ort deckungsgleich. In einer Welt, in der die Kontakte zwischen räumlich weit voneinander entfernten Gesellschaften exponentiell zunehmen, läßt sich das traditionelle Forschungsgebiet der Ethnologie (außereuropäi-sche, vormoderne Gesellschaften) nicht mehr isolieren. Zeitgenössische ethnologische Forschung hat die künstliche Trennung zwischen Wir (im Westen) und den Anderen (der Rest der Welt) überwunden und untersucht das moderne Leben überall: Afrikanische Managementtechniken, Vermarktungsstrategien der französischen Rhonetal-Bauern oder die Lebensentwürfe junger Deutscher.

Wir wollen mit unserer Ethnologie der Globalisierung weniger ein Zukunftsszenario entwerfen - Wie sieht eine vollkommen globalisierte Welt aus? Wird es Frauen in der nächsten Dekade besser gehen als heute? - vielmehr kulturelle Dynamiken und Entwicklungstendenzen in den verschiedensten Lebensbereichen aufzeichnen. Die oft im luftleeren Raum der Theorie entworfenen Gewißheiten über die kulturellen Folgen von Migration, Kulturkontakt oder Mas-senmedien sollen durch empirische Fallbeispiele aus verschiedenen Weltregionen veranschaulicht, widerlegt oder differenziert werden.

These 1: Menschen interpretieren globale Waren und Ideen höchst unterschiedlich

Das Homogenisierungszenario geht davon aus, daß die weltweite Verbreitung westlicher Struktu-ren und der Konsum importierter Güter alleine schon vereinheitlichend wirkt. Im Bild der Kulturschmelze lassen sich Menschen weltweit passiv von Fremdeinflüssen überrollen, weichen willenlos multinationalen Konzernen und übernehmen unhinterfragt die Moralvorstellungen amerikanischer Serienhelden. Doch Gesellschaften gehen mit Fremdeinflüssen auf vielfältige Weise um. Das Spektrum reicht von Widerstand über kreative Aneignung bis hin zu unkritischer Über-nahme.

Widerstand durch soziale Bewegungen und Aktivistennetze

Welche kulturellen Einflüsse sich weltweit verbreiten, welche Nachrichten empfangen oder Waren erworben werden können, hing bis vor kurzem maßgeblich von den internationalen Beziehungen und Handelsabkommen der verschiedenen Staaten ab. In jüngster Zeit sind es neben Staaten insbesondere alternative soziale Bewegungen, die die Logik der neuen Weltordnung herausfordern. Gegen die Auswirkungen der Globalisierung richten sich so diverse Gruppen wie die militante amerikanische Rechte, islamische Fundamentalisten, Umweltaktivisten, Femini-stinnen oder indigene Bevölkerungen, wobei jede der genannten Gruppen sich auf höchst unterschiedliche globale Entwicklungen bezieht.[3] Die Aktionen dieses breiten Spektrums von poli-tisch progressiven bis ethnozentrisch reaktiven Bewegungen, unterscheiden sich insbesondere durch ihre transnationale Dimension von früheren Formen des Widerstands. Zwar wurden auch einige der großen Kampagnen des 19. Jahrhunderts von internationalen Organisationen geführt, wie etwa der Kampf um die Abschaffung der Sklaverei, für das Frauenwahlrecht oder gegen die chinesische Praxis des Einbindens der Füße. Der Großteil des Widerstands erfolgte aber innerhalb lokaler Gemeinschaften, und für Gruppen mit geringen finanziellen Ressourcen oder wenig politischem Einfluß gab es kaum Chancen, eine größere Öffentlichkeit zu mobilisieren.[4]

Die heutigen sozialen Bewegungen erlangen insbesondere durch die Benutzung der neuen Kommunikationsmedien internationale Aufmerksamkeit. So bauten mexikanische NGOs Anfang der 90er Jahre mit Hilfe der katholischen Kirche, nordamerikanischen Computer-Experten und Geldern der Ford-Stiftung das alternative Computernetz La Neta auf. La Neta, ursprünglich genutzt für den Austausch zwischen mexikanischen und nordamerikanischen Frau-eninitiativen, wurde zum zentralen Medium im ersten sogenannten "Netzkrieg", dem Aufstand der Zapatisten. Die Rebellion der indianischen Bauern und maoistischen Intellektuellen, begonnen am ersten Tag des Inkrafttretens des NAFTA-Abkommens im Januar 1994, rückte durch den geschickten Einsatz von Videos und des Internets die soziale Ausgrenzung der indigenen Bevölkerung und die politische Korruption in Mexiko ins Licht einer weltweiten Öffentlichkeit. Die Mitteilungen von Subkommandante Marcos, geschrieben auf seinem Laptop im Regenwald von Chiapas, mobilisierten weltweit Solidaritätsbekundungen und -allianzen. Der Sieg der Zapatisten an der virtuellen Front war ausschlaggebend für das Einlenken der mexikanischen Regierung und den Beginn von Verhandlungen.

Transnationalen Aktivistennetzen stehen eine ganze Bandbreite von Instrumenten zur Verfügung, um Druck auf Regierungen und Firmen auszuüben. Ihr Einfluß und Erfolg läßt sich jedoch oft nur schwer ermessen. Denn selbst wenn einzelne Ziele nicht erreicht werden, so kön-nen die von den NGOs geleistete Aufklärungsarbeit und die neu geschaffenen Kommunikationsstrukturen langfristig nachhaltige Veränderungen zur Folge haben. Ein Beispiel hierzu: Seit vie-len Jahren werden die Regenwälder der beiden malaysischen Provinzen Sabah und Sarawak auf Borneo systematisch von internationalen Firmen abgeholzt. Die vollständige Zerstörung der Regenwälder in Sabah erfolgte zunächst ohne internationale Aufmerksamkeit. Doch Ende der 80er Jahre formierte sich in Sarawak eine breitgefächerte transnationale Koalition aus malaysischen und internationalen NGOs sowie lokalen Dayak-Gemeinschaften, die gegen die Vernichtung ihres Lebensraums z.T. mit medienwirksamen Straßenblockaden kämpften.[5] Die Umweltorganisationen konnten ihren Protest an die International Tropical Timber Organization (ITTO) richten, die Ende der 80er Jahre mit der Ausführung des UN-initiierten International Tropical Forest Timber Agreement and Action Plans beauftragt worden war. Geschickt verknüpften die Aktivisten die ökologischen Auswirkungen der Abholzung mit dem Überlebenskampf indigener Gruppen, insbesondere der nomadischen Penan, und vergrößerten dadurch ihre internationale Solidaritätsbasis.

Nach jahrelangem Kampf ist die Erfolgsbilanz gemischt. Das eigentliche Kampagnenziel, die Abholzung Sarawaks zu stoppen, ist gescheitert. Bald wird das Gebiet vollständig ent-waldet sein, mit verheerenden ökologischen und menschlichen Folgen für die lokale Bevölkerung. Auf diskursiver und organisatorischer Ebene war die Arbeit der Aktivisten jedoch durchaus erfolgreich. Zum einen sind auf organisatorischer Ebene um die ITTO neue Strukturen entstan-den, die in Zukunft effektivere Lobbyarbeit ermöglichen. Das Schlagwort der nachhaltigen Waldnutzung hat in den Aktionsprogrammen von Malaysia, ebenso wie in den offiziellen Diskurs anderer Tropenholz-Exportstaaten, Eingang gefunden (mit Folgen, die es abzuwarten gilt). Zum anderen bewirkten die Konsumentenboykotte, zu denen NGOs wie Sahabat Alam Malaysia, Survival International und das World Rainforest Movement aufgerufen hatten, in den wichtigsten Importländern ein neues Konsumentenbewußtsein, das zu einem signifikanten Rückgang des Tropenholzhandels führte. Alleine in den Niederlanden ging die Einfuhr von Tropenholz zwischen 1990 und 1995 um 50% zurück, und Malaysias Tropenholzexporte nach Europa sind in den 90er Jahren um die Hälfte geschrumpft.

Business-Lunch bei McDonald's

Menschen begegnen Neuem aber nicht nur mit Widerstand, sie integrieren es in ihr eigenes Weltbild. Wir alle sind tagtäglich mit der Aneignung fremder Waren und Ideen beschäftigt. Gesellschaften benutzen Fremdes um, wie der Ethnologe Marshall Sahlins schreibt, "mehr wie sie selbst zu werden". Dieser Aneignungsprozeß läßt sich selbst in bezug auf solche Metasymbole der Homogenisierung wie Coca Cola und McDonald's beschreiben.

Jeden Tag betreten 30 Millionen Menschen eine McDonald's Filiale. Alle drei Stunden eröffnet irgendwo auf diesem Planeten ein neuer McDonald's, so daß heute in über 100 Ländern der Hunger auf Big Mac & Co gestillt werden kann. Auf den ersten Blick erscheint McDonald's wie kaum eine andere Warenkette den weltweiten Einfluß nordamerikanischer Lebensge-wohnheiten zu verdeutlichen. Dieser globale Siegeszug hat den amerikanischen Soziologen George Ritzer sogar zur These der "McDonaldisierung der Welt" inspiriert. Eßgewohnheiten und Geschmäcker werden vereinheitlicht und die vom Fastfood-Riesen verkörperten Prinzipien wie Rationalisierung, Standardisierung, Vorhersehbarkeit und Erschwinglichkeit finden weltweit Verbreitung.

Ethnographische Untersuchungen in verschiedenen Ländern[6] widerlegen jedoch, daß diese mit der "McDonaldisierung" verbundenen Merkmale sich weltweit ausbreiten und für den Erfolg der Fastfood-Kette ausschlaggebend sind. Zwar sind einige zentrale Elemente des standardisierten McDonald's-Systems an vielen Orten angenommen worden, andere Aspekte stoßen jedoch auf Widerstand: Warteschlangen und Selbstbedienung werden fast überall akzeptiert, Ostasiaten ignorieren aber im Allgemeinen das unausgesprochene Fastfood-Gebot, daß Kunden auf schnellen Service mit ebenso schnellem Konsum zu reagieren haben. In Seoul, Hongkong oder Taipeh sitzen Schüler und Studenten oft stundenlang in ihrer McDonald's-Filiale, erledigen Hausaufgaben, lernen für Prüfungen und entkommen auf diese Weise der häuslichen Enge und der Hektik des urbanen Lebens. Gerade für Frauen bietet McDonald's einen neuen öffentlichen Raum, jenseits der von Männern dominierten Teehäuser und Restaurants: Hier wird kein Alkohol ausgeschenkt, das Management schützt die Frauen vor Belästigungen und behandelt sie genauso wie männliche Kunden.

Oft erweisen sich gerade solche Aspekte für den Erfolg als ausschlaggebend, die für westliche Betrachter eher marginalisiert sind. So gelten überall in Ostasien die sauberen und geräumigen Toiletten von McDonald's als einer der Hauptgründe für einen Besuch. Bis zum Einzug von McDonald's war der Besuch einer öffentlichen Toilette in Hongkong oder Peking ein Wagnis. Die amerikanische Firma wird gemeinhin als Katalysator für veränderte Hygienestan-dards in der ostasiatischen Gastronomiebranche angesehen.

Für chinesische Geschäftsleute bietet McDonald's einen Ausweg aus einem kulturtypischen Dilemma: Essenseinladungen werden von Geschäftsleuten genutzt um sich gegenseitig auszustechen. Wer bestellt die teuersten Speisen und Getränke? In traditionellen Restaurants sind Gastgeber besorgt, daß am Nachbartisch aufwendigere Gerichte konsumiert werden und sie dadurch ihr Gesicht verlieren. Bei McDonald's ist das Menü standardisiert, jeder Kunde erhält die gleiche Qualität. Hier kann man unbesorgt sein, daß das Essen am Nachbartisch für Verlegenheit sorgt.

Für den Erfolg in den USA ist das Selbstverständnis des Unternehmens als "freundlicher Dienstleister" maßgeblich erfolgsbestimmend. Alle Mitarbeiter durchlaufen ein Training im "Service with a smile". Doch erstaunlicherweise führte gerade diese Philosophie zu einer Reihe interkultureller Mißverständnisse. In Hongkong und Peking hatte das lokale Management große Schwierigkeiten, den Angestellten das Lächeln beizubringen, und die chinesischen Kunden fühlten sich von der lächelnden Bedienung auf den Arm genommen. Lächeln ist engen Freunden und Verwandten vorbehalten und gilt Fremden gegenüber als unpassend. Auch in Moskau war das Lächeln erklärungsbedürftig: In den ersten Wochen nach der Eröffnung der McDonald's-Filiale verkündete eine Angestellte per Megaphon: "Die Angestellten werden Sie anlächeln. Dies bedeutet nicht, daß sie sich über Sie lustig machen. Wir lächeln, weil wir glücklich sind, Sie zu bedienen".

McDonald's hat in bestimmten Sphären weitreichende kulturelle Veränderungen ausgelöst. So war es früher in Japan undenkbar, mit den Händen, geschweige denn im Stehen zu essen. Beides sind heute akzeptable Praktiken, auch wenn Japaner bemüht sind, direkten Fingerkontakt zu vermeiden und den Hamburger in Papier einwickelt verzehren. Und während bis dato Geburtstagsfeiern in ostasiatischen Gesellschaften keine Rolle spielten und Geburtstdaten meist nur für Horoskopberechnungen von Interesse waren, feiern heute chinesische oder japanische Kinder ihren Geburtstag vorzugsweise bei Auntie McDonald.

In kulturvergleichenden Fallstudien wird deutlich, daß der Konzern außerhalb den USA nur anfänglich als Ausdruck amerikanischer Lebensart angesehen wurde. Insbesondere für Kinder ist "Macki" Teil der jeweils eigenen nationalen Kultur. Japanische Pfadfinder waren ange-nehm überrascht "ihren" McDonald's auch in Chicago anzutreffen. McDonald's selbst bezeich-net sich als multilokale Firma. Die Geschäftsführung beschäftigt vor Ort fast ausschließlich einheimische Manager und Mitarbeiter und arbeitet mit lokalen Zulieferern zusammen. Die Produktpalette spiegelt kulturelle Vorlieben und Nahrungsregeln wieder: In Israel werden koschere Hamburger (Käse und Fleisch getrennt) serviert, in Indien können Muslime, Hindus und Jains ihre religiösen Essensvorschriften befolgen und zwischen Vegetable McNuggets und Hammel-Maharaja-Mac wählen, während McLaks (gegrillte Lachssteaks mit Dillsauce und Vollkornbrot) norwegische Gourmetherzen höher schlagen läßt.

Globale Fastfood-Ketten ergänzen das lokale Angebot eher, als das sie dieses verdrän-gen. Der Erfolg ausländischer Fastfood-Ketten hat an vielen Orten sogar zu einer Blüte lokaler Snacks beigetragen. In Peking boomen die 1.000 Filialen der einheimischen Fastfood Company, die gebratene Ente und Reis, chinesische Klöße, Nudel- und Fleischtaschen anbieten. Und mit dem Verkauf der traditionellen russischen Hausmannskost pirogi als Take-Away-Variante ha-ben die Ruskoje Bistros auch in Moskau McDonald's den Rang abgelaufen.

Ähnlich wie bei globalen Restaurantketten geht auch in der Medienlandschaft der Trend der strukturellen Monopolisierung und vertikalen Integration mit einer Entwicklung der kulturellen Ausdifferenzierung einher, die auf der unterschiedlichen Nutzung und Interpretation der Medien basiert. Anfang der neunziger Jahre fesselte die australische Seifenoper Neighbours die asiatischen Jugendlichen im Süd-Londoner Stadtteil Southall. Die Kinder der Einwanderer aus dem Punjab verfolgten mit Begeisterung das Leben der Bewohner der fiktiven Ramsey Street. In Alltagsgesprächen wurde immer wieder auf die Serie angespielt, und für Außenstehende war es oft schwer festzustellen, ob die Jugendlichen gerade über ihre realen Freunde und Verwandten redeten oder über TV-Charaktere.

Doch was genau faszinierte die Jugendlichen? Die australischen Lebensverhältnisse per se wurden nicht als erstrebenswert angesehen. Ebenso wenig identifizierten sich die jungen britischen Asiaten direkt mit den Protagonisten der Serie. Was das Leben in Ramsey Street mit ihrem eigenen Leben in Southall verband, waren vielmehr die dichten sozialen und familiären Netze in beiden Gemeinschaften, durch die ein hoher Grad an Kontrolle, insbesondere über die Mädchen, ausgeübt wurde. Klatsch und Tratsch waren in beiden Welten an der Tagesordnung. In Southall waren es insbesondere Mütter und ältere Tanten, die den Klatsch anheizten und das Verhalten der Jugendlichen auf Schritt und Tritt verfolgten und kommentierten. Diese rigide Kontrolle wurde von vielen Einwandererkindern in London, die auf der Suche nach ihrer Identität als britische Asiaten waren und die traditionellen Lebensmuster ihrer Eltern nicht übernehmen wollten, als beengend und bedrohlich erlebt. In Neighbours sahen die Jugendlichen, wie ihre fiktiven australischen Altersgenossen mit Klatsch, elterlicher Autorität und Generationskonflikten umgingen. In ihrem Freundeskreis konnten die jungen asiatischen Briten Probleme wie Gewalt in der Familie oder romantische Beziehungen nicht direkt ansprechen, ohne gegen izzat, die Familienehre, zu verstoßen. In den Diskussionen über das Verhalten der australischen Protagonisten kamen diese tabuisierten Themen jedoch indirekt zur Sprache, und die Jugendlichen waren in der Lage, ihre eigenen Standpunkte zu artikulieren. Sie waren sich sehr wohl bewußt, so die Medienwissenschaftlerin Marie Gillespie[7] , daß ihr kultureller Hintergrund andere Lösungen als die in der Seifenoper dargebotenen erforderte - sie wollten ihre Herkunft als Muslime, Sikhs oder Hindus nicht verleugnen, sondern diese mit ihrem britischen Wohnort in Einklang bringen.

These 2: Globalisierung geht mit einer neuen kulturellen Diversität einher

Globalisierte Finanz- und Warenmärkte, weltweite Medienstrukturen und Migrantenströme haben zu einer exponentiellen Zunahme kultureller Austauschprozesse geführt. Im Zuge dieser Kontakte verschwinden zahlreiche indigene Lebensformen und Denkweisen. Fischfangtechniken und schamanistische Rituale der kanadischen Inuit geraten in Vergessenheit, und Sprachwissenschaftlern zufolge werden nur 10% der heute noch über 6.500 gesprochenen Sprachen das Ende des nächsten Jahrhunderts überleben.

Der Globalisierungsprozeß führt jedoch auch zur Entstehung neuer Kulturformen und Lebensweisen. Durch die weltweite Verfügbarkeit bestimmter Waren und Ideen verändern sich lokale Kulturen und gehen ungewohnte Kombinationen miteinander ein. Die Grenzen zwischen dem Eigenen und dem Fremden verwischen. Diese Kulturmelange läßt sich an Individuen beobachten, kennzeichnet zunehmend aber auch ganze Gesellschaften. Tiger Woods, der shooting-star des internationalen Golfsports, bezeichnet sich selbst als "Cablinasian", um auf seine kaukasischen, schwarzen, indianischen und asiatischen Vorfahren hinzuweisen. Und sind nicht die deutsch-türkische Rapperin Aziza-A und Noah Gabriel Becker die typischen Deutschen von morgen? Immerhin werden in wenigen Jahren 40-50% aller Kinder und Jugendlichen in deut-schen Großstädten aus Zuwanderer-Familien kommen, und heute schon entstammt jedes 9. Neugeborene in Deutschland einer interkulturellen Partnerschaft. Die neu entstehenden Ge-meinschaften, wie die der Latinos oder der Afro-Deutschen, verändern das Deutsche auf unspek-takuläre aber nachhaltige Weise.

Die neuen Kultur- und Identitätsformen lassen sich vor dem Horizont unseres herkömmlichen Kulturverständnisses nicht adäquat erfassen. Kulturelle Unterschiede zwischen Menschen werden gemeinhin aus ihren spezifischen historischen Ursprüngen abgeleitet. Kultur stellt - auch nach dem Bild der klassischen Ethnologie - eine klar abgegrenzte, relativ statische Einheit dar. Die Welt gleicht einem Mosaik, dessen Steinchen die Kulturen sind. Kultur und lokale Gemeinschaft sind in diesem Bild identisch.

Der Ethnologe Ulf Hannerz[8] arbeitet daher mit dem Begriff der Kreolisierung, welcher der Vermischung, den Widersprüchen und durchlässigen Grenzen von Bedeutungssystemen gerecht zu werden versucht. Dieser aus der Linguistik entlehnte Begriff bezeichnet ursprünglich die neu entstandenen Sprachen in der Karibik, die eine Mischung aus der jeweiligen Kolonialsprache und afrikanischen Sprachen sind. Auf Alltagskultur übertragen, versucht der Begriff jener neuen Diversität gerecht zu werden, die stärker auf Verbindungen als auf Autonomie basiert. Kultur wird nicht als statisches, in sich geschlossenes System, sondern als ein Fluß von Bedeutungen angesehen, der fortwährend alte Beziehungen auflöst und neue Verbindungen eingeht.

Ganze Industrien leben von den neuen Mischungen. In der Musikbranche bedienen sich Musiker der Stile und Rhythmen aus aller Welt. Die südafrikanische Kwaito-Musik, ein Amalgam aus Rap, HipHop und afrikanischem Pop wird als Lebensgefühl der jungen Regenbogennation zelebriert, und Peter Gabriel oder das Kronos Quartet haben durch die afrikanische Einfärbung ihrer Musik Millionenbeträge eingespielt.

Apache Indian, ein in England geborener Punjabi, verbindet in seiner Musik traditionelle indische Banghra- und Dancehallmusik mit jamaikanischem Reggae. Apache rapped zu Reggaerythmen, die mit indischen Perkussionsinstrumenten wie dhol und tabla , indischer Filmmusik und traditionellen religiösen Melodien unterlegt sind. In den Texten verbindet sich American und British English mit jamaikanischem Englisch und Punjabi. Die Songs handeln von den typischen Problemen junger Asiaten in Großbritannien, von Generations- und Kulturkonflikten. Arranged Marriage (1993) beispielsweise beschreibt das Dilemma asiatischer Jugendlicher, zwischen der indischen Praxis arrangierter Ehen und westlichen Vorstellungen von romantischer Liebe einen eigenen Weg zu finden:

(...) "Now me done get marry but me start to worry,
Me have to tell you something mom would you help me,
about me arrange marriage me have a problem,
when is the right time to tell me girlfriend,
beca the time has come mon fe Apache, Fe find one gal and get marry, (...)"

Apaches Musik, Banghramuffin genannt, hat einen Raum für neue Identitätsbezüge geschaffen. Neben asiatischen Jugendlichen beider Geschlechter mischen sich weiße Reggaefans in die Banghramuffinszene, und in Indien gilt Apache als einer der großen Superstars. Apache erklärt sich seinen Erfolg bei den asiatischen Einwandererkindern folgendermaßen:

"I was from a new generation of Asian kids who were brought up alongside black kids, but we had no street culture or heroes to relate to - all we had were videos from India. We were discouraged from talking about things like sex or contraception or arranged marriages. The new generation of Asian kids wanted to talk about these things and we wanted a street culture of our own. (...) The new generation of Asian kids have a new culture that consists of a lot of different things - an asian thing, a white thing and a black thing. The Asian thing is still very important to them, but I want to put all these things together to take our culture forward".[9]

Nicht nur Lebensformen vor Ort wandeln sich, geographische Räume an sich verändern für eine wachsende Anzahl von Menschen ihre Bedeutung. Migranten, Jugendliche, Internet-benutzer, Künstler oder Wissenschaftler bilden transnationale Gemeinschaften, die durch soziale, berufliche und ideelle Gemeinsamkeiten miteinander verbunden sind. Noch ist wenig erforscht, inwieweit sich transnationale Kulturen und Identitäten von ortsgebundenen unterscheiden; kulturvergleichende Studien hierzu stecken noch in den Anfängen.[10]

Die Ethnologin Aiwa Ong beschreibt die familiären und wirtschaftspolitischen Strategien wohlhabender Auslandschinesen.[11] Diese verteilen ihre Geschäftsaktivitäten, Wohnsitze und Familien je nach den Erfordernissen des globalen Kapitalismus in Hongkong, Kalifornien, Kanada oder Australien. Rezidenzrechte werden in Kanada oder Fidschi, den Philippinen oder Tonga für sechsstellige Dollarsummen erkauft. Die praktizierte "flexible Staatsangehörigkeit" ermöglicht ihnen, die Vor- und Nachteile einzelner Staaten zu umgehen bzw. auszuschöpfen. Loyalität empfinden die Geschäftsmänner letztlich nur für die im Geschäft mitarbeitenden Söh-ne. Die Frauen dieser vielbeschäftigten, auch "Astronauten" genannten Männer, bezeichnen sich in den Vereinigten Staaten als "Witwen" und ihr Nachwuchs sind die "Fallschirmkinder", vom Vater über einem schönen Vorort in Südkalifornien aus dem Flugzeug abgeworfen. Die vollständig den Anforderungen des globalen Kapitalismus angepaßte Familienpraxis relativiert die von Asiaten ebenso wie westlichen Beobachtern eloquent vorgetragenen These, familiärer Zusammenhalt (zentrales Element der vielgepriesenen "asiatischen Werte") sei das Erfolgsrezept der Chinesen.

These 3: Die Ausdifferenzierung der Welt erfolgt über ein globales Referenzsystem

Im Schatten von Menschenrechtsdeklarationen, Madonna und Microsoft entsteht heute eine Globalkultur. In diesem weltweiten Referenzsystem werden Unterschiede artikuliert und Gemeinsamkeiten gefunden, treten vorher unverbundene Lebenswelten zueinander in Bezug. Immer mehr Menschen beziehen sich heute auf eine wachsende Anzahl universeller Kategorien, Konzepte und Standards und auf einen ebenso wachsenden Strom überall verfügbarer Waren und Geschichten.

Innerhalb der Globalkultur manifestieren sich unterschiedliche Positionen, die den ständigen Hegemonialbestrebungen der Teilnehmer ausgesetzt sind. Die Globalkultur ist kein machtfreier Raum, in dem jeder höflich um seine Meinung gebeten wird. Jede Differenz muß ausgehandelt und die eigene Position verteidigt werden. Die Strukturen der Globalkultur sind nicht unter gleicher Partizipation aller Kulturen entstanden und fördern auch nicht automatisch die Entwicklung hin zu einer faireren Welt. Ein Großteil der Kategorien und Standards sind west-lichen Ursprungs. Rechtliche, technologische oder institutionelle Ausformungen der Globalkul-tur sind primär auf westliche Bedürfnisse abgestimmt und spiegeln die Realitäten zahlreicher nichtindustrialisierter Gesellschaften kaum wider. Andere Kulturen sind jedoch zunehmend an der Ausgestaltung der Globalkultur beteiligt und fordern westliche Maßstäbe und Perspektiven heraus.

Durch die Entwicklung eines gemeinsamen Referenzsystems werden wir nicht alle gleich, wir präsentieren nur unsere Unterschiede zunehmend auf eine einander ähnliche Weise. Die Globalkultur stellt eine "Struktur gemeinsamer Unterschiede" ( Richard Wilk ) dar, innerhalb derer wir kulturelle Besonderheiten definieren müssen, um einander zu verstehen und gegenseitige Anerkennung zu erlangen. Aus dem ganzen Kosmos potentieller Unterschiede werden bestimmte hervorgehoben, andere ignoriert oder unterdrückt. Bei der neuen Hegemonie handelt es sich um eine strukturelle und weniger um eine inhaltliche Hegemonie. Strukturen und Konzepte, wie Menschenrechte, Schönheitsideale oder Organisationsprinzipien finden weltweite Verbreitung. Ihre Ausgestaltung und Umsetzung kann je nach Ort und Kultur stark variieren.

Die Entwicklung und Ausgestaltung globaler Begriffe und Handlungsstrategien läßt sich an der Geschichte der Frauenrechte und insbesondere der Genese des Konzepts "Gewalt gegen Frauen" darstellen. Vor 30 Jahren besaßen Frauen nur geringe Kenntnisse über die Lebensbe-dingungen von Frauen in anderen Teilen der Welt. Seit den 70er Jahren, als eine Reihe von Organisationen gegründet wurden, die sich explizit der Förderung von Frauen verschrieben, ist die Frauenbewegung weltweit sprunghaft gewachsen. In Kirgisien gibt es zwar erst 20 Frauen-gruppen, in Kenia dagegen sind es 26.000. Frauenthemen wurden zunächst ausschließlich aus einem westlichen Blickwinkel artikuliert. Die universelle Gültigkeit von Idealen wie persönliche Entfaltung, Gleichstellung am Arbeitsplatz oder dem Recht auf Abtreibung erschien westlichen Feministinnen selbstverständlich. In gemeinsamen Foren mit Frauen aus anderen Kulturen und Kontinenten, besonders auf den großen UN-Weltfrauenkonferenzen, wurde jedoch schnell deutlich, daß Frauen in den verschiedenen Kulturkreisen sehr unterschiedliche Interessen und Ziele verfolgten. So stand in südlichen Ländern nicht die individuelle Selbstbestimmung, sondern die wirtschaftliche und rechtliche Gleichstellung von Frauen im Vordergrund. Islamische Frauen, Afro-Amerikanerinnen oder Afrikanerinnen beziehen sich heute zwar auf das Konzept "Feminismus", verstehen aber oft völlig Unterschiedliches darunter. Die internationalen Frauen-Netzwerke werden auf der einen Seite immer zahlreicher und grenzüberschreitender, anderer-seits läßt sich eine starke Ausdifferenzierung der Themen und Strategien beobachten.

Um über kulturelle Grenzen hinweg die Situation von Frauen zu verbessern, mußten gemeinsame Interessen gesucht und mit einem standardisierten Vokabular artikuliert werden. Ein solcher gemeinsamer Nenner wurde im Konzept "Gewalt gegen Frauen" gefunden. Vor 20 Jah-ren wurde "Gewalt gegen Frauen" weder von Frauen- noch von Menschenrechtsgruppen thematisiert. Keine der 30 Artikel der Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung (1980) beschäftigt sich mit Gewalt. Inzwischen ist der Begriff zum wichtigsten Leitprinzip der weltweiten Frauenbewegung avanciert. Sein Erfolg liegt darin, daß unter dem Oberbegriff "Gewalt gegen Frauen" höchst verschiedene Fraueninteressen subsumiert werden und Frauen aus den unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Milieus sich dazu in Bezug setzen können. Themen wie Vergewaltigung und häusliche Gewalt in den USA und Europa, Verstümmelung der Genitalien in Afrika, sexuelle Versklavung in Asien und Europa, Witwenverbrennung und Abtreibung weiblicher Föten in Indien, Folter und Vergewaltigung von politischen Gefangenen in Lateinamerika mögen auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Die übergeord-nete Kategorie "Gewalt", die im Dialog zwischen den verschiedensten Frauenorganisationen entstand, ermöglichte es jedoch, diese unterschiedlichsten Erfahrungen und Probleme zusammenzufassen, um auf transnationaler Ebene gemeinsam für das Recht auf körperliche Unver-sehrtheit zu kämpfen. Mit dem neuen Konzept konnte sowohl die Indifferenz eines extremen Kulturrelativismus als auch die Arroganz des westlichen Imperialismus überwunden werden. Die Kampagne um "Gewalt gegen Frauen" erlangte weltweite Aufmerksamkeit (u.a. auch durch die Massenvergewaltigungen im früheren Jugoslawien) und beeinflußt die diskursive und faktische Politik von Staaten und internationalen Organisationen. So verabschiedete beispielsweise die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eine Konvention, die Staaten verpflichtet, Frauen gegen Gewalt zu schützen, und Frauen berechtigt, eine Petition an die OAS zu richten. Auf der Menschenrechtskonferenz in Wien 1993 wurden Frauenrechte in die Menschenrechtsagenda aufgenommen und ein spezieller Berichterstatterposten für "Gewalt gegen Frauen" eingerichtet.[12]

Die Globalkultur ist nicht allumfassend. Globalität ist für die meisten Menschen weniger eine Zustandsbeschreibung als ein Potential. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert leben wir offensichtlich nicht in einer grenzenlosen Weltgesellschaft, sondern in vielen parallelen, sich überlappenden Welten Nach wie vor gibt es nicht miteinander vereinbar scheinende Differenzen. Staaten wie China, Malaysia und Singapur, ebenso wie islamistische Staaten, nehmen für sich in Anspruch, eigenständige Entwicklungswege zu gehen. Wie solche "parallelen Modernen" in einer immer enger vernetzen Welt aussehen werden, ist eine offene Frage. Kein Staat kann seine Subjekte heute mehr hermetisch vor Fremdeinflüssen abschirmen, so daß es selbst in Ländern wie Afghanistan, Burma und dem Sudan Bevölkerungsgruppen gibt, die aktiv grenzübergreifenden Austausch suchen und die für sich relevanten Kategorien und Konzepte der Globalkultur aufgreifen. Und was wird beispielsweise geschehen, wenn Star-TV-Gründer und Hong Kong-Tycoon Richard Li in Zusammenarbeit mit Intel die Fernseher sämtlicher chinesischer Haushalte mit Internetzugang aufgerüstet hat?[13]

These 4: Kultur stellt eines der bedeutendsten globalen Konzepte dar und wird höchst unter-schiedlich instrumentalisiert

Das Konzept "Kultur" ist in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Bezugsrahmen für Grup-pen weltweit geworden. Indigene Völker, ethnische Minderheiten, aber auch transnationale Zusammenschlüsse wie die der Schwarzen, Homosexuellen oder Native Americans berufen sich auf ihre kulturellen Besonderheiten, um Anerkennung zu erlangen, Rechte im nationalen Raum durchzusetzen und Förderungen zu erhalten. Viele dieser Bewegungen haben erkannt, daß ihre Anliegen nur auf der globalen Ebene Gehör finden und mit Hilfe globaler Strukturen durchgesetzt werden können. Innerhalb der Globalkultur sind internationale Strukturen entstanden, die Anerkennung und Rechte von Minderheiten fördern (wie das World Council of Indigenous Peoples der UN, Amnesty International oder die Gesellschaft für Bedrohte Völker). Zugleich müssen sich die um Rechte kämpfenden Gruppen den Anforderungen des globalen Referenzsy-stems anpassen. Um von Menschen außerhalb der eigenen Gruppe gehört und verstanden zu werden, artikulieren sie ihre kulturellen Besonderheiten auf eine standardisierte Art und Weise. Jede "Kultur" beruft sich auf weltweit gültige Kategorien (eigene Sprache, Lebensstile, Weltbil-der oder Rituale) entlang derer sie sich voneinander unterscheiden. Nur durch ein gemeinsames Vokabular und interkulturell verständliche Kategorien können transnationale Allianzen aufgebaut werden, brasilianische Indios mit den Penan auf Borneo korrespondieren oder Deutsche sich an Unterschriftenaktionen gegen den Uranabbau im Gebiet der australischen Aborigines beteiligen.

Die Instrumentalisierung von Kultur geht mit einem neuen Bewußtsein für die eigenen Besonderheiten einher (während vorher die eigene Lebensweise unreflektiert als Norm betrachtet oder im Verhältnis zur Mehrheitskultur als minderwertig angesehen wurde). Dies birgt die Gefahr der Verabsolutierung kultureller Unterschiede und eines von Haß und Rassismus geprägten Ethnozentrismus. In Ethnographien über die Ursachen ethnischer oder ethnisch-religiöser Gewalt in Burundi, Nordirland und Jugoslawien wird deutlich, daß körperliche Gewalt zwischen ehemals friedlich koexistierenden Bevölkerungsgruppen eng mit einer existentiellen Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität verbunden ist. Diese kognitive Unsicherheit (wer bin ich? wer ist der andere?) nimmt im globalen Zeitalter zu und kann, politisch instrumentalisiert, in mörderischen Ethnozentrismus umschlagen.[14]

Viele Gemeinschaften, von den indischen Dalit bis zu den japanischen Ainu, nutzen dagegen das neue kulturelle Selbstbewußtsein, um ihr kulturelles Überleben zu sichern, Würde und Anerkennung zu erlangen. In vielen Teilen der Welt findet eine Rückbesinnung indigener Gemeinschaften auf ihre "traditionelle Kultur" statt. Diese Entwicklung wird unter anderem durch das Interesse einer wachsenden Zahl von Touristen vorangetrieben, für die ein gelungener Urlaub auch Einblicke in fremde Lebensweisen beinhalten soll. Auf diese Nachfrage reagieren Regierungen und Bewohner mit der Vermarktung ihrer Geschichte und Kultur.

Wer dem deutschen Winter entfliehen und in eine paradiesisch fremde Welt eintauchen will, den führt der Weg vielleicht nach Bali. Die indonesische Insel gilt als "Paradies der Paradiese" und "Reich der Götter" und fasziniert Reisende mit ihrer farbenprächtigen hinduistischen Kultur. Die Reisende erlebt einen Rausch der Sinne. Gamelanmusik und opulente Opfergaben begegnen ihr auf Schritt und Tritt. Kaum einer der jährlich 800.000 Besucher verläßt die Insel, ohne einer Tempelprozession oder der Vorführung des Trancetanzes Kecak beigewohnt zu haben.

Doch die "typische" Kultur Balis ist nicht das Resultat einer isolierten historischen Ent-wicklung, sondern das Produkt interkultureller Kontakte. Im frühen 20. Jahrhundert galt Bali im Westen als "wild", "barbarisch", "grimmig" und "kriegslüstern". Erst durch eine Gruppe holländischer Kolonialisten und amerikanischer bzw. europäischer Auswanderer erhielt die balinesische Kultur ihr romantisches Image als "verzauberte Insel", in dem der religiöse und künstlerische Aspekt der Gesellschaft alle anderen Realitäten in den Hintergrund drängt. Während sich das balinesische Selbstverständnis bis zu den dreißiger Jahren stark von den Vorstellungen der Europäer unterschied, übernahmen die Balinesen, und später der indonesische Staat, das westliche Klischee und setzten es für ihre eigenen Interessen ein. In den Jahren des Aufbaus der in-donesischen Nation griff Sukarno, selbst Anhänger der Theosophie, auf das kunst- und kulturla-stige Bali-Bild zurück und erhob die Insel zur Mutterkultur Indonesiens und zum kulturellen Mu-seum des altjavanischen Hinduismus. Das Bali-Bild half Sukarno auch bei der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes. Kulturtourismus, der auf Bali seit den sechziger Jahren gezielt gefördert wird, stellt eine lukrative Einnahmequelle dar. Rituale und künstlerische Ausdrucksformen haben in den Jahren des intensiven Kontakts mit Fremden massiv zugenommen. Balinesische Kultur ist gerade wegen, nicht trotz ihrer Vermarktung so ausgeprägt wie nie zuvor.[15]

Ein anderes Beispiel für die Entstehung neuer kultureller Identitäten im Spannungsfeld kapitalistischer Wirtschaftsstrukturen sind die Mam im südlichen Mexiko. Die heute als Mam bekannten Indios verstanden sich bis vor kurzem nicht als eigene ethnische Gruppe. Sie leben auf beiden Seiten der mexikanisch-guatemaltekischen Grenze und sind weitgehend akkulturiert. Infolge der massiven wirtschaftspolitischen Veränderungen durch das NAFTA-Abkommen sahen mexikanische Kleinbauern wie die Mam sich gezwungen, ihre landwirtschaftliche Produktion völlig auf die Regierungsrichtlinien abzustimmen. Die staatlich propagierte Exportpolitik schrieb die Industrialisierung der Landwirtschaft durch Mechanisierung, intensiven Gebrauch von Kunstdünger und Einsatz von genetisch verändertem Saatgut vor. Diese Politik trieb die ehema-ligen Subsistenzbauern in eine Abwärtsspirale. Industriell gefertigte Nahrungsmittel begannen, die vor Ort angebauten Lebensmittel zu ersetzen und verschlechterten die ehemals ausgewoge-nen Nahrungsgewohnheiten der Indios. Die Abhängigkeit von chemischen Düngemitteln, anfangs kostenlos verteilt, später nicht mehr subventioniert, führte dazu, daß die Hälfte des erzielten Ernteertrages für den Erwerb von Pestiziden verwendet werden mußte. Zugleich sanken die Erträge aufgrund der abnehmenden Bodenqualität und die Mam zahlten hohe Summen an Zwischenhändler. Krankheitsfälle häuften sich, die von den Mam auf den Einsatz chemischer Mittel zurückgeführt wurden.

Um einen Ausweg aus dieser Misere zu finden, begannen die Mam Mitte der 80er Jahre ihre Anbaumethoden erneut umzustellen. In Workshops, u.a. initiiert von der katholischen Kir-che, begannen die Mam ihre eigene Vergangenheit bewußt zu erforschen. Dieser zum Teil utopischen Rekonstruktion zufolge, lebten die Mam in harmonischem Einklang mit der Natur, zollten ihren Ältesten Respekt und arbeiteten für das Gemeinwohl. Man kam zu dem Schluß, daß diese rekonstruierten traditionellen Prinzipien sich ideal mit dem Genossenschaftsprinzip (nach dem Vorbild der klassischen englischen Arbeitervereinigungen des 19.Jahrhunderts) und den Richtlinien des ökologischen Anbaus verbinden ließen. Diese entsprechenden Anbau- und Organisationsmethoden, in Kombination mit der bewußten Konstruktion einer Identität als "Letzte überlebende Maya-Indianer", eröffnete ihnen eine lukrative Nische auf dem Weltmarkt. Der von 80 Mam-Gemeinschaften produzierte organisch angebaute Kaffee wird heute, u.a. mit Hilfe nordamerikanischer Indianer, in die USA, nach Europa und Japan vermarktet. Mit jährlichen Umsätzen von 7 Millionen US Dollar ist das Auskommen der Mam gesichert.[16] Im Zuge der Globalisierung verschwinden bestimmte Lebensformen und Denkweisen. Kopfjagd auf den Philippinen ist verboten und Ganzkörpertätowierungen auf Sulawesi werden immer seltener. In dem Moment, in dem Lebensformen verschwinden, geht kulturelles Wissen verloren. So manches Produkt der internationalen Pharmaindustrie verdrängt indigenes Heilwissen bayrischer und thailändischer Großmütter. Viele indigene Gemeinschaften, von den Amazonasbewohnern bis zu den Polynesiern, besitzen herausragende botanische Kenntnisse. Ein Großteil ihrer Heilmethoden geht verloren, ein Teil der indigenen Medizin findet jedoch Eingang in den globalen Produktkreislauf. So holen sich pharmazeutische Firmen Rezepte bei indigenen Völkern, repro-duzieren diese im Labor und vertreiben diese Arzneimittel weltweit. Sie verkaufen sie auch an die Völker, von denen die Rezepte stammten, die auf dem Gebiet der modernen Medizin aber als unwissend beschrieben werden.[17]

Der Untergang von Lebensformen und Weltbildern ist jedoch nichts Neues, neu ist nur die Geschwindigkeit dieser Entwicklungen im globalen Zeitalter. Isolierte, autonome Partikularismen, falls es sie jemals in Reinform gegeben hat, haben in unserer Zeit nur geringe Überlebenschancen.

Durch die neu entstehenden kreolisierten Kulturformen wird die Vielfalt der Lebensfor-men nicht eingeebnet, sondern nimmt neue, ihre Vorgänger zum Teil integrierende Formen an. Durch Institutionen wie Archive, Museen und Schulen geht zugleich immer weniger Wissen verloren, und neue Kommunikationstechnologien wie das Internet erleichtern den Zugriff auf Information. Noch haben wir wenig Erfahrung, wie indigenes Wissen mit Hilfe von digitalen Medien aufbereitet werden kann. Was sich jedoch heute schon abzeichnet, ist, daß einzelne Gesellschaften die neuen Medien für sich nutzen können, um sich selbst darzustellen, ihre eigenen Traditionen zu verbreiten und an nachfolgende Generationen zu vermitteln.[18] So wird das Inter-net genutzt, um bedrohte Sprachen wiederzubeleben, Durch das hawaiianische Mailbox-Projekt Leoki konnte die eigene Sprache wieder an die jüngeren Generationen weitergegeben werden. Das Projekt war so erfolgreich, daß an einigen Schulen des Inselstaats Hawaiianisch wieder als Unterrichtssprache gewählt werden kann.[19]

Aus der kulturellen Perspektive erweist sich Globalisierung als ein hochgradig dialektischer Prozeß. Homogenisierung und Ausdifferenzierung, Konflikt und Kreolisierung, Globalisie-rung und Lokalisierung stellen keine einander ausschließenden Entwicklungen dar, sondern bedingen sich gegenseitig. Bestimmte Konzepte und Strukturen des modernen Lebens werden mit der Globalisierung weltweit verbreitet. Zugleich nehmen kulturelle Besonderheiten durch die Relativierung von lokalen Lebensweisen vor dem Hintergrund globaler Strukturen schärfere Konturen an oder werden überhaupt erst geschaffen. Globalisierung ist kein automatischer Prozeß, an dessen Endpunkt uns eine konflikt- und machtfreie Idealwelt erwartet, sondern das globale Zeitalter birgt größere Chancen und größere Risiken als die vorangegangenen Epochen. Da sich im gegenwärtigen globalen Entwicklungsprozeß Umkehr oder Abkopplung nicht als ernsthafte Alternativen anbieten, brauchen wir geeignete Strategien für die Bewältigung der neuen Erfahrung. "Da wir nicht zur Ignoranz zurückkehren können, müssen wir zum Verstehen voranschreiten."[20]

 

  • [1] Wir möchten uns bei den Teilnehmern des Workshops ²Politics of Culture: East and West² am IWM in Wien vom 7-9. Mai 1999 für ihre Anregungen und Kritik bedanken.
  • [2] Arlie Hochschild, The Second Shift, New York 1989.
  • [3] Manuel Castells, The Power of Identity, Oxford 1997, S. 68 ff.
  • [4] Margaret E. Keck / Kathryn Sikkink, Activists Beyond Borders. Advocacy Networks in International Politics, Ithaka 1998, S. 150 ff.
  • [5] Siehe auch die Home Page der Sarawak Peoples Campaign www.rimba.com/spc/spchomepage.html
  • [6] Vgl. z.B. James L. Watson (Hg.), Golden Arches East: McDonald¹s in East Asia, Stanford 1997.
  • [7] Marie Gillespie, Television, Ethnicity and Cultural Change, London 1995.
  • [8] Ulf Hannerz, Cultural Complexity, New York, 1992.
  • [9] Zitiert in: Tim Taylor, Global Pop: World Music, World Markets, London 1997.
  • [10] James Clifford, "Diaspora", in: Cultural Anthropology Nr. 9, 1994, S. 302-338.
  • [11] Aiwah Ong, "Flexible Citizenship among Chinese Cosmopolitans", in: Pheng Cheah und Bruce Robbins (Hg.) Cosmopolitics. Thinking and Feeling Beyond the Nation, Minneapolis 1998; siehe auch den Beitrag von Pal Nyiri in Transit 17 (1999).
  • [12] Margaret E. Keck, Kathryn Sikkink, a.a.O., S. 165 ff.
  • [13] Vgl. Douglas McGill in: Wired, May 1999, S. 161-188.
  • [14] Arjun Appadurai, "Dead Certainty: Ethnic Violence in the Era of Globalization", in: Public Culture 19(2), 1998, S. 225-247.
  • [15] Adrian Vickers, Bali. Ein Paradies wird erfunden, Bielefeld 1996.
  • [16] Rosalva Aída Hernández Castillo und Ronald Nigh, "Global Processes and Local Identity among Mayan Coffee Growers in Chiapas, Mexico", in: American Anthropologist 100 (1), 1998, S. 136-147.
  • [17] Laura Nader (Hg.), Naked Science, New York 1996.
  • [18] www.nativeweb.org
  • [19] Nils Zurawski, "Zur Selbstorganisation im Netz: Ethnizität und elektronische Kommunikationstechnologien", in: Zum Thema Nr. 24, 1998 (www.zum-thema.com).
  • [20] Janet Abu-Lughod, "Going Beyond Global Babble", in: Anthony King (Hg.), Culture, Globalization and the World-System, London 1991.


Published 2000-07-11


Original in German
Contributed by Transit
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